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Mittwoch, 29. Oktober 2014

Die Glasstraße - Flotte Knobelaufgabe mit Anspruch

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Andere schreiben über die Neuheiten der Spiel 2014 - ich schreibe heute über eine Neuheit der Spiel 2013. Warum? Ganz einfach weil ich echt spät dran bin mit meinem Probespielen. Es haben sich ganz einfach zu viele Neuheiten in meinen Spieleschrank verirrt, sodass eine Rezension zur Glasstraße von Uwe Rosenberg bis heute warten musste. Schlimm? Nö! Warum auch. Es ist nie zu spät ne gute Geschichte zu erzählen. Und vielleicht ist der Feuerland-Titel ja so manchem schon aus dem Gedächtnis gerutscht. Zeit für Auffrischung.


Die Glasstraße bietet auf den ersten Blick gewohnte Rosenberg-Kost. Was dem Feld seine Siegpunkte sind oder dem Teuber sein Catan, das ist halt dem Rosenberg sein Bauernhof. So richtig weg kommt er ja vom Landwirtschaftsthema nie. Dieses mal befinden wir uns im bayrischen Wald und versuchen Ziegel und Glas herzustellen. Das können wir wahlweise als Einzelkämpfer (mit einer interessanten Solovariante) oder als Gruppe von bis zu vier Spielern. Während wir unser ganz persönliches Stück Land roden, bewirtschaften und bebauen, haben wir nur eins im Blick - Siegpunkte. Hauptmotor dabei sind zwei herausstechende Mechanismen: Ressourcenumwandlung und Aktionskartenwahl.
Zugegeben: Gegenüber Spielen, bei denen ich vor dem ersten Spiel basteln muss, bin ich meistens schon mal recht skeptisch eingestellt. Bei der Glasstraße musste ich gleich mehrere Ressourcenräder zusammenstecken. Die stellen übrigens Ziegelbrennereien und Glasbläsereien dar. Is klar, ne? Was aber auf den ersten Blick recht nüchtern wirkt, entpuppt sich beim Spiel bald als geniales, vereinfachtes Ressourcenrad, was zeitgleich Anzeiger über den eigenen Vorrat und Umwandler in einem ist. Der Clou: Sammle ich je eine benötigte einfache Ressource, wird das Rad automatisch weitergedreht und eine neue wertvollere Ressource produziert (inkl. aktualisierter Anzeige des status quo). Clever und einfach gelöst. Das gefällt und imaginärer Facebookdaumen hoch.
Mechanismus 2 - der Aktionskartenmechanismus: Hier hoffe ich auf eine günstige Auslage meiner Mitspieler. Da die Anzahl der eigenen gespielten Karten so stark begrenzt ist, entsteht eine gewollte Aktionsknappheit. Gut nur, dass ich eine vorher ausgewählte Handkarte im Zug meines Mitspielers ausspielen darf, wenn dieser die gleiche Aktion wählt. Schon bald entsteht hier ein schönes Kopfkino. "Peter spielt bestimmt den Holzfäller!".... "Spielt Peter den Holzfäller?".... "Was wäre wenn Peter garnicht den Holzfäller spielt?" ... "Verdammt er spielt den Wasserträger?? Den Wassertträger???!". Und schwupps bin ich dabei den Zug meiner Mitspieler zu analysieren. Planung des eigenen Zuges scheint zwar wichtig, aber viel wichtiger ist das Erahnen der Züge meines Gegners.
Und so sammeln sich Ressourcen, Karten werden gespielt und Punkte gewonnen. Habe ich die riesige Kartenauslage erwähnt an Gebäuden? Ich meine die, bei der nichtmal jedes Spiel die Hälfte zu sehen ist und die für einen enormen Wiederspielreiz sorgt. Nein? Okay, die ist halt auch typisch Uwe. Nicht der Rede wert.


Die Glasstraße bietet große Strategie in ganz kleiner Zeit. Es ist erfrischend eine so schöne Denkaufgabe in so angenehmer Spieldauer zu bekommen. 20 Minuten pro Spieler treffen es da nämlich schon ziemlich gut. Und dennoch: Irgendwie fehlt immer ein Zug. Nur ein Zug! Dann wäre meine Maschinerie so richtig losgegangen. Aber so? Grad so eben durchgewurschtelt. Trotzdem hat´s Spaß gemacht. Und irgendwie ist es ja auch so viel schöner grad eben noch alles so halb fertig gestellt zu haben und Zug um Zug ums Überleben kämpfen zu müssen.
Die Glasstraße ergänzt das noch sehr kleine Spielekontingent von Feuerland gut. Gerade nach dem Einstiegshit Terra Mystica hatte ein zweiter Titel von Hause aus einen schweren Stand. Umso erfreulicher dafür, dass die Glasstraße diese schwere Aufgabe gemeistert hat.
Dennoch (und jetzt nicht falsch verstehen) ist die Glasstraße kein Strategiehit und vielleicht wird das Spiel auch nicht an Rosenberg-Klassiker wie Agricola, Bohnanza oder Caverna rankommen, aber gerade die sehr kurze Spieldauer macht Lust auf weitere Runden. Wer also mal eben Lust auf einen anspruchsvolleren Absacker hat, der ist hier durchaus gut aufgehoben - und das auch noch ein Jahr nach Erscheinen.





Die Glasstraße von Uwe Rosenberg
Erschienen bei Feuerland
Für 1 bis 4 Spieler in ca. 60 Minuten
Boardgamegeek-Link


Vielen Dank an Feuerland für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!
sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Feuerland)
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Sonntag, 26. Oktober 2014

Neu auf Kickstarter - 44. Kalenderwoche

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Kickstarter-Lektion Nummer 1: Mach was aus Deinem Video auf der Projektseite, denn es wird das erste sein, was ein möglicher Interessent sich anschaut. Merke dabei, dass auch mit geringen finanziellen Mitteln durchaus etwas passables und interessantes dabei rausspringen kann.
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Donnerstag, 23. Oktober 2014

Meine Spiel 2014 - Ein ganz persönlicher Rückblick

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"Ich bin dann mal weg!" So sagte es ja bereits ein bekannter deutscher Entertainer vor einigen Jahren. Tatsächlich hat die Spiel in Essen und der Weg dorthin fast ja schon etwas pilgerhaftes. Unzählige Menschen aus unzähligen Ländern der Welt machen sich jedes Jahr auf den Weg zur größten Spielemesse der Welt. Ach was sage ich des Universums! Dabei konnte uns dieses Jahr nicht einmal die GdL mit ihrem Lokführerstreik stoppen. Mich ohnehin nicht - ich bin nämlich mit dem Auto gekommen. Ätsch! Ist ja auch viel entspannter, so ganz ohne Rollkoffer und vollen Tüten in der stickigen Bahn, dafür gemütlich auf der A3 vor Leverkusen im Stau stehen. Dabei ging das dieses Mal eigentlich. Und nach ca. 3h Fahrt waren wir dann auch endlich da - zu spät allerdings für Imperial Assault. Gut nur, dass ich erst daheim gelesen habe, dass es das überhaupt schon dieses Jahr auf der Messe im freien Verkauf geben sollte.

Die Messe war mal wieder ziemlich voll. Dabei scheint zu gelten: Donnerstag ist der neue Samstag, denn auch schon dort war es proppe voll. Es spricht sich wohl rum. Mein Plan: Nächstes Mal einfach alle austricksen und am Wochenende kommen. Denn wenn jeder denkt, dass am Wochenende viel los ist und dafür am Donnerstag kommt, dann habe ich am Samstag freie Fahrt. Aber mal ehrlich: Der Trubel gehört doch auch irgendwie dazu. Eine Messe ohne am Heidelberger Schnäppchengang an der nächstbesten Achselhöhle zu schnuppern, ist doch irgendwie so gar keine Messe, oder? Und irgendwie gehört auch das ewige Maurer-Dekolleté dazu, was die Blicke unweigerlich, wie die Gaffer bei einem Unfall auf der Gegenspur, anzieht. Sei´s drum!

Spiele gab es übrigens auch. Ganz viele. In irgendwelchen schlauen Statistiken habe ich gelesen, dass es über 850 Neuheiten gewesen sein sollen. Ich stoße ja jetzt schon an meine Grenzen im Spieleregal, also wo soll das denn bitte noch enden? Gut, dass ich mittlerweile vernünftig geworden bin und so konnte ich meinen Kaufrausch auf 10 Spiele inkl. Erweiterungen beschränken. Da ist also noch genug Budget für die ein oder andere Kickstarterkampagne übrig. Wieder was gespart! Gespielt auf der Messe selbst habe ich dieses Mal aber nicht. Das hing in erster Linie damit zusammen, dass ich nur einen Tag vor Ort war. Da blieb dann einfach keine Zeit zum Spielen. Dafür aber für den ein oder anderen Plausch mit dem ein oder anderen Designer oder Kollegen. Und somit kann ich nun voller Stolz verkünden der Inhaber eines der legendären Kuh-Comics von Ignacy Trzewiczek zu sein. Geht oder? Was ich viel bemerkenswerter finde, ist eigentlich, dass ich den Namen eben ohne vorher nachzuschauen fehlerfrei getippt habe. Dabei haben doch einige Experten sogar Probleme mit der bloßen Aussprache. Netter Typ übrigens. Super nett ist auch Johannes Sich, den ich dann auch endlich mal in natura kennenlernen durfte (hier hatte ich ihm schon mal ein paar Fragen gestellt). Ob er wohl gemerkt hat, dass ich in den "harmlosen" Plausch die ein oder andere investigative Frage zu möglichen Erweiterungen für sein Debut-Spiel La Cosa Nostra eingebaut habe? Das besagte Spiel konnte ich übrigens taufrisch am Freitagabend austesten. Super. Echt super! Soviel vorweg. Vielleicht folgt ja in den nächsten Wochen dann auch mal etwas ausführlicheres.

10 Titel sind es bei mir also geworden. Nichts spektakuläres, keine Geheimtipps. Die überlasse ich lieber den Experten. Aber ich verrate Euch trotzdem mal, was ich so gekauft habe:

  • La Cosa Nostra
Tolles, super thematisches Mafiaspiel. Wer, so wie ich, es liebt andere zu hintergehen (natürlich nur im Spiel...) und ohne Rücksicht auf Verluste auf Sieg zu zocken, der wird es lieben. Ganz zu schweigen vom traumhaften Artwork.

  • Terra Mystica Erweiterung
Terra Mystica gehört für mich zu den besten Eurospielen, die es gibt. Auch wenn ich noch nicht alle Völker des Grundspiels gespielt habe (wir ziehen immer Farben zufällig), bin ich super gespannt auf die neuen Rassen; und vielleicht ziehe ich dann ja auch mal was anderes als rot (nehmt´s mir nicht übel ihr Giganten).

  • Greenland
Der neue Phil Eklung war für mich eigentlich ein Pflichtkauf. Zudem brauche ich echt mal ein paar Spiele nur für drei.

  • Lost Legacy
Ich habe gehört, dass Spiele von Japon Brand echt begehrt sind. Da hab ich mir doch gleich mal eins vorbestellt. Außerdem liegt es voll im Trend Microgames zu kaufen.

  • The Walled City: Londonderry & Borderlands
Hatte ich schon lange ein Auge drauf. Josh Cappel ist zudem einer meiner Lieblingsgrafiker. Der saftige Preis von 50,00 EUR (ohne die angekündigten Promos) hat mich dennoch kurz überlegen lassen. Als dann aber der nette Verkäufer vom Schwerkraft Verlag meinte, dass er bei dem Preis am Spiel garnichts verdienen würde, da die Waren per Expressfracht nach Essen mussten (Zollprobleme), habe ich aber beschlossen ihm aus der finanziellen Notlage zu helfen und habe den "Fuffi" hingelegt.

  • Imperial Settlers
Ich bin großer Ignacy-Fan, daher Vorbestellung. Als ich "dem Meister" dann in bester Fanmanier Honig um den Mund geschmiert habe und ihn für sein literarisches Talent (siehe Boardgames that tell Stories) gelobt habe, kam er nicht drum herum mir einen Kuh-Comic auf den Schachteldeckel zu malen. So macht man das!

  • Corto Erweiterung
Corto steht ja schon seit Ewigkeiten auf meiner To-Do Liste für den Blog. Eigentlich wollte ich aber der Erste im deutschsprachigen Rezensionsraum sein, der eine Corto-Rezension verfasst (Leser-Aquise und so). Leider kam mir dann die Spielbox zuvor und jetzt ist das Spiel ein wenig auf der Liste nach unten gerutscht - dabei hat die Spielbox doch schon genug Leser. Trotzdem ein fantastisches Spiel mit tollen Komponenten. Die Erweiterung bringt einen zusätzlichen Comicstrip. Ich freu mich!

  • Samurai Spirit
Der neue Bauza. Artwork fantastisch. Habe ich dann auch gleich mal Freitag angespielt. Wir sind kläglich gescheitert. Erstes vorsichtiges Fazit: Knallhart aber vielleicht zu glücksabhängig?

  • Euphoria: Build a better Dystopia
Nun auch endlich auf deutsch. Habe ich auch schon gespielt. Ich kann jedem nur raten gut zu würfeln. Am besten sind Paschs. Dann sollte eigentlich nichts mehr schiefgehen. Trotzdem beachtlich tiefes Thema in einem doch eher klassischen Euro-Gewand. Demnächst gibts hier vielleicht auch mal die volle Rezension.

  • Sons of Anarchy: Grim Bastards
Das Grundspiel ist ja schon irgendwie ziemlich nett. Die Jungs von GaleForce9 haben es halt echt drauf eine Lizenz würdig zu verwursten. Auf der Messe habe ich dann das Goodie der fünften Fraktion gesehen. Ganz versteckt in einem Karton hinter der Verkaufsfläche. Ein paar Gesprächsfetzen und ein paar mal unauffällig mit dem Presseausweis wedelnd später, hatte ich dann die Jungs irgendwie in meiner Tasche liegen. Praktisch.

Das soll mein Spiel 2014 Erlebnis in aller Kürze gewesen sein. Wie war es bei Euch?
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Sonntag, 19. Oktober 2014

Neu auf Kickstarter - 43. Kalenderwoche

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Ja ich war auch auf der Messe. Ziemlich inkognito aber. Kauftechnisch habe ich mich aber auch relativ gut zurückhalten können... naja wie man´s nimmt. Meine ganz persönlichen Messeerfahrungen gibts dann übrigens auch demnächst in einem extra Beitrag. Jetzt heißt es schließlich mal wieder: Neu auf Kickstarter. Und was ist da so neu?
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Sonntag, 12. Oktober 2014

Neu auf Kickstarter - 42. Kalenderwoche

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Messewoche. Trotzdem ein paar sehr interessante Projekte. Ab sofort wird es hier bis kommenden Montag auf dem Blog still. Ich bin nämlich voll im Messemodus. Vielleicht wird gelegentlich gezwitschert oder gefacebooked. Wer mir noch nicht folgt, hat nun also allen Grund. Und vielleicht sieht man sich ja mal im Getümmel. Over and out!
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Mittwoch, 8. Oktober 2014

Machi Koro - Siedlopoly

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Dass Machi Koro japanisch ist und so viel wie "Stadt würfeln" bedeutet, das dürften hinlänglich diverse selbsternannte "Japan-Experten" klargestellt haben. Daher gibts bei mir mal eine neue Vokabel: Uma. Uma bedeutet Pferd. Was das jetzt allerdings mit Machi Koro zu tun hat, da bin ich mir selbst noch nicht so sicher. Fakt ist allerdings, dass ich damit die, aktuell anscheinend feststehende, Einleitung zu Machi Koro Rezensionen mit Bravour durchbrochen habe. BAM! Und jetzt zum Sport mit Peter.


In Machi Koro sind wir frischgebackene Bürgermeister einer aufstrebenden kleinen Gemeinde. Während unsere Bürger von Dingen wie einem Bahnhof, einem Einkaufszentrum, einem Funkturm oder sogar einem Freizeitpark träumen, haben wir alle Hände voll zu tun, um aus diesen Träumen Realität werden zu lassen. Doof nur, dass uns aktuell dafür lediglich ein Weizenfeld, eine Bäckerei und ein kleiner Holzwürfel zur Verfügung stehen. Auch doof, dass wir unsere Nachbardörfer im Auge haben müssen. Denn mittlerweile ist ein inoffizieller Wettbewerb unter uns Bürgermeistern ausgebrochen, möglichst schnell, möglichst alle Wünsche der Bürger zu erfüllen. Da geht es doch bestimmt insgeheim um die Verteilung von irgendeinem Fördertopf, oder?
Was dann passiert simuliert den Politikalltag in einer 100-Seelen-Gemeinde vermutlich perfekt. Ich nehme den kleinen Holzwürfel, werfe ihn und schaue dann was passiert. Verschiedene Gebäude haben - wie wir alle wissen - verschiedene Zahlen und die Leute darin produzieren auch nur Geld, wenn eben genau diese Zahl gewürfelt wird. Klingt komisch - ist aber so! Aber Obacht! Auch im Zug meines Mitspielers kann etwas für mich abfallen. So gibt es Gebäude die immer Zahltag haben, Gebäude, die nur bei meinem Zug Zahltag haben, Gebäude die meinen Zahltag durch andere Spieler finanzieren und Gebäude, die meine Zahltage verbessern.
 


Habe ich gewürfelt und meine Finanzen erledigt, geht es über zum Investment. Neue Gebäude braucht die Stadt. Brauchen wir ein Restaurant oder doch lieber ein zweites Weizenfeld? Fächere ich mich breit oder konzentriere ich mich auf meine Glückszahl? Hier werden aus ehemals ähnlichen Gemeinden Stück für Stück individuelle Städte. Und wer zuerst die vier Spezialgebäude gebaut hat, gewinnt das Spiel und freut sich (vermutlich über eine Wiederwahl).

Machi Koro ist klein und schnell gespielt. Kaum dauert eine Runde länger als 30 Minuten. Würfeln, Geld nehmen / geben und kaufen. Fertig. Nächster. Das lässt keine Langeweile aufkommen. Geschickt gelöst dabei ist, dass man auch beim gegnerischen Zug aufpassen muss, da sonst wertvolle Taler des Restaurants flöten gehen. Das ist schön. Nicht so schön ist die Vielfalt. Anfangs entwickeln sich die einzelnen Städte zwar deutlich in unterschiedliche Richtungen, aber später scheint es mir oft eine gute Idee zu sein, sich breit aufzustellen. Hinzu kommen die dann doch sehr stark beschränkten Gebäudetypen. Hier ist Luft für Erweiterungen und die werden ja bekanntlich kommen.
Ansonsten ist die Einfachheit Machi Koros seine größte Stärke. Machi Koro kann als "Einstiegsdroge" für Neulinge in der Szene dienen. Ich kann das Prinzip in ca. zwei Minuten sowohl einem 7-jährigen Kind erklären, als auch einem 88-jährigen rüstigen Rentner. Zudem orientiert sich der Spielverlauf an zwei Klassikern: Die Siedler von Catan und Monopoly. Ich habe die glückslastige Ertragsphase aus dem Teuber-Klassiker und dann das klassische rudimentäre Investmentprinzip aus Monopoly - nur eben das Ganze in einer knackigen Zeit. Geschickt.
Aber auch für Vielspieler ist Machi Koro etwas. Zwar nicht als ganz großer Happen, aber dann doch als Absacker, als Zwischengang, Vorrunde oder eben als Mitbringsel zu den Familienfesten, um bekennende Nichtspieler in die wundervolle Welt der Brettspiele einzuweihen. Machi Koro bietet die Grundlagen, der Rest ergibt sich von ganz allein.





Machi Koro von Masao Suganuma
Erschienen bei Kosmos
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 30 Minuten
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Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!
sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Kosmos)
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Sonntag, 5. Oktober 2014

Neu auf Kickstarter - 41. Kalenderwoche

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Wer auf Echtzeit-Spiele steht, der wird diese Woche bei den News mal beide Augen aufhalten müssen. Ansonsten haben wir ein kleines mitnehmbares Deduktions-,Memory-, Puzzlespiel. Klingt langweilig? Muss es aber nicht sein. Ganz im Gegenteil. Wer also noch interessiert ist und noch etwas Kleingeld vor der Messe entbehren kann, der liest weiter. Alle anderen aber bitte auch.
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Mittwoch, 1. Oktober 2014

BattleLore (Zweite Edition) - Command and Colors goes Terrinoth

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Eine Erfolggeschichte muss man weiterführen! Richard Borg ist in der Brettspielwelt bekannt für seinen bisher einzigartigen Mechanismus, der komplexe strategische Entscheidungen auf dem Schlachtfeld auf das Essentielle herunterbricht und zwar stark vereinfacht und dennoch spannend darstellt. Das Geheimrezept? Die Ungewissheit des Krieges. Ich kann noch so gut den Gegner berechnen, meine Flanken noch so gut schützen. Ein Rest Ungewissheit bleibt doch. Die Möglichkeit für einen Überraschungseffekt! Wir reden vom so genannten "Command and Colors-Prinzip".


Memoir 44 führte dieses Prinzip erfolgreich in die Geschichte des Zweiten Weltkrieges ein. Schon bald konnte man nicht nur den Sturm auf die Normandie mit Alliierten und Deutschen nachspielen, sondern auch auf zahlreichen anderen Kriegsschauplätzen im Pazifik oder in Sibieren sein Können unter Beweis stellen. 
Was gut lief, wurde schon bald mit BattleLore weitergeführt. Der doch so historisch anmutende Konflikt des Hundertjährigen Krieges wurde mal eben mit Fantasyelementen aufgemotzt. Und gleich mal zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sollen doch die Engländer mit Goblins und die Franzosen mit Fröschen kämpfen. Oder so ähnlich.
Und was eben gut läuft....genau! BattleLore (Zweite Edition) macht nun noch einen Schritt weiter. Das historische Thema ist vollends gewichen und dafür mal eben ein bekanntes Fantasyuniversum draufgebaut worden. Die Welt um Terrinoth ist ja bekannt aus guten und stimmungsvollen Spielen wie Runewars oder Runebound oder Rune Age. Eins vorweg: Runen gibts in BattleLore irgendwie nicht. Komisch. Und auch Waiqar den Untotenlord oder die Latarielfen sind nicht mit von der Partie. Aber es muss ja auch noch Platz für Erweiterungen geben, richtig? Natürlich richtig!


Das Prinzip bei BattleLore ist hingegen klassisch. Zwei Spieler lassen die Uthluk Dämonen und die Daqan-Lords in diversesten Szenarien gegeneinander antreten. Dabei darf jede Seite auf eine Vielzahl an unterschiedlichen Einheiten zurückgreifen. Ziel ist es aber nicht etwa die gegnerische Seite vollends aus zu löschen, sondern vielmehr szenariospezifische Siegpunktbedingungen zu erfüllen. Oft heißt das: Kontrolliere Region X oder Y möglichst lange. So entstehen immer wieder verbissene Kämpfe um ein Farmhaus, einen Hügel, eine Waldlandschaft oder eine Brücke.
Garnicht klassisch hingegen ist der Aufbau. Um die Unwissentheitskomponente bei BattleLore noch stärker aus zu prägen, ist jedem Spieler nur die Landkarte seiner Hälfte zu Beginn bekannt. So weiß ich weder, ob ich eine flussreiche Landschaft zu erwarten habe oder doch eine gebirgsreiche, noch ob mein Gegner durch die Kontrolle von Region A oder B Siegpunkte erhält. Ist der erste Überraschungseffekt einmal geglückt, werden die Starteinheiten ausgesucht und platziert. Bereits hier werden erste wichtige Entscheidungen getroffen. Möchte ich lieber viele von den dicken Dämonen oder doch lieber noch ein paar von den schaurig aussehenden Schoßhündchen? Die gesamte Aufbau- und Planungsphase dauert bereits jetzt fast schon so lange, wie das anschließende Scharmützel dauern wird.
Und nun kann es aber losgehen! Abwechselnd entscheide ich mich für eine meiner Hand-Strategiekarten. Mit diesen aktiviere ich nicht eine x-beliebige Einheit, sondern nur jene, welche sich im besagten Drittel der Karte befindet. Hä?? Okay zu schnell. Das Feld besteht aus drei Dritteln (vier wären auch etwas merkwürdig): Rechts, Mitte und Links! Eine Strategiekarte erlaubt zumeist jedoch nur die Aktivierung von Truppen in einem bestimmten Sektor - beispielsweise "drei Truppen im rechten Sektor". Das frustriert zum Teil und zielt gelegentlich auch auf das Nachziehglück hinaus, jedoch liegt die wahre Kunst des Kriegsherren darin seine Truppen breit zu fächern und auf jede Unwägbarkeit eine Antwort zu haben. So gehört sich das nämlich als waschechter Daqan-Lord. Nicht wahr, Paladin?
Treffen Truppen aufeinander, wird gewürfelt. Ich aktiviere Spezialfähigkeiten, teile Schaden aus und brülle so fürchterlich, dass meine Gegner in Scharen davonlaufen. BattleLore hieße aber nicht BattleLore, wenn nur Battle und kein Lore darin vorkäme. Ist ja auch irgendwie logisch. Als Ressource im Spiel sammle ich nämlich (neben der Schädel meiner Feinde muhahahaha) noch Lore - Magie. Mit dieser zaubere ich wild über das Feld und sorge somit mit Freude dafür, dass auch der beste Plan meines Widersachers bereits im Ansatz vereitelt und ins Gegenteil verkehrt wird. Ihr solltet mal dessen Augen sehen, wenn der große Dämonenlord nämlich wie aus dem Nichts heraus plötzlich noch eine Bewegung bekommt und mal so richtig auf die Kack.. .. auf die Mütze gibt.


Was ist BattleLore? BattleLore ähnelt seinem beliebten Zwillingsbruder Memoir 44 gewaltig. Äußerst stimmungsvolle, riesige Miniaturen lassen jeden Spieler unmittelbar in die Welt von Terrinoth eintauchen. Die taktischen und strategischen Herausforderungen, die an jeden Spieler gestellt werden sind fordernd, aber zugleich in einer äußert angenehmen Zeitspanne zu bewältigen. Nie (und ich weiß man sollte nicht übertreiben) blieb es bei einer einzigen Runde. Immer (und ich tue es schon wieder... dünnes Eis) war Zeit und Lust auf eine Revanche da. BattleLore versetzt die Spieler in die Rollen von Feldherren, welche vom Kommandozelt aus ihre Armeen in die Schlacht schicken. Berserker um Berserker, Bogenschütze um Bogenschütze, Golem um Golem und Höllenhund um Höllenhund. Ich muss mich permanent entscheiden und meine Strategien anpassen. Kann ich meine Streitkräfte nach rechts verlagern? Wenn ich diese Brücke sichern könnte, könnte ich seinen Nachschub unterbrechen und seine Armeen auslöschen. Dazu die Ungewissheit. Mein Gegner hat eine Menge Lore. Wofür sammelt er es? Was für eine Karte hält er zurück? Wartet er nur darauf, dass ich ihn angreife, um dann unmittelbar diese oder jene Karte zu spielen und mich ein für alle mal vernichtend zu schlagen?
BattleLore packt! BattleLore übernimmt all die schönen, erfolgreichen Teile von seinen Vorgängern und spickt diese mit einem stimmigen Fantasy-Setting und einer Brise Lore. Gretchenfrage: Doch brauche ich BattleLore, wenn ich Memoir 44 habe und brauche ich Memoir 44, wenn ich BattleLore habe? Der Vergleich muss gestellt werden. Zu ähnlich und übermächtig ist der Schatten der bisher bestumgesetzten Variation vom Command and Color-System. Die Antwort: Aktuell nein. Memoir 44 hat das breitgefächertere Erweiterungsspektrum, bietet aktuell nahezu unendliche Möglichkeiten an Szenarien und doppelt so viele Fraktionen wie BattleLore. BattleLore ist ein wundervolles System und was noch nicht ist, kann ja noch werden. BattleLore steht am Anfang. Ich bin mir sicher, dass zahlreiche Erweiterungen folgen werden (die erste bereits angekündigt), die nicht nur die bereits vorhandenen Fraktionen erweitern, sondern auch die restlichen Fraktionen hinzufügen werden. Ich möchte BattleLore die Zeit geben, das Spiel zu werden, was es verdient. Noch mehr Abwechslung, noch mehr Einheiten, noch mehr Fraktionen. Und irgendwie ist Fantasy ja für manche auch viel cooler als echter Krieg und so.


Vielen Dank an den Heidelberger Spieleverlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!





BattleLore (Second Edition) von Richard Borg und Robert A. Kouba
Erschienen bei Fantasy Flight Games und übersetzt vom Heidelberger Spieleverlag
Für 2 Spieler in ca. 60 Minuten
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sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Heidelberger Spieleverlag)
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