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Mittwoch, 27. April 2016

Super Fantasy Brawl - Fantastischer Schlagabtausch

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Heute gibts mal wieder eine kleine Vorschau auf ein baldiges Crowdfundingsprojekt. Wie auch bei anderen Previews von meiner Seite gilt hier der Disclaimer "Es ist kein Geld für dieses Preview geflossen". So viel zum rechtlichen Schnickschnack und jetzt ab ans Eingemachte!

Hat eigentlich jemand gemerkt, wie ich ganz subtil die Einleitung mit meinem Disclaimer übergangen habe? Dabei ist es doch immer besonders schwierig sich sinnvolle und appetitanregende Sätzchen auszudenken. Ich versuche es einfach mal mit drei Worten: Super Fantasy Brawl, Crowdfunding, Skirmisher.

In Super Fantasy Brawl draften wir uns ein Heldenteam aus einer Ansammlung diverser Fantasykreaturen (Troll, Samurai, Gladiator etc.). Dabei verfügt jeder Held über vier einzigartige Fähigkeiten, von welchen zu Beginn einer Partie lediglich zwei freigeschaltet sind.
Ziel in einer Spielrunde ist es durch geschicktes Positionieren der eigenen Helden die drei, auf der Karte vorhandenen, Zielorte zu kontrollieren. Das bringt Siegpunkte und Items. Das ist gut. Habe ich vier davon (also Siegpunkte), gewinne ich.


Das wirklich spannende, was Super Fantasy Brawl ausmacht, ist jedoch die Auswahl der Aktionskarten. Letztere wähle ich zu Beginn jeder Runde für jeden Held verdeckt aus. Sie definiert meine Bewegung, meinen Zeitpunkt der Aktivierung und die Art meines Angriffes in dieser Runde. Jede Runde besteht aus Phasen, welche nacheinander abgehandelt werden. Die Programmierung hat etwas Colt Express oder Lords of Xidit-artiges. Einerseits ermöglicht sie in der Theorie wunderbare Kombinationen, ist aber in der Praxis auch unberechenbar aufgrund meiner Mitspieler. Das sorgt einerseits für unterhaltsame Momente, aber auch für enttäuschte Blicke.

Kommt es zum Kampf, wähle meine anvisierten Trefferzonen: Kopf, Beine, Po... ähm Bauch. Was sich anhört wie ein Fitnessprogramm als Minigame, ist aber ein Bluffelement - und zwar in seiner ursprünglichsten Art. Das kennen wir aus anderen Kampfspielen wie z. B. Yomi oder Freebooters Fate und sorgt für eine thematische Umsetzung des Mechanismus. Wählt mein Verteidiger die selben Trefferzonen, blockt er ab. Dann wird abgehandelt. Jede Trefferzone wirkt sich unterschiedlich, je nach Charakter und Aktionskarte, auf den Getroffenen aus. Erledige ich meinen Gegner, schalte ich zusätzliche Aktionskarten frei und räume ggf. die wertvolle Wertungszone auf.


Super Fantasy Brawl erinnert mich an einen kleinen Geheimtipp in meiner Spielesammlung - Operation Tannhäuser. Dort ging es ähnlich zu. Wir bauen uns ein Team zusammen und versuchen dann durch taktisches Hin- und Hergeschiebe Stück für Stück unseren Gegner in die Enge zu treiben um dann den entscheidenden finalen Stoß zu landen.
Das Setting und die einzelnen Mechanismen sind natürlich recht unterschiedlich, aber vom Gefühl her eben. Vom Gefühl her sind die beiden garnicht so weit auseinander. Ich mag das taktische Positionieren und das Taktieren, weiß aber auch, dass es gewisse Schwächen mit sich bringt. Anders ist das also bei Super Fantasy Brawl auch nicht.

Durch die vielfältigen Möglichkeiten gilt es doch eine ganze Stange an Eventualitäten vor dem Ausspielen seiner Aktionskarten abzuwägen. Eine gute Rechts-Links-Kombination zu planen, braucht eben seine Zeit. Sowohl die Position aller Figuren will beachtet, als auch die möglichen Reaktionen des Gegners abgeschätzt werden. Das macht Super Fantasy Brawl zwar taktisch, aber auch unter Umständen langsamer und anstrengender, als es sein könnte oder wollte.
Es präsentiert sich nämlich optisch als flotter und unterhaltsamer Skirmisher. Die comicartige Grafik läd zum Spielen ein. Der Kampfmechanismus mit dem Bluff-Element schreit geradezu nach einer schnellen Partie. Letztgenannter gefällt mir übrigens echt prima. Das Bluffen, das Gegenbluffen, das Ausbluffen. Jeder Kampf kann bei Super Fantasy Brawl den Tod eines zuvor noch unverwundeten Helden bedeuten, wenn eine langgeplante Kombo durch geschicktes Bluffen funktioniert. Dann ist die Freude natürlich umso größer. Juhu!


Spielt man Super Fantasy Brawl so leicht, unterhält es. Man beraubt sich dabei aber auch seiner taktischen Tiefe. Will man nicht leichtsinnig in sein Verderben rennen, muss man eben Knobeln, man muss genau überlegen, wo welcher Held steht, was dieser spielen sollte, und was sein Gegner spielen wird. Eben letzteres ist aber nur möglich, wenn ungefähr gleiche Spielerfahrung am Spieltisch sitzt. Kenntnis über die genauen Fähigkeiten der gegnerischen Helden ist unabdinglich. Nur so kann ich abschätzen, was mich erwartet. Ist ein Spieler unerfahrener, besteht ein enormes Ungleichgewicht am Tisch. Das macht es schwer Super Fantasy Brawl in eine neue Runde einzubringen. Frust kann schnell aufkommen.

Alles in allem ist Super Fantasy Brawl jedoch ein vielversprechendes und taktisches Spiel. Man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass man es hier nicht mit einem Leichtgewicht zu tun bekommt. "Leicht zu erlernen, schwer zu meistern" könnte hier das Motto sein, sollte noch ein abgedroschener Werbeslogan für die aufkommende Crowdfundingskampagne gesucht werden. Chaotischer wird es dann erst mit einer Mehrspielerpartie. Diese stellt für mich aber eher einen Notbehelf dar, als eine sinnvolle Alternative. Super Fantasy Brawl ist für mich ein klassischer Zweier - auch wenn kein lockerer.

Super Fantasy Brawl von Jochen Eisenhuts
Erschienen bei Outplay Studios
Für 2-4 Spieler in 60 Minuten
Boardgamegeek-Link
sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Outplay Studios)
Vielen Dank an Outplay Studios für die Bereitstellung des Prototypen!

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