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Montag, 13. November 2017

Hanamikoji

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Hanami-koji ist eine berühmte Straße in Kyoto, Japan. Berühmt geworden ist diese durch ihre alte Tradition der Geisha-Künste. Und auch wenn diese Straße zum Rotlichtbezirk Gion gehört, sind Geishas, entgegen der westlichen Annahme, keine Prostituierten – zumindest nicht hauptberuflich. Nein, eine Geisha ist eine hoch angesehene Künstlerin und Respektsperson und gehört zur japanischen Kultur wie die Sojasoße zum Sushi.

Im Spiel Hanamikoji, spielt man einen Restaurantbesitzer, der in besagter Straße sein Lokal betreibt. Und als ein solcher Gastwirt ist man drauf und dran Kunden anzulocken. Und wie soll es sonst funktionieren, wenn nicht mithilfe der wunderschönen und begabten Geishas? Ja ich weiß, man könnte auch die Preise reduzieren oder zu Mittag ein All-You-Can-Eat Buffet anbieten. Aber eine Geisha hätte doch einfach viel mehr Klasse, oder?
Wie gewinnt man die Gunst einer Geisha eigentlich? Das habt Ihr Euch doch sicherlich gefragt. Die Antwort ist ganz einfach, so wie man die Gunst einer jeden jungen Dame gewinnt: Ihr macht ihr Geschenke!


Das Spiel wird zunächst aufgebaut, indem Ihr die 7 Geisha-Karten, zwischen den beiden Spielern, in der Tischmitte auslegt und jeweils 6 Handkarten zieht, die die Gunstobjekte der Geishas darstellen. Jede Geisha, die in der Tischmitte liegt, hat einen Kartenwert, der die Anzahl der zu ihr passenden Gunstkarten im Deck angibt. Die Tee Geisha hat den Wert 4, was bedeutet, dass es 4 Tee-Karten im ganzen Spiel gibt, die an sie angelegt werden können. Zusätzlich wird auf jede dieser Geisha-Karten ein Gunstmarker platziert. Dieser befindet sich zunächst im Zentrum der Karte. Legt Ihr, in Eurer Runde, eine passende Karte an die jeweilige Geisha an und habt gleichzeitig die Mehrheit der anliegenden Karten, wird der Gunstmarker in Eure Richtung verschoben, was zeigt, dass die Geisha Euch zugeneigt ist. Der Clou dabei ist, dass Ihr nie alleine anlegt, sondern immer gleichzeitig mit Eurem Gegenüber. Das liegt an den 4 möglichen Zügen, die Euch zur Verfügung stehen. Ihr könnt jeden Zug nur einmal ausführen. Dabei stehen Euch folgende Optionen zur Verfügung, nachdem Ihr eine Karte gezogen habt:


Spiele eine Karte verdeckt auf Deine Tischseite. Diese Karte wird zum Spiel-Ende aufgedeckt und an die jeweilige Geisha angelegt. Das sorgt für einen Twist am Ende und kann das ganze Spiel wenden.
Entferne 2 Karten aus Deiner Hand, für immer, aus dem Spiel. Diese Option sorgt dafür, dass Dein Gegenüber u. U. niemals an die Karten kommt, die Ihm zur absoluten Mehrheit verhelfen.
Lege 3 Karten offen aus, von denen sich Dein Gegenüber eine und Du zwei aussuchen dürft und sofort anlegt. Dabei wird der Gunstmarker unmittelbar auf die Seite geschoben, die die meisten Karten hat.
Bilde zwei Gruppen, mit je zwei Karten und lege sie offen aus. Davon sucht sich dein Gegner eine aus und Du behälst die andere. Auch hier wird sofort auf beiden Seiten angelegt.


Diese vier Optionen verdeutlichen, dass Hanamikoji ein sehr taktisches Spiel ist. Einfach sein Ding machen ist nicht drin. Ihr müsst ständig darauf achten, was Euer Gegenüber plant und dem entgegenwirken.
Hat am Spiel-Ende jemand die Gunst von 4 Geishas oder 11 Kartenpunkte, gewinnt er das Spiel und kann sein Restaurant eröffnen.

Hanamikoji hat mich sehr überrascht. Als ich die Regeln las, hatte ich befürchtet, dass es ein Spiel mit kaum Interaktion oder Entscheidungsfreiheit sei und das Thema überhaupt nicht durchstrahlen würde. In einem Punkt haben sich meine Befürchtungen bewahrheitet, das Thema ist wirklich nur aufgemalt. Zwar hat das Spiel ein sehr schönes Artdesign, die Karten sind jedoch wirklich nur Zahlen und Farben. Die anderen Sorgen sind nach dem ersten Spielen jedoch verflogen, denn Hanamikoji ist ein wirklich cleveres Spiel mit einer innovativen Mechanik. Diese vier unscheinbaren Aktionen sind so schwerwiegend und müssen sehr gut überlegt sein. Sie sind das was Hanamikoji von anderen Set-Collection Spielen abhebt. Das Ständige Hin und Her der Gunstmarker, hält bis zum Schluss bei Laune und das Ausspielen der letzten, verdeckten Karte ist wie ein genialer Schachzug… oder wie ein total dämlicher. Aber so oder so, das Spiel macht das was es soll: Spaß!


Wenn Ihr Lost Cities mögt und das tut Ihr ganz sicher, dann ist Hanamikoji ein Muss. Ich weiß nicht ob es Designer gibt, die extra für die Kosmos - für zwei Spieler Reihe Spiele erfinden, aber Hanamikoji passt perfekt da rein.
Es ist schwer zu beschreiben, was an Hanamikoji so toll ist, weil es auf dem Papier wirklich öde klingt. Aber glaubt mir, das Spiel ist Weltklasse und könnte problemlos den Kultstatus von Lost Cities erreichen.

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Hanamikoji von Kota Nakayama
Erschienen bei Kosmos
Für 2 Spieler in ca. 15 Minuten
Boardgamegeek-Link

sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Kosmos)

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