07.08.2020

Traintopia


Tuuut….Tuuut…. Züge und Brettspiele. Eine Symbiose, die wohl so schnell kein Ende finden wird. Zug um Zug, Russian Railroads, First Class, 18XX-Spiele, Snowdonia bzw. Alubari und und und. Die Liste könnte schier unendlich fortgesetzt werden. Nun fügt Board&Dice ebenfalls ein Titel hinzu und zwar Traintopia, aus der Feder von Przemek Wojtkowiak für 2-4 Spieler 12 Jahren. Und ob es seine Daseinsberechtigung neben all der anderen Titeln hat schauen wir uns mal genauer an.

[MATERIAL & ANLEITUNG]

In der recht großen Schachtel (gemessen am Inhalt) finden wir einen bunten Mix aus typischen Brettspiel-Dingen: Plättchen, Meeple, Karten. Das ganze in einem funktionalen Inlay, wobei das ganze auch in eine deutlich kleinere Box gepasst hätte. Die Qualität der Materialien ist absolut okay und gibt keinen Grund zu meckern. Vor allem die Meeple gefallen mir gut. 

Die optische Gestaltung trifft leider nicht ganz meinen Geschmack, vor allem bei den Plättchen, die wir auslegen. Das so entstehende Gesamtbild am Ende einer Partie ist daher nicht so zufriedenstellend, wie bei vergleichbaren Spielen. Hier stand der spielerische Nutzen wohl eher im Fokus.

Die Anleitung ist überschaubar, enthält leider aber einen dicken Fehler. Es gibt in dem Spiel “Objective-Karten” für die man am Ende des Spiels auch nochmal Punkte bekommt. Die werden zu Beginn der Anleitung auch erwähnt, aber dann gar nicht mehr. Unter der Rubrik “Endwertung” tauchen sie nicht mehr auf. Das kann dazu führen, dass man es tatsächlich vergisst und bei manchen Karten wäre auch eine kleine Hilfe nett gewesen, ob man diese richtig interpretiert. Schade. 

Am Ende erhält man für 35€ aber ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis.


[ABLAUF]

Die aufstrebende Nation Traintopia sucht seinen neuen Präsidenten und dieser muss in der Lage sein die saubersten, effizientesten und schnellsten Zug-Strecken zu planen. Dies versuchen wir über 8-9 Runden (je nach Spieleranzahl) in denen wir uns die nötigen Bestandteile draften. 

Jeder Spieler erhält zu Beginn ein Startplättchen und eine Objective-Karte, die vorgeben, wofür man persönlich am Ende des Spiels nochmal Sonderpunkte bekommt. Für jede Runde wird eine Karte gezogen, die vorgibt welche Bestandteile in dieser Runde gedraftet werden können. Das sind neue Plättchen mit Zugstrecken, aber auch Pendler, Touristen, Züge oder Postsäcke. 

Die Plättchen sind alle quadratisch und in sich noch mal in vier Quadrate geteilt, dass ist deswegen wichtig, da ich beim Anlegen der Strecke nur verpflichtet bin, dass EINS dieser Quadrate an ein anderes Plättchen grenzt. Des Weiteren ist darauf zu achten, dass ich keine toten Enden der Strecken produziere (also das Ende vom Gleis führt einfach auf eine Wiese) oder keinen Kreis baue. Jede Strecke muss zumindest einen Startpunkt haben. Ansonsten ist es mir überlassen, in welcher Position ich die Plättchen anlege. 


Drafte ich einen Pendler, die es in drei Farben gibt (gelb, grün und grau), setze ich diesen auf eine Strecke und werte diesen Pendler sofort aus. Auf jeder Strecke darf es nur einen Pendler je Farbe geben. Was wird gewertet? Entlang der Gleise gibt es Gebiete in den gleichen Farben, wie die Pendler und für jedes Gebiet passend zum Pendler gibt es einen Punkt. 
Die (weißen) Touristen hingegen suchen nach Ausflugszielen entlang der Strecke. Hiervon gibt es insgesamt drei Verschiedene mit 1-3 Punkten, wie z.b. ein Stadion. Auch hier gilt, dass man nur einen Tourist auf jeder Strecke platzieren darf. 

Der Zug wird ebenfalls auf eine Strecke platziert. Entlang der Strecken gibt es hin und wieder Felder mit Geldscheinen. Wenn ich ein solches Streckenteil platziere, lege ich auf dieses Feld sofort ein passenden Token. Im Laufe der Partie kann ich dieses Geld für starke Sonderaktionen ausgeben. Hab ich am Ende noch Token übrig und auf diesen Strecken steht ein Zug bekomm ich dafür noch Siegpunkte. 

Zu guter Letzt noch die Postsäcke. Strecken mit einem Postsack erhalten bei Spielende die doppelte Siegpunktzahl. Am Ende des Spiels werden nun nochmals Punkte für vollendete Strecken gegeben (also mit Start- und Endpunkt), hierbei kommt zum Tragen aus wie vielen Plättchen diese Strecke zusammengesetzt wurde. Dann werden noch die Objective Karten ausgewertet und überprüft wer die längste Strecke (muss kein Endpunkt haben) hat.


Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt und wird neuer Präsident von Traintopia.

[FAZIT]

Traintopia ist ein wirklich schönes und gelungenes Familienspiel. Das Tüfteln an der bestmöglichen Strecke ist fordernd aber überfordert nicht. Auch das Drafting wird hier gelungen eingebunden und ist bestens für Einsteiger geeignet. 

Abzüge gibt es für die Gestaltung, die zum Teil einfach nicht harmonisch und thematisch ist. Vor allem die Dollar-Scheine an der Strecke find ich absolut unpassend und da hätte man sich gern was anderes einfallen lassen können. Auch die Farbgestaltung find ich eher mau, zum Teil sind die Gebiete etwas schwer zu erkennen.

Langfristig wird es Traintopia schwer fallen auf den Tisch zu kommen, denn es macht schon den Anschein, dass man ein Großteil des Spiels nach 4-5 Partie gesehen hat. Hier fehlt es leider ein wenig an Varianz. Das macht das ganze aber natürlich nicht zu einem schlechten Spiel, es bringt für den Moment auf jeden Fall Spaß und gerade mit Anfängern und der Familie hat man einen schönen Einstieg, um danach dann vielleicht noch eine Partie Zug um Zug zu spielen. 


[FÜR WEN IST DAS SPIEL?]

Kinder: 3 von 5 (mit etwas Unterstützung sollte es kein Problem sein für Kinder ab 8 Jahren. Warum der Verlag 12 Jahre nennt ist mir ein Rätsel)

Familie: 5 von 5 (hier versteckt sich die Zielgruppe von Traintopia und bringt Mechaniken wie Drafting und Tile Placement nahe)

Kenner: 2 von 5 (das Spiel bietet nicht wirklich viel, was den Kennerspieler hinter dem Ofen hervorlocken wird)

Experte: 0 von 5 (Wenn es ums Thema geht, wird der Experte wohl eher zu den 18XX Spielen oder Russian Railroads greifen. Zu Recht!)

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Traintopia von Przemek Wojtkowiak
Erschienen bei Board&Dice
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 30 Minuten ab 12 Jahren
Boardgamegeek-Link

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder aus dem Pressematerial des jeweiligen Verlages (hier Board&Dice)