06.08.2015

The X-Files - The Truth is out There!


So ein ganz klein bisschen war ich schon gespannt auf das offizielle The X-Files Spiel. Ich meine so ne richtige Lizenz einer meiner Lieblingsserien. Mit echt coolem Grafikstil. Und mit cool meine ich supercool. Ich meine nicht so einer mit echten Filmschnippselbildchen aus der Serie auf den Karten, sondern mit Comiczeichnungen, die trotzdem irgendwie echt aussehen. So ein bisschen halt wie das Star Wars Kartenspiel. Als dann noch mit Kevin Wilson einer meiner Lieblingsdesigner sich der Sache angenommen hatte, war die Vorfreude fast nicht mehr zu toppen. Okay Ihr merkt, dass ich schon ziemlich gespannt war und nicht nur ein bisschen...
Erst gab es wenige Infos und nur ein fixes Erscheinungdatum. Bekannt war lediglich der Verlag - ein relativ neuer am Brettspielsternenhimmel - IDW. Ich war trotzdem voller Vorfreude. Diese hielt dann auch noch an, als das Lieferdatum mehr und mehr nach hinten verschoben wurde. Das Spiel war ja schließlich irgendwo da draußen (Anm. d. Red.: Wortspiele, welche im Zusammenhang mit der Serie stehen, sind rein zufälliger Natur).
Als ich dann doch irgendwann das Spiel in meinen Händen halten konnte, war das alte X-Files Fieber wieder da. Was gibts schließlich schickeres als als schrulliger Fox Mulder oder als vernünftige Dana Scully dem Raucher mal so richtig die Hölle heiß zu machen?
Thema hin und Einleitung her. Was haben die X-Files brettspieltechnisch zu bieten?


Im X-Files Brettspiel übernehmen bis zu vier Personen die Rollen der X-Agenten Fox Mulder, Dana Scully, Alex Krycek und Walter Skinner, während ein fünfter Spieler die Rolle des Rauchers übernimmt.
Ziel der Agenten: Eine fixe Summe an Beweisen zu sammeln, um das thematische flotte "I want to believe"-Poster von Fox Mulder zu vervollständigen. In diesem Falle wird das große Geheimnis um die X-Akten gelüftet - Yay! Ziel des Rauchers: Eine gewisse Anzahl an Beweisen verschwinden zu lassen. In diesem Falle wird das Geheimnis der X-Akten niemals gelüftet und die Abteilung wird geschlossen - Buh!
Was sich also auf den ersten Blick wie Art Wettrennen anhört, ist es auch auf den zweiten Blick. Immer wieder taucht hier und dort eine X-Akte auf. Hierbei bekommen Serienfans spannende Fälle aus den ersten Staffeln der Serie wieder auf den Tisch gelegt. So gilt es beispielsweise den "Teufel von Jersey" zu fangen oder den Fall von "Lazarus" zu untersuchen. Wer sich besonders gut für die jeweiligen Fälle eignet, entnehmen wir den schicken kleinen Namensschildchen unseres Agenten. Die Agentenkarten, welche die Ermittlungen vorrantreiben, verlangen dabei je nach Fähigkeit unterschiedlich viel Ermittlungsaufwand ab.
Die Aufgabe des Rauchers ist es, die Agenten zu hemmen. Durch Syndikat-Karten wartet die ein oder andere Überraschung auf die braven leidgeprüften Helden, während sie nichtsahnend eine X-Akte untersuchen. Dabei kann den Agenten auch mal so richtig schön in den Instant-Kaffee gespuckt werden oder aber auch nur geschickt geblufft werden. Geheimnisvoll, oder?


Ich muss zugeben, dass hört sich jetzt recht mechanisch an. So ganz falsch liegt Ihr dabei aber nicht. Erwartungen und Realität lagen selten so weit auseinander wie bei The X-Files. Grundsätzlich davon etwas über die Qualität des Spiels abzuleiten wäre dennoch nicht fair. Also ganz ruhig, Brauner!
Fangen wir doch mal so an: Was haben wir denn alle erwartet bzw. gehofft? Ich denke wir haben alle von einem epischen X-Akten Spiel geträumt. Und in der Tat gab es viele Spielmodelle, auf die man problemlos das X-Akten Thema hätte pressen können. Spontan fällt mir da Arkham Horror oder Mansions of Madness ein. Stunden um Stunden hätte ich mich durch die X-Akten gewühlt, schicke Miniaturen über ein thematisches Brett schieben können und ein ums andere Mal die ohrwurmartige Titelmelodie pfeifen können. Gerne hätte ich das Ganze auch über Kickstarter mitfinanziert. Ich bin mir sicher, es hätte die Millionenschallwand durchbrochen bei der Finanzierung.
Doch das alles ist The X-Files nicht! Naja nicht ganz nicht, aber fast alles nicht... So ein bisschen Thema ist schon drin, wenn man sich drauf einlässt. Die geschlossenen X-Akten, die im Archiv landen, die schicken Flavourtexte auf den Karten oder das Gefühl der Ermittlungssabotage durch den Raucher.
Ist jedoch erst mal das sparsame thematische Fleisch von den mechanischen Rippen gefallen, bleibt jedoch (nur) ein familienfreundliches, schnell gespieltes und einsteigerfreundliches Spielchen, was in erster Linie wohl dennoch (nur) Fans der Serie ansprechen dürfte. Schlecht? Keineswegs! Ich mag die einfache Mechanik und die schnelle Spieldauer. Die Regeln sind schnell verinnerlicht und eine Revanche ist durchaus zeitlich drin (oder zwei).
Ich bin auch Fan der Serie. Für mich sind die vielen kleinen Details, die in das Spielmaterial eingearbeitet wurden faszinierend. Ich kann mir The X-Files sowohl in einer Vielspielerrunde mit Serienfans, als auch in einer Wenigspielerrunde vorstellen.


Achja und dann wäre da noch das spielerische Wettrennen! So irgendwie fehlt da der direkte Konflikt, auch wenn die Syndikat-Karten ja nicht gerade indirekt einzelne Ermittlungen behindern. Dennoch bleibt ein Gefühl der Konfrontationslosigkeit. Ab uns zu rückt halt mal eben der Punktemarker des Rauchers vorran. Ich kann ohnehin nichts daran ändern. Meine Spieltaktik ändert sich (wenn überhaupt) nur marginal. Spielmechanisch suboptimal gelöst, thematisch allerdings wiederum schick. Wie auch in der Serie selbst arbeitet der Raucher eben im Hintergrund. Es gibt keine direkten Konflikte. Beide Parteien arbeiten größtenteils nebeneinander her und sehen nur bedingt den Fortschritt des anderes - eben beispielsweise genau dann, wenn am Tatort nach dem Lösen eines Falles einer der berühmten Zigaretten gefunden wird. Flavor here I come!

The X-Files ist nicht das erwartete große thematische Spektakel, was viele erhofft hatten. Ich denke wir sind uns einig, dass eine offizielle Lizenz deutlich thematischer und epischer hätte umgesetzt werden können. IDW ist aber den Weg des massentauglichen Spiels gegangen. Löst man sich von diesen großen Erwartungen, dann bekommt man mit The X-Files ein flottes, abgespecktes, aber durchaus lohnenswertes X-Akten Erlebnis. Ich will jedoch daran glauben, dass mit künftigen Erweiterungen (und eine davon wurde ja bereits angekündigt) noch mehr Thematik einfließen wird.

I want to believe!


The X-Files von Kevin Wilson 
Erschienen bei IDW Games
Für 2-5 Spieler in ca. 75 Minuten
Boardgamegeek-Link


sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier IDW Games)