http-equiv = "content-language" content = "en" lang = de; lang=de; BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen: Kennerspiel BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen
Posts mit dem Label Kennerspiel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kennerspiel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

25.08.2026

Tricky Traders


Intrigen auf dem Marktplatz, geschäftiges Treiben, und irgendwo zwischen den Ständen huschen die üblichen Ratten. In Tricky Traders stehen wir uns als rivalisierende Handelsgilden gegenüber und versuchen, den Markt zu unseren Gunsten zu manipulieren. Dabei sind uns Bestechung, Sabotage und ein paar schmutzige Tricks durchaus willkommen. Das Zwei Personen-Spiel von Colin Dömer verbindet taktische Planung mit einem ordentlichen Maß an Interaktion und einem kleinen Deduktionselement: Welcher Markstand gibt meinem Gegenüber wohl die meisten Punkte? Und wie kann ich das gezielt durchkreuzen?

Spielablauf: Karten wählen, Effekte ausspielen, Markt manipulieren

Eine Partie von Tricky Traders verläuft über drei Markttage, die jeweils wiederum in drei Phasen unterteilt sind. In jeder Phase wählen wir verdeckt zwei Einflusskarten aus und decken sie gleichzeitig auf. Anschließend werden die Karten in aufsteigender Reihenfolge abgehandelt. Mit diesen Karten bewegen wir Figuren wie die Marktschreierin, den Rattenfänger oder die Saboteurin über die Marktstände oder lösen deren Effekte aus. Alternativ verändern wir die Verteilung von Kunden und Ratten und bringen so gezielt Unruhe ins System.


Unser Ziel ist dabei, einen bestimmten Marktstand zu stärken und einen zu schwächen. Erst im Laufe des Spiels legen wir fest, welche der beiden gezogenen Farben das sind und versuchen danach, genau diese Konstellation möglichst effektiv herbeizuführen. Dabei geben uns Tageszeitenwürfel vor, wie viele Schritte durch eine Bewegungskarte jeweils ausgelöst werden und es gilt zu beachten, dass gleiche Karten sich gegenseitig aufheben und gar nicht erst aktiviert werden.

Fieses Duell mit viel Interaktion

Tricky Traders ist ein sehr direktes Spiel. Fast jede Aktion hat Einfluss auf das, was mein Gegenüber gerade plant. Kunden werden verschoben, Ratten verteilt, Figuren umpositioniert und das oft genau dort, wo es dem anderen wehtut. Das sorgt für ein schnelles, taktisches Duell. Die Regeln sind dabei grundsätzlich klar strukturiert und auch die Materialqualität überzeugt.


Das permanente Gegeneinander macht einen großen Teil des Reizes aus. Wer gerne überlegt, was der andere tun könnte und gezielt dagegen spielt, bekommt hier ein schönes taktisches Kräftemessen. Interessant ist auch, dass es nach jeder der drei Markttage eine Zwischenwertung gibt, die das Spiel fühlbar vorantreibt.

Zwischen clever und chaotisch

Nicht alles funktioniert in Tricky Traders dabei aber gleich gut. Besonders die Kopiermechanik einzelner Aktionskarten wirkt unnötig kompliziert und sorgt immer wieder für Regelfragen. Dies ist die größte Hürde beim Erlernen des Spiels.


Dazu kommt, dass sich das Spiel stellenweise sehr unkontrolliert anfühlt. Durch das gleichzeitige Ausspielen der Karten und die vielen Wechselwirkungen ist es nicht immer möglich, eine klare Strategie zu verfolgen. Pläne können schnell durchkreuzt werden, manchmal clever, manchmal auch ziemlich chaotisch. So kann Tricky Traders sich ziemlich fies anfühlen. Wer empfindlich auf direkte Eingriffe reagiert oder gerne langfristig plant, wird hier eher frustriert als belohnt.

Fazit: Cleveres Duell mit hohem Ärgerfaktor

Tricky Traders ist ein taktisches Zwei-Personen-Spiel, das stark von Interaktion und gegenseitigem Ausspielen lebt. Die Mischung aus Kartenwahl, Timing und ein wenig Deduktion sorgt für spannende Momente, wenn ein Plan genau aufgeht oder der des Gegenübers gezielt sabotiert wird.


Für mich persönlich ist diese Art von Spiel nicht das Richtige. Ich bevorzuge Systeme mit etwas mehr Kontrolle und weniger direkter Konfrontation. Wer jedoch genau das sucht, ein schnelles, fieses Duell, bei dem es darum geht, den Gegner zu lesen, die gemeinsame Auslage zu den eigenen Gunsten zu manipulieren und dabei dem Gegenüber einen Strich durch die Rechnung zu machen, wird hier auf seine Kosten kommen.
 ____________________________________________________________________

Tricky Traders von Colin Dömer
Erschienen bei Pegasus Spiele
Für 2 Spielende in ca. 30 Minuten ab 10 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Pegasus Spiele)

zum Artikel...

17.08.2026

Tal der Gnome


Nach einer gefühlten Ewigkeit, die wir in Deutschland unter Schnee und Frost verbracht haben, ist es nun endlich soweit, und die Sonne schaut tagsüber auch mal länger als nur ein paar Minuten vorbei. Die Natur reagiert auf Wärme und Licht, und so fängt alles wieder an, ein wenig zu sprießen und zu wachsen. Und genau das soll auch in diesem Plättchen-Legespiel von Strohmann Games der Fall sein – wobei wir hier die Hilfe von Gnomen annehmen, um Blumen und Pilze wachsen zu lassen.

Tal der Gnome“ ist ein Spiel aus der Feder von Ammon Anderson und wurde von ihm sowie von Patrick Spaziante zuckersüß illustriert. 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren können sich daran versuchen, gemeinsam einen tollen Garten zu kreieren, und werden dafür etwa 45 Minuten benötigen. Wobei: Achtung – das ist kein kooperatives Spiel, denn der Spieler, dem es am besten gelingt, seine Gnome sinnvoll einzusetzen, wird am Ende der Sieger sein.


Jeder Spieler übernimmt die Kontrolle über zwei Gnome, und alle zusammen legen Plättchen in eine gemeinsame Auslage – unseren Garten sozusagen. Im eigenen Zug muss man zwingend zwei neue Plättchen legen; gegebenenfalls sind auch ein bis zwei weitere Plättchen möglich. Anschließend handelt man eventuelle Boni ab und muss dann noch einen seiner beiden Gnome bewegen.

Das Legen der Plättchen ist dabei ziemlich selbsterklärend: Es handelt sich um Sechsecke, auf denen Pfade verlaufen, und auf diesen Pfaden befinden sich verschiedenfarbige Pilze. Grundlegend möchte man aus diesen Pfaden einen möglichst großen Kreis über mehrere Plättchen hinweg bilden und schließen. Wird ein solcher Pfadkreis geschlossen, sprießen alle dort abgebildeten Pilze, und der Spieler, dessen Gnom diesen Pfad besetzt, erhält sie alle in seinen Besitz.


Beim Legen muss ich also darauf achten, dass der begonnene Kreis, den ich eventuell fortsetzen möchte, entweder frei ist oder der Spieler, dessen Gnom dort steht, es mir erlaubt, dort ein Plättchen anzulegen. Aber mal ehrlich: Warum sollte man die Kreise anderer erweitern wollen? Oder warum sollte jemand mir erlauben, seinen Kreis früher zu schließen? Das ist also eher eine theoretische Option.

Daran erkennt ihr auch, wozu man die Gnome hat und warum man sie bewegen sollte: Sie können nicht nur Pfade besetzen, sondern auch andere Orte aufsuchen. So gibt es zum Beispiel den Pilzmarkt, auf dem ich gesammelte Pilze verkaufen kann. Je nach Sorte und Anzahl gibt es Punkte – beachtet aber, dass jede Verkaufsoption nur einmal verfügbar ist. Das heißt: Nur ein Spieler kann zum Beispiel sechs rote Pilze verkaufen; danach ist diese Option aus dem Spiel.


Beim Abschluss eines Kreises bekommt man nicht nur die Pilze, sondern je nach Größe auch einen Bonus vom eigenen Spielbrett, auf dem man magnetische Holzmarker verschieben kann, um diesen Bonus zu aktivieren. Ein solcher Bonus kann zum Beispiel eine Holztafel sein, die künftig ebenfalls einen besuchbaren Ort für Gnome darstellt. Über diese Holztafeln kann man etwa an Pilze gelangen, ohne Kreise schließen zu müssen.

Eine weitere Option für Gnome – aber auch als Bonus – sind Blumentöpfe, die man sammeln kann. Am Ende des Spiels gibt es dafür noch ordentlich Punkte, abhängig von der Anzahl unterschiedlicher Blumenarten, die man gesammelt hat.

Sobald jemand seinen achten Blumentopf oder seinen achten Ringmarker auf seinem Spielbrett verschoben hat oder der Beutel mit den Plättchen leer ist, endet das Spiel. Dann werden alle Punkte zusammengezählt, und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.


Tal der Gnome“ ist ein Spiel ganz im Sinne des aktuellen Zeitgeists der Brettspielbranche: ein Gefühl von „Cozy“ beziehungsweise Gemütlichkeit, gepaart mit einem Naturthema. Dazu kommt eine Prise Niedlichkeit, die das Gesamtpaket wunderbar abrundet. Dennoch handelt es sich um ein gehobenes Plättchenlegespiel, das man durchaus im Kennerbereich ansiedeln kann, da es einige Dinge und Optionen zu bedenken gibt. Auch das Puzzeln selbst ist teils gar nicht so einfach, da die Pfade recht verschlungen verlaufen und man hin und wieder mehrfach prüfen muss, ob alles so funktioniert, wie man es sich gedacht hat.

Auch die Gnom-Mechanik bringt zusätzliche taktische Tiefe ins Spiel, die man geschickt nutzen sollte. Wann sichere ich mir einen Pfad? Wann macht es Sinn, ein Schild zu besuchen oder auf dem Blumenmarkt einen Blumentopf zu kaufen? Ihr seht: Trotz des gemütlichen Erscheinungsbilds steckt hier eine Menge Spiel drin.

Wer also nach einem Plättchenlegespiel mit süßer Optik, cozy Thema und dennoch spielerischer Tiefe sucht, wird mit „Tal der Gnome“ ein Spiel finden, das glücklich macht. Uns jedenfalls hat es in den bisherigen Runden gut gefallen. Und noch ein Lob an die magnetischen Spielbretter – das macht ebenfalls richtig Spaß.


___________________________________________________________________




Tal der Gnome von Ammon Anderson
Erschienen bei Strohmann Games
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 45-60 Minuten ab 12 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Strohmann Games)
zum Artikel...

12.08.2026

Panda Spin



Pandas wirken ja ziemlich gemütlich, wie sie so drollig an ihrem Bambus kauen und darüber sinnieren, warum sie eigentlich nicht zu den 12 chinesischen Tierkreiszeichen gehören. Bei Panda Spin bleibt es aber nicht bei fernöstlicher Gemütlichkeit, denn aus dem Bambus-Snack für zwischendurch wird schnell ein ziemlich vertracktes Karten-Duell, bei dem es sich lohnen kann, bewusst zu verlieren.

Panda Spin ist ein Stich- und Ablegespiel von Carl Chudyk, veröffentlicht von Moon Gate Design und für den deutschen Markt von MM-Spiele lokalisiert. Für 2 bis 5 Spielende ab 14 Jahren, mit einer angegebenen Spieldauer von 25 bis 40 Minuten, stecken 70 Karten und eine Handvoll Bambus-Token in der handlichen Schachtel.

Karten ausspielen, zurücknehmen, umdrehen

Jede Runde von Panda Spin beginnen wir mit zwölf Karten auf der Hand, die alle mit der weißen, schwächeren Seite nach oben zeigen. Je nach Spielerzahl wählen wir Elemente aus, die bestimmen, welche Farben im Spiel sind: bei drei Spielenden beispielsweise drei der fünf Farben. Das Ziel ist einfach: Wer zuerst keine Karten mehr auf der Hand hat, bekommt Bambuspunkte, und zwar so viele, wie die größte verbliebene Hand am Tisch Karten hält, maximal jedoch sieben. Gespielt wird, bis jemand 15 Punkte erreicht hat.


Der eigentliche Spielablauf folgt dem klassischen Muster eines Climbing-Spiels, das viele aus Uno, Tichu oder Scout kennen. Wer an der Reihe ist, spielt eine Kombination aus: eine Einzelkarte, ein Paar, einen Drilling, eine Straße oder eine spezielle Formation. Nachfolgende Spielende müssen mit einer gleichartigen, aber höheren Kombination überbieten oder passen. Wer einen Stich gewinnt, darf alle gespielten Karten abwerfen und die nächste Runde eröffnen. Soweit, so klassisch.

Der Clou von Panda Spin ist nun der namensgebende Spin: Verlieren wir einen Stich, weil wir nicht bedienen können oder wollen, und alle unsere bislang gespielten Karten zeigen noch die weiße Seite, kommen sie auf die Hand zurück, allerdings um 180 Grad gedreht. Diese blaue Seite ist nicht nur stärker, sondern verleiht den Karten je nach Element / Farbe neue Fähigkeiten. Feuer verbrennt Karten aus der Hand, was uns unserem Ziel, die Hand zu leeren, näher bringt. Wasser wird zum Joker, Metall vervielfacht Werte, Holz produziert Bambuspunkte und Erde aktiviert den Panda-Marker, der abwechselnd Bambus stiehlt oder eine weitere Karte dreht. Haben wir bereits blaue Karten im Einsatz und verlieren den Stich, werden stattdessen alle Karten abgeworfen. Das klingt im ersten Moment schmerzhaft, verkleinert aber immerhin die Hand.


Dazu kommen noch Elementkarten, die unter bestimmten Bedingungen einen Stich sofort beenden und gewinnen sowie Bomben, also vier oder mehr gleiche Werte, die jede andere Kombination schlagen. So entsteht ein ständiges Abwägen: Spielen wir unsere starken Karten jetzt aus und riskieren, später mit schlechten Restkarten dazusitzen oder verlieren wir bewusst, um gedrehte Karten mit mächtigen Effekten zurückzubekommen? Oft ist es klüger, sich zurückzuziehen und das eigene Scheitern strategisch einzusetzen, als den Stich zu erzwingen.

Umdreh-Twist mit taktischer Tiefe

Mir persönlich gefällt an Panda Spin vor allem die taktische Tiefe, die aus diesem simplen Twist entsteht. Dass Verlieren plötzlich eine gute strategische Option ist, verleiht dem Spiel einen ganz eigenen Reiz. Die Frage ist nicht mehr nur, wie ich meine Karten loswerde, sondern welche Karten ich bewusst behalte und verliere, um sie in stärkerer Form zurückzubekommen. Das ist ein eleganter Mechanismus, der aus einem vertrauten Ablegeprinzip etwas überraschend Neues macht. Auch die abwechslungsreichen Fähigkeiten der fünf Elementfarben sorgen dafür, dass sich jede Partie je nach Zusammensetzung sich etwas unterschiedlich anfühlt. Dazu kommt ein wirklich interessantes Artwork, das sich von der Masse abhebt. Die Karten sind inspiriert von der chinesischen Tierkreis- und Elemente-Symbolik und mit viel Liebe zum Detail gestaltet.


Allerdings hat Panda Spin auch eine deutliche Schwäche in der Zugänglichkeit. Die Frage, was wann gespielt werden darf, ist gerade zu Beginn gar nicht so leicht zu beantworten. Die Regel, dass gleichartige Kombinationen bedient werden müssen, dass aber Straßen unterschiedlicher Länge nicht miteinander vergleichbar sind, dass Bomben jederzeit einspringen können und Elementkarten eigene Bedingungen mitbringen, sorgt für eine ziemliche kognitive Last in den ersten Partien. Panda Spin ist schlichtweg nicht einsteigerfreundlich und kann Spielende, die mit Climbing-Spielen nicht vertraut sind, schnell überfordern. Wer hier eine entspannte Runde mit Gelegenheitsspielern erwartet, der wird vermutlich Frust am Tisch erleben.

Fazit: Interessanter Spin für Kartenablege-Kenner

Für meinen Geschmack wiegt dieser Kritikpunkt aber nicht schwer, denn Panda Spin zielt ohnehin nicht auf Gelegenheitsspieler ab. Wer sich auf die Einstiegshürde einlässt und die ersten Partien hinter sich bringt, in denen man lernt, welche Kombinationen wann zulässig sind und wie die blauen Kartenseiten ineinandergreifen, erhält ein Kartenablegespiel auf Kennerniveau mit viel Raum zum Grübeln: Welche Karten drehe ich bewusst, welche behalte ich für den Endspurt, und wann ist der richtige Moment für eine Bombe? Wer Lust hat, sich in ein System hineinzudenken, das belohnt, was auf den ersten Blick wie Verlieren aussieht, findet hier ein kompaktes, taktisch dichtes Kartenspiel.

Wer sich also auf Panda Spin einlässt, bekommt kein entspanntes Bambus-Knabbern, sondern ein Karten-Duell, bei dem der kluge Verlierer oft der eigentliche Gewinner ist. Und der Panda? Der darf weiterträumen von seinem Platz im Tierkreis – solange er dabei nicht vergisst, seine Karten rechtzeitig zu drehen.

 ____________________________________________________________________


Panda Spin von Carl Chudyk
Erschienen bei MM-Spiele
Für 2-4 Spielende in ca. 25-40 Minuten ab 14 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier MM-Spiele)

zum Artikel...

31.07.2026

Undaunted 2200: Kallisto


Als im Jahre 2008 das Spiel Pandemic (damals noch Pandemie) erschien, hätte wohl niemand gedacht, dass sich hier nicht einfach nur ein Spiel, sondern ein ganzes Spielsystem entwickelt, dass unzählige Ableger nach sich zog und aktuell in dem wirklich genialen „Schicksal der Gemeinschaft“ gipfelt. Ähnlich dürfte es bei dem 11 Jahre später erschienen Undaunted der Fall sein – auch wenn es hiervon bisher deutlich weniger Ableger gibt und die Reihe deutlich weniger Aufmerksamkeit genießt, als die erstgenannte. Das mag vermutlich auch am bisherigen Setting des Zweiten Weltkriegs liegen, vielleicht aber auch daran, dass man hier nicht kooperativ sondern ganz klassisch konfrontativ spielt und es bisher auch keinen Solomodus gab. Vielleicht. Kallisto strengt sich jedenfalls an, diese Punkte zu ändern.

Auf meinen Spieleesstisch hat es die Reihe bisher auch nicht geschafft. Mit dem Start ins Weltall, kam mit Undaunted 2200: Kallisto nun aber doch endlich mal ein Ableger zu mir und hatte es anfangs trotzdem ein wenig schwer. Nach dem Eintrudeln zog ich die Folie ab und stellte fest, dass in der großen Box tatsächlich außer den großen Spielplänen, ein paar Standees (mit Inlay!?) und ein paar Karten und Token eigentlich gar nicht viel drin ist. Im Kopf die Rezensionen der Vorgänger, dass das Undaunted-System ja eigentlich simpel ist, schlug ich die Anleitung auf und…war erstmal etwas ernüchtert. Ich kann gar nicht sagen warum, aber ich konnte irgendwie keinen Zugang zum Spiel finden. Nicht falsch verstehen, die Anleitung ist nicht schlecht – aber es wirkte eher wie die Anleitung zu einem Tabletop als zu einem Brettspiel und vermittelte mir kein „Gefühl“ für das Spiel – was ich normalerweise beim Lesen einer Anleitung bekomme.


Gleichzeitig reizte mich das Spiel dann aber doch. Und so las ich die Anleitung bestimmt noch zwei Mal und stellte immer noch fest, dass ich das niemandem erklären kann. Und das, obwohl der eigentliche Spielablauf auf eine Seite der Anleitung passt. Also spielte ich eine Partie gegen mich selbst – und schon nach zwei Zügen fiel der Groschen und mir wurde klar, was mir die Anleitung eigentlich sagen will. Und ja, man kann das Spiel eben nicht richtig erklären, wenn man nicht auf Höhenunterschiede und Sichtlinien und Reichweiten eingeht – aber eigentlich ist es am Ende deutlich einfacher, als es in der Anleitung auf den ersten Blick wirkt. Dann folgten Partien gegen echte Menschen und auch Solo-Partien und - ohne zu viel vom Fazit vorweg nehmen zu wollen – verstehe ich nun, warum die Undaunted-Reihe durchaus viele Fans hat. Für alle, die ebenfalls noch nie ein Undaunted auf dem Tisch hatten, mal ein wirklich kurzer Regelabriss, ohne auf die Besonderheiten von Brücken etc. einzugehen. Wer das System kennt, überspringt die nächsten zwei Absätze gerne.


Im Kern spielen wir Schach mit vorgegebenen Startszenarien und in Kombination mit einem Deckbuilder: Jede Seite besitzt unterschiedliche Einheiten, die wie im jeweiligen Szenario beschrieben auf dem jeweiligen Spielplan (jedes Szenario hat einen eigenen!) aufgestellt werden. Für jeden Einheitentyp haben wir bereits Karten in unserem Startdeck sowie in unserer persönlichen Marktauslage (beides ebenfalls vom Szenario vorgegeben). Auf den Karten steht neben dem zugehörigen Einheitentyp immer auch die Aktionsmöglichkeiten, die dieser Typ mit dieser Karte ausführen kann. Es gibt insgesamt 12 verschiedene Aktionsmöglichkeiten im Spiel und jeder Einheitentyp kann davon grundsätzlich immer nur eine bestimmte Auswahl – diese wird nochmal durch die Karten beschränkt, da auf einer Karte in der Regel nur 2 bis max. 4 mögliche Aktionen stehen. Zu diesen Aktionen gehören Bewegen, Erkunden (ich darf mich nur in erkundete Gebiete bewegen!), Karten „kaufen“ oder eben Angreifen. Spiele ich eine Karte aus, muss ich sagen auf welche konkrete Einheit dieses Typs ich mich auf dem Spielfeld beziehe (mitunter hat man von einem Einheitentyp mehrere Einheiten auf dem Feld) und welche der abgedruckten Aktionen sie ausführen soll. Denn ich kann immer nur eine der Aktionen ausführen und lege die Karte dann vor mir aus und mein Gegenüber ist dann an der Reihe. So spielen wir Karte um Karte von unserer Hand, bis beide Seiten nicht mehr können oder wollen. Die restlichen Handkarten werden abgeworfen und es beginnt eine neue Runde. Gespielt wird, bis eine Seite die Siegbedingung des Szenarios erfüllt hat. In der Regel ist diese, eine bestimmte Anzahl an Regionen zu besetzen und/oder eine bestimmte Anzahl feindlicher Einheiten zu eliminieren.

Und so bewegen wir unsere Einheiten - die meisten davon in der Form von einfachen Token – was ich hier tatsächlich eine sehr gute Designentscheidung finde, da (unbemalte) Miniaturen die Übersicht zerstört hätten - auf dem Plan, lassen sie kämpfen und versuchen mit ganz viel Strategie und Taktik das Ziel zu erfüllen. Und Möglichkeiten zum Taktieren gibt es viele. Besiegte Einheiten kommen nämlich nicht zurück ins Spiel. Habe ich also meinem Gegenüber alle Einheiten eines Typs zerstört, muss er oder sie sämtliche Karten dieses Typs entsorgen – hat also weniger Karten im Deck. Gleichzeitig gibt es „Müllkarten“, die das eigene Deck blockieren und die zwar auch mit einer Aktion aussortiert werden können – aber eben nur von bestimmten Einheitentypen. Geschickt angestellt ist es also möglich, das Gegenüber faktisch handlungsunfähig zu machen. Das ist aber nur ein Beispiel für die vielen Möglichkeiten, die das System bietet.


Zusammenfassend ist Undaunted 2200: Kallisto in meinen Augen ein wirklich gutes Spiel, dass mir unfassbar viel Spaß macht und das ich immer gerne auf den Tisch bekomme. Förderlich ist hier auch die knackige Spielzeit, da es sich locker in 45 Minuten spielen lässt, sofern beide Seiten die Regeln kennen. Die größte Hürde beim Einstieg ist tatsächlich das Kennen und Auseinanderhalten der 12 unterschiedlichen Aktionsmöglichkeiten. Diese spielen sich aber nach 2-3 Partien gut ein. Auch der Solomodus ist wirklich gut durchdacht und funktioniert bestens. Lediglich den 4-Spielenden-Modus habe ich nicht getestet, da ich hierin ehrlicherweise keinen Mehrwert gesehen habe und das Spiel auch außerhalb des direkten Duells und des Solomodus nicht sehe. Zu viert hat jede/r am Tisch nur eine Hälfte einer Seite unter Kontrolle mit einem halben Markt – und in Summe vom Anschein her auch nur den halben Spaß, da man gar nicht so gut taktieren und auch bluffen kann, wie im direkten Duell. Davon abgesehen bin ich nun auf den schon in den Startlöchern stehenden Nachfolger gespannt und freu mich auf die „Revolution“.

  ________________________________________________________________


Undaunted 2200: Kallisto von Trevor Benjamin und David Thompson
Erschienen bei Grimspire
Für 1 - 4 Spielende in 45 bis 60 Minuten ab 14 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Grimspire)
*es handelt sich um einen Affiliate-Link. Für Euch entstehen keine zusätzlichen Kosten, wir erhalten eine kleine Provision.
zum Artikel...

29.07.2026

Navoria + Die vergessenen Lande


Ist es denn möglich, dass etwas gleichermaßen unter dem Radar fliegt und trotzdem für Aufruhr sorgt? Was auf den ersten Blick widersprüchlich zu sein scheint, hat Navoria aber geschafft. Denn wenn man sich mal im Netz zum Spiel umschaut, liest man von vielen Vielspielenden, dass es ja aussieht wie Root, aber sich gar nicht so spielt – und bekommt also viele enttäuschte Erwartungen mit. Tatsächlich wurde hier nie mit Root geworben, sondern wir bekommen ein astreines Kennerspiel, das aber eben bei denjenigen, die gerne auch mal keine Expertenspiele spielen, scheinbar keine große Rolle spielte. Zu Recht?


Gehen wir dem doch mal auf den Grund – und ziehen der Vollständigkeit halber auch direkt die Erweiterung „Die vergessenen Lande“ in Betracht. Beginnen wir aber mit dem Hauptspiel. Und eins muss ich direkt sagen: Lustigerweise hat Strohmann Games direkt zwei Spiele auf den Markt gebracht, in denen es „Wesenskarten“ gibt. Neben Navoria noch die Wundersamen Wesen. Und tatsächlich lassen sich beide Spiele vom Spielgefühl her auch ein wenig vergleichen. Und ohne jetzt meine Meinung zu sehr einzustreuen kann ich vielleicht schon an dieser Stelle sagen, dass Navoria doch ein ganzes Stück „einfacher“ bzw. familienfreundlicher ist, als es die Wundersamen Wesen sind.


So. Nun aber genug vom Vorgeplänkel. Auf zum Spiel: Gespielt wird in drei Runden mit je vier Phasen. Zuerst draften wir reihum eine Reihe von Karten aus der Auslage. Dies läuft über ein ganz nettes System. Es gibt fünf verschiedene Kartenarten mit je eigener Farbe, eigenem Symbol und eigener Fähigkeitsart und je Art liegen 3 Karten offen aus. In einem Beutel liegen Holzmarker für alle fünf Kategorien. Bin ich dran, ziehe ich zwei dieser Marker und wähle denjenigen aus, aus dessen Kategorie ich eine Karte draften möchte. Den anderen Marker lege ich auf die Hauptstadt. Alternativ kann ich auch Marker von der Hauptstadt nehmen, wenn dort Marker liegen und von der entsprechenden Reihe draften. Nehme ich eine Karte, darf ich deren Soforteffekte auch direkt ausführen. Die Marker legen wir dabei immer auf die jeweiligen Stapel. Das machen wir reihum, bis jeder 4 bzw. 3 Karten (je nach Spielendenanzahl) genommen hat. Dann räumen wir alle in der Hauptstadt liegenden Marker ab und es beginnt Phase 2 in umgekehrter Spielenden-Reihenfolge: Wer dran ist, nimmt sich einen Marker und platziert ihn auf der Landkarte und bekommt die jeweils dort abgebildeten Boni. Auch das machen wir reihum, bis alle Marker verteilt sind. Dann wird gewertet und aufgeräumt und die nächste Runde beginnt oder eben die Schlusswertung erfolgt.


Zu den Effekten der Karten aber auch der Landkarte gehören: Ressourcen nehmen, Schritte auf einer der drei Leisten weitergehen (an deren Ende jeweils Siegpunkte warten), Stützpunkte auf den Leisten bauen oder Sonderpunkte für die Zwischen-/Endwertung erhalten. Hier kommt nun auch unser Playerboard ins Spiel: Dort haben wir drei Spalten mit je drei Stützpunkten. Jede Spalte ist einer der drei Leisten auf dem Spielplan zugeordnet und benötigt eine bestimmte Ressourcenkombination, um Belohnungen (Siegpunkte oder Schritte auf einer Leiste) zu triggern. Jeder gebaute Stützpunkt schaltet zudem weitere Boni frei. Bekomme ich Ressourcen, muss ich diese aber immer auf die Spalten aufteilen. In den Zwischenwertungen werte ich dann auf den Leisten erreichte Fahnen multipliziert mit meinen rosa Karten und gesammelte Speziessymbole (es gibt vier verschiedene) mit den blauen Karten (wobei manche Karten auch doppelte Punkte bringen). Bei der Schlusswertung gibt es dann Punkte für gebaute Stützpunkte je Leiste, multipliziert mit den entsprechenden Karten, die man gesammelt hat. Habe ich von einem Speziessymbol fünf Stück, schalte ich zudem die entsprechende Sonderwertung am Spielende frei. Diese Sonderwertungen werden zu Beginn des Spiels zufällig verteilt und bringen z.B. Sonderpunkte für gesammelte grüne Karten. In der letzten Phase je Runde tauschen wir übrige Karten aus der Auslage aus, setzen uns auf allen Leisten wieder zum letzten eigenen Stützpunkt zurück (oder auch vor) und werfen alle Scheiben in den Beutel zurück.

Und das war’s auch schon. Mechanisch gesprochen draften wir Karten, dann draften wir Worker und alles um auf Leisten zu laufen und Setcollecting zu betreiben. Das ist kein Hirnzwirbler, und schon gar kein Expertenspiel, sondern spielt sich eigentlich echt fluffig-leicht in einer Stunde weg. Durch das Ziehen der Marker aus dem Beutel kommt ein gewisser Glücksfaktor ins Spiel und das Startspielerproblem wird durch die umgekehrte Reihenfolge beim Arbeitereinsetzen schnell neutralisiert. Taktik und Planung sind möglich. Unterm Strich also ein wirklich rundes und schönes Familien-Kennerspiel. Ich mag Navoria und auch unsere 10jährige hat Spaß daran, wobei sich nach einigen Partien durchaus ziemlich klar zeigt, welche Strategien erfolgversprechender sind als andere. Oder anders formuliert: Es spielt sich dann doch recht bald „durch“.


Und da kommt nun die Erweiterung ins Spiel. Sie führt zum einen eine neue Kartenart ein: immer zweifarbig (zählen also unter Umständen bei der Schlusswertung doppelt), aber ohne Spezies. Dafür mit teilweise ordentlichen Belohnungen. Um an diese zu kommen, brauche ich einen der neuen Lupe-Marker, die natürlich auch in den Beutel kommen. Und da es für die Lupen bislang kein Worker-Feld gab, gibt es nun natürlich eine neue Insel mit den namensgebenden verlorenen Landen, die wir als Auflage auf das Spielbrett legen. Die neuen Worker-Felder bringen uns die neue Ressource Pergamente ein. Diese brauche ich, um meine Fähigkeiten auf meiner neuen Fähigkeitstafel zu nutzen. Diese Tafeln bekommen wir nun zu Spielbeginn und sie bringen gemeinsam mit den Gildentafeln (diese bringen unterschiedliche Startboni) ein wenig Asymmetrie ins Spiel. Zu den Fähigkeit zählt bspw. das Tauschen einer meiner Karten mit einer aus der Auslage, um meine Sets zu Verbessern oder eine Gratisressource. Und gebe ich meine Pergamente nicht aus, bekomme ich pro Stück am Ende Bonuspunkte. Außerdem werden durch die Erweiterung auch die Pfade angepasst. Einerseits liegt nun auf dem letzten Feld jeder Leiste ein Speziesmarker, der als zusätzliches Symbol für die Wertung gilt. Außerdem gibt es nun Plättchen für die Wertung der Pfade, also variable Belohnungen für die Personen, die pro Runde am weitesten gekommen sind. Dazu gesellen sich Zielkarten, von denen ich pro Partie drei aufdecke – also für jede Spielrunde eine. Die Karte pro Runde zeigt an, wofür es am Ende einer Runde Bonuspunkte gibt. Obendrauf gibt es noch das Material für eine fünfte mitspielende Person und eine Solomodus mit eigenem Material und einer kleinen Kampagne, die aus 5 Kapiteln (= Partien) besteht und in deren Verlauf sich die Spielregeln immer ein wenig ändern.


Ob diese Erweiterung nun wirklich ein „Must-Have“ ist, ist tatsächlich davon abhängig, wie man Navoria spielen möchte. Mit den (nicht zu kleinen) Kids hat man bereits im Grundspiel viel Spaß und kann einige Partien spielen. Die Erweiterung macht das Spiel durchaus „kennermäßiger“, bringt ein wenig mehr Komplexität und größere Entscheidungsvielfalt hinein. Und auch das mag ich sehr. Den Solomodus habe ich nicht ausprobiert, er wirkt aber durchaus auch schön gestaltet und bringt kaum Extraregeln, die man beachten muss (1 Seite in der Anleitung + Kleine Kästen bei den Kapiteln). Für mich persönlich rundet die Erweiterung das ganz nette Grundspiel sehr gut ab und ich persönlich möchte es auch nicht mehr ohne sie spielen, eben weil hierdurch etwas mehr Entscheidungsvielfalt ins Spiel gelangt. Dabei bleibt es aber im Kern auf seichtem Kennerniveau und spielt sich auch weiterhin fluffig-leicht.
  ________________________________________________________________


Navoria und Navoria: Die vergessenen Lande von Meng Chunlin
Erschienen bei Strohmann Games
Für 2 - 4 bzw. 1 - 5 Spielende in 40 bis 80 Minuten ab 12 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Strohmann Games)
*es handelt sich um einen Affiliate-Link. Für Euch entstehen keine zusätzlichen Kosten, wir erhalten eine kleine Provision.
zum Artikel...

17.07.2026

Am goldenen Fluss



Zwischen Handel und Einfluss

Mit River of Gold entführt uns Designer Keith Piggott in die Welt von Rokugan, bekannt aus Legend of the Five Rings. Statt kriegerischer Konflikte stehen diesmal jedoch Handel, Einfluss und wirtschaftlicher Aufstieg im Mittelpunkt. Spieler verschiffen Waren entlang des Goldenen Flusses, errichten Gebäude an seinen Ufern und versuchen, durch geschicktes Timing mehr Ruhm und Reichtum als ihre Mitspieler anzuhäufen.Dabei benötigt man keinerlei Vorkenntnisse zum zugrunde liegenden Universum. Das Thema dient in erster Linie als atmosphärischer Rahmen für ein zugängliches Kennerspiel.

Einfache Regeln, interessante Entscheidungen

Der Kern von River of Gold ist erstaunlich unkompliziert. Im Wesentlichen wählen die Spieler zwischen dem Bau neuer Gebäude, dem Bewegen ihrer Schiffe entlang des Flusses oder dem Erfüllen von Aufträgen. Ergänzt wird das Ganze durch verschiedene Wertungsleisten und Zwischenziele, die zusätzliche Siegpunkte versprechen.

Besonders gelungen ist dabei die Verzahnung der einzelnen Systeme. Gebäude liefern Ressourcen oder Geld, Schiffe profitieren von bereits errichteten Gebäuden und Aufträge wandeln die gesammelten Waren in wertvolle Siegpunkte um. Keine dieser Mechaniken wäre für sich genommen außergewöhnlich, gemeinsam ergeben sie jedoch ein rundes Gesamtpaket. 

 
Kaum Downtime, hoher Spielfluss

Die größte Stärke von River of Gold liegt für mich allerdings im Spielfluss (hö hö hö). Selbst in voller Besetzung vergehen die Züge der Mitspieler meist innerhalb weniger Sekunden. Lange Grübelphasen entstehen selten, wodurch die Partie konstant in Bewegung bleibt. Nach rund zehn Partien ist genau das der Aspekt, der mich immer wieder an den Tisch zurückholt. Man ist permanent involviert, beobachtet die Entwicklungen auf dem Fluss und passt seine Planung laufend an die Entscheidungen der Mitspieler an. Gerade in einer Zeit, in der viele Eurogames immer umfangreicher und komplexer werden, wirkt diese Leichtigkeit angenehm erfrischend. Interessanterweise war ein möglichst flüssiges Spielerlebnis laut Designer auch eines der zentralen Entwicklungsziele des Spiels.

Mehr Interaktion als erwartet

Obwohl River of Gold auf den ersten Blick recht friedlich wirkt, steckt erstaunlich viel Konkurrenz im Spiel. Die Spieler kämpfen um attraktive Bauplätze, profitable Lieferungen und die besten Positionen entlang des Flusses. Wer einen Abschnitt zuerst besetzt oder eine wichtige Aktion vor den Mitspielern nutzt, kann deren Planung spürbar beeinflussen. Dadurch entsteht eine Form von Interaktion, die nie destruktiv wirkt, aber dennoch ausreichend Spannung erzeugt. Das Spiel bleibt auch nach mehreren Partien frisch, weil sich die Dynamik am Tisch je nach Mitspielern spürbar verändert.

 
Material und Präsentation

Auch optisch macht River of Gold einiges her. Die Illustrationen transportieren das asiatisch inspirierte Setting stimmungsvoll und das Spielmaterial hinterlässt einen hochwertigen Eindruck. Besonders der zentrale Fluss zieht die Blicke auf sich und verleiht dem Spiel einen hohen Wiedererkennungswert. 
 
Langzeitmotivation

Nach etwa zehn Partien sehe ich allerdings auch einen kleinen Kritikpunkt. Zwar sorgt die Konkurrenzsituation auf dem Spielplan für ausreichend Abwechslung, dennoch wünsche ich mir inzwischen eine Erweiterung. Die Basis des Spiels ist stark genug, um zusätzliche Gebäude, neue Aufträge oder alternative Wertungsmöglichkeiten problemlos zu tragen. Das Grundspiel funktioniert hervorragend, doch gerade Vielspieler dürften sich früher oder später etwas mehr Varianz wünschen.

Fazit

River of Gold ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass ein modernes Kennerspiel nicht zwangsläufig komplex sein muss. Die Regeln sind schnell erklärt, die Züge laufen angenehm flott ab und dennoch bietet jede Partie genügend interessante Entscheidungen. Wer ein interaktives Eurogame mit hohem Spielfluss, überschaubarer Spielzeit und einer gelungenen Mischung aus Handel, Engine Building und Timing sucht, sollte River of Gold unbedingt ausprobieren. Für mich zählt es zu den positivsten Überraschungen der letzten Jahre – auch wenn ich mittlerweile sehr auf eine erste Erweiterung hoffe.
____________________________________________________________________


Am goldenen Fluss von Keith Piggott
Erschienen bei Kosmos
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 60 Minuten ab 14 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Kosmos)
*es handelt sich um einen Affiliate Link. Für Euch entstehen dabei keine Kosten, wir erhalten jedoch eine kleine Provision
zum Artikel...

08.07.2026

Dirt & Dust



Dirt & Dust ist ein Rennspiel ohne Rennen. Macht das Sinn? Findet es selbst heraus. In diesem Kennerspiel aus der Feder von Petr Čáslava können sich 1–4 Spieler ab 14 Jahren am Feintuning des Rallyesports versuchen und sollten dafür gut 90 Minuten einplanen. Das Cover verspricht in gewisser Weise Action und auch das Material auf der Rückseite zeigt uns Straßen, Cockpits, aber auch Karten und Würfel. Warum ist es also ein Rennspiel ohne Rennen?

Nun ja, der Rallyesport ist größtenteils ein Zeitrennen. Das heißt, es geht nicht im direkten Kampf auf der Straße um Platz 1 oder 2, sondern darum, den Kurs in der bestmöglichen Zeit zu absolvieren – ohne dass andere Fahrer dabei stören können. Hier stehen das fahrerische Können des Fahrers und seines Beifahrers im Mittelpunkt. Und genau DAS wird in Dirt & Dust simuliert.


Fast alle Aktionen, die wir nun beschreiben werden, können von allen Spielern simultan durchgeführt werden. Lediglich beim Kauf neuer Karten kann es vorkommen, dass eine Reihenfolge eingehalten werden muss. Das ist in meinen Partien allerdings bisher noch nicht vorgekommen. Nun habt ihr bereits gelesen, dass man Karten kaufen kann – Dirt & Dust ist also in gewisser Weise auch ein Deckbuilding-Spiel, noch mehr aber ein Tableau-Building-Spiel, dessen Karten mithilfe von Würfeln aktiviert werden.

In der Tischmitte liegt ein Kurs aus, der meist aus zehn Karten besteht, von denen sechs offen in einer vorgegebenen Reihenfolge ausliegen. Jede Karte stellt dabei einen Streckenabschnitt dar, den man möglichst gut planen sollte, um Punkte zu erhalten, sobald dieser Abschnitt gewertet wird.


Wann ist ein Abschnitt an der Reihe? Am Ende jeder Runde verlässt die unterste Karte den Kurs. Liegt darauf einer meiner Stoppuhrmarker, erhalte ich – abhängig von der Position meines Auto-Meeples auf meinem Tableau – Punkte. Liegt dort kein Marker, gibt es in diesem Moment natürlich auch keine Punkte.

Es gilt also, die einzelnen Abschnitte möglichst gut vorzubereiten. Dafür besitzt jeder Spieler zwei Tableaus. Das erste wurde bereits angesprochen: Hier befindet sich unser Auto und es wird dargestellt, wie nah wir uns an der Ideallinie befinden. Dabei können wir nach links oder rechts ausscheren. Gleichzeitig zeigt das Tableau an, ob wir gerade Vollgas geben (obere Reihe) oder eher vorsichtig und bremsend unterwegs sind (untere Reihe). Je nach Position erhalten wir bei einer Wertung Punkte. Sind wir jedoch zu weit außen, gibt es keine Punkte – dafür freuen sich die Zuschauer über die riskante Fahrweise und wir erhalten stattdessen Beliebtheitspunkte. Zu Beginn jeder Runde bekommt nämlich der Spieler mit der höchsten Beliebtheit einen zusätzlichen Würfel. Und Würfel bedeuten bei Dirt & Dust nun einmal Aktionen.

Schauen wir nun auf das zweite Tableau. Dort finden wir sechs Slots, in die Karten gelegt werden können. Jeder Slot ist einem bestimmten Würfelwert zugeordnet. In einer Runde kann ich nun in beliebiger Reihenfolge Karten ausspielen, Würfel einsetzen, Karten in den entsprechenden Slots aktivieren oder neue Karten aus der Auslage kaufen.


Die Aktionen auf den Karten sind dabei äußerst vielseitig und teilweise ebenfalls von der Position des Wagens abhängig. Zur Bewältigung der Streckenabschnitte sammelt man beispielsweise Grip, den man anschließend ausgibt, um einen Abschnitt zu markieren. Mit Schraubenschlüsseln lassen sich neue Karten kaufen. Da diese Ressourcen ständig benötigt werden, besitzt das Cockpit-Tableau praktische Drehräder zur Verwaltung.

Außerdem können Karten einmalig nutzbare Booster-Würfel liefern. Das Problem dabei: Irgendwann sind alle Slots belegt. Am Ende jeder Runde rutschen sämtliche Karten einen Slot nach rechts, sodass nur die äußerste Karte aus dem Tableau verschwindet. Dadurch entstehen eventuell Karten-Würfel-Kombinationen, die gar nicht mehr zu meiner Planung oder meinen Würfeln passen. Glücklicherweise gibt es Karten, mit denen sich Kartenpositionen tauschen oder Slots wieder freiräumen lassen.

Wichtig ist außerdem, dass ich bei jedem erfolgreich absolvierten Streckenabschnitt SOFORT nach links oder rechts abdrifte – unabhängig davon, an welcher Position sich dieser Abschnitt befindet. Für kommende Wertungen sollte das unbedingt mit eingeplant werden. Darüber hinaus bieten manche Streckenabschnitte zusätzliche Sonderaktionen.


Einen letzten Punkt möchte ich ebenfalls nicht unerwähnt lassen: Es kann passieren, dass wir Schaden nehmen – freiwillig oder unfreiwillig. Dies wird durch Schadenswürfel dargestellt, die dauerhaft unserem Würfelpool hinzugefügt werden (bis zu drei Stück). Auf diesen befinden sich überwiegend Schadenssymbole und lediglich etwas Beliebtheit. Für jeden Schaden steigen wir auf einem kleinen Schadens-Track auf. Sobald dessen Ende erreicht ist, erhält unser Wagen einen dauerhaften Schaden. Der erste Schaden beeinträchtigt beispielsweise die Lenkung: Immer wenn ich nach links oder rechts drifte, muss ich mich ein weiteres Feld in diese Richtung bewegen. Nach acht dauerhaften Schäden ist mein Auto schließlich ein Totalschaden und ich scheide aus dem Spiel aus.

Das Spiel endet, sobald alle Streckenabschnitte das Board verlassen haben. Durch gemeisterte Streckenabschnitte und gekaufte Karten konnten bis dahin Punkte gesammelt werden. Wer am Ende die meisten Punkte besitzt, gewinnt das Spiel und hat damit wohl die beste Linie gefunden.

Dirt & Dust ist ein sehr spezielles Spiel, denn es verzichtet bewusst fast vollständig auf Interaktion. Die einzige Situation, in der sich die Spieler tatsächlich in die Quere kommen können, ist der Kauf einer Karte, von der nur noch ein Exemplar vorhanden ist. In diesem Fall hat der Spieler mit der höheren Beliebtheit Vorrang. Alles andere spielt sich solitär ab und verlangt auch ein gewisses Vertrauen in die Mitspieler, denn jeder tüftelt gleichzeitig mit seinen Karten und Würfeln an seinem eigenen Tableau. Für Einsteiger kann man die ersten Runden natürlich gemeinsam durchgehen, spätestens ab der zweiten oder dritten Runde arbeitet aber jeder simultan vor sich hin.

Für ein Gesellschaftsspiel fühlt sich das zunächst wirklich ungewöhnlich an. Thematisch ergibt das durchaus Sinn – beim Rallyesport fährt schließlich ebenfalls jeder allein gegen die Zeit. Trotzdem sitzt man zu viert am Tisch und jeder beschäftigt sich ausschließlich mit seinem eigenen Puzzle. Das wirkt zunächst etwas befremdlich. Jeder tüftelt vor sich hin und irgendwann heißt es nur noch: „So, ich bin fertig – ihr auch?“ Anschließend wird der aktuelle Streckenabschnitt gewertet und geschaut, wer Punkte erzielt hat.


Gleichzeitig macht das Ganze aber auch wirklich großen Spaß. Dirt & Dust fühlt sich wie ein Puzzle- oder Räftselspiel an, bei dem man sich jedes Mal freut, wenn der eigene Plan aufgeht. Wenn Karten, Würfel und Fahrzeugpositionen perfekt ineinandergreifen, laufen die Gehirnwindungen auf Hochtouren, um aus den vorhandenen Möglichkeiten das Maximum herauszuholen und gleichzeitig Karten für zukünftige Runden zu erwerben.

Jeder Spieler verfügt zudem über ein eigenes Kartendeck mit individuellem Fahrernamen und unterschiedlichen Schwerpunkten. Diese Fähigkeiten gilt es natürlich bestmöglich auszunutzen. So gibt es beispielsweise Fahrer, die bewusst Schaden in Kauf nehmen, diesen aber auch besonders gut wieder reparieren können.

Mit vier unterschiedlichen Strecken sowie einem Qualifying als Einstieg ist zudem für genügend Abwechslung gesorgt. Die Anleitung ist gut geschrieben, die Optik gefällt mir ebenfalls und auch die Materialqualität weiß zu überzeugen. Eigentlich also lauter Argumente für ein richtig gutes Spiel – und das ist Dirt & Dust tatsächlich auch. Der einzige Wermutstropfen ist die sehr solitäre Spielweise. Das muss man mögen und sollte man vor dem Kauf unbedingt berücksichtigen. Wer sich daran jedoch nicht stört, wird mit einem außergewöhnlichen Spielerlebnis belohnt – insbesondere dann, wenn man einmal ein Rennspiel der etwas anderen Art sucht.

______________________________________________________________




Dirt & Dust von Petr Ceslava
Erschienen bei Albi
Für 1-4 Spieler in ca. 60-90 Minuten ab 14 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Albi)
zum Artikel...

03.07.2026

Kuldhara


Vor über 200 Jahren verschwand das Dorf Kuldhara über Nacht. Zurück blieben nur Ruinen, Legenden und Geschichten über versteckte Schätze tief unter dem Sand. In Kuldhara begeben wir uns genau dorthin: als Schatzsuchende durchstreifen wir mit unseren Dromedaren die Geisterstadt, graben Edelsteine aus und fertigen daraus wertvolle Schmuckstücke, bevor die Nacht hereinbricht.

Spielablauf: Wasser managen, Edelsteine puzzeln, Schmuck herstellen

Eine Partie Kuldhara verläuft über vier Tagesphasen vom Morgen bis zum Abend. In jeder Phase starten alle Spielenden mit einer festen Menge Wasser, das als Ressource für sämtliche Aktionen dient. Wer kein Wasser mehr hat, muss passen und ist fertig für die Runde. In meinem Zug führe ich eine oder zwei Aktionen aus. Ich kann mein Dromedar über das Spielfeld bewegen, Edelsteine ausgraben, diese ins Lager bringen oder mir Schmuckkarten sichern, die ich später erfüllen möchte. Alle Aktionen kosten unterschiedlich viel Wasser, je nach Größe der Edelsteine und der Ausrichtung des drehbaren Spielplans.


Die gesammelten Edelsteine lege ich auf meiner Werkbank in ein Raster. Dort entsteht das eigentliche Puzzle: die ausliegenden Schmuckkarten verlangen bestimmte Muster aus Edelsteinen. Sobald ich ein passendes Muster gelegt habe, kann ich das Schmuckstück herstellen und erhalte dafür Punkte. Besonders spannend ist dabei, dass ich in den niedrigeren Karten-Levels Schutzplättchen erhalte, die einzelne Edelsteine dauerhaft sichern und so für mehrere Schmuckstücke genutzt werden können.

Zusätzlich kann ich Werkzeuge einsetzen, um mein Raster zu verändern, Edelsteine umzulegen oder kurzfristig mehr Wasser zu erhalten. Diese Flexibilität ist hilfreich, lässt sich aber nur sehr begrenzt einsetzen. Am Ende gewinnt, wer die wertvollsten Schmuckstücke gefertigt und seine Ressourcen am besten genutzt hat.

Schönes Material trifft auf interessantes Puzzle

Kuldhara macht direkt Eindruck auf dem Tisch. Das Material aus Re-Wood fühlt sich hochwertig an und sorgt für eine tolle Präsenz, wobei die Papp-Dromedare etwas stabiler sein dürften. Gerade das zentrale Spielbrett mit den Ruinen und die eigenen Werkbänke ziehen Blicke auf sich und brauchen für ein Puzzle-Spiel dieser Größenordnung erstaunlich viel Platz.


Spielerisch überzeugt vor allem das Puzzle auf der eigenen Auslage. Die Frage, wie ich meine begrenzten Wasserpunkte nutze und in welcher Reihenfolge ich Schmuckstücke fertige, ist spannend. Besonders gelungen finde ich die Schutzplättchen: Sie sorgen für eine Art Engine-Building, weil ich einmal gesicherte Edelsteine mehrfach nutzen kann. Dabei kann ich mir aber auch meine eigene Auslage für weitere Schmuckstücke blockieren, die eine andere Farb-Kombination benötigen. Hier ist es wichtig, schon mehrere Schmuckstücke im Blick zu haben, die ich hintereinander basteln möchte.


Interessante Entscheidungen, aber wohlbekannt

So schön das Puzzle ist, wirklich neu fühlt sich Kuldhara nicht an. Viele Mechaniken kennt man aus anderen Spielen, und auch der Ablauf wiederholt sich von Partie zu Partie recht stark. Die Mechanik der Schutzplättchen und die damit verbundene Vorausplanung erinnern sehr an Splendor, wobei es hier deutlich haptischer zugeht und ich mir die Ressourcen zum Verbauen mühsamer erarbeiten muss. Das Beschaffen der Edelsteine durch die Aktionen macht hier aber durchaus einen besonderen Reiz aus.


Dazu kommt ein nicht zu unterschätzender Glücksfaktor beim Nachziehen der Schmuckkarten. Wenn genau die passenden Kombinationen ausliegen oder eben nicht, kann das den eigenen Plan deutlich beeinflussen. Die Werkzeuge können hier wohl dagegen wirken, aber sind sie einmal aufgebraucht, war es das dann auch.

Fazit: Schönes Schmuck-Puzzle mit begrenztem Wiederspielreiz

Kuldhara ist ein optisch sehr ansprechendes Puzzle-Legespiel, bei dem ich mir meine Ressourcen und Möglichkeiten durch die stark begrenzten Wasser-Aktionspunkte erarbeiten muss. Das Zusammenspiel aus Wasser-Management, Edelstein-Puzzle und Schutzplättchen-Engine funktioniert gut und bietet interessante Entscheidungen. Gleichzeitig fehlt mir aber etwas die Innovation und vor allem die Abwechslung zwischen den Partien. Kuldhara bleibt ein solides, reizvolles Puzzle, aber keines, das mich dauerhaft immer wieder an den Tisch zieht. Wer sich von der Optik angesprochen fühlt und gerne mehrstufige Puzzles mag, kann aber durchaus mal eine Reise nach Kuldhara wagen.

 ____________________________________________________________________


Kuldhara von Glenn Dejaeger
Erschienen bei Jolly Dutch Productions
Für 1-4 Spielende in ca. 30-90 Minuten ab 8 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Jolly Dutch Productions)

zum Artikel...