19.10.2021

Snakesss


Was passiert, wenn das Spiel Werwölfe auf Quizclub stößt? Es kommt das Spiel Snakesss heraus. Denn hier haben wir es tatsächlich mit einem Spiel zu tun, dass social deduction und quizzen zusammenführt. Es werden Fragen gestellt, wobei man je nach eigener Rolle entweder Punkte dafür bekommt, selbst die richtige Antwort zu geben oder indem man dafür sorgt, dass die Mitspieler eine falsche Antwort geben. Doch wie genau das ganze abläuft und ob das misstrauische Herumgequizze auch was taugt, schauen wir unssss doch geschwind in den folgenden Zeilen einmal genauer an.


Material

Schaut euch doch mal dieses Cover an! Genau so fällt man im Regal erfolgreich auf würde ich meinen! Zu lange sollte man das Cover jedoch nicht bestaunen, da die eingearbeitete optische Täuschung auf Dauer doch zu Kopfschmerzen führen könnte. Beim Öffnen der Box schaut man dann auf einen Stapel Fragekärtchen mit jeweils drei Antwortmöglichkeiten und der richtigen Antwort auf der Rückseite, und auf ein einige quadratische Pappantwort- sowie länglichere Pappcharaktermarker. Karten und Pappmarker haben eine gute Qualität und passen stilistisch zum Cover des Spiels. Außerdem ist neben einem Wertungsblock und einer schlanken Spieleanleitung noch die sogenannte „Manguste der Wahrheit“ als Holzfigur beigelegt – unnötig, aber cool! Materialtechnisch gibt es also schonmal nichts zu meckern. 


Ablauf

Das Spiel selbst ist in wenigen Worten erklärt. Jeder bekommt verdeckt eine Rollenkarte zugewiesen, wobei es nur Menschen, Schlangen und die Manguste der Wahrheit gibt. Nachdem alle wissen, welche Rolle sie haben, wird eine Frage sowie die drei dazugehörenden Antwortmöglichkeiten vorgelesen. Dann schließen alle – wie man es aus Werwölfe kennt – die Augen und kurz darauf werden nur die Schlangen dazu aufgefordert die Augen zu öffnen und sich die Antwort auf die vorgelesene Frage anzuschauen. Als nächstes öffnen alle wieder die Augen und diskutieren zwei Minuten lang über die Frage. 

Sobald die Diskussionszeit vorüber ist, legt jeder verdeckt ein Plättchen vor sich ab, entweder ein Antwortplättchen A, B oder C, oder das Schlangenplättchen. Nun werden die Punkte folgendermaßen verteilt: die Menschen bekommen, wenn sie die Frage richtig beantwortet haben, so viele Punkte, wie richtige Antworten gegeben wurden. Die Schlangen hingegen bekommen Punkte für jede falsche Antwort, die von den Menschen und der Manguste gegeben wurde. Letztere funktioniert im Übrigen wie die Menschen, nur dass sie sich bei Verteilung der Rollen gleich als Manguste der Wahrheit offenbart. Und das war’s im Grunde auch schon. Auf zum Fazit.


Fazit

Ich liebe das Spiel Werwölfe und ich liebe Quizspiele; ergo müsste ich doch auch Snakesss ziemlich abfeiern. Und tatsächlich fühlt sich die Kombi aus social deduction und quizzen frisch an und funktioniert im Grunde auch wirklich gut und bringt Spaß. 

Es gibt leider nur ein kleines aber doch sehr markantes Problem: es gibt lediglich 120 Fragen und davon sind ein paar schlichtweg zu leicht. Doch das Spiel lebt ja gerade davon, dass niemand die Antwort weiß und man durch die Schlangen auf die falsche Fährte gelockt werden kann. Wenn ich die Antwort auf die Frage jedoch weiß oder mir ziemlich sicher bin, kommt keine Diskussion zustande und die Rollen der Schlangen sind witzlos. Daher müsste man, um sicher zu gehen, dass eine Spielrunde auch Spaß macht, die Frage zuerst vorlesen und schauen, ob mehrere am Tisch die Antwort kennen – was zwar nicht oft, aber immer wieder vorkommt – und die Karte in diesem Fall überspringen. Da es aber nur 120 Fragen gibt, ist das Spiel auf diese Weise einfach sehr schnell durchgespielt. Das ist echt schade, da mir die Raterunden prinzipiell wirklich Spaß gemacht haben; und ungelogen: würde der Verlag neue und durchweg schwierige Fragen herausbringen, ich würde sofort zuschlagen!


Versteht mich nicht falsch, viele der Fragen – ganz klar die meisten – sind sehr gut gelungen, es kommen alle drei Antwortmöglichkeiten durchaus in Frage und die Diskussionen bringen eine Menge Spaß. Doch auch, wenn nur jede achte Frage zu leicht ist – je nach dem, wie umfangreich eure Allgemeinbildung ist –, bleiben am Ende dennoch nur knapp über 100 Fragen übrig, und das ist halt eher überschaubar. 

Am Ende bleibt also eine tolle Idee, einige wirklich spaßige Runden, doch auch ein Spiel, das sich schnell ausgespielt hat, das aber derzeit an die 30€ kostet. Ich möchte eine Empfehlung aussprechen, doch dafür müsste der Verlag nochmals nachliefern und die Kosten für mögliche Extrafragen in Anbetracht des Grundspielpreises geringhalten. Ich hoffe auf das Beste und wünsche dennoch viel Spaßßß mit Snakesss!
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Snakesss von Phil Walker Harding
Erschienen bei Big Potato GAmes
Für 4 bis 8 Spieler in ca. 20 Minuten ab 12 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Schmidt Spiele)
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18.10.2021

BoardgameMonkeys stellt ein

 

Als ich die BoardgameMonkeys 2013 ins Leben gerufen habe, habe ich nicht annähernd geahnt, wie lange ich diese Seite einmal betreiben werde. Nun kann ich auf mehr als acht Jahre zurückblicken und unzählige Rezensionen und und mittlerweile auch Podcasts. Mittlerweile sind wir ein Team aus sieben festen Autoren, welches immer wieder durch Gastautoren unterstützt wird.

Aber wir möchten weiter wachsen. Insbesondere suchen wir für unseren neuen Twitch-Kanal und unseren Podcast Mitglieder, die ein gewisses technisches Verständnis mitbringen. Keine Angst. Es ist komplizierter, als es sich anhört (oder andersrum). Dabei ist es auch nicht zwangsläufig notwendig, dass Ihr selbst vor die Kamera oder das Mikrofon tretet, sondern es geht vielmehr, um das Schneiden von Podcasts oder das Streamen an sich.

Was heißt das? Mich würde es freuen, wenn unser Team sich weiter vergrößern würde. Gesucht wird also eine (oder mehrere) Personen mit folgenden Voraussetzungen:
  • gute schriftliche Ausdrucksfähigkeit in deutscher Sprache 
  • Interesse an einer dauerhaften Mitarbeit
  • Teamfähigkeit 
  • Spaß am Schreiben 
  • Interesse am Bloggen 
  • Bereitschaft am Podcast mitzuwirken (schneiden)
  • Kenntnisse im Bereich Twitch von Vorteil, oder Wille sich dort einzuarbeiten
Sollten diese Anforderungen auf Dich zutreffen, dann können wir Dir folgendes bieten:
  • feste Mitarbeit an BoardgameMonkeys 
  • ein Ventil Deine kreative Ader im Bereich Brettspiele auszuleben 
  • für Deine Rezension benötigte kostenfreie Rezensionsexemplare (Verteilung erfolgt durch Seitenbetreiber) 
Die Mitarbeit wird nicht vergütet!
Die Mitarbeit erfolgt zunächst mit einer Probezeit von drei Monaten.

Deine Bewerbung richtest Du bitte formlos an andreas(klammeraffe)boardgamemonkeys.com. Darin solltest Du Deine Motivation bei uns mitzuarbeiten darlegen und bestenfalls bereits eine kleine Kostprobe in Form einer Mini-Rezension mitsenden.

Wir freuen uns auf Dich!
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Honey Buzz


Pünktlich zur Messe in Essen flatterte bei uns eine englische Ansichtsfassung von Honey Buzz herein, einem Spiel, dass demnächst bei Skellig Games auf Deutsch erscheinen wird. Insofern können wir an dieser Stelle noch nichts über die lokalisierten Komponenten sagen, aber ganz viel über das Spiel selbst.

Wer nach Flügelschlag, Mariposa, Dodo und Konsorten aktuell einen Bogen um Spiele mit einem tierischen Setting macht oder wer vielleicht denkt, dass das honigsüße Spieldesign von Honey Buzz sich eindeutig ausschließlich an Kids und / oder Familien richtet, der oder die sollte trotzdem mal einen Blick auf Honey Buzz wagen, denn hier steckt mehr drin, als man vielleicht mit einem (vorurteilsschwangeren) Blick denken könnte.

Und das ist durchaus wörtlich gemeint. Die Box im „Standard-Quadrat“ ist ordentlich vollgepackt mit hochwertigen Komponenten. Das beginnt bei der Anleitung, die es locker mit jedem Hochglanz-Exposee aufnehmen kann, zieht sich über die toll gestalteten Spiel- und Player-Boards bis hin zu den Karten, Markern, Tiles und Bienen-Meeple und den Honig-Gummi-Teilen (dazu später mehr). Wie gesagt, das Material stammt aus der englischen Fassung, doch hege ich keinen Zweifel, dass die lokalisierte Fassung in einer ähnlichen Qualität daherkommen wird. Schließlich lässt sich bereits bei den Vorbestellungsmöglichkeiten sehen, dass Honey Buzz im eher höherpreisigen Segment angesiedelt ist. Sollte die Qualität die gleiche sein, bekommt man hier für sein Geld aber definitiv auch hochqualitatives Material und ordentlich was fürs Auge geboten. Aber weg von der Spekulation und hin zum eigentlichen Spiel:


Zielgruppe? Ich würde sagen gehobenes Familiensegment, aber durchaus auch Kenner- und Vielspieler. Warum? Das versuche ich Euch mal so kurz es geht zu erklären:

Die Anleitung begrüßt einen zunächst einmal mit einer zweieinhalbseitigen, vollgepackten Aufbauanleitung mit diversen Tabellen, wie das Spiel in Anlehnung an die Spielerzahl anzupassen ist. Hier mag die geneigte Nichtspielerin bereits aussteigen und auch die Kindergruppen sind hier definitiv raus. Es mag vielleicht etwas blöd klingen, aber es ist wirklich gut so, denn für diese beiden Zielgruppen sind das Spiel und seine Mechaniken wirklich nicht gemacht. Hat man alles aufgebaut, erhält man einen Kurzüberblick, der das Spielziel klar zusammenfasst: Baue einen Bienenstock, sammle Nektar, um daraus Honig zu machen und wandle den Honig dann in Siegpunkte um. Ist doch ganz einfach, oder? Nun ja, wie ihr zwischen den Zeilen lesen könnt, ist das nicht ganz so einfach…

Alle am Tisch beginnen mit einem festen Satz an Doppelhex-Starttiles. Eine zufällig gezogene Karte (von der es zwei Schwierigkeitsgrade gibt) gibt dann vor, in welcher Form diese als Start des eigenen Bienenstocks zusammengebaut werden müssen. Die Startspielerin fängt dabei an und darf hier noch entscheiden, wo die jeweiligen Icons der Tiles liegen. Alle anderen müssen exakt diesem Muster folgen. Somit hat zu Beginn also jeder am Tisch die gleiche Ausgangssituation. 


Das Spielbrett selbst ist zweigeteilt und besteht aus einem Bereich, in dem die verfügbaren Doppelhex-Tiles sortiert auf je eigenen Feldern ausliegen und einem Bereich, in dem die Nektarplättchen liegen.

Und dann geht es los. Wer an der Reihe ist darf entweder a) seine Arbeiter nutzen, um ein neues Tile aus der Auslage zu nehmen, um damit seinen Bienenstock zu vergrößern und dabei ggf. ein paar Aktionen auszulösen oder b) seine Arbeiter zurückbeordern und ein wenig Nektar suchen.

Aktion a) bietet also deutlich mehr Möglichkeiten, wobei man hierfür die eben benannten Arbeiter zwingend braucht. Hat man noch welche übrig, setzt man einen der eigenen Arbeiter auf eines der Felder der Tile-Auslage und nimmt sich das entsprechende Tile und muss dieses im eigenen Bienenstock anbauen. Beides hat jedoch noch eine Besonderheit in petto: Beim Workerplacement gibt es keine Spielerzahl-Beschränkungen oder Kosten, man nimmt einfach seine Biene und setzt sie auf ein Feld. ABER: Wenn dort bereits eine Biene liegt, muss ich diesmal zwei Arbeiter einsetzen. Und hat schon jemand vor mir zwei einsetzen müssen, dann muss ich für dieses Tile drei Bienen einsetzen. Und hat schon jemand vor mir drei….dann eben vier… Hierdurch werden die Arbeiter eben selbst zu ihrer eigenen Ressource, was durchaus einiges an Taktik ins Spiel bringt.


Doch damit nicht genug. Die Tiles wollen weise gewählt werden. Ziel der Puzzelei ist es nämlich, seinen Bienenstock so zu gestalten, dass Löcher entstehen. In diese Löcher kann man später nämlich den Nektar einlagern. Jeder Nektar benötigt aber ein bestimmtes Muster an roten Linien, die das Loch im Bienenstock bieten muss, damit dort überhaupt der Nektar rein „will“. Erschwerend darf man die Doppelhexe auch nicht beliebig aneinanderlegen, sondern immer nur mit den jeweils gelben Linien zueinander. Heißt im Umkehrschluss: Jeder Nektartyp braucht ein festgelegtes Muster an Tiles im Bienenstock.

Und da das allein nicht reicht, sollte man noch zusehen, dass man um ein Loch herum möglichst viele Icons hat. Denn diese Icons stehen für Aktionen. Und hat man einmal ein Loch „fertiggestellt“, triggern alle Aktionen, die um dieses Loch sind, sofort und müssen abgearbeitet werden. Man sollte sich also seeehr gut überlegen, wann man welches Tile an welcher Stelle in seinen Bienenstock einbaut. Die Aktionen, die dann durch die Icons losgelöst werden, sind: nach Futter suchen, Honig produzieren, den Markt nutzen, Kinder kriegen (= weitere Arbeiter gewinnen), 5 Geld nehmen sowie ein Joker, der die freie Wahl aus den Aktionen lässt.


Das Futtersuchen wird dann auf dem anderen Spielbrett „gespielt“. Hier liegen die Nektartokens wild verstreut in der Gegend aus und jeder Spieler hat ein Bienchen, mit dem er über die Wiese fliegen kann. Aber immer nur ein Feld. Landet man auf einem Feld, auf dem ein Nektar liegt, der in den eigenen Bienenstock passt, darf man sich diesen nehmen und in den Bienenstock legen. Passt der Nektar nicht oder ist gar nichts mehr auf dem Feld, dann bekommt man einen Pollen. Möchte man sich nun weiterbewegen, dann muss man pro Feld 2 Münzen abgeben. Honig produzieren läuft dagegen ganz leicht: Man legt einen Fächer in den Bienenstock. Jeder Nektar, der an diesen angrenzt (also maximal 3), auf dem noch kein Honig liegt, bekommt ein passendes Honig-Teilchen. Auch beim Gewinnen weiterer Arbeiter braucht man nichts weiter tun. Herz des Ganzen ist dann der Markt (der zugegebenermaßen thematisch nicht so wirklich passt, aber mechanisch mehr als Sinn macht!): Mit dieser Aktion kann man entweder eine Sorte Honig oder seine Pollen für Münzen an den Markt verkaufen oder die Bestellungen der Waldbewohner, die meistens eine Kombination verschiedener Honigsorten brauchen, für Siegpunkte erfüllen. Lasst Euch von den Begriffen Siegpunkte und Münzen nicht verwirren. Am Ende sind beides Siegpunkte, doch dazu gleich noch mehr. Der Clou am Markt: Jede Honigsorte sowie die Pollen haben einen Startwert. Verkauft eine Spielerin eins davon am Markt (in beliebiger Menge), sinkt der Preis dafür dauerhaft um eins. Und sind vier der fünf Waren an ihrem untersten Preis angekommen, endet das Spiel. Das gleiche passiert, wenn zwei der drei Bestellungsstapel der Waldbewohner aufgebraucht sind.


Bei Aktion b) passiert dagegen nicht wirklich viel. Man holt alle seine Bienchen vom Board nach Hause und darf einmal nach Futter suchen, wobei man hier nicht mehr gegen Münzen weiterfliegen darf.

Soweit die Handlungsmöglichkeiten im Spiel, die allein schon ausreichen, um das Spiel durchaus anspruchsvoll zu machen. Nun kommen aber noch die Contest-Karten dazu. Zu Beginn eines Spiels werden drei hiervon auf das Board gelegt und bringen beim Erfüllen Sonderpunkte. Manche dieser Contests sind zeitbasiert – sprich: die erste, die die Bedingung erfüllt, bekommt die Punkte für den 1. Platz – und andere wirken erst am Spielende. Jede Karte weist dabei Punkte für die ersten drei Platzierungen aus, wobei der letzte Platz niemals Punkte bekommt. Heißt also, im Spiel zu zweit bekommt immer nur die Erstplatzierte die Sonderpunkte. Die Karten bringen dabei durchaus ordentlich Punkte, sodass sie durchaus spielentscheidend sein können. Heißt: Man sollte diese Contests zwingend bei der eigenen Puzzelei beachten, sonst kann es passieren, dass alle anderen bei der Abschlusswertung an einem vorbeiziehen.

Und apropos Abschlusswertung: Endet das Spiel zählen die erwirtschafteten Münzen, die Punkte der Bestellungskarten, jede Ressource sowie natürlich die Contest-Platzierungen. Wem das alles vom Anspruch her noch nicht reicht, der darf das Spielbrett mit den Nektartiles umdrehen und mit verdeckten Nektar-Tiles spielen - wobei sich die Regeln ein klein wenig ändern - und auch ein Solo-Modus inklusive eigens dafür beigefügtem Material darf heutzutage natürlich nicht fehlen.

Soweit also zur Frage was man hier eigentlich spielt und hin zu den entscheidenden Fragen, wie es sich denn nun spielt und für wen es eigentlich gemacht ist. Punkt eins ist schnell gesagt, denn es spielt sich herrlich „fluffig“ und man hat immer das Gefühl, etwas Sinnvolles tun zu können. Zwar kann es durchaus auch mal zu Downtimes kommen, da die Entscheidungsmöglichkeiten es durchaus in sich haben. Aber in dieser Zeit grübelt man natürlich selbst über seinem eigenen Bienenstock und überlegt: „Wenn ich nun meinen Bienenstock hier so ausbaue, dass ich mit einem Loch 5 Aktionen bekomme und darunter auch die Marktaktion doppelt, die ich wirklich dringend brauche, dann habe ich aber ein Loch für Akazie geschaffen…und die gibt es nicht mehr als Nektar, macht also keinen Sinn, dann baue ich doch lieber so, dass ich da Kirschblüte reinbekomme und dann hab ich halt nur 4 Aktionen, aber dann brauche ich jetzt ein Tile mit einem Markt…oh, da liegt schon ein Stapel mit 3 Bienen, aber zum Glück habe ich noch 4 übrig…aber lohnt sich das dann? An den anderen Stellen könnte ich mit meinen 4 Arbeitern noch 3 Tiles abgrasen und sogar zwei Löcher zu machen, aber ohne Markt…Mist“. Ihr seht: nix für Kinder, sondern durchaus im deutlich gehobenen Familienspielsegment, eigentlich schon ein Kennerspiel. 


Und genau hier besteht für mich eine gewisse Diskrepanz, die scheinbar durch Everdell zur Mode gemacht wurde und kürzlich ja auch in meiner Kickstarter-Preview zu Somewhere under the rainbow bei mir etwas merkwürdige Eindrücke hinterlassen hat: Wenn man ein Spiel für Erwachsene auf den Markt bringt, warum muss das ganze dann mit einer kindlich-zuckersüßen Optik daherkommen? Ich sehe hier wirklich das Problem, dass Kids und junge Nichtspieler-Familien das Spiel sehen und denken „wow, ein tolles Kinderspiel“ und damit total auf die Nase fallen. Schwierig. Da lobe ich mir dann Verlage, die auf ihre Cover groß und deutlich den Anspruch eines Spiels aufdrucken, auch wenn dies meist die Cover verschandelt. Aber sei’s drum. Das ist jetzt eher meckern auf der Meta-Ebene. Als Spiel funktioniert Honey Buzz wirklich richtig gut. Die Puzzelei ist ungeheuer motivierend und meist hat man eher zu viele Möglichkeiten als zu wenige. Gegen Spielende werden diese natürlich deutlich reduziert, aber dann muss man eben zusehen, dass man aus dem, was man hat, noch das beste herausholt. Die Altersempfehlung ab 10 passt grade so, wobei grade die jüngeren noch einiges an Hilfestellungen brauchen und das Spiel ein paar Mal gespielt haben sollten, um die ganzen Entscheidungen auch wirklich überblicken zu können.

Im Kern also ein rundum gelungenes Spiel für Kenner und solche, die es werden wollen. 

Und nun nochmal kurz zum Material der Honig-„Steinchen“. Diese bestehen aus einem Gummi, dass sich toll anfühlt und wirklich extrem gut ins Setting passt. Leider bringt es dieses Material oft mit sich, dass es im laufe der Jahre klebrig wird und Schmutz an sich zieht und irgendwann komplett durchtrocknet. Ich kann natürlich nicht sagen, ob die Steinchen aus dem Material bestehen, das ich hier im Sinn habe, oder ob es da mittlerweile neue Mischverhältnisse gibt, die diese Entwicklung verhindern. Beim Auspacken waren aber bereits zwei der Steine in ihren Tütchen leicht „angeklebt“, so dass ich hier etwas skeptisch wurde. Aber es bleibt Spekulation und mindert (zunächst) nicht den großartigen Spielspaß, den man mit Honey Buzz erleben kann.
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Honey Buzz von Paul Salomon
Erschienen bei Elf Creek Games
Für 1 bis 4 Spieler in ca. 60 Minuten ab 10 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Kosmos)
* Es handelt sich um einen Affiliate Link. Für Euch entstehen dabei keine Mehrkosten, wir erhalten jedoch eine kleine Provision.
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16.10.2021

Dirty Minds


Vermeintlich lustige, kleine Party-Kartenspiele gibt es schon relativ viele, vor allem wenn man auch noch die sozialen “Wir lernen uns besser kennen”-Kartenspiele dazu nimmt. Da ist es gar nicht so leicht, sich von der Masse ein wenig abzuheben. Blackout Spiele hat sich nun gedacht “Sex sells”, auch wenn das alles nur in unserem Kopf passiert. Ich stell euch heute Dirty Minds vor, ein Party-Spiel für 2-8 Spieler (aber eigentlich ist die Anzahl auch egal) ab 18 Jahren und geht ca. 15-45 Minuten, ist aber eigentlich auch egal.


[THEMA & MECHANIK]

“Roy, das ist ein Familienpodcast!” - Wer unseren Podcast “MonkeyTalk” regelmäßig hört , der wird diesen Satz von Andreas schon das ein oder andere Mal gehört haben. Jedes Mal stutz ich zunächst und muss erstmal überlegen, was ich da eigentlich gesagt habe. Da bekommt ein “Ich hab es mir besorgt” doch ganz schnell eine andere Bedeutung, als einfach nur der Erwerb des Brettspiels. 

Und genau diesen Ansatz verfolgt Dirty Minds! Hier stehen auf einer Karte fünf harmlose Sätze, die in unserem Kopf aber schnell in eine bestimmte Richtung gehen. Das Prinzip ist dabei ein wenig wie Tabu, nur andersherum. Jemand liest den ersten völlig unverfänglichen Satz vor, und der nächste Spieler muss raten, auf welchen Oberbegriff dieser Satz verweist. Muss er passen darf der nächste raten. Weiß es keiner, kommt der nächste Satz. Insgesamt gibt es fünf Sätze. 
Wer den richtigen Begriff schon nach einem Satz errät erhält als Belohnung drei Buchstabenkarte, nach dem zweiten Satz zwei und daraufhin immerhin eine Buchstabenkarte. Gewonnen hat man wenn man das Wort “DIRTY” gesammelt hat. 


Ja und das war das ganze Spielprinzip. Hier noch ein Beispiel, damit ihr euch vorstellen könnt, in welche Richtung das ganze geht:

Ich bin gut für die Durchblutung 
Du musst sehr gelenkig sein 
Manchmal stöhnst du dabei 
Spreiz die Beine, dann sieht man deinen Lotus 
Du kannst viele Stellungen probieren 

→ GENAU: YOGA!

[MATERIAL, DESIGN & ANLEITUNG]

Das Material ist überschaubar und besteht ausschließlich aus Karten. Die Qualität ist ok, aber hat noch Luft nach oben. Allerdings bezweifle ich, dass es dazu kommt, dass die Karten schnell abgegriffen aussehen, da es kaum einen Grund gibt, eine Karte mehrmals zu verwenden.


Das Design ist auch eher schlicht, dafür aber in knalligen Farben, der Rest beschränkt sich allerdings auf Text.

Braucht das Spiele eine Anleitung? Wohl eher nicht, das hat sich wohl der Verlag hier gedacht und alles auf eine Karte gedruckt...

[FAZIT]

Sorry aber so sehr ich den Humor auch verstehe und wir diesen selbst in unserem Podcast verwenden, so trägt dieser für mich kein ganzes Spiel, wenn man das so überhaupt nennen will. Ob man gewinnt, die Buchstaben sammelt oder nicht, ist eigentlich völlig egal. Gut, das ist ein häufiges “Problem” von Partyspielen, aber bei Dirty Minds kommt es schon sehr aufgesetzt vor. 

Was nicht heißt, dass die Karten selbst, sehr gut gewählt wurden und für so manchen Lacher sorgen kann, daher meine Empfehlung: im Laufe eines Spieleabends immer mal wieder eine Karte einbauen. Das reicht völlig aus und hat den gleichen Effekt, wenn nicht sogar besser, denn zu geballt nutzt sich dieser Spaß-Effekt irgendwie auch schnell ab.
Apropos abnutzen: wie schon erwähnt, gibt es auch keinen Grund eine Karte mehrmals zu benutzen, denn man wird sich den Gag wohl mehr oder weniger gut merken.

Was bleibt? Der Humor passt wenn man es mag, die Begriffe sind klug gewählt und können für Lacher sorgen, geballt als “Spiel” für mich allerdings nicht tragbar und sollte eher in geringen Dosen eingebaut werden.

[FAKTEN-CHECK]

Thema: 2 von 5 (Thema? nunja…)

Mechanik: 2 von 5 (Tabu mal anders…)

Material: 3 von 5 (Karten leider nur Durchschnitt)

Regal-Präsenz: 3 von 5 (die knallpinke Schachtel fällt ins Auge)

Tisch-Präsenz: 1 von 5 (kaum Präsenz auf dem Tisch, sind halt Karten mit Text)

Anleitung: 3 von 5 (Anleitung auf Karten sind nicht so mein Ding, aber für die Art Spiel reicht es halt aus)

Zielgruppe:

Ich löse mich hier von der eigentlichen Aufteilung, denn es sollte klar sein, dass es kein Kinder- oder Familienspiel ist. Das Spiel ist für Erwachsene, denen der Schalk hin und wieder im Nacken sitzt und Lust auf ein Partyspiel haben.


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Dirty Minds
Erschienen bei Blackout Spiele
Für 2 bis 6 Spieler in ca. 30 Minuten ab 18 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Blackout Spiele)

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15.10.2021

Reimraupe


Immer wieder erscheinen neue Spieleverlage, die mit ihrem kleinem Sortiment, die Brettspielvielfalt erweitern. Ein solcher Spieleverlag ist der Schweizer Ludit Verlag, der nun seine ersten Spiele in Eigenregie herausgebracht hat: Reimraupe und Kupu-Kupu. Wir haben uns die Spieleneuheiten für euch angeschaut.

Reimraupe ist ein Memo-Spiel mit Reimen, das für 2-6 Spieler ab 5 Jahren geeignet ist. 
Ziel des Spiels ist es die meisten Memokarten zu sammeln, indem man Reimpaare findet.


Wie bei Memory werden alle Memo-Karten verdeckt auf dem Tisch verteilt. Abwechselnd deckt ein Spieler 2 Memo-Karten auf und vergleicht diese. Die Raupe in der rechten unteren Ecke dient zur Kontrolle (gleichfarbige Farbkleckse an gleicher Stelle = Reimpaar) und zeigt zudem die Anzahl der Silben des Bilderwortes an. Reimen sich die Bildpaare, darf der Spieler das Bildpaar behalten und erneut 2 Karten aufdecken. Passen die Karten nicht zusammen ist der nächste Spieler an der Reihe. Sind alle Memo-Karten zugeordnet, gewinnt der Spieler mit dem höchsten Kartenstapel. 

Die Memo-Karten sind in 3 Farbgruppen aufgeteilt, die entweder einzeln oder gemischt gespielt werden können.


Fazit:

Reimraupe von Ludit erscheint in einer fröhlichen, kleinen Spieleschachtel, die prallgefüllt ist. Insgesamt 70 Memokarten mit drei verschiedenfarbigen Raupen sind enthalten. Die Memokarten sind aus festem Karton und mit abgerundeten Ecken. Die Bilder sind kinderfreundliche, bunte Zeichnungen, die sich nah an den realen Gegenständen orientieren. Die Qualität und das Design kann mit den großen Spieleverlagen mithalten.

Die Spieleidee von Reimraupe ist nicht neu, Memory-Varianten gibt es schon lange in vielen verschiedenen Varianten und auch das Bilden von Reimpaaren ist den meisten bekannt. Neu ist die Kontrollmöglichkeit durch die kleinen Reimraupen. Diese finden sich an der rechten, unteren Ecke der Memokarten und zeigen eine unterschiedliche Anzahl und Anordnung an Farbklecksen. Sind die Reimraupen zweier Memo-Karten identisch, sind diese die zugehörigen Reimpaare. Zudem gibt die Anzahl an Farbklecksen an, wie viele Silben das Bildwort hat. 


Die Idee der Reimraupen gefällt mir gut. Die Kinder haben sehr schnell verstanden wie sie mit den Reimraupen die Memo-Karten kontrollieren können. Die Anzahl der Silben ist hingegen ein Hinweis, der nur für ältere Kinder oder Erwachsene anwendbar ist. Die jüngeren Kinder können haben meist noch kein Verständnis für Silben oder können dir Anzahl der Farbkleckse nicht auf das Silbenprinzip übertragen. 
Die Reimraupen sind sehr klein dargestellt, so dass Personen mit einer Sehschwäche Schwierigkeiten beim erkennen der Farbkleckse haben können und bei schlechter Beleuchtung die Unterscheidung von roten und blauen Farbklecksen nicht immer eindeutig gegeben ist. 


Insgesamt ist Reimraupe ein solides Memo-Spiel mit Reimen, das eine alternative zum normalen Memory Spiel darstellt. 
  

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Reimraupe von Robert Stoop
Erschienen bei Ludit GmbH
Für 2 bis 6 Spieler in ca. 15 Minuten ab 5 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Ludit GmbH)
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14.10.2021

Bunte Blätter


Die Mini-Serie des Nürnberger Spieleverlag zeichnet sich durch ihr kompaktes Format aber auch den ebensolchen Preis aus. Für etwa 5 € sollte man dementsprechend auch Bunte Blätter der Autoren Jens Merkl und Jean-Claude Pellin (beide auch Autoren des tollen Nine Tiles Panic) erstehen können. Dafür bekommt man dann ein Tütchen mit 36 Spielkarten und einer Anleitung. Eben jenes Tütchen schneidet man an seiner oberen Kante auf und knapp 3 Minuten Regelstudium später kann es auch schon losgehen. Bunte Blätter ist ein schnelles, um nicht zu sagen hektisches, Spiel für 2-4 Spieler und wird ab 8 Jahren empfohlen.


Im Grunde ist es ein Wettrennen im Herbstlaub. Wir versuchen als erster der Runde drei Aufgabenkarten zu erfüllen. Derer gibt es 16 doppelseitig bedruckte. Zu Beginn jeder Runde wird eine zufällig gezogene Aufgabenkarte aufgedeckt. Diese zeigt eine Konstellation aus 20 Blättern, angeordnet in einem 4x4-Raster, wobei es vier verschiedene Blattsorten gibt.

Ist die Aufgabenkarte ausgelegt, versuchen alle Mitspieler zeitgleich die dargestellte Blätterkonstellation nachzulegen. Dabei ist die Ausrichtung der Blätter irrelevant. Einzig die Farben der Blätter müssen passen und diese eben in der vorgegebenen Anordnung im 4x4-Blätterraster ausliegen. Wer das zuerst bewerkstelligt gewinnt die Aufgabenkarte und schon geht es an die nächste Herausforderung. Hat, wie bereits angesprochen, jemand jedoch die dritte Karte errungen, so ist Schluss und es gibt einen Sieger.


Die Schwierigkeit beim Lösen dieses Auslegerätsels? Alle Spieler haben jeweils einen eigenen Satz Spielkarten. Dieser besteht aus fünf Karten und ist doppelseitig bedruckt. Man findet auf jeder Kartenseite ein 2x2-Raster mit unterschiedlichen Blätteranordnungen. Es gilt nun also vier Karten als untere Ebene auszulegen und mit der fünften Karte vier Blätter der unteren Karten so zu überdecken, dass sich die Anforderung der Aufgabenkarte ergibt. Das hört sich einfach an? Dies ist es aber nicht wirklich. Vielmehr ist durch wildes Ausprobieren kaum zum Ziel zu kommen. Freundlicherweise bietet der NSV deshalb auch die Lösungen für die 32 Rätsel auf seiner Homepage.

Mit ein wenig Spielerfahrung und systematischem Vorgehen ist aber eigentlich keine der Aufgaben ein größeres Problem. Man hat dann eine Startroutine und arbeitet diese ab. Wenn alle Spieler den Kniff raushaben, dann wird Jagd um die richtig ausliegenden Blätter zu einer brutalen Hatz und echt hektisch.


Dementsprechend sehe ich die Empfehlung des Spieles ab 8 Jahren auch ein wenig kritisch. Von den Regeln her ist das Spiel für Grundschüler problemlos zu bewältigen. Schwieriger wird es mit der Frustrationstoleranz, wenn man durch Ausprobieren nicht oder erst nach vielen Versuchen zur richtigen Lösung kommt. Das ist für Grundschulkinder meist nicht ganz einfach zu ertragen. Für homogene Spielegruppen gleichaltriger Kinder würde ich es dementsprechend bedingt empfehlen. Folglich sehe ich es auch nicht so recht als Familienspiel, welches man mit Groß und Klein gleichzeitig spielen kann. Eher sehe ich Bunte Blätter in Erwachsenenrunden - sei es als schneller Zock in der Kneipe, als Absacker oder bei der Zugfahrt. Bei solchen Begebenheiten macht Bunte Blätter in jedem Fall Laune.

Für sein Geld bekommt man auch wirklich etwas geboten. Ansprechendes Layout, gute Kartenqualität und vor allem ein schnell erklärtes, einfaches Spiel, welches für einige turbulente, etwa 10-minütige, Runden gut sein wird.
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Bunte Blätter von Jens Merkl und Jean-Claude Pellin
Erschienen bei NSV
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 10 Minuten ab 8 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier NSV)
* es handelt sich um einen Affiliate-Link. Der Kauf ist für Euch nicht teurer, aber wir erhalten eine Provision.
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12.10.2021

My Gold Mine


Wenn ihr den Insta-Storys unseres Silberrückens folgt, habt ihr vermutlich schon mitbekommen, dass Andreas My Gold Mine so richtig gut findet. Und vielleicht habt ihr Euch dabei gefragt, wie es denn bitte ein scheinbar harmloses kleines Kinderspiel geschafft hat, mit epischen Strategietiteln wie Imperial Struggle mitzuhalten. Zugegeben, das ist jetzt vielleicht etwas hoch gegriffen und die beiden Titel lassen sich auch ehrlicherweise überhaupt nicht vergleichen. Und: Das hat My Gold Mine, wie ihr gleich sehen werdet, auch gar nicht nötig. Sollte ihr von unserem Silberrücken bislang nichts zum Spiel mitbekommen haben, dann ist das auch nicht schlimm. Ich erzähle Euch einfach mal etwas:


My Gold Mine kommt in einer gut durchdachten, tollen Packung samt Magnetverschluss daher. Klappt man diesen auf, strahlen einen aus der Innenseite schon Ablagefelder für Karten und Gold entgegen. Sehr schick. Ein Blick auf die Komponenten zeigt dann, dass die enthaltenen Minen-Karten eigentlich ordentliche Papp-Plättchen sind, die Spielkarten eine mehr als ordentliche Qualität mit sich bringen und dann auch noch Plastik-Goldnuggets und Holzscheiben in der kleinen Box drin sind. Qualitativ wird hier also für den kleinen Preis wirklich ganz groß aufgefahren. Das bezieht sich übrigens auch auf die Optik des Spiels, denn diese entspricht durchgängig dem Coverbild. Man kauft hier also mal wirklich, was man sieht und das Setting ist Programm.


Zunächst werden die 9 Minenkarten auf den Tisch gelegt. Links das Ziel, dann drei Minenkarten, dann eine Lore (= Startkarte), dann nochmal drei Karten und dann der Drache. Die Spielkarten werden nach Exitkarten und Schürfkarten getrennt, jeder bekommt einen Holzmarker als Spielfigur auf die Lore gestellt und los gehts: Reihum darf nun jeder eine offene Schürfkarte nehmen und oder eine verdeckte Exitkarte aufdecken und diese abhandeln. Schürfkarten zeigen in erster Linie Gold an. Dann darf man die Karte zu sich nehmen. Manche sagen einem aber auch zusätzlich noch, dass man einen Schritt Richtung Ausgang oder in Richtung des Drachen machen soll. Das fiese: Nimmt man sich eine Karte und erscheint darunter eine Drachenkarte, bewegt sich der Drache sofort auf die Zwerge zu. Schönes Gimmick: der Drache wird dann mit der vor ihm liegenden Minenkarte getauscht. Letztere wandert nicht auf einen Ablagestapel, sondern wird umgedreht und kennzeichnet damit die Spur der Verwüstung, die der Drache hinterlässt. Nicht spielentscheidend, aber was fürs Auge (und die Kids am Spieltisch, die das echt toll finden). Die Exitkarten wiederum lassen entweder einen selbst, aber mitunter auch alle Mitspielenden in Richtung Ausgang laufen, oder man tauscht einfach schnell den eigenen Platz mit einem Gegenspieler, wenn es die Karte erlaubt. Am besten natürlich dann, wenn man den Hauch des Drachen schon im Nacken spürt. 


Doch Vorsicht! Es geht nicht darum, möglichst schnell den Ausgang zu erreichen, sondern mit den meisten Goldnuggets aus der Mine zu entkommen, auch wenn diese zunächst nur auf den Karten zu finden sind. Wird man vom Drachen erwischt, sind alle in diesem Durchgang gesammelten Karten nämlich futsch und hat man einmal den Ausgang erreicht (auch wenn andere das für einen erledigt haben), darf man in dieser Runde kein Gold mehr sammeln. Sind alle Zwerge im Ziel oder vom Drachen erwischt worden, endet eine Runde. Die drei Spieler mit dem meisten Gold auf ihren Karten bekommen ein paar Plastik-Nuggets und die nächste Runde wird begonnen, die genauso abläuft wie die erste. In der dritten Runde findet dann das Finale statt. Auch diese läuft exakt wie die beiden Runden zuvor. Wer danach das meiste Gold (hier dann aber bestehend aus Plastik-Nuggets und Karten) besitzt, gewinnt.


Was sich nach einem fröhlich lockeren und nicht sehr tiefgreifenden Kartenspielchen anhört, offenbart im Spiel selbst dann durchaus einen zwar seichten, aber dennoch vorhandenen taktischen Reiz. Riskiere ich es, auf den Drachen zuzulaufen und genau einen Schritt vor ihm zu stehen, um zwei Nuggets abzugrasen, oder nehme ich doch lieber eine Extikarte und laufe mal ein oder zwei Schritte in Richtung Sicherheit? Was, wenn dann aber doch jemand den Platz mit mir tauscht oder mich ins Ziel schubst? Ungefähr so laufen die Gedanken konstant im Lauf des Spiels ab. Und während man die ersten beiden Runden noch durchaus als kleines Geplänkel runterspielt, will man spätestens in der letzten Runde niemandem mehr was schenken und so viel wie möglich selbst einsacken. Dabei spielt natürlich das Kartenglück eine große Rolle. Riskiert man einen Schritt auf den Drachen, sodass man direkt vor ihm steht und ist dann die nächste Karte eine Drachenkarte…ist für den betroffenen Zwerg sofort Schicht im Schacht. Und genau von dieser Art der Spannung lebt das Spiel.

My Gold Mine hat aus meiner Sicht etwas geschafft, dass man nicht allzu häufig findet: Kinder fast jeden Alters finden es toll und können es problemlos ohne Eltern spielen, auf dem Familienspieletisch haben Groß und Klein gemeinsam eine spaßige Zeit in der Goldmine und die Vielspielerrunde bekommt einen schicken Absacker, der sich schnell auspacken und spielen lässt und bei dem man einfach noch schnell eine Revanche spielen muss. Ein schickes, kleines Spiel für so ziemlich jede Zielgruppe also. Nichts Weltbewegendes vielleicht, aber eben durchaus Spaßiges zum kleinen Preis. Bei uns wird es sicherlich noch öfters auf den Tisch kommen.

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My Gold Mine von Dr. Hans Joachim Höh, Michael Loth und Christof Schilling
Erschienen bei Kosmos
Für 2 bis 6 Spieler in ca. 25 Minuten ab 7 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Kosmos)
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