Mittwoch, 23. Mai 2018

Dice Hospital

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Wer erinnert sich nicht gerne noch an Abende vor dem TV mit Dr. Doug Ross und Dr. Peter Benton? Richtig. Die Rede ist natürlich vom Klassiker der Krankenhaus-Unterhaltung Emergency Room. Irgendwie fand ich als junger Hüpfer die Mischung aus Telenovela und Krankenhausalltag spannend. Plötzlich fühlte sich auch die halbe Nation im Stande einen schwer verwundeten erstzuversorgen. 300mg Amoxicillin und einen Defibrilator. Schnell! 

In Dice Hospital bekommen wir einen Hauch Emergency Room auf den heimischen Spieltisch. Aber keine Sorge. Das Ganze ist familientauglich. Von Blut keine Spur. Schwere Schusswunden Fehlanzeige. Die Patienten kommen hier eher niedlich als Würfel in drei unterschiedlichen Farben jede Runde mit dem Krankenwagen rangefahren. Der Gesundheitszustand irgendwo zwischen 2 und 5. Wir konkurrieren dabei mit den anderen lokalen Krankenhäusern um Prestige. Wahrscheinlich ist nur Platz für eins in den Fördertöpfen der Stadt. Unser Ziel? Möglichst viele Patientenwürfel auf 6 zu drehen und sie somit gesund und munter in den Alltag zu entlassen. Fällt ein Patient auf 1, kommt jede Hilfe zu spät. Er landet in der Leichenhalle des Krankenhauses (und bringt uns negative Punkte auf dem Prestigebrett). 


Die Gesundung der eigenen Patienten treiben wir anhand von Würfelmanipulation voran. In unserem Krankenhaus gibt es nämlich verschiedenste Stationen, die sich im Laufe einer Partie auch vervielfachen. Neue werden gebaut, alte werden hin und wieder abgerissen. Im Laufe einer Runde Dice Hospital gilt es nun geschickt die Krankenschwestern und Spezialisten auf die unterschiedlichen Stationen zu verteilen. Setze ich beispielsweise einen Mitarbeiter auf der Intensivstation ein, kann ich einen Würfel mit der Augenzahl 2 versorgen. Habe ich keine Spezialeffekte, dann wird er dadurch in aller Regel auf die 3 gedreht. Das ist thematisch schön umgesetzt und schnell zu erlernen. 


Die zahlreichen Räume und Stationen des Krankenhauses erfüllen dabei höchst unterschiedliche Aktionen und Heilungsmethoden, die es nun geschickt zu kombinieren gilt. Oft ist die Augenzahl der Würfel relevant als Ausgangspunkt, manchmal aber auch die Farben. Eigene Spezialisten sind weitere Arbeiter, die ich in den Stationen einsetzen kann und ganz bestimmte Sonderfähigkeiten haben, die - sofern richtig eingesetzt - mehrere Patienten gleichzeitig behandeln können oder einzelne besonders toll. Auch das wurde in Dice Hospital alles hervorragend thematisch und stimmig umgesetzt. Das sorgt dafür, dass Dice Hospital sich an dieser Stelle einfach intuitiv spielt. 

Wie kommen denn nun neue Patienten ins Krankenhaus? Zu Beginn einer jeden Runde fahren Krankenwagen mit Blaulicht ein. Einer ist regelmäßig mit Patienten beladen, die sich in einem sehr kritischen Zustand befinden, andere sind mit mittelkranken Patienten beladen und der letzte….. nun ja wie sagen wir das nun mal schonend… der letzte Krankenwagen ist mit Simulanten beladen, bzw. Patienten, die ohne weiteres am kommenden Morgen zum Hausarzt hätten gehen können. Es liegt nun an uns sich für einen Wagen zu entscheiden. Wähle ich den riskanten Wagen, bekomme ich nicht nur den Startspielervorteil (erste Wahl bei den zur Verfügung stehenden Stationausbauten und Spezialisten), sondern auch Blutreserven, die ich als Joker einsetzen kann, um im Notfall einzelne Patienten davor zu bewahren von der Schippe zu springen. 


Warum sollte ich denn nicht einfach den Wagen mit den fitten Leutchen nehmen? Ich dachte es geht darum Patienten möglichst schnell zu entlassen? Richtig, hier kommen wir zum Hauptaspekt von Dice Hospital  der zwar aus einer Partie eine Knobelaufgabe werden lässt, sich mir aber thematisch so rein garnicht erschließt. Punkte gibt es in Dice Hospital zwar für entlassene Patienten, aber diese Punkte vervielfachen sich, sobald ich eine möglichst große Anzahl an Patienten an einem ganz bestimmten Tag zusammen entlassen kann. Entlasse ich an allen acht Spieltagen nämlich nur jeweils einen Patienten, erhalte ich für diesen auch immer nur einen mickrigen Punkt. Entlasse ich aber an einem Tag 8 oder 9 Patienten, dann erhalte ich eine nicht zu vernachlässigende Anzahl an Mehrpunkten (33?). 

Die Kunst in Dice Hospital ist es also sein eigenes Krankenhaus und die eigenen Patienten so zu manipulieren, dass ich möglichst viele gleichzeitig gesund entlassen kann. Das bedeutet in den meisten Fällen, dass es mir nämlich nicht immer am wichtigsten ist einen Patienten ganz munter zu päppeln, sondern manche auch mal bewusst eine Runde überhaupt nicht versorge, damit diese nämlich am Ende einer Runde ihren Gesundheitszustand um eine Augenzahl verschlechtern. Gemein! Unethisch! Aber clever und eine herrliche Knobelaufgabe. 


Dice Hospital ist schnell erklärt und verstanden. Die Manipulation der Würfel und die Kunst die eigenen Würfel so zu drehen, dass sich das eigene Krankenhaus damit zu einer siegpunktgenerierenden Maschine entwickelt, ist die Kunst in diesem Spiel. Die verschiedenen Spezialisten und Stationen sind dabei herrlich thematisch und in einem Grafikstil gehalten, mit der sich zu keiner Zeit die doch recht ernste Thematik schwer anfühlen lässt. Dice Hospital ist eine Empfehlung wert.
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Dice Hospital von Stan Kordonskiy und Mike Nudd
Erschienen bei Alley Cat Games
Für 1 bis 4 Spieler in ca. 60 Minuten
Boardgamegeek Link

Dice Hospital wird aktuell bei der Spieleschmiede finanziert.
sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek.com oder aus dem Pressematerial des jeweiligen Verlages (hier Alley Cat Games)

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