17.08.2018

Woodlands

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Manchmal ist es ja so, dass du ein Spiel im Regal liegen hast und jedes Mal denkst "das müsste auch mal auf den Tisch" und wenn du dann die Möglichkeit hast, doch zu etwas anderem greifst. Aber jedes Mal wieder fällt der Blick auf dieses Spiel und du rätselst schon selbst, woran es genau liegt. Sind die anderen Spiele einfach interessanter oder besser? Schreckt dich dieses Spiel mit etwas ab? Man weiß es einfach nicht. So ging es mir lange Zeit mit Woodlands aus dem Hause Ravensburger. Der Reiz eines Legespiels hat mich lange Zeit nicht erreicht, dazu auch noch in direkter Konkurrenz mit den Mitspielern und quasi auf Zeit, ne irgendwie zu stressig. Aber dann kam es auf die Empfehlungsliste der Jury zum Spiel des Jahres und mehr und mehr las man gute Dinge über Woodlands  Also muss doch was dran sein und so habe ich mir nun einen Ruck gegeben und mich in die Märchen und Sagen von Woodlands gestürzt. 

Und ich muss sagen: ein Glück! In diesem "fabelhaften Legespiel" können 2-4 Spieler mitmachen und wird ab 10 Jahren empfohlen. Das Erscheinungsbild trügt hier nämlich zu Beginn, da es auf den ersten Blick schon wie ein Kinderspiel aussieht, aber Woodlands ist ein knallharter Knobler mit ordentlich kompetitiven Zügen. Die Mechanik würde sicherlich auch ein Kind ab 8 Jahren verstehen, aber gerade in den schwereren Runden würde es zu starken Frustmomenten kommen.


Wie funktioniert das "fabelhafte Legespiel" denn nun? Eigentlich ganz einfach. Wir spielen zunächst Märchen oder Sagen nach, enthalten sind: Rotkäppchen (Einsteiger), Robin Hood (Mittel), König Artus (Mittel) und Graf Dracula (Schwer). Anhand des ersten Kapitels von Rotkäppchen werde ich es nun weiter erläutern.

Rotkäppchen ist auf dem Weg zur Großmutter und folgt hierbei einem Wegweiser und auf dem Weg sieht sie viele Erdbeeren, von denen sie der Großmutter so viele wie möglich mitbringen möchte. 
In der Mitte liegt eine Folie, bedruckt mit Rotkäppchen, einem Wegweiser, Erdbeeren und Edelsteinen. Jeder Spieler hat eine Tafel vor sich mit neun, quadratischen Feldern und muss nun mit seinen 12 Wegekarten auf dieser einen Weg für Rotkäppchen bauen. Über diesen Weg soll es Rotkäppchen dann nämlich gelingen den Wegweiser, die Erdbeeren und im Idealfall auch den Edelstein zu erreichen. Sie muss dabei immer auf dem Weg bleiben und kann nicht durch Waldteile laufen. Die Wegekarten bestehen immer aus Weg und Wald. Zu Beginn dreht man die Sanduhr und fängt an die Karten zu legen, man muss diese durchlaufen lassen, so dass jeder die gleiche Zeit hatte, wenn man dann der Meinung ist, man hat den perfekten Weg gelegt, dreht man die Sanduhr nochmal um und die Mitspieler haben dann nur noch die Restzeit zur Verfügung um Ihre Wege zu Ende zu legen. Für nicht abgedeckte Felder auf der Tafel gibt es einen Minuspunkt. 


Nach Ablauf der Zeit überprüfen wir nun die gelegten Wege und legen die Folie auf unsere Wegetafel und laufen mit einer Pappfigur die Wege entlang. In dem oben genannten Beispiel gibt es dann 3 Punkte für Erreichen des Wegweisers, je 1 Punkt für jede erreichte Erdbeere und einen Edelstein wenn man diesen erreicht hat. Die Edelsteine bringen dann zum Spielende nochmal Punkte (mehr noch wenn man vier verschiedene Farben gesammelt hat). Derjenige der zuerst die Sanduhr umgedreht hat bekommt auch noch einen weißen Edelstein, der quasi bei der Vierer-Kombi als Joker verwendet werden kann. 

Die erreichten Punkte werden notiert und weiter geht es mit Kapitel 2. Insgesamt befinden sich in dem Spiel 18 Kapitel : 4 Rotkäppchen, 5 Robin Hood, 4 König Artus und 5 Dracula. Und ich kann euch sagen, die Kapitel werden immer kniffliger bis fast schon unmöglich (zumindest erhält man diesen Eindruck, wenn man unter Druck versucht den Weg zu legen).

Im Laufe der Kapitel kommen auch noch weitere Elemente hinzu. So gibt es ab dem 2. Kapitel einer Geschichte immer den Kelch des Ruhms auf der Folie. Der aktuell Führende muss diesen in seinen Wegeplan erreichen können, ansonsten gibt es 3 Minuspunkte. So kommen auch noch Schlüssel und Truhen hinzu. Für jeden erreichten Schlüssel erhalte ich ein Schlüsselplättchen mit denen ich dann wiederum erreichte Truhen öffnen kann. In den geöffneten Truhen befinden sich Schatzkarten, die ich dann zu meinem Vorteil nutzen kann, entweder mit weiteren Edelsteinen oder um meine Mitspieler zu ärgern, so gibt es z.B. Karten bei denen der Mitspieler seinen Legeplan um 180 Grad drehen muss und somit alles auf dem Kopf liegt oder spezielle Wegekarten, die verwendet werden müssen und es einem schwerer machen. Sehr spaßig!


Schön ist auch die alternative Rückseite der Wegekarten, bei den nun noch Wasserflächen und Dornengestrüpp dazukommen. Wasser ist allerdings wie ein Weg und das Gestrüpp wie ein Wald zu behandeln, aber natürlich wirkt sich das auf die Übersichtlichkeit aus und erschwert das richtige legen. Und wer dann immer noch nicht genug Herausforderung hat, kann nun die Meisterfolien auf die Basisfolie legen und bekommt somit noch weitere Aufgaben zu meistern. Ein Wiederspielreiz ist damit natürlich gegeben und man wird schon einige Anläufe benötigen, um wirklich bei jedem Kapitel die Maximalpunktzahl zu erreichen. 

Ich bin wirklich positiv überrascht worden von Woodlands  da ich nicht wirklich viel erwartet habe und es gedanklich wirklich auch in die Kinderspiel-Ecke geschoben habe. Dem ist nicht so. Spielt sich Rotkäppchen wirklich noch flott dahin, wird es schon ab der Robin Hood Sage knifflig und es dauert schon deutlich länger, bis einer wagt die Sanduhr umzudrehen. Und ich sage euch, die Sanduhr läuft ziemlich schnell und viel Zeit bleibt dann nicht mehr. 

Das Material ist schön, die Folien sind ausreichend stabil und der Druck ist fantastisch. Die Wegekarten haben eine ausreichend Dicke und lassen sich wie Karten durchsehen und drehen, so dass das legen auch flott von der Hand geht. Die Edelsteine sind natürlich ein nettes Gimmick und sehen hübsch aus. 


Es macht dann viel Spaß die Folie auf seinen Plan zu legen und zu schauen ob alle Planungen richtig waren oder eben nicht. Spieler die übrigens nicht in gerade Blickrichtung zur Folie sitzen, dürfen ihre Wegetafel in der Ausrichtung so anpassen, dass es zu ihrem Blickwinkel passt, es sei denn man muss eine Schatzkarte beachten, die etwas anderes vorgibt. Das ist fair und sollte damit auch keine weiteren Diskussionen hervorrufen. 

Alles in allem eine wirklich runde und spaßige Geschichte, aber ich würde dazu raten nicht alle Geschichten am Stück zu spielen, irgendwann hatte ich dann schon das Gefühl dass einem der Kopf raucht und eine Pause notwendig ist, umso schöner ist es ja wenn man an verschiedenen Abenden eine andere Geschichte spielen kann und man mehr vom Spiel hat. 

Wer gerne knobelt und Optimierungs-Fetischist ist, wird hier seine wahre Freude haben. Das Spiel weiß auf jeden Fall zu unterhalten und wird bei uns noch weitere Male auf den Tisch kommen. Der Empfehlung der Jury kann ich daher nur zustimmen und ich würde mich freuen wenn uns Ravensburger in Zukunft noch mit weiteren Geschichten beglückt.
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Woodlands von Daniel Fehr
Erschienen bei Ravensburger
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 30 Minuten
Boardgamegeek Link

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Ravensburger)


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