08.01.2020

Rocketmen


Nachdem Martin Wallace bekannt gab, dass er seinen Verlag Treefrog Games aufgelöst hat und sich fortan ausschließlich auf das Designen von neuen Spielen konzentrieren will, habe ich das Gefühl, dass sein Output nochmals gestiegen ist. Mit Rocketmen kommt nun bereits der zweite Kickstartertitel beim Verlag Phalanx (nach Nanty Narking), der sich nunmehr wieder auf eine der Hauptkompetenzen von Martin Wallace beschränkt - das Deckbuilding.

Wie der Name schon sagt, befinden wir uns thematisch bei der Raumfahrt (und nicht wie von vielen vielleicht vermutet bei einem Song von Sir Elton John). Wir sind dabei reiche Financiers, die großflächig in Raumfahrtprojekte investieren und dabei Mond, Mars und Venus bereisen wollen - möglichst als erster versteht sich.


Spielmechanisch - wie ich bereits in der Einleitung erwähnt habe - kommt Martin Walace zu einer seiner Kernkompetenzen zurück - dem Deckbuilding. Wie bereits bei vielen seiner Vorgängertiteln aus diesem Genre (A Few Acres of Snow oder A Study in Emerald) ist aber der Deckbau hier nicht völlig isoliert, sondern Teil eines Spiels, was ich persönlich sehr mag, denn reine Deckbauspiele liegen mir persönlich weniger. Wenn sie aber geschickt in ein Spiel verwoben sind (z. B. Clank!), dann mag ich es sehr gerne.

Die klassischen Elemente des Deckbaus finden wir in Rocketmen auch wieder. Ich spiele Karten aus meinem Deck aus, um neue und bessere Karten zu kaufen oder ich führe Effekte der Kartentexte aus. Eine erste kleine Besonderheit bei Rocketmen ist, dass ich mich nicht bei jeder Karte entscheiden muss, für was ich sie ausspiele, sondern vielmehr stets alle Symbole aktiviere. Das macht das Ausspielen übersichtlicher, da es nunmehr gilt bloß alle Symbole zu zählen, nimmt aber auch eine gewisse strategische Entscheidung beim Ausspielen. Mir persönlich gefällt diese Herangehensweise in Rocketmen, da sie die Spielzüge der Spieler enorm beschleunigt. Downtime ist in Rocketmen kein Thema.


Das Spiel, um den Deckbau bei Rocketmen sind die Shuttlemissionen, zu welchen ich hin und wieder Karten auf mein Launchpad spiele. Hiermit versuche ich eine Mission vorzubereiten, indem ich dort bewusst Karten platziere, die mich bei meiner zukünftigen Mission boosten, denn nur beim erfolgreichen Entdecken neuer Systeme bekomme ich mächtige Siegpunkte.

Die Space-Missions selbst sind dann ein weiteres spannendes Element bei Rocketmen  welches dem Spiel eine gehörige und entscheidende Portion Thema verpasst. Je nach entsprechender Vorbereitung auf meinem Launchpad bekomme ich auf einer Spaceleiste einen entsprechenden Bonus. Will ich nämlich eine Mission erfolgreich beenden, wo muss ich auf dieser Leiste eine ganz bestimmte Anzahl an Schritten absolvieren. Habe ich die automatischen Schritte abgehandelt, kommt ein Push-You-Luck Element in Rocketmen zum Tragen. Ich ziehe nämlich im Anschluss nacheinander eine vordefinierte Anzahl an Karten, die mich x weitere Felder vorrücken lassen.


Spannung (und nicht nur für den aktiven Spieler) kommt da insofern eine Menge auf, da ich beim Ziehen der Karten stets abschätzen muss, ob ich mein Ziel noch erreichen kann. Breche ich dann nämlich sicherheitshalber frühzeitig ab, verliere ich nur Teile meines mühsam aufgebauten Launchpads. Ziehe ich es jedoch bis zum Ende durch und komme trotzdem nicht an, geht es komplett flöten und der Fortschritt von mehreren Runde ist dahin. Schaffe ich es im übrigen, dann erhalte ich fortan einen permanenten Bonus für weitere Missionen (nebst Siegpunkten). Lohnenswert!


Genau dieses Element in Rocketmen ist das Alleinstellungsmerkmal und die Kirsche auf der Sahne. Die klassischen Deckbauelemente hat Martin Wallace ohnehin bereits perfektioniert und zu einer gut geölten Maschine gebaut. Spannend ist dann in seinen Werken stets, welches Zusatzelement er mit einbaut, um nicht nur dem Thema Rechnung zu tragen, sondern auch ein einzigartiges Spielerlebnis zu formen. Während er in A Few Acres of Snow Elemente eines Wargames einbaute oder in A Study in Emerald Deduktions- und Take That Elemente, schafft er es in Rocketmen ein Push-You-Luck Element einzubauen, welches enorme Spannung generiert. Klar kann ich sehr konservativ spielen, und mich bestmöglich vorbereiten. Spiele ich aber so, wird mich ein risikoreicher Spieler vielleicht überflügeln und dazu zwingen ebenfalls Risiken einzugehen. Die Adaption des Spielstils meiner Gegenüber ist in Rocketmen die Interaktion, die ansonsten rein spielmechanisch in diesem Titel wenig vorhanden ist.

Alles in allem ist Rocketmen einen Blick für Fans von Deckbauspielen wert, die in ihren Spielen thematische Elemente schätzen und sich auch nur ansatzweise für das Thema Raumfahrt interessieren.

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Rocketmen von Martin Wallace
Erscheint bei Phalanx Games
Für 1 bis 4 Spieler in ca. 60 Minuten
Boardgamegeek Link

Kickstarter-Link 

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder aus dem Pressematerial des jeweiligen Verlages (hier Phalanx Games)