04.04.2021

Wald der Lichter


Alles ist finster. Vorsichtig taste ich mich an einem Tannenbaum vorbei und folge dem Lichtkegel. Stück für Stück, kämpfen sich die Lichtstrahlen meines magischen Lichtes, durch einen zähen, weißen Schleier. Wo der Lichtkegel auftritt kommen Pflanzen und Tiere zum Vorschein und während ich an Ihnen vorüberschreite verschwinden Sie wieder in der weißen Finsternis. Leise murmel ich vor mir her und versuche ein Bild des Waldes vor meinem geistigen Auge entstehen zu lassen. "Am Tannenbaum lag ein goldener Ring, 2 Schritte links davon, am Hasselstrauch, war der Kerzenständer. Aber wo ist nur der Schlüssel?" Erschöpft blicke ich mich um, doch überall ist nichts zu sehen, außer dem weißen, alles verzerrendem Nebel. "Ich darf mich nicht verirren! Ich darf nicht versagen! Ich muss die Schätze in der richtigen Reihenfolge finden! Ich muss den Wichtelwald retten!"


Im Kinderspiel Wald der Lichter von Anna Oppolzer und Stefan Kloß sind wir einer von bis zu vier Wichteln, die versuchen die Schätze des Wichtelwaldes in der richtigen Reihenfolge zu finden, um den Zauber des bösen Guntharts zu brechen und den Wald wieder zum Leuchten zu bringen.

Der Wichtelwald besteht aus 16 Nebelfeldern, unter die Plättchen geschoben werden. Unter den Nebelfeldern, befindet sich je einer von 16 Schätzen. Ein Schatzplättchen wird umgedreht und zeigt nun den Schatz, der gefunden werden muss. Der Spieler, der am Zug ist, entscheidet wo er sein Zauberlicht bzw. das Waldplättchen in eines der Waldeingänge schieben möchte. Vor dem Schieben sagt er an, welcher Schatz er unter dem Nebelfeld vermutet, in das er sein Licht schieben wird. Leuchtet der angesagte Schatz auf, darf der Spieler noch einmal vorwärts ziehen. 
Leuchtet ein anderes Schatzsymbol auf, ist der Zug zu Ende und der nächste Spieler kommt an die Reihe.
Leuchtet beim aktuellen Spieler oder einem anderen, der gesuchte Schatz auf, erhält dieser das Schatzplätchen und der Zug ist beendet. Ein neues Schatzplättchen wird aufgedeckt. Sobald ein Spieler eine festgelegte Anzahl an Schätzen gesammelt hat, gewinnt er und das Spiel wird beendet.


Fazit:

Plötzlich erscheint eine riesige Lichtnova und erstrahlt den ganzen Lichterwald. Sofort sehe ich alle Schätze und sammel sie in kürzester Zeit ein. Ich habe es geschafft! Der Wichtelwald ist vom Fluch befreit und das Spiel zu Ende. Das war aber einfach! So könnte die Beschreibung von unserer ersten Spielpartie aussehen. Denn als wir die Spieleschachtel auf unserem Tisch aufgestellt haben, der eine direkte Beleuchtung mit weißem Licht von oben hat, wurden alle Schätze auf den Nebelfeldern sichtbar. Das bedeutet, die Wichtel brauchten garnicht mehr nach den Schätzen zu suchen und sich diese auch nicht merken, denn jeder konnte sie offensichtlich sehen! Leider ist dadurch das ganze Spielprinzip von Wald der Lichter zerstört! Ich war also ziemlich enttäuscht. Wie konnte die Redaktion vom Drei Magier Verlag das Spiel so durchgehen lassen?

Wie ich nach einiger Zeit jedoch herausgefunden habe, lässt sich das Spielprinzip bei Tageslicht oder leichter Beleuchtung gut umsetzen. Die Schätze sind dann nur noch schemenhaft oder garnicht mehr sichtbar. Leider wird in der Spielanleitung nicht auf diese Problematik hingewiesen. Ich vermute viele Menschen haben eine direkte Beleuchtung über dem Tisch bzw. haben ihre Tische in hellen Räumen stehen, wodurch diese Problematik öfter auftreten kann. 

(unter weißem Licht sichtbar)

(mit zusätzlichem Papier)

(bei Tageslicht)

Da wir hauptsächlich Abends, an diesem hell beleuchteten Tisch sitzen, habe ich nach einer anderen Lösung gesucht und den Spielaufbau um eine weitere Schicht mit weißem Transparentpapier ergänzt. Tatsächlich verdichten sich dadurch die Nebelfelder und die Schätze verschwinden wieder im weißen Schleier. Aufgrund der dickeren Transparentschicht werden die Schätze jedoch auch schwieriger erkennbar, wenn ein Zauberlichtplättchen darunter geschoben wird. Es ist also auch nicht ganz optimal, aber immerhin ist das Spielprinzip nun auch bei grellem Licht umsetzbar.


Wald der Lichter entpuppt sich als eine Mischung aus Merkspiel und Schiebespiel. Das Schiebeelement funktioniert ähnlich wie bei dem Spiel Das verrückte Labyrinth von Ravensburger. Wir schieben ein Plättchen an einer Öffnung herein und am anderen Ende kommt ein anderes Plättchen heraus, das man dann wiederum zum Schieben in der nächsten Runde nutzen kann. Aber im Gegensatz zum Verrückten Labyrinth bewegen wir uns nicht mit Spielfiguren fort, sondern mit unseren Zauberlichtplättchen und diese werden direkt unter den Nebelfeldern durchgeschoben und sorgen dafür, dass die Schätze erkennbar werden. Unser Ziel ist es in diesem Fall nicht, einen Weg zu konstruieren, sondern uns die Positionen der Schätze zu merken und unser Zauberlicht dorthinzuschieben. Zu Spielbeginn ist das ziemlich zäh, weil noch nicht bekannt ist wo sich die Schätze befinden. Mit fortlaufender Spieldauer entwickelt jedoch jeder Spieler einen Plan über die Schatzpositionen. 

Die Kombination aus Schieben und Merken ist für jüngere Kinder nur schwer umsetzbar. Beim Test mit Kindern unter der angegebenen Altersempfehlung, konnten diese das Spielprinzip meistens nicht umsetzen und fanden dadurch nur geringen Spaß am Spiel. Kinder ab etwa 5 Jahren kamen jedoch gut damit klar und erfreuten sich am Wichtelwald. Sehr hilfreich ist die Übersicht der Schatzsymbole.


Da Kinder im Merken meist sehr gut sind, können sie bei Wald der Lichter auch mit den Erwachsenen standhalten. Aus diesem Grund eignet sich das Spiel auch als Familienspiel. 
Die Spielidee und die Spielmechanik gefallen mir insgesamt gut. Da wir nicht nur unsere eigenen Lichter verschieben, sondern unter Umständen auch die unserer Mitspieler, müssen die Kinder taktisch vorgehen. Wenn ich an dieser Stelle schiebe, landet dann wömöglich das Licht meines Mitspieler auf dem gesuchten Schatz? Wenn ja, wie kann ich den Mitspieler wegschieben, um mich anschließend selber zum Schatz zu bewegen? Anderseits kann das Licht eines Mitspielers auch als Hilfe verwendet werden, wenn es sich genau vor dem eigenen Licht befindet. Denn dann zeigt das Licht des Mitspielers immer den Schatz an, der sich vor dem eigenen Licht befindet, wodurch das Ansagen einfach wird und man ständig wieder ziehen darf. 
Diese taktische Tiefe gefällt mir sehr gut und macht Wald der Lichter zu einer spannenden Alternative zu Memoryspielen oder bietet eine Abwandlung von das Verrückte Labyrinth mit Merkkomponente.

Für wen ist das Spiel geeignet?

Kinder: 
Kinder ab 5 Jahre, die Merkspiele wie Memory mögen und Schiebespiele, wie das verrückte Labyrinth gerne umsetzen, erhalten hier eine sehr schöne Kombination aus beidem. 

Familie: 
Da Kinder im Merken meist sehr gut sind, können sie bei Wald der Lichter auch mit den Erwachsenen standhalten.
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Wald der Lichter von Stefan Kloß und Anna Oppolzer
Erschienen bei Drei Magier Spiele
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 15 Minuten ab 5 Jahren
Boardgamegeek-Link

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder aus dem Pressematerial des jeweiligen Verlages (hier Drei Magier Spiele)