http-equiv = "content-language" content = "en" lang = de; lang=de; Kintsugi - BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen <BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen></BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen> ~ BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

09.01.2026

Kintsugi

Die japanische Kintsugi-Kunst, zerbrochene Keramik mit Gold zu reparieren und so ihren Makel zur Schönheit zu machen, steht Pate für dieses kleine, optisch herausragende Drafting- und Set-Collection-Spiel. In Kintsugi geht es nicht nur darum, Geschirr zu sammeln, sondern auch darum, bewusst etwas kaputtgehen zu lassen, um es später gewinnbringend zu reparieren.

Spielablauf: Sammeln, zerbrechen lassen, vergolden

In jeder Runde wird eine Auslage mit zwei Karten pro Spielendem plus einer weiteren Karte gebildet (also 5 im Zweispieler-Spiel). Reihum wählen wir zwei Karten aus, die unterschiedliche japanische Keramiken (Tassen, Teekannen, Schalen, Vasen …) mit jeweils individuellen Wertungsbedingungen zeigen. Für jede Karte entscheiden wir, ob wir sie für Gold verkaufen oder in die eigene Sammlung aufnehmen wollen.

Nachdem wir zwei Karten pro Spielendem genommen haben, bleibt eine Karte übrig und auch der Nachziehstapel zeigt eine Art von Porzellan. Diese beiden Karten-Sorten in unserer Sammlung zerbrechen nun und können von uns durch das eingetauschte Gold repariert und auf ihre Rückseite gedreht werden. Dieses Zerbrechen ist nicht nur negativ zu sehen. Zwar wird zerbrochenes Porzellan am Ende aus der Wertung genommen, wenn wir es nicht reparieren, dafür sind die reparierten Stücke mehr Punkte wert.

Dieser Ablauf wiederholt sich, bis der Kartenstapel leergespielt ist. In der Schlusswertung von Kintsugi gibt es für jede der Keramik-Arten eine unterschiedliche Wertung und es gewinnt, wer die meisten Punkte für seine Porzellan-Sammlung erhält.

Wunderschön und taktisch


Kintsugi
überzeugt zunächst durch seine hervorragende grafische Gestaltung. Das Artwork ist stilvoll, elegant und thematisch passend. Die grafische Überarbeitung zur ersten englischsprachigen Ausgabe hat sich hier außerordentlich gelohnt und auch bei der Materialqualität liefert Board Game Circus tadellos ab!

Spielerisch gelingt es dem Spiel, das Kintsugi-Prinzip clever zu übersetzen: Die Entscheidung, ob man etwas intakt lässt, welche Karte man übrig lässt um sie zerbrechen zu lassen und welche man verkauft, ist in jeder Runde interessant. Gerade das bewusste In-Kauf-Nehmen von Bruch als taktisches Element ist ungewöhnlich und funktioniert erstaunlich gut. Alle Entscheidungen hängen aber natürlich von der Auslage ab. Hinzu kommt ein sehr klarer Ablauf und gerade zu zweit spielt sich Kintsugi flott und dynamisch.


Mit Glück und Mühe


Trotz aller Eleganz bleibt Kintsugi nicht frei von Makeln. Wer durch die Spielerreihenfolge den ersten Zugriff hat auf eine der raren Teekannen, kann damit deutlich mehr Punkte machen. Das Glück spielt auf jeden Fall mit, auch wenn man klug spielt, und die Entscheidungen sind von der Auslage abhängig und insgesamt nicht besonders vielfältig.

Ebenfalls unglücklich ist die Endwertung. Zwar sind die Karten übersichtlich, aber die Vielzahl an unterschiedlichen Bedingungen (neun verschiedene Kartentypen mit jeweils eigener Wertung) führt zu einem vergleichsweise mühsamen Auswertungsprozess, der nicht zum ansonsten leichten Spielfluss passt. Bei der Wertung von Tassen und Untertassen fehlt dem Spiel auch etwas an Klarheit, sowohl in der Spielregel als auch in der grafischen Gestaltung.


Fazit: schönes Kleinod mit Ecken und Kanten


Kintsugi
ist ein ruhiges, schönes Kartenspiel für Zwischendurch, das vor allem durch Thema, Gestaltung und das clevere Reparaturprinzip überzeugt. Gerade zu zweit funktioniert es sehr gut. Wer sich jedoch an Glücksfaktoren und umständlicher Wertung stört, wird hier nicht vollends glücklich. Für alle anderen gilt: Manchmal ist es gerade das Zerbrochene, das am Ende am meisten glänzt.

 ____________________________________________________________________


Kintsugi von Patrick Rauland
Erschienen bei Board Game Circus
Für 2-4 Spielende in ca. 15 Minuten ab 10 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (Board Game Circus)