Die japanische Kintsugi-Kunst, zerbrochene Keramik mit Gold zu reparieren
und so ihren Makel zur Schönheit zu machen, steht Pate für dieses kleine,
optisch herausragende Drafting- und Set-Collection-Spiel. In Kintsugi geht es
nicht nur darum, Geschirr zu sammeln, sondern auch darum, bewusst etwas
kaputtgehen zu lassen, um es später gewinnbringend zu reparieren.
Spielablauf: Sammeln, zerbrechen lassen, vergolden
Nachdem wir zwei Karten pro Spielendem genommen haben, bleibt eine Karte
übrig und auch der Nachziehstapel zeigt eine Art von Porzellan. Diese beiden Karten-Sorten
in unserer Sammlung zerbrechen nun und können von uns durch das eingetauschte
Gold repariert und auf ihre Rückseite gedreht werden. Dieses Zerbrechen ist
nicht nur negativ zu sehen. Zwar wird zerbrochenes Porzellan am Ende aus der
Wertung genommen, wenn wir es nicht reparieren, dafür sind die reparierten Stücke mehr Punkte wert.
Dieser Ablauf wiederholt sich, bis der Kartenstapel leergespielt ist. In
der Schlusswertung von Kintsugi gibt es für jede der Keramik-Arten eine unterschiedliche
Wertung und es gewinnt, wer die meisten Punkte für seine Porzellan-Sammlung
erhält.
Wunderschön und taktisch
Kintsugi überzeugt zunächst durch seine hervorragende grafische
Gestaltung. Das Artwork ist stilvoll, elegant und thematisch passend. Die grafische
Überarbeitung zur ersten englischsprachigen Ausgabe hat sich hier
außerordentlich gelohnt und auch bei der Materialqualität liefert Board Game
Circus tadellos ab!
Spielerisch gelingt es dem Spiel, das Kintsugi-Prinzip clever zu
übersetzen: Die Entscheidung, ob man etwas intakt lässt, welche Karte man übrig
lässt um sie zerbrechen zu lassen und welche man verkauft, ist in jeder Runde
interessant. Gerade das bewusste In-Kauf-Nehmen von Bruch als taktisches Element
ist ungewöhnlich und funktioniert erstaunlich gut. Alle Entscheidungen hängen
aber natürlich von der Auslage ab. Hinzu kommt ein sehr klarer Ablauf und
gerade zu zweit spielt sich Kintsugi flott und dynamisch.
Mit Glück und Mühe
Trotz aller Eleganz bleibt Kintsugi nicht frei von Makeln. Wer durch
die Spielerreihenfolge den ersten Zugriff hat auf eine der raren Teekannen,
kann damit deutlich mehr Punkte machen. Das Glück spielt auf jeden Fall mit,
auch wenn man klug spielt, und die Entscheidungen sind von der Auslage abhängig und insgesamt nicht besonders vielfältig.
Ebenfalls unglücklich ist die Endwertung. Zwar sind die Karten
übersichtlich, aber die Vielzahl an unterschiedlichen Bedingungen (neun
verschiedene Kartentypen mit jeweils eigener Wertung) führt zu einem vergleichsweise
mühsamen Auswertungsprozess, der nicht zum ansonsten leichten Spielfluss passt.
Bei der Wertung von Tassen und Untertassen fehlt dem Spiel auch etwas an
Klarheit, sowohl in der Spielregel als auch in der grafischen Gestaltung.
Fazit: schönes Kleinod mit Ecken und Kanten
Kintsugi ist ein ruhiges, schönes Kartenspiel für Zwischendurch, das vor
allem durch Thema, Gestaltung und das clevere Reparaturprinzip überzeugt.
Gerade zu zweit funktioniert es sehr gut. Wer sich jedoch an Glücksfaktoren und
umständlicher Wertung stört, wird hier nicht vollends glücklich. Für alle
anderen gilt: Manchmal ist es gerade das Zerbrochene, das am Ende am meisten
glänzt.
Erschienen bei Board Game Circus




