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Freitag, 29. März 2013

Police Precinct - Als Polizisten gegen das Verbrechen

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Bereits in diesem Artikel habe ich Euch Police Precinct aus dem Hause CommonManGames kurz vorgestellt. Nach ein paar Partien fühle ich mich fit genug um Euch das Spiel etwas näher vorzustellen. Nur wenige Spiele eines eher unbekannteren Verlages haben bereits vor Erscheinungsdatum so viel Vorschusslorbeeren erhalten wie dieser Titel. Dies ist nicht zuletzt Tom Vasel vom Dicetower zu verdanken, der Police Precinct bereits vor Realease ausgiebig gelobt hatte. Das Spiel ist für 1-6 Spieler in unter 120 Minuten spielbar.[...]

Spielverlauf und Spielziel

In Police Precinct schlüpfen die Spieler in die Rolle von Polizisten und versuchen in bester CSI-Manier einen Mord aufzuklären. Das Spiel wird kooperativ gespielt. Als Gegenspieler haben die Spieler die Zeit, der ständig steigende Kriminalitätsfaktor der Stadt sowie einen oder gar zwei korrupte Cops, welche die Aktionen der anderen Spieler versuchen subtil zu untergraben. Spielziel hierbei ist es sämtliche Beweise im Mordfall zu finden und schließlich den Mörder zu verhaften. Sollte allerdings eine bestimmte Rundenanzahl erreicht werden und der Mörder entkommt oder der Kriminalitätsfaktor der Stadt steigt zu sehr, verlieren alle Spieler - bis auf die korrupten Cops. Police Precinct spielt sich hierbei in vier Phasen pro Spieler.
In der ersten, der Bewegungsphase darf ein Spieler seinen Polizeiwagen 2-3 Straßen (Felder) innerhalb der großzügig gestalteten Stadtkarte bewegen. Die Bewegungsreichweite hängt hierbei davon ab, ob sich der Spieler in einem Polizeiwagen fortbewegt oder als Undercover-Agent unterwegs ist. Ist er mit Blaulicht unterwegs ist er schneller, ist er undercover, ist er zwar langsamer, hat aber in der folgenden Phase einen Vorteil.
In der Aktionsphase können die Polizisten auf eine Großzahl an möglichen Aktionen zurückgreifen. Diese sind neben dem Ziehen von Aktionskarten, dem Kaufen von Upgrades in der Polizeistation, dem Verhaften von Punks oder dem Lösen eines Notfalles auch das Ermitteln am Mordfall selbst.
Egal ob sich ein Polizist dazu entscheidet einen Notfall zu lösen, eine Horde gewaltätiger Punks zu verhaften oder im Mordfall zu ermitteln, ist er auf sein Würfelglück und noch viel mehr auf die Hilfe seiner Mitspieler angewiesen. Diese spielen nämlich eine beliebige Anzahl an Aktionskarten, sogenannte Polizeikarten, um die Anzahl der zu werfenden Würfel zu erhöhen und somit die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges zu verbessern. Wichtig hierbei ist, dass der aktive Spieler selbst sich keine Unterstützungskarten zuspielen kann. Eine nette kleine Regel, die das Wir-Gefühl im Spiel stärkt.
In der Nachzugphase und der Eventphase zieht der aktive Spieler nacheinander eine Polizeikarte, sowie eine Eventkarte und führt das Ereignis der letzteren sofort aus. Meist wird hierbei ein neuer Notfall auf dem Spielbrett erzeugt und lenkt somit die Aufmerksamtkeit der Polizisten auf ein neues Ziel innerhalb der Stadt und versucht diese hierbei von ihrer eigentlichen Aufgabe - dem Lösen des Mordfalles - abzubringen. Im Anschluss daran geht der Zug an den nächsten Spieler über.
Bei der Untersuchung des Mordes kommt hierbei eine interessante Spielmechanik in Police Precinct zum Tragen. Die Beweise des Falles sind nämlich an vier Orten innerhalb der Stadt verteilt. So müssen die Spieler die Leiche und den Fundort untersuchen, die Tatwaffe ausfindig machen und Zeugen befragen. Jedem Detail ist hierbei ein seperater Kartenstapel zugeordnet, welcher in der Aktionsphase durch den aktiven Spieler verdeckt durchsucht wird. In diesem befinden sich die Beweise und eine größere Anzahl an Nieten. Je nach Untersuchungswert, Sonderfähigkeit und Unterstützung der Kollegen zieht der untersuchende Spieler eine Anzahl von Karten verdeckt von diesem Stapel und hofft darauf die Beweise zu ziehen. Findet er diese, kann er sie dem Beweisbrett in der Polizeistation hinzufügen und das Team ist der Lösung des Falles ein Stück näher gekommen. Die restlichen Karten mischt er erneut in den Untersuchungsstapel. Er hat zudem die Möglichkeit eine Niete permanent aus dem Spiel zu nehmen.
Sollte man Police Precinct mit 4 oder mehr Spielern spielen, besteht die Möglichkeit des Hinzufügens eines oder von zwei korrupten Cops. Entscheidet man sich für diese Variante, werden zu Beginn des Spiels sogenannte Loyalitätskarten verdeckt verteilt, welche den Spielern mitteilen, ob sie korrupt oder rechtschaffend sind. Als korrupter Cop versucht man unbemerkt das Vorankommen der Ermittlungen zu sabotieren. Eine gute Möglichkeit hierfür bietet beispielsweise das Untersuchen von Beweisen. Fährt man als korrupter Cop zur Befragung der Zeugen, die gutgläubigen Kollegen spielen wohlwollend wertvolle Polizeikarten um die Wahrscheinlichkeit des Erfolges zu erhöhen und man mischt die Beweise mit den Worten "Oh es war leider kein Zeuge anzutreffen" wieder in den Beweisstapel, so kann dies den Erfolg der Mission schon erheblich gefährden. Hierbei ist sicherlich Fingerspitzengefühl gefordert, da ein zu offensichtliches Handeln vorschnell zu Verdächtigungen führen und somit den Aktionsradius des korrupten Cops stark einschränken kann. Aber auch durch Sonderfähigkeiten und Ereignisse der Polizeikarten hat der korrupte Cop durchaus einige Möglichkeiten den Spielfluss unbemerkt zu sabotieren.
Als Alternative hat der korrupte Cop die Möglichkeit sich als solcher zu offenbaren. Er taucht somit ab und kann auf einige einzigartige Aktionen zurückgreifen - und eben nur auf diese. Diese sind zwar mächtig, sind aber längst nicht so stark wie die eines unbemerkten korrupten Cops, der womöglich noch das Vertrauen der Kollegen und deren großzügiges Ausspielen von Polizeikarten genießt.
Die auftauchenden Notfälle, sowie das Auftauchen von Streetpunks und der damit verbundenen Gangbildung in den "Bad-Hoods" halten die Spieler immer wieder in Bewegung und können, wenn unbeobachtet, das Spiel schneller beenden als gewollt - natürlich im negativen Sinne. So ist es notwendig diese nicht völlig aus den Augen zu lassen. Hier werden des öfteren sogenannte "unknown circumstances" den Notfällen zugeordnet. Bereitet sich der ermittelnde Polizist auf die Verhaftung eines Betrunkenen Gastes in einem Restaurant vor, so überrascht ihn dieser beispielsweise mit einem bissigen Hund und erschwert das Lösen des Notfalles. Die Notfälle sind wunderbar thematisch gewählt und tragen erheblich zur Spieldichte bei.

Resume

Police Precinct nutzt Mechanismen, welche derzeit fast inflationär verwendet werden. Der Brettspielmarkt läuft in den letzten Jahren ja fast über vor kooperativen Spielen mit Verrätermechanik. Panic Station, Shadows over Camelot oder Battlestar Galactica sind nur einige Beispiele hierfür. Doch vielleicht gerade durch das so noch nicht genutzte Thema des Polizeidienstes schafft es Police Precinct zu begeistern. Es ist einfach wunderbar thematisch und es fühlt sich echt an, wenn man in seinem Streifenwagen durch die Stadt fährt und in einem Liquör-Laden einen betrunkenen Gast festnehmen muss oder eine neuformierte Straßengang mithilfe seiner Kollegen bekämpft.
Nicht unerwähnt sollen die durchaus qualitativ hochwertigen Komponenten des Spiels sein. Das Brett ist auf stabilem Karton gedruckt und die Karten sind griffig und ebenfalls aus guter Qualität. Ärgerlich sind jedoch die häufigen Druckfehler. Besonders sticht hierbei der Kompass auf dem Spielbrett hervor, welcher frech den Osten nach links und den Westen nach rechts setzt. Besonders ärgerlich wird es, wenn dieser dann auch noch bei einigen Notfällen zu Rate gezogen werden soll und man nicht mehr weiß, ob das richtige Westen oder das spieltechnische Westen gemeint ist.
Die Verrätermechanik fügt sich gut ins Spielprinzip ein. Man hat als korrupter Cop zwar keine allzu großen Möglichkeiten drastisch in eine Situation einzugreifen, jedoch ist der gelegentliche kleine "Schubbser" in die falsche Richtung, genau das was letztendlich am Ende über Erfolg oder Misserfolg entscheiden kann. Die Rolle des korrupten Cops erfordert in Police Precinct somit in erster Linie eines: Geduld. Nur selten macht es Sinn sich als korrupt zu offenbaren und auf die Unterweltaktionen zugreifen zu können, denn dann können sich die anderen Spieler auf die eigenen Aktionen zu sehr einstellen.
Police Precinct bietet die Möglichkeit für nahezu jede Spielgruppe in die Rolle des Polizisten zu schlüpfen. Durch die weitgefasste Spieleranzahl von 1-6 sind so ziemlich alle Konstellationen abgedeckt. Die optimale Anzahl würde ich persönlich jedoch bei 4 Spielern einordnen (inkl. ein korrupter Cop), denn bei jeder geringeren Anzahl ist die Hinzunahme des Verräters nicht möglich, welcher Police Precinct nochmal auf eine ganz andere Ebene setzt. Mit mehr als 4 Spielern besteht das Problem, dass jeder Notfall auf der Karte einfach zu leicht zu erreichen ist. Das Verhältnis: Größe der Karte zu Anzahl der Autos stimmt dann einfach nicht mehr.
Der Wiederspielwert ist vielleicht die größte Schwäche von Police Precinct, denn der interessante Mordfall ist eben immer gleich und die Notfälle ähneln sich auf Dauer eben doch sehr. Es werden Unterstützungskarten gespielt und es wird gewürfelt.
Das Spiel bietet jedoch nahezu unendlich viel Platz für Erweiterungen, an welchen, laut Hersteller, schon kräftig gebastelt werden soll. Neue Notfälle, neue Straßengangs, verschiedene Mordfälle oder mehr Charaktere sind nur einige der zahlreichen Stellschrauben, an denen der Hersteller den Wiederspielwert ganz einfach erhöhen kann.
Stellschrauben bietet das Spiel auch jetzt schon einige um die Schwierigkeitsgrad exakt an die jeweilige Gruppe anzupassen. Die Anleitung bietet nahezu ein Dutzend Möglichkeiten mit wenigen Handgriffen die Startvoraussetzungen zu vereinfachen oder zu erschweren und somit stets ein spannendes Spielerlebnis zu gewährleisten. Das ist toll!
Police Precinct ist für mich schon jetzt ein Highlight für 2013 - aber nur mit Verräter.

 
sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek.com bzw. vom jeweiligen Verlag (hier CommonManGames)

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