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Freitag, 19. April 2013

Spartacus - Der Name ist Programm

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Spartacus: Ein Spiel über Blut und Verrat ist ein Spiel für 3-4 Spieler vom Heidelberger Spieleverlag, welches im Herbst 2012 erschienen ist. Es ist das Spiel zur gleichnamigen Fernsehserie und kann aus diesem Grund Bilder aus eben jener Sendung nutzen. Das Spiel dauert zwischen 90 und 150 Minuten (je nach ausgewählter Spieldauer).
Spartacus ist, und so viel sei vorweggenommen, einer der Überraschungserfolge des vergangenen Jahres.

Spielverlauf und Spielziel

In Spartacus übernehmen die Spieler jeweils ein bedeutendes Haus Roms und versuchen dessen Einfluss zu maximieren und als erstes eine gewisse Anzahl an Machtpunkten zu erreichen. Hierbei bieten die Spieler auf dem Markt für Sklaven, Gladiatoren und Rüstungen, lassen ihre Gladiatoren gegeneinander in der Arena antreten oder spielen diverse Intrigenkarten gegeneinander, um die jeweils anderen Häuser zu blockieren.
Spartacus spielt sich hierbei im Wesentlichen in vier Phasen pro Runde. Während in der Unterhaltsphase die Spieler lediglich ihr Einkommen (Sklaven) ihren Kosten (Gladiatoren) gegenüberstellen und ihre Karten auffrischen, folgt in der Intrigenphase das eigentliche Herzstück des Spiels. Hierin haben die Häuser, der Reihe nach folgend, die Möglichkeit verschiedene Intrigenkarten zu spielen, welche entweder dem eigenen Haus nutzen, einem gegnerischen Haus schaden oder beides. Jeder Intrigenkarte ist hierbei eine Mindestpunktzahl an Machtpunkten zugeordnet, sodass man oftmals auf die Unterstützung anderer Häuser angewiesen ist. Genau hier entsteht das interessante Metaggame in Spartacus. "Hilfst Du mir, helf ich Dir" ist hier das Motto. Das Regelwerk beschränkt die Spieler hier bewusst nicht auf einzelne Ressourcen, welche versprochen oder getauscht werden können, sondern lässt den Spielern und ihren Intrigen freien Lauf.
Wurde diese Phase abgeschlossen, gehen die Spieler nun auf den Markt. Hier werden nacheinander Sklaven, Gladiatoren, Rüstungen, Waffen und das Recht des Veranstalters der nächsten Gladiatorenkämpfe an den jeweils Meistbietenden versteigert. Da diese Gegenstände nacheinander aufgedeckt werden, besteht auch stets eine gewisse Unsicherheit, ob es sich nun lohnt viel Gold in den gerade aufgedeckten Gladiator zu investieren, oder ob im Anschluss ein noch viel stärkerer Kämpfer zum Verkauf steht.
Wurden alle Sachen versteigert, so geht Spartacus in seine letzte Phase - die Arenaphase. Der gerade frisch gebackene Veranstalter hat nun die Möglichkeit zwei Häuser in der Arena antreten zu lassen. Diese müssen entweder ablehnen oder einen Gladiator stellen. Vielleicht hat es sich in früheren Phasen gelohnt, dem Veranstalter einen Gefallen getan zu haben? Im Kampf selbst treten die zwei Gladiatoren nun in einem kurzlebigen Würfelmassaker gegeneinander an, wobei sämtliche Spieler die Möglichkeit haben, auf Sieg, Verletzung oder Tod der teilnehmenden Gladiatoren zu bieten und dabei ihr Gold zu vermehren oder auch zu verlieren. Und natürlich entscheidet der Veranstalter selbst, was mit dem unterlegenen Gladiator geschieht. Erfährt er Gnade oder zahlt er den Preis für sein Versagen?

Resume

Spartacus macht seinem Namen "Ein Spiel über Blut und Verrat" alle Ehre, denn selten habe ich ein Spiel gespielt, nach welchem man seine Gegenspieler dermaßend hassen kann. Gerade deshalb ist Spartacus aber auch mit Vorsicht zu genießen und nicht für alle Spielegruppen vorbehaltlos zu empfehlen. Man braucht schon ein ganz schön dickes Fell, wenn man die permanenten Intrigen und den ständig drohenden Verrat nicht allzu persönlich nehmen will. Schafft man jedoch Spiel und Realität auseinanderzuhalten und scheut man keine Glückselemente, ist Spartacus ein echter Hit und darf eigentlich in keiner gepflegten Spielesammlung fehlen.
Die Arena mit den Kämpfen selbst ist bei Spartacus aber lediglich Nebensache. Dazu hat diese einfach zu wenig Einfluss auf den Spielsieg. Es ist beispielsweise durchaus möglich das Spiel zu gewinnen, ohne jemals einmal in der Arena gestanden zu haben. Das Hauptaugenmerk des Spiels läuft nämlich nicht in der Arena selbst, sondern vielmehr in der Intrigenphase und vorallem im Metagame. So sind lose Versprechen, Verrat und Drohungen an der Tagesordnung und schon nach den ersten Runden fallen die Masken der Spieler. Verbündete sind plötzlich Feinde und Feinde werden schnell zu Freunden, wenn die Situation es ergibt. Letztlich ist sich jeder selbst der Nächste.
Das Kampfelement in Spartacus selbst hat trotz allem einen recht interessanten Mechanismus. So ist die Idee den Werten Angriff, Verteidigung und Tempo jeweils einen eigenen Würfelpool zuzuordnen und diesen an die Lebenskraft zu koppeln für mich neu, innovativ und elegant gelöst. Leider ist aber häufig einfach zu wenig Taktik in den eigentlichen Kämpfen. Diese entsteht erst, wenn man diverse Waffen oder spezielle Schilder seinem Gladiator zur Verfügung stellt, welche ihm beispielsweise eine größere Reichweite und damit die Möglichkeit des Erstschlages ermöglichen. Die Spannung in den Kämpfen selbst entsteht meistens durch die Wetten der Spieler auf Sieg, Verletzung oder Tod. Diese lassen, den nicht am Kampf teilnehmenden Spielern, die Downtime recht kurzweilig vorkommen, sodass in Spartacus eigentlich nie Langeweile aufkommt. Es spielt sich einfach schnell.
Ein weiterer Pluspunkt ist die variable Spieldauer. So kann man beispielsweise zwischen einem kurzen, einem mittleren oder einem langen Spiel entscheiden, je nach Lust, Laune und Zeit.
Die verschiedenen Häuser spielen sich bedingt unterschiedlich. Sie haben zwar alle unterschiedliche Spezialfähigkeiten, diese sind aber zumeist von der Funktion gleich und beziehen sich lediglich auf andere Kartentypen, welche für das jeweilige Haus besonders wertvoll sind. Ist für Haus A ein Sklave besonders viel wert, so ist es für Haus B und C die Wache oder der Gladiator.
Lobenswert sind die qualitativ hochwertigen Komponenten. Dickes Cardboard, schöne Miniaturen, stimmungsvolle Karten und vor allem eine Spielpackung, in welcher alles Platz in seinem eigenen Bereich findet und man keine extra Tütchen und Kisten braucht.
Spartacus ist für mich eine der Überraschungen des Jahres 2012. Brettspiele einer Fernsehserie haben es zumeist schwer aus dem Schatten des jeweiligen Originals hervorzutreten, jedoch schafft dies Spartacus nicht nur mit Bravour, sondern überflügelt die Fernsehserie geradezu. Während mir persönlich diese nämlich überhaupt nicht gefällt, so trifft Spartacus genau meinen Nerv. Spannend, intensiv und viel "Spiel ums Spiels". Aufgrund dieses Erfolges wurde im übrigen bereits eine erste Erweiterung angekündigt, welche vielleicht die wenigen Schwachstellen ausbessert.

Vielen Dank an den Heidelberger Spieleverlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares


 

sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek.com bzw. vom jeweiligen Verlag (hier Heidelberger Spieleverlag)

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