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Mittwoch, 16. Oktober 2013

City of Remnants - Düstere Endzeit-Strategie

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Plaid Hat Games ist ein neu aufstrebender Verlag von jenseits des großen Teichs. City of Remnants ist dabei jedoch ein Titel, welcher bisher wenig Aufmerksamkeit bekommen hat. Es scheint fast, als ob er bisher im Schatten des letzten großen Titels Mice and Mystics gestanden hätte. Zeit also mal etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Spielverlauf und Spielziel

In City of Remnants übernehmen 2-4 Spieler die Rollen von Gangs, welche sich nicht der Schreckensherrschaft der YCU unterordnen wollen. Letztere (eine Alienrasse) haben die Erde eingenommen und sind nun fleißig damit beschäftigt letzte revoltierende Menschen zu eliminieren.
Problematisch wird das Ganze, da nicht nur die YCU daran interessiert ist die eigene Gang zu eliminieren, sondern auch die übrigen überlebenden Gangs - getreu nach dem Motto: Es kann nur einen geben!
City of Remnants läuft dabei über eine vorher nicht weiter definierte Anzahl an Spielrunden, in welchen es gilt möglichst viel Siegpunkte zu erlangen. Sind die Siegpunktchips aufgebraucht, so endet das Spiel mit Ende dieser Runde.
Mechanisch betrachtet stehen jedem Spieler jede Runde vier Aktionen zur Verfügung, welche er für unterschiedlichste Dinge einsetzen kann. Gebäude bauen (welche bei Kontrolle Geld und Siegpunkte bringen), Waffen für die Gang kaufen (welche im Kampf gegen die YCU oder andere Gangs helfen), neue Gangmitglieder anheuern (welche die eigene Gang vergrößern) und viele mehr.
Dabei werden die Aktionen zwar grundsätzlich in Spielerreihenfolge nacheinander ausgeführt, jedoch ermöglichen diverse Regeln den Einsatz von Aktionspunkten außerhalb der üblichen Reihenfolge, was strategische und taktische Möglichkeiten eröffnet.
Ein nicht unerheblicher Teil der Spielmechanik von City of Remnants besteht aus klassischem Deckbau. Denn die eigenen Mitglieder, die eigenen Sonderfähigkeiten sowie neu erworbene Gegenstände existieren auf Karten, welche in einem eigenen Gang-Deck aufbewahrt werden, durch welches man im Laufe des Spiels immer und immer wieder durchrotiert. So kommen auch Deckkontrolle und Deckbau ins Spiel.
Da zu jeder Gangmitgliedskarte im Deck auch eine eigene Miniatur auf dem Brett gehört und auf dem Brett erworbene Gebäude Siegpunkte und Geld bereit halten, ist in City of Remnants aber auch Gebietskontrolle und Einheitenpositionierung von Belang.
Kämpfe werden klassisch aus einer Kombination aus Kartenspielen und Würfelwurf ausgetragen und sind zeitweise schwer zu kalkulieren. Nicht am Kampf teilnehmende aber unterstützende Einheiten (da im Nachbarfeld) geben einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. 
Sind alle Aktionen aufgebraucht, geht es vor der Siegpunktvergabe zur YCU-Phase.
...und wehe der Gang, welche nun von der völlig zufällig auftretenden YCU-Kontrolle aufgesucht wird.

Resume

Wer Glückselemente in Spielen nicht mag, welche unter Umständen die beste Planung mit einem Würfelwurf zerstören können, der ist bei City of Remnants falsch. City of Remnants ist "Ameritrash" durch und durch: Dichtes Thema, viele Würfel und zufallsgenerierte Ereignisse. Da täuschen auch nicht die diversen Mechanismen, wie Aktionswahl, Bieten und Minideckbuilding hinweg, welche klassischerweise dem Euro-Genre zugeordnet werden. Wer nun noch interessiert mitliest, der wird vermutlich City of Remnants mögen. Also nun mal ganz von vorne...
Die Komponenten sind hervorragend. Kleine Miniaturen lassen das Spielerherz höher schlagen. Dazu schön illustrierte Karten, eine stabile Box, robuste Würfel und das beste zum Schluss: Ein echt schickes Stoffsäckchen. Nein, kein klassisches Stoffsäckchen, welches bei manchen Spielen dabei ist. So eins aus billiger Qualität, was beim Hereingreifen an Schmirgelpapier aus dem Baumarkt erinnert. Nein, hier macht es so richtig Spaß Plättchen aus dem Sack zu ziehen. Naja ich streife ab... Qualität der Komponenten: Erste Sahne. Das sind wir aber von Plaid Hat Games mittlerweile gewöhnt. Und ich, für meinen Teil, gebe dann gerne etwas mehr aus, wenn die Qualität stimmt. Denn günstig sind die Spiele von Colby Dauch und Co nicht.
Kommen wir nun zum spielerischen. City of Remnants ist kein Spiel, was nach einer Partie vollständig erfasst ist. Vielmehr ist eine Kenntnis der unterschiedlichen Starterdecks sinnvoll und vorallem zu wissen, wie sich die einzelnen Gangs spielen, welche Taktiken Sinn machen und wo die Reise hingehen soll. Eine erste Partie wird so schnell zur Lernpartie. Nicht wegen der Regeln (die sind verblüffend simpel) sondern vielmehr aus taktischen Gründen. Wie nutze ich am besten den Deckbuildingaspekt des Spiels? Bei welcher Gang macht es überhaupt Sinn schnell durch das eigene Deck zu kommen? City of Remnants läd gerade deswegen ein zu einer Revanche.
Schön sind definitiv die verschiedenen Strategien zum Sieg - manchmal spannender und manchmal konservativer. Sowohl Krieg, als auch Wirtschaft kann zum Ziel führen. Baue ich mir ein starkes Deck, was viel Geld generiert und kaufe mir im Anschluss die Siegpunkte ohne auf dem Brett wirklich präsent zu sein oder kaufe ich mir starke Militäreinheiten und nehme gegnerische Gebäude ein? Beide Strategien scheinen gleichstark zu sein und sprechen somit für abwechslungsreiche Partien.
Die elegante Kombination aus unterschiedlichsten Mechanismen sowohl aus "Ameritrash" (Würfel und Glück), Eurogame (Deckbuilding, Bieten auf Karten) und Wargame (taktische Positionierung von Truppen) machen den Hauptreiz des Spiels aus.
Besonders clever und damit hervorstechend ist jedoch der Bietmechanismus auf neue Truppen. Dadurch, dass man außerhalb der regulären Zugreihenfolge neue Truppen ersteigern kann und somit die Aktionsauswahl aus der sonst so starren Spielerreihenfolge von Zeit zu Zeit ausbricht, bringt nicht nur Dynamik ins Spiel, sondern ermöglicht zahlreiche, zuvor ungeahnte, taktische Manöver.
City of Remnants überzeugt wenig mit seinem Frontcover und Thema (das war bei mir zumindest der Fall). Traut man sich, gibt dem Spiel eine Chance und öffnet die Box, dann wird man hierfür mit einem außerordentlich guten, eleganten und gut ausbalancierten Spiel belohnt, was Lust auf mehr macht - soweit man etwas Zufall vertragen kann.

 
sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek.com bzw. vom jeweiligen Verlag (hier Plaid Hat Games)

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