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Mittwoch, 23. Oktober 2013

Soccero - Rasenschach

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Schon in einem früheren Artikel habe ich die Fußballsimulation Soccero von Gamina erwähnt. Zeit etwas ins Detail zu gehen und Euch den Titel des kleinen finnischen Verlages vorzustellen. Es handelt sich übrigens bereits um die dritte Version des Spiels. Vorreiter waren Die wilden Fußballkerle (dabei eher für das junge Publikum) und eine offizielle Version der finnischen Nationalmannschaft.

Spielverlauf und Spielziel

In Soccero übernehmen zwei Spieler die Rollen von jeweils einer Fußballmannschaft und versuchen innerhalb der vorher definierten Spieldauer die meisten Tore zu erzielen.  In abwechselnden Zügen entscheidet sich jeder Spieler, ob er Laufen, Passen oder Schießen will und erwürfelt im Anschluss daran den Erfolg oder Misserfolg seiner Aktion. Das Passen und Schießen des Balles wird dabei nicht nur über die zwei 6er Würfel definiert, sondern auch über einen mitgelieferten Spezialwürfel, welcher die Flugrichtung des Balles bestimmt.
Das gesamte Regelwerk des Fußballs inklusive Abseits, Freistoß, Foul, Kopfbälle, Ecken, Einwürfe und so weiter kommt dabei in verschiedenen Spezialregeln zur Geltung und wird jeweils in entsprechenden Situationen angewendet. 
Braucht ein Spieler aus taktischen Gründen zu lange für seine Überlegungen, kann der Gegenspieler eine Sanduhr ins Spiel bringen und den Spielpartner zur Entscheidung drängen.

Resume

Wer Soccero gespielt hat, der weiß, weshalb der Begriff "Rasenschach" des Öfteren bei von Taktik geprägten Spielen im echten Fußball verwendet wird. Laufen, Passen, Schießen und das alles mit Würfeln. Es klingt eigentlich so einfach und so flott. Das Gegenteil ist der Fall. Es stimmt zwar, dass das Würfeln einen großen Platz im Spiel einnimmt, aber Soccero ist vielmehr durch das taktische Platzieren der eigenen Spieler geprägt und vom geschickten Verschieben der Viererkette der Abwehr.
Dadurch, dass ein erfolgreiches Tackling des Gegenspielers nur bei exaktem Erwürfeln der Distanz zwischen eigenem und Gegenspieler gelingt, besteht die Hauptaufgabe des Verteidigers darin, möglichst viele eigene Spieler in möglichst unterschiedlichen Reichweiten zum Ballführer zu platzieren, um die Wahrscheinlichkeit des Tacklings zu erhöhen.
Die Taktik des Ballführers besteht darin diesem Stellungsspiel auszuweichen und stattdessen möglichst viele eigene Spieler in Passreichweite zum Ballführer zu bringen, denn ein Dribbling mit dem Ball ist nur einmal möglich. Im Anschluss muss ein Pass oder Schuss erfolgen. Soccero wird somit schnell zum Stellungsspiel, zum Taktieren für Trainerfüchse.
Trotz allem spielt sich Soccero schnell und flüssig und bietet überraschend viel Realismus. Allein durch den Fakt, dass Würfel im Spiel enthalten sind und durch diese unter anderem auch die Flugrichtung des Balles gesteuert wird, entsteht von Zeit zu Zeit doch der ein oder andere Traumpass oder die ein oder andere Bogenlampe, welche für Freud und Leid bei den Spielern sorgen und somit fußballtypische Emotionen aufleben lassen.
Die Box von Soccero ist weltmeisterlich ausgestattet. 22 bemalte Miniaturen und aufstellbare Plastiktore lassen jeden Fan von Optik in Brettspielen mit der Zunge schnalzen. Die Anleitung ist zweisprachig in englisch und spanisch und erklärt die Basisregeln (dort wird im Übrigen die Abseitsregeln in knapp 5 Zeilen erklärt!!). Auch wenn die Basisregeln eigentlich ausreichen um Soccero gut spielen zu können, ist auf der Homepage des Spiels eine erweiterte Regel kostenlos herunterladbar. Diese führt weitere Spezialregeln, wie Kopfballspiel oder Eckstöße ein und sollte nach erstmaligem Kennenlernen des Spiels direkt in die nächste Partie mit eingebaut werden.
Zusammenfassend ist Soccero taktischer als es auf den ersten Blick verspricht, ohne dabei das typische Fußballgefühl von Tempo und Dramatik zu vernachlässigen. Erweiterungpakete mit unterschiedlichen Teams sind leider noch nicht geplant.

Vielen Dank an Gamina für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares

 
sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek.com bzw. vom jeweiligen Verlag (hier Gamina)

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