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Mittwoch, 15. Januar 2014

Om Nom Nom - Psychologie für Fortgeschrittene

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Ich denke, dass meine Leser denken, dass ich denke, dass meine Leser denken, dass ich denke, dass meine Leser denken, dass es sicherlich interessant wäre mal eine Rezension zu Om Nom Nom aus dem Hause Brain Games zu lesen. Ob, dass dann auch tatsächlich der Fall ist, ist aber im Endeffekt eigentlich völlig egal, denn ich schreibe sie trotzdem!

Zur Vorbereitung: Om Nom Nom klingt irgendwie witzig. So eine Art Mischung aus Kirchenchor und Schmatzlauten. Warum also nicht einmal ausprobieren? Filler-Games gibt es schließlich nie genug! Überrascht war ich dann zunächst von der sehr großen Packung, in welcher sich lediglich einige Karten in mäßiger Qualität, die Anleitung in zahlreichen Sprachen, einige Würfel, ein Notizblock und ein Bleistift, der stark an die eines schwedischen Möbelhauses erinnert, versteckten. Der Rest war mit Luft gefüllt.
Die Regeln waren dann, dank zahlreicher Beispiele und sehr geringer Seitenzahl, schnell verinnerlicht, sodass einer ersten Testrunde nichts entgegenstehen sollte.


In Om Nom Nom spielen wir die Nahrungskette nach - und zwar in drei unterschiedlichen Bereichen. Katze frisst Maus, Maus frisst Käse. Fuchs frisst Hase, Hase frisst Karotte. Igel frisst Frosch, Frosch frisst Fliege. Und alle frisst der Affe. Om Nom Nom eben.
Nachdem die Würfel je nach Ergebnis auf die entsprechenden Felder verteilt wurden, legt jeder Spieler eine Raubtierkarte seines identischen Decks aus 6 Karten verdeckt vor sich ab, um sie dann hoffend gleichzeitig mit den Gegenspielern aufzudecken und zu prüfen, welche Beute erlegt wird und wer schlussendlich Punkte erzielt. Regelteil Ende.

Viel interessanter wird der psychologische Aspekt von Om Nom Nom. Angenommen es liegen ganz viele Käsewürfel aus. Sagen wir 5. Das wären bei erfolgreicher Jagd mit der Maus also 10 ganze Punkte. Verlockend! Was aber, wenn der Gegenspieler denkt, dass ich denke, dass 10 Punkte verlockend wären und deshalb denkt, dass ich die Maus spiele und deshalb die Katze spielt um meine Maus zu fressen bevor diese den Käse isst und mir dann für immer die Möglichkeit auf den Käse in dieser Runde nimmt? Hmm interessant!
Was aber wenn ich denke, dass er denkt, dass ich denke, dass der Käse verlockend wäre und denkt, dass ich denke, dass er deshalb die Katze legen wird und deshalb denke, dass ich garnicht die Maus legen darf und er deshalb denkt, dass er dann ja auch nicht die wertvolle Katze spielen muss, weil ich ja ohnehin denke, dass ich die Maus nicht legen darf? Und jetzt verstehen wir uns! Willkommen in der Welt von Om Nom Nom.


Om Nom Nom ist Psychologie auf höchstem Niveau. Es ist quasi wie die doppelte Verneinung in der deutschen Sprache oder die mathematische Erkenntnis, dass Minus mal Minus Plus macht. Eine Anstrengung fürs Gehirn, ein Bluffspiel, ein Spiel, was die Spieler so oft um die Ecke denken lässt, bis diese viermal im Kreis gelaufen sind und völlig die Orientierung verloren haben. Also irgendwie Topfschlagen, blinde Kuh und Unterwasserschach in einem. Nur ganz anders.
Natürlich kann man auch so ganz anders an die Sache rangehen und einfach die Katze spielen (um mal beim obigen Beispiel zu bleiben) und die Maus fressen. Denn jetzt mal ehrlich? Wer kann schon 10 Punkten widerstehen? Also doch keine Psychologie? Fast! Om Nom Nom macht eigentlich nur das, was die Spieler bereit sind zuzulassen. Den größten Spaß bereitet es sicherlich, wenn man bereit ist, sich den oben angestellten Überlegungen hinzugeben. Lässt man diese außen vor, dann handelt es sich um ein bloßes Glücksspiel mit lustigem Thema in einer viel zu großen Box.


Vielen Dank an Brain Games für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!



Om Nom Nom von Meelis Looveer
Erschienen bei Brain Games
Für 1 bis 6 Spieler in ca. 15 Minuten
Boardgamegeek-Link








sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek.com bzw. vom jeweiligen Verlag (hier Brain Games)

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