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Mittwoch, 19. Februar 2014

Kyklades mit Hades - Und was sich reimt...

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...ist gut. Das hat ja schließlich schon der Pumuckl gesagt. Und wer wagt es schon dem zu widersprechen? Nicht einmal Meister Eder, richtig!

Jetzt also tatsächlich eine Rezension, in welcher ich direkt die Erweiterung mit einbeziehe? Warum werdet Ihr dann noch sehen. Denn Kyklades und Hades gehören, und so viel sei vorweggenommen, so zueinander wir Bonnie und Clyde, Siegfried und Roy oder Thomas Anders und Dieter Bohlen.


Es gibt ja prinzipiell zwei Möglichkeiten ein Spiel Neulingen zu erklären. Da wäre zunächst die "konservative Methode", bei welcher man angefangen vom Spielziel bis hin zum detaillierten Abhandeln der einzelnen Spielphasen jede einzelne Spielmechanik beleuchtet. Das Spielthema wird völlig ausgespart, denn was hat den das schon mit den Regeln zu tun?
Und dann wäre da noch die "atmosphärische Methode" in welcher man versucht eine Geschichte zu erzählen und so ganz nebenbei in diese die Spielregeln einbindet. Das Unterhalten steht an erster Stelle, denn nicht umsonst haben Gedächtnisexperten unlängst festgestellt, dass sich Fakten viel leichter behalten lassen, wenn man diese in einen Kontext stellen kann und am besten in eine Geschichte einbettet.


Kyklades ist so ein Beispiel für Variante 2 - den Geschichtenerzähler. Würde man Variante 1 wählen und die Erklärung damit beginnen, dass die Hauptmechanik des Spiels ein reiner Bietmechanismus wäre, so würden vermutlich 3 der 5 Mitspieler bereits jetzt abschalten mit dem Gedanken "Und ich dachte hier geht es um Mythologie und epische Schlachten" und der letzte verbliebende anzulernende Mitspieler lediglich noch zuhören, weil die detaillierten, je nach Farbe unterschiedlich gestalteten Miniaturen so verdammt süß aussehen. Wirklich! Tolles Detail!
Ganz anders Erklärmethode 2. Man fängt an, dass man in Kyklades um die Gunst der Götter buhlt, welche dem Volk, welches bereit ist das größte Opfer zu bringen, ihre einzigartige göttliche Kraft zu schenken. Ares, der Gott des Krieges, schenkt Legionen. Poseidon, der Herrscher des Wassers, erlaubt es den weiten Ozean zu bereisen und der Göttervater Zeus.... naja der ist irgendwie nicht so richtig thematisch dargestellt.

Wie dem auch sei. Kyklades ist so ein Spiel, bei welchem der richtige Einstieg essentiell ist. Bricht man es auf seine Mechaniken herunter, so hat man einen trocken und bereits etwas staubigen wirkenden Bietmechanismus. Dass dieser aber in diesem Spiel so frisch, so thematisch und fesselnd ist, wie bei kaum einem Spiel dieser Zunft, das merkt man erst, wenn man eine Partie gespielt hat. Umso wichtiger ist es, dass keine Spielvorstellung mit der reinen Reduzierung auf den Mechanismus enden darf.


Wunderbar skalierend in Bezug auf die Spieleranzahl übernehmen wir in Kyklades (mit Hades) die Rollen von griechischen Provinzen, welche um die Vorherrschaft auf den Kykladen (Inselgruppe im Ägäischen Meer - Klugscheissermodus aus) kämpfen. Dabei buhlen wir Runde für Runde per Auktion um die Gunst der Götter und um deren einzigartige Fähigkeiten. Militärisch geht es dabei mit Poseidon und Ares zu, welche die schönen Trüppchen über die Karte schieben.
Doch griechische Mythologie wäre nichts ohne den Mantikor, die Sirenen, die Saphire oder Helden wie Odysseus, Achilles oder Hector, welche von Zeit zu Zeit ins Spielgeschehen für die besonders gottesfürchtigen (die mit vielen Tempeln) oder die besonders reichen (die mit viel Gold) Völker ins Kriegsgeschehen eingreifen und so manchen Kampfverlauf auf den Kopf stellen.
Aber nicht nur militärisch wird die Vorherrschaft auf den Kykladen entschieden. Dafür sorgen Athene oder der Göttervater Zeus höchstpersönlich. Auch ein gesunde Infrastruktur oder eine philosophisch überlegene Gruppe kann als Sieger hervorgehen und wenn Garnichts hilft, dann gibt es ja immer noch Hades, der sich von Zeit zu Zeit ins bunte Treiben einmischt und mit seinen Untotentruppen blitzschnell für Verwüstung sorgen kann, nur um dann ebenso schnell erneut in die Unterwelt abzutauchen.

Kyklades ist ein schnelles und spannendes Spiel bis zum Schluss. Die Siegbedingung, dass lediglich zwei Metropolen bei Rundenende kontrolliert werden müssen, ist so gewählt, dass eigentlich jeder Spieler die Möglichkeit auf den Sieg hat und das bis zum Schluss. Die erste Metropole ist schnell gebaut. Dann geht es vielmehr darum sich geschickt in Position zu bringen um gleich mehrere Optionen auf die benötigte zweite Metropole zu haben. Denn sowohl der militärische Weg ist eine Option, als auch der friedliche. Der Spannungsbogen bleibt somit erhalten.



Die Erweiterung Hades ist jedoch ein Pflichtmodul. War im Grundspiel ein Spieler noch darauf beschränkt Poseidon zu kontrollieren um seine Schiffe zu bewegen, bzw. Ares um seine Truppen zu befehligen, so bietet Hades nun darin einen Ausweg von Zeit zu Zeit, als dass er beides ebenfalls ermöglicht, und gleichzeitig so ganz nebenbei eine mächtige Option einen kraftvollen Angriffsschlag durchzuführen.
 
Bietmechanismen wirken auf mich persönlich heutzutage etwas verstaubt, fast wie ein Relikt aus alten Brettspieltagen, doch in Kyklades ist dieser frisch und sich schnell spielend neu aufgezogen, ohne dabei die taktische Tiefe dieses Mechanismuses zu vernachlässigen.
Das Schöne an Kyklades sind jedoch die Geschichten danach - und so schließt sich auch irgendwie der Bogen zum Anfang. Es ist doch einfach wunderbar auf die Frage, wie denn der Spieleabend gewesen sei, zu antworten:

"Fortuna war mit mir. Poseidon erlaubte es mir früh seinen Ozean zu durchqueren auf der Suche nach der sagenumworbenen Insel mit den reichen Schätzen. Unterwegs gabelte ich dann Odysseus auf. Der hatte sich wohl irgendwie verfahren. Das rote Volk von den nördlichen Kykladen brach unseren Pakt und nahm meine Heimat ein. Auf mich alleine gestellt, verweilte ich auf der einsamen Insel und wartete auf meine Gelegenheit. Apollo hatte Mitleid mit mir und schenkte mir seine Gunst Tag um Tag. Doch während sich meine Schätze mehrten, überkam mich ein dunkles Verlangen nach Rache. Ich ging einen Pakt mit Hades, dem Gott der Unterwelt, ein und rief seine Armee der der Untoten in unsere Welt. In einer tosenden Schlacht setzte ich zu meiner alten Heimat über und nahm mir, was der Feind mir genommen hatte".

Denn genau so fühlt sich Kyklades an.



Kyklades von Bruno Cathala und Ludovic Maublanc
Erschienen bei Matagot
Für 2 bis 5 Spieler in ca. 90 Minuten
Boardgamegeek-Link








sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek.com bzw. vom jeweiligen Verlag (hier Matagot)

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