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Donnerstag, 20. März 2014

Cruel Necessity - Hat jemand Pizza bestellt?

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Hat jemand Pizza bestellt? Nein? So ein ganz klein wenig sieht aber die Box vom neusten Titel aus der States of Siege Serie aus - zumindest wenn man den dekorativen Slider als Überzug runtergestreift hat.
Das Innenleben dann gewohnt vom Verlag.... sagen wir solide. Kein Spielbrett sondern eine zugegebenermaßen schön illustrierte zweigeteilte Karte des United Kingdoms - unserem Schauplatz. Dazu ein paar mittelmäßige Counter, ein Regelheft, ein paar Karten und eine Serviette. Serviette? Doch ein Pizzakarton? Nein, sondern lediglich ein Weg die restliche Druckerschwärze von den Countern zu entfernen. Gut mitgedacht aber trotzdem irgendwie kurios.


Thematisch befinden wir uns im England des 17. Jahrhunderts. Um genau zu sein leiten wir die Vertreter des Parlamentarismus und des Puritanismus und kämpfen unseren aussichtlos scheinenden Krieg in den Jahren 1640-1653 gegen die Anhänger der Monarchie und des Katholizismus in den drei englischen Bürgerkriegen. Aussichtlos trifft es dann aber doch sehr gut. Schnell kann man folgenden Gedanken fassen: So in etwa muss sich Don Quijote gefühlt haben in seinem legendären Kampf gegen die Windmühlen. Nur dass der Feind hier real ist und Don Quijote kein Brite war.

Als Fan der Weltgeschichte war Cruel Necessity für mich dennoch ein Pflichtkauf. Verbunden natürlich mit dem Fakt, dass mir die gesamte Reihe der States of Siege Spiele bereits außerordentlich gut gefallen hat. Victory Point Games hat es doch tatsächlich geschafft eine Solo-Brettspielerfahrung in angenehmer Spielzeit zu bieten ohne dabei durchgehend diverse Tabellen durchforsten zu müssen. Denn seien wir mal ehrlich: Solo-Brettspiele im Bereich Konfliktsimulationen (CoSims) sind leider in vielen Fällen eben genau das. Ich decke eine Ereigniskarte auf, führe es aus. Danach habe ich eine begrenzte Anzahl an Aktionsmöglichkeiten bis schließlich eine durch Würfelergebnisse und anschließende Querverweise auf ein Dutzend Tabellen zufallsgenerierte künstliche Intelligenz einen teilweise völlig absurden Plan ausführt, auf den es nun zu reagieren gilt.


Cruel Necessity macht es da nicht viel anders - nur ohne Tabellen bzw. auf ein Minimum dieser beschränkt. Das Spiel spielt sich dabei jedoch erfrischend schnell, sodass eine einzelne Partie mal eben schnell "zwischendurch" gespielt werden kann und nicht, wie so manch anderer Solo-Koloss, einen halben Tag in Anspruch nimmt. Es ist dann doch irgendwie wie eine Pizza - Fast Food für Zwischendurch.
Gespickt wird das Ganze mit einer gehörigen Detailverliebtheit in Sachen Geschichte. Zu jeder einzelnen Karte sind Klappentexte hinzugefügt worden, welche zwar spielerisch keinen Einfluss nehmen, aber für den interessierten Spieler die Extra-Portion Käse auf der Spielepizza ist. Schade nur, dass durch das zufällig generierte Deck diese Aneinanderreihung der Geschehnisse leider viel zu wenig Sinn im Kontext ergibt und sich das Spiel auch ansonsten so rein gar nicht auf die Aktionen des Spielers reagiert, sondern vielmehr einen bereits zuvor generierten Plan Stück für Stück ausführt. Künstliche Intelligenz kann man das dann doch eher nicht nennen.


Trotzdem unterhält Cruel Necessity. Es ist dabei spannend wie der Sonntags-Tatort oder die neuste Folge GZSZ wenn sich die Schlinge der Royalisten enger und enger zieht und bei Zeiten das Schicksal der Parlamentarier von einem einzigen Würfelwurf abhängt. Es erinnert dann sehr stark an eine Art Tower-Defence-Spiel, in welchem mit der Zeit Truppe um Truppe stetig für Ärger sorgt und der Spieler sich mit der Zeit vielmehr mit dem Gedanken herumschlagen muss die nächste Ereigniskarte noch erleben zu dürfen, als damit, wie er denn nun die zwischenzeitlich unerreichbar wirkenden Siegpunktbedingungen erfüllen könnte. Zu viel will einfach erledigt werden mit den immer knappen Aktionspunkten. Nicht nur, dass den sich nähernden Armeen ausreichend starke Festungen in den Weg gestellt werden wollen, sondern dass auch auf politischer und religiöser Ebene den Oppositionellen Paroli geboten werden will, lässt jede neue Runde bei Cruel Necessity zum Drama werden.


Das Spiel deprimiert dabei aber nicht. Es spornt viel mehr an das Ziel zu erreichen, auch wenn es zwischenzeitlich unantastbar scheint. Glück spielt ohne Frage eine große Rolle, denn bei fast sämtlichen Aktionen entscheidet die Würfelprobe, aber viel mehr geht es um das Ausloten der Chancen und Möglichkeiten.

Pizza würde ich allerdings nicht empfehlen. Bei Cruel Necessity noch weniger als bei anderen Brettspielen. Fish and Chips noch weniger. Das Material ist einfach nochmal eine Stufe schwächer in der Qualität als bei anderen Vertretern seiner Zunft  - und ich rede nicht von der Verwöhnungstufe bei GMT. Da hilft dann auch die Serviette nichts.


Cruel Necessity von John Welch
Erschienen bei Victory Point Games
Für 1 Spieler in ca. 60 Minuten
Boardgamegeek-Link



sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek.com bzw. vom jeweiligen Verlag (hier Victory Point Games)

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