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Donnerstag, 1. Mai 2014

A Study in Emerald - Ritt auf der Rasierklinge

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Die Engländer sind ja berühmt für gewöhnungsbedürftige Kombinationen. Wie sonst könnte man auf die Idee kommen Lamm und Pfefferminze zu kombinieren und das auch noch als Spezialität zu verkaufen? Ganz so verwunderlich ist es dann also auch nicht mehr, dass Martin Wallace (Brite) mit A Study in Emerald mal eben den Cthulhu-Mythos mit Zombies, Vampiren und Sherlock Holmes mixt und uns das ebenfalls als Meisterwerk verkaufen will.


Mutig wie ich bin, testete ich beides: Lamm mit Pfefferminz und A Study in Emerald. Die Erkenntnis ähnelt sich. Beides besteht aus ziemlich viel grün und passt entgegen vorheriger Skepsis sehr wohl zusammen. So ganz nebenbei haben die Insulaner ja auch schon andere tolle Dinge der Welt gebracht: Das Königshaus, das Wembley-Tor, James Bond und nicht zu vergessen das schlechte Wetter.


A Study in Emerald ist eines jener Kickstarterprojekte, welche sich als Goldgrube für den Designer entpuppten. Es war also nur eine Frage der Zeit bis das finanzielle Ziel erreicht wurde und das Spiel schlussendlich in die Produktion und den Versand gehen konnte. Ob hier mehr das Vertrauen in einen renommierten Designer im Vordergrund stand, der Hype um den H.P. Lovecraft Mythos oder dann doch die Neugier auf diese abstruse Themenmischung sei mal dahingestellt.
An meiner Haustüre angekommen und ausgepackt, wurde ich zunächst mit einem angenehm kleinen Schachtelformat belohnt. Darin ein Haufen Karten, ein paar Holzmarker und ein wunderschön gestaltetes Spielbrett. Dass dieses eine Landkarte darstellt, fiel mir dann erst deutlich später auf. So wirklich ist diese unter den Kartenablagen und den grünen Tentakeln nämlich nicht zu erkennen. Dennoch war ich vom Material alleine überzeugt. Der gewagte Themenmix schien jedenfalls optisch gut transportiert zu werden.




Die spielerische Einstiegshürde stellte sich allerdings fast so hügelig wie die schottischen Highlands dar. Die Regeln zwar verhältnismäßig kurz, aber durchzogen von regeltechnischen Sonderfällen und Spezialregeln auf den zahlreichen mitgelieferten Spielkarten.
Im Herzen ist A Study in Emerald spielerisch genauso ein Mix, wie thematisch – Wallace bleibt sich hier treu und bringt zumindest aus Designsicht Konstanz. Deckbau gepaart mit Area-Control und einem semi-kooperativen Teamspiel. Klingt fast so verrückt wie das Thema. 2-5 Spieler versuchen dabei Einfluss in der Welt zu platzieren und somit Agenten und diverse Sonderfähigkeiten auf ihre Seite zu ziehen. Der Clou dabei: Während gut die Hälfte der Spieler im Geheimen versucht die Usurpatoren der Menschenwelt zu stürzen, versucht die andere Hälfte eben jede zu unterstützen und die Revolte (zur Not blutig) nieder zu schlagen. Doof dabei nur, dass die Rollen verdeckt sind. So steht früh fest, dass der einzige Verbündete im Grunde nur man selbst ist. 

A Study in Emerald ist ein wilder thematischer und spielerischer Ritt auf der Rasierklinge, der schlussendlich darin gipfelt, dass bei Spielende die Partei des Punktletzten als Ganzes verliert und somit einen oder mehrere Führenden mit ins Verderben ziehen kann. Man muss das mögen. Mechanisch einwandfrei konzipiert verliert sich das Spiel jedoch allzu oft in Zufällen und Abhängigkeiten von den Mitspielern. Der große Kartenstapel ist Segen und Fluch zugleich. Garantiert er zwar einerseits eine schier nicht endend wollenden Wiederspielreiz und immer neue Konstellationen, so kommen andererseits einzelne Spielelemente (wie z.B. Vampire oder Zombies) nur allzu selten durch ihn überhaupt ins Spiel.
Dennoch überzeugte mich A Study in Emerald – genau wie Lamm mit Pfefferminze. Beides schreckt zunächst durch Ungewohntes ab. Ist man jedoch erst einmal aus seiner Komfortzone herausgelockt und bereit sich auf diese Kombination einzulassen, dann ist das Erlebte lohnenswert. Das Konzept entführt in eine bizarre Welt, die bewusst abweicht. Beide werden wohl nicht eine meiner absoluten Lieblinge, aber eine Wiederholung würde ich wohl auch nicht ausschlagen – und auch wieder mit Genuss dabei sein, wenn auch nur ab 4 Spielern.


A Study in Emerald von Martin Wallace
Erschienen bei Tree Frog Games
Für 2-5 Spieler in ca. 90 Minuten
Boardgamegeek-Link






sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek.com bzw. vom jeweiligen Verlag (hier Tree Frog Games)

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