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Mittwoch, 7. Mai 2014

Spyrium - Grünes Licht für die Energiewende

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Ich war immer in der Annahme, dass wenn manche Politiker von „grüner Energie“ sprechen, bestimmt Solar- oder Windenergie gemeint sei. Vielleicht ist aber auch Spyrium gemeint! Spyrium kennt Ihr nicht? Dann seid Ihr entweder ganz schön untrendy oder das kleine ansehnliche Arbeitereinsetzspiel im Steampunkgewand ist an Euch vorbei gegangen.


Spyrium scheint ohnehin die Antwort auf so viele Fragen zu sein, wie etwa „Womit befeure ich meine Fabriken?“ oder „Wie generiere ich Siegpunkte?“. Die Endlagerproblematik ist mit Spyrium im Übrigen auch gelöst, denn dieses verschwindet rückstandsfrei nach Gebrauch. Wieso führen wir also überhaupt noch eine Atomausstiegsdebatte, wo die Antwort doch quasi direkt vor unserer Nase bzw. unter der Erde liegt? Ich bin dann übrigens mal weg – Spyrium-Aktien kaufen und so!


Das gleichnamige kurze Arbeitereinsetzspiel vom Caylus-Designer William Attia hat es so richtig faustdick hinter den Ohren. Kleine Packung – netter Inhalt. Optisch hervorstechend im Übrigen der Namensgeber und Hauptakteur des Spiels. Mittelmeerurlauber nennen diesen im Übrigen, wegen seiner Ähnlichkeit, liebevoll Olivin.
Apropos Mittelmehrurlauber. Spielerisch begibt sich Spyrium nämlich zunächst auf gewohnten Gewässern. Klassisches Einsetzen von wenigen Arbeitern. Dabei jedoch (Achtung Rezensionsfloskel) der Kniff. Arbeiter werden nicht auf das modulare Spielbrett gesetzt, sondern zwischen jeweils zwei Aktionsfelder und erst in einer späteren Phase die Effekte ausgeführt. Thema Floskel: Ich bin im Übrigen dafür, dass wenn diese inflationäre Redewendung in Rezensionen ab sofort gebraucht wird, irgendwo ein Brettspiel sein Leben verliert.


Spätestens ab dem ersten eingesetzten Arbeiter besteht die Möglichkeit individuell in den zweiten Gang zu schalten und ab sofort nicht mehr Einzusetzen, sondern Abzuräumen – ist ja auch viel lustiger. Ich habe die Wahl zwischen Aktionsfeld und Geld verdienen. Dabei behält man die Anzahl der konkurrierenden Arbeiter im Auge. Je mehr desto teurer die Aktion, je weniger, umso weniger Lohn.

Spyrium ist dabei als zweiter Rohstoff neben Geld Heilsbringer, Enginetreibstoff und Siegpunktgenerator in einem. Der Spieltitel scheint allgegenwärtig und eine Siegstrategie ohne den „grünen Liebling“ scheint möglich, aber äußerst knifflig.


Bei Spyrium ist das richtige Timing essentiell. Setze ich noch weitere Arbeiter ein, oder kann ich es nicht riskieren die gewünschte Aktion eventuell an einen Nebenbuhler zu verlieren? Spiele ich vielleicht sogar einzelne Runden komplett auf Geld und versuche bewusst meine Arbeiter in stark bevölkerten Regionen unterzubringen, um maximalen Profit herauszuschlagen? Spyrium ist höchst interaktiv und bietet großen Spielraum zum Taktieren und auch mal dem Gegner so richtig in die Suppe zu spucken. Das sorgt ab und an für Freud und Leid am Spieltisch. Trotz erforderlicher sorgfältiger Planung spielt sich Spyrium schnell. Eine Partie hat mit knapp 75 Minuten (zu zweit auch unter einer Stunde) eine angenehme Spielzeit, und ist dadurch ideal, wenn es (so ganz "ungrün) mal beim Absacker etwas mehr (der Engländer würde sagen) "meaty" zugehen darf.
Apropos Spiel zu zweit: Dieses ist zwar möglich, reizt aber nicht die ganzen Möglichkeiten des Prinzips aus. Am meisten Spaß macht es sicherlich in Vollbesetzung. Dann ist Spyrium aber so ganz und gar nicht anders als Kohle, Öl oder Wind, denn auch hier entsteht ein verbissener Kampf um das wohl meistgenannte Wort dieses Artikels.

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Spyrium von William Attia
Erschienen bei Asmodee
Für 2-5 Spieler in ca. 75 Minuten
Boardgamegeek-Link




sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek.com bzw. vom jeweiligen Verlag (hier Asmodee)

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