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Mittwoch, 3. September 2014

Province - Wie reduziert darf ein Spiel sein?

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Arbeitereinsetzspiele gibt es ja bekanntlich viele. Oft habe ich an dieser Stelle den Trend zu simpleren Spielen dieses Genres gelobt. Nicht umsonst hat ein Lords of Waterdeep so einen großen Erfolg gehabt. Jetzt stellt Euch doch mal bitte ein Arbeitereinsetzspiel mit lediglich drei Möglichkeiten des Einsetzens vor. Klingt komisch? Ist aber so. Nämlich im Kickstarterprojekt Province. Doch wie simpel darf ein solches Spiel sein. Lebt dieser Mechanismus nicht gerade von Möglichkeiten? Kurze Meinung für ein ebenso kurzes Spiel.

In Province versuche ich ein schöneres Dorf als mein Gegenspieler aufzubauen. Für Geld und Arbeitskraft errichte ich einen Hafen, ein Feldlager, eine Bank und so manch anderes Gebäude. Diese bringen mir nicht nur Sonderfähigkeiten, sondern auch Siegpunkte. Letztere jedoch nur wenn ich der erste bin, der das entsprechende Gebäude gebaut hat. Logisch, oder? Die erste Bank in einem 200 Seelen-Dorf ist noch was tolles, während die zweite überflüssig ist. Zusätzlich werden immer wieder zufällige Sondersiegpunktbedingungen aufgedeckt, die es zügigst zu erfüllen gilt. Denn in Province zählt jeder noch so kleine Punkt. Das Ganze gilt es anfangs mit gerade einmal drei Arbeitern und drei möglichen Einsetzmöglichkeiten zu bewerkstelligen.


Province zeigt bemerkenswert auf, wie weit ein Arbeitereinsetzspiel reduzierbar und dennoch spielbar ist. Dass dann schlussendlich keine allzu großen taktischen Finessen hinter dem Prinzip lauern können, muss jedem klar sein. Aber dennoch bietet Province so manch schöne Entscheidung. Das Mini-Rondell des Arbeitereinsetzens zeigt genug Möglichkeiten mit geschicktem Weiterbewegen einzelner Arbeiter den Gegenspieler bei so mancher Ressource auszubremsen und dadurch schlussendlich den entscheidenden Vorsprung im Bau für ein benötigtes, siegpunktbringendes Gebäude zu erlangen. Province nutzt seine Möglichkeiten in dieser Hinsicht voll aus. Das ist auf den ersten, zweiten und auch dritten Blick schön und lädt ein immer neue Taktiken zu probieren. "Heute baue ich mal das Camp zuerst". "Heute baue ich mal die Mill zuerst".


Bereits nach einer handvoll Partien zeigt Province aber, dass es dann doch an seine Grenzen stößt. Es wird schnell klar, dass das erste Gebäude entweder die Hämmer-erhöhende Mill oder das Arbeiter-bringende Camp sein muss. Zu verlockend sind einfach die zusätzlichen Hämmer bzw., der zusätzliche Arbeiter. Die restliche Taktik hängt dann stark von den ausliegenden Sonderplättchen ab, und bei welchem Gebäude man noch einen Punkt abgreifen kann. Selten macht es Sinn ein Gebäude zu bauen, was der Gegenspieler bereits fertig gestellt hat. Da hole ich mir lieber den sicheren Siegpunkt bei einem anderen Gebäude. Zwar wurde versucht die besonders wertvollen Gebäude an einen Upgrademechanismus zu binden, jedoch ist es kaum möglich einem Gegenspieler dieses Upgradegebäude streitig zu machen, wenn man die Basisvariante erst später gebaut hat. Das ist einfach zu durchsichtig für einen aufmerksamen Gegenspieler. Zudem bringen die nach und nach erscheinenden Sondersiegpunktplättchen einen unnötigen Glücksfaktor. Wieso nicht zu Beginn alle offen ausliegen, ist mir völlig unklar. So hätte man wenigstens etwas, auf das man hinarbeiten könnte. So hofft man lediglich darauf, dass das nächste Plättchen rein zufällig bereits unwissentlich erfüllt wurde.

Province ist eine willkommende Abwechslung in den äußerst reduzierten Makro-Spielen und noch dazu für zwei Personen. Durch seine Kompaktheit kann man es auch überall mitnehmen. Province zeigt aber auch, dass bereits nach wenigen Partien die Luft raus sein kann. Die meisten Partien sind dann eben doch irgendwie gleich. So bleibt ein gemischtes Gefühl. Province ist nett - nicht mehr und auch nicht weniger. 




Province von Clayton Grey und Samuel Strick
Erschienen bei Laboratory
Für 2 Spieler in ca. 10 Minuten
Boardgamegeek-Link


sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Laboratory)

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