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Mittwoch, 17. September 2014

Thunder Alley - Highspeed oder lahme Ente?

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Der amerikanische Verlag GMT ist ja eher bekannt für Konfliktsimulationen. Lange, fast epische Schlachten rund um die Weltgeschichte. Viele Counter, viele Karten, lange Abende und eine Menge Spaß. Ab und zu können die Jungs von GMT aber auch anders. Mal schleicht sich ein so ganz anderer Titel in die Verlagshistorie. Und eigentlich fast immer ist das dann ein großer Erfolg. Vielleicht ist gerade das das Besondere. Thunder Alley ist ein Rennspiel, also auch Exot unter den anderen Titeln des Verlags. Counter und Karten gibt es trotzdem viele. Lange Abende eigentlich nur bei Folgerunden. Und die Komponentenqualität? Gewohnt hervorragend.


In Thunder Alley übernehmen bis zu sieben Spieler die Rollen von Rennstallchefs und versuchen ihre Boliden schnellstmöglich über einen der vier mitgelieferten Parcours zu lotsen. Je nach Spieleranzahl ist die Anzahl der eigenen Boliden begrenzt. Gefahren wird mit Karten, wobei das große Gesamtkonzept nicht aus den Augen verloren gehen darf. Stück für Stück aktivieren die Spieler ihre Autos, sodass jeder einmal ran darf. Die ausgespielte Karte zeigt an, wie ich mich und meine anliegenden Autos bewegen darf. Anliegende Autos? Richtig. Die Bewegung funktioniert in Thunder Alley nämlich nur als Gruppe. Nur mit vereinzelten Karten bin ich auf mich alleine angewiesen und kann einsam meine Runden drehen. Ansonsten schiebe ich mal Boliden vor mir her, mal ziehe ich welche nach und ab und zu fahre ich auch mal gemütlich in einer Kolonne zwischen ihnen. Dabei ist es gut möglich, dass sich mein Auto durch geschicktes Platzieren mehrfach pro Runde bewegt. Einmal durch mich und ein paar male eben durch andere. So muss ich stets entscheiden was meine Autos in eine gute Position bringt, um möglichst viele Aktivierungen - nämlich auch die der Gegner - abzugrasen. Schnell stellt man fest, dass man nur in der Gruppe vorran kommt und schon bald ertappe ich mich dabei Linien durch das Fahrerfeld zu ziehen - Verbindungslinien.
Von Zeit zu Zeit habe ich aber auch die Möglichkeit den Sprung nach vorne in eine führende Fahrergruppe zu machen. Das geht zumeist einher mit Schaden am Fahrzeug. Je riskanter und ausgefallener das Manöver, desto mehr leidet das Auto. Reize ich zu viel, muss ich einen unbeliebten Boxenstopp machen, der mich wieder aus den beliebten Fahrergrüppchen hinaus- und somit unweigerlich zurückwirft.


Vrooooom, vrooooooom, vrooooooooooooooooooooom. Ich kann das Motorengeräusch hören, das Benzin riechen und den Sieg schmecken. Thunder Alley besetzt für mich ein lange offenes Segment im Bereich der Brettspiele. Schon immer wollte ich mal der Ross Brawn oder Jean Todt eines Rennteams sein. Okay, es gibt viele gute Autorennspiele. Doch diese spielen sich aus einer ganz anderen Perspektive. So simuliert Formula D beispielsweise hervorragend das Cockpitfeeling eines jeden Rennfahrers, der von Kurve zu Kurve entscheiden muss, ob er denn nun.... den grünen oder doch lieber den roten Würfel werfen möchte... Race! Formula 90 überzeugt dagegen eher aus taktischer Sicht. Die Gesamtrennstrategie ist entscheidend. Reifenwechsel, Fahrstil und die Langzeitstrategie entscheiden. Das Gesamtpaket ist dabei stets bemüht eine perfekte Simulation zu bieten - auch nett! Thunder Alley? Thunder Alley bietet Entscheidungen eines Rennstallchefs. Ist dabei zwar nicht so perfekt simuliert wie Race! Formula 90 und auch nicht so intensiv wie Formula D, aber dafür abstrakter, gradliniger aber auch irgendwie taktischer als die beiden anderen. Soll nicht heißen schlechter oder besser. Soll heißen anders. Anders auf seine eigene Art und deshalb auch existenzberechtigt.
Der Tourenwagenrennsport wird dabei dennoch auf seine Grundprinzipien reduziert wie ein guter Saucenfond. Viele kleine oder größere Grüppchen, viel Gerangel um Positionen und auch mal riskante Fahrmanöver, bei welchen so mancher Wagen auch mal Schaden nimmt. Thunder Alley skaliert dabei auch noch wunderbar bei allen Spielerzahlen, wobei mit zunehmender Anzahl das Gesamtgeschehen auch unberechenbarer wird. Das ist aber eine grundsätzliche Angelegenheit von Thunder Alley. Alle Entscheidungen werden spontan getroffen, da sich die Rennsituationen so schnell verändern, dass eine Vorabplanung unmöglich ist. Aufgrund des eingängigen aber zeitgleich doch recht tiefen Mechanismus der Kartenbewegung bleibt trotzdem fast keine Downtime. Thunder Alley spielt sich schnell und doch taktisch. In Thunder Alley muss man leicht abstrahiert denken, Linien wahrnehmen und ist dennoch thematisch eingebunden. Thunder Alley simuliert ein episches Boliden-Rennen und ist dennoch schnell gespielt. Also rundum ein gelungenes Spiel!

Vielen Dank an GMT Games für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!





Thunder Alley von Carla und Jeff Horger
Erschienen bei GMT
Für 2 bis 7 Spieler in ca. 90 Minuten
Boardgamegeek-Link


sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier GMT)

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