_

_

Mittwoch, 1. Oktober 2014

BattleLore (Zweite Edition) - Command and Colors goes Terrinoth

Hinterlasse einen Kommentar

Eine Erfolggeschichte muss man weiterführen! Richard Borg ist in der Brettspielwelt bekannt für seinen bisher einzigartigen Mechanismus, der komplexe strategische Entscheidungen auf dem Schlachtfeld auf das Essentielle herunterbricht und zwar stark vereinfacht und dennoch spannend darstellt. Das Geheimrezept? Die Ungewissheit des Krieges. Ich kann noch so gut den Gegner berechnen, meine Flanken noch so gut schützen. Ein Rest Ungewissheit bleibt doch. Die Möglichkeit für einen Überraschungseffekt! Wir reden vom so genannten "Command and Colors-Prinzip".


Memoir 44 führte dieses Prinzip erfolgreich in die Geschichte des Zweiten Weltkrieges ein. Schon bald konnte man nicht nur den Sturm auf die Normandie mit Alliierten und Deutschen nachspielen, sondern auch auf zahlreichen anderen Kriegsschauplätzen im Pazifik oder in Sibieren sein Können unter Beweis stellen. 
Was gut lief, wurde schon bald mit BattleLore weitergeführt. Der doch so historisch anmutende Konflikt des Hundertjährigen Krieges wurde mal eben mit Fantasyelementen aufgemotzt. Und gleich mal zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sollen doch die Engländer mit Goblins und die Franzosen mit Fröschen kämpfen. Oder so ähnlich.
Und was eben gut läuft....genau! BattleLore (Zweite Edition) macht nun noch einen Schritt weiter. Das historische Thema ist vollends gewichen und dafür mal eben ein bekanntes Fantasyuniversum draufgebaut worden. Die Welt um Terrinoth ist ja bekannt aus guten und stimmungsvollen Spielen wie Runewars oder Runebound oder Rune Age. Eins vorweg: Runen gibts in BattleLore irgendwie nicht. Komisch. Und auch Waiqar den Untotenlord oder die Latarielfen sind nicht mit von der Partie. Aber es muss ja auch noch Platz für Erweiterungen geben, richtig? Natürlich richtig!


Das Prinzip bei BattleLore ist hingegen klassisch. Zwei Spieler lassen die Uthluk Dämonen und die Daqan-Lords in diversesten Szenarien gegeneinander antreten. Dabei darf jede Seite auf eine Vielzahl an unterschiedlichen Einheiten zurückgreifen. Ziel ist es aber nicht etwa die gegnerische Seite vollends aus zu löschen, sondern vielmehr szenariospezifische Siegpunktbedingungen zu erfüllen. Oft heißt das: Kontrolliere Region X oder Y möglichst lange. So entstehen immer wieder verbissene Kämpfe um ein Farmhaus, einen Hügel, eine Waldlandschaft oder eine Brücke.
Garnicht klassisch hingegen ist der Aufbau. Um die Unwissentheitskomponente bei BattleLore noch stärker aus zu prägen, ist jedem Spieler nur die Landkarte seiner Hälfte zu Beginn bekannt. So weiß ich weder, ob ich eine flussreiche Landschaft zu erwarten habe oder doch eine gebirgsreiche, noch ob mein Gegner durch die Kontrolle von Region A oder B Siegpunkte erhält. Ist der erste Überraschungseffekt einmal geglückt, werden die Starteinheiten ausgesucht und platziert. Bereits hier werden erste wichtige Entscheidungen getroffen. Möchte ich lieber viele von den dicken Dämonen oder doch lieber noch ein paar von den schaurig aussehenden Schoßhündchen? Die gesamte Aufbau- und Planungsphase dauert bereits jetzt fast schon so lange, wie das anschließende Scharmützel dauern wird.
Und nun kann es aber losgehen! Abwechselnd entscheide ich mich für eine meiner Hand-Strategiekarten. Mit diesen aktiviere ich nicht eine x-beliebige Einheit, sondern nur jene, welche sich im besagten Drittel der Karte befindet. Hä?? Okay zu schnell. Das Feld besteht aus drei Dritteln (vier wären auch etwas merkwürdig): Rechts, Mitte und Links! Eine Strategiekarte erlaubt zumeist jedoch nur die Aktivierung von Truppen in einem bestimmten Sektor - beispielsweise "drei Truppen im rechten Sektor". Das frustriert zum Teil und zielt gelegentlich auch auf das Nachziehglück hinaus, jedoch liegt die wahre Kunst des Kriegsherren darin seine Truppen breit zu fächern und auf jede Unwägbarkeit eine Antwort zu haben. So gehört sich das nämlich als waschechter Daqan-Lord. Nicht wahr, Paladin?
Treffen Truppen aufeinander, wird gewürfelt. Ich aktiviere Spezialfähigkeiten, teile Schaden aus und brülle so fürchterlich, dass meine Gegner in Scharen davonlaufen. BattleLore hieße aber nicht BattleLore, wenn nur Battle und kein Lore darin vorkäme. Ist ja auch irgendwie logisch. Als Ressource im Spiel sammle ich nämlich (neben der Schädel meiner Feinde muhahahaha) noch Lore - Magie. Mit dieser zaubere ich wild über das Feld und sorge somit mit Freude dafür, dass auch der beste Plan meines Widersachers bereits im Ansatz vereitelt und ins Gegenteil verkehrt wird. Ihr solltet mal dessen Augen sehen, wenn der große Dämonenlord nämlich wie aus dem Nichts heraus plötzlich noch eine Bewegung bekommt und mal so richtig auf die Kack.. .. auf die Mütze gibt.


Was ist BattleLore? BattleLore ähnelt seinem beliebten Zwillingsbruder Memoir 44 gewaltig. Äußerst stimmungsvolle, riesige Miniaturen lassen jeden Spieler unmittelbar in die Welt von Terrinoth eintauchen. Die taktischen und strategischen Herausforderungen, die an jeden Spieler gestellt werden sind fordernd, aber zugleich in einer äußert angenehmen Zeitspanne zu bewältigen. Nie (und ich weiß man sollte nicht übertreiben) blieb es bei einer einzigen Runde. Immer (und ich tue es schon wieder... dünnes Eis) war Zeit und Lust auf eine Revanche da. BattleLore versetzt die Spieler in die Rollen von Feldherren, welche vom Kommandozelt aus ihre Armeen in die Schlacht schicken. Berserker um Berserker, Bogenschütze um Bogenschütze, Golem um Golem und Höllenhund um Höllenhund. Ich muss mich permanent entscheiden und meine Strategien anpassen. Kann ich meine Streitkräfte nach rechts verlagern? Wenn ich diese Brücke sichern könnte, könnte ich seinen Nachschub unterbrechen und seine Armeen auslöschen. Dazu die Ungewissheit. Mein Gegner hat eine Menge Lore. Wofür sammelt er es? Was für eine Karte hält er zurück? Wartet er nur darauf, dass ich ihn angreife, um dann unmittelbar diese oder jene Karte zu spielen und mich ein für alle mal vernichtend zu schlagen?
BattleLore packt! BattleLore übernimmt all die schönen, erfolgreichen Teile von seinen Vorgängern und spickt diese mit einem stimmigen Fantasy-Setting und einer Brise Lore. Gretchenfrage: Doch brauche ich BattleLore, wenn ich Memoir 44 habe und brauche ich Memoir 44, wenn ich BattleLore habe? Der Vergleich muss gestellt werden. Zu ähnlich und übermächtig ist der Schatten der bisher bestumgesetzten Variation vom Command and Color-System. Die Antwort: Aktuell nein. Memoir 44 hat das breitgefächertere Erweiterungsspektrum, bietet aktuell nahezu unendliche Möglichkeiten an Szenarien und doppelt so viele Fraktionen wie BattleLore. BattleLore ist ein wundervolles System und was noch nicht ist, kann ja noch werden. BattleLore steht am Anfang. Ich bin mir sicher, dass zahlreiche Erweiterungen folgen werden (die erste bereits angekündigt), die nicht nur die bereits vorhandenen Fraktionen erweitern, sondern auch die restlichen Fraktionen hinzufügen werden. Ich möchte BattleLore die Zeit geben, das Spiel zu werden, was es verdient. Noch mehr Abwechslung, noch mehr Einheiten, noch mehr Fraktionen. Und irgendwie ist Fantasy ja für manche auch viel cooler als echter Krieg und so.


Vielen Dank an den Heidelberger Spieleverlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!





BattleLore (Second Edition) von Richard Borg und Robert A. Kouba
Erschienen bei Fantasy Flight Games und übersetzt vom Heidelberger Spieleverlag
Für 2 Spieler in ca. 60 Minuten
Boardgamegeek-Link


sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Heidelberger Spieleverlag)

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen