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Mittwoch, 26. November 2014

Sentinel Tactics - Das Multiverse lebt weiter

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Jeder erinnert sich bestimmt an den Kartenspielschlager Sentinels of the Multiverse. Bereits vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle der Idee eine völlig eigene Welt zu schaffen und diese bis zur Perfektion auszubauen hohen Respekt gezollt. Auch wenn das Spielprinzip teilweise mehr an den Mathematikunterricht der achten Klasse erinnerte, fühlte man sich gefangen in der Welt von Legacy, Baron Blade und Co. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die Entwickler den nächsten Schritt wagen würden. Warum also nicht einfach das Multiverse auf eine neue Ebene transportieren? Mit Miniaturen. Als Brett- und nicht als Kartenspiel. Mit Würfeln. Und mit vielen Tokens. Und ich meine richtig viele Tokens. Jungs, so viele Tokens habe ich selten gesehen.


Das Spielprinzip bleibt simpel. Je nach Szenario können bis zu 8 (!!) Spieler in einem großen Battle Royal oder einem Teamspiel miteinander oder gegeneinander antreten. Diese Varianz überzeugt früh. Jeder Superheld oder Bösewicht spielt sich dabei völlig anders. Jeder verfügt über unterschiedliche Spezialfähigkeiten und Heldenwerte. Nicht genug Unterschiede? Okay, nimm das Baron Blade! Jeder Held verfügt zudem über sein ganz individuelles Kartenset. Hiervon können stets zwei aktive Karten ausliegen, die je nach Situation ausgewählt werden müssen. Mal aktiviere ich meinen Turbo und renne ganz schnell von A nach B, mal benötige ich größeren Schutz und schalte meine Rüstung ein. So werden die aus dem Multiverse bereits beliebten Modifikatoren-Counter ins Spiel gebracht. Durch den Kartenmechanismus schalte ich neue Angriffe, Aktionen oder Modifikatoren frei, wohlwissend, dass stets nur zwei Karten ausliegen dürfen. Ich muss variabel bleiben und mich der Situation anpassen. Ein interessanter Kniff. Einfach gelöst und verpasst dem Spielgefühl eine gewisses Gefühl von Action.
Angriffe werden klassisch über Würfelproben gelöst. Hierbei müssen selbstverständlich die diversen Modifikatoren berücksichtigt werden, aber auch die Umgebung. Gegner, die landschaftlich gesehen "weiter oben" stehen, sind schwerer zu treffen.
Reihum führt sich das so fort, bis das Szenarioziel erreicht wurde - oder einer weint.


Was bleibt im Kopf bei Sentinel Tactics? Eine gelungene Umsetzung des Kartenspiels aufs Brett. Es fasziniert, wie unterschiedlich sich die einzelnen Charaktere spielen. Das war ja auch bereits die große Faszination im Kartenspielvorgänger. Sentinel Tactics schafft es aber unnötige Komplikationen, wie die unzähligen Modifikatoren und Rechenspielchen zu eliminieren bzw. besser und natürlicher ins Spielgeschehen einzubinden. Ja, es gibt noch immer unzählige Counter, aber die Übersicht leidet nicht. Ganz ruhig Brauner!
Interessant ist die Vertriebsstrategie das Spiel von den Miniaturen getrennt zu vermarkten. So besteht die Möglichkeit das Spiel selbst relativ preisgünstig zu erstehen. Dies ist jedoch nicht zu empfehlen. Die Übersicht leidet doch extrem, wenn die (zugegebenermaßen relativ mittelprächtigen) Miniaturen durch simple Pappcounter ersetzt werden müssen. Das Auge spielt ja auch bekanntlich mit. Aber hey! Immerhin eine Möglichkeit ein relativ günstiges Spiel erst einmal auszutesten, bevor man in die vollen geht.
Die Möglichkeiten der Erweiterung sind jedoch auch bei Sentinel Tactics schier unendlich. Bereits im Basisspiel gibt es eine Vielzahl an Szenarios, die fast beliebig erweitert werden können. Bereits bei Sentinels of the Multiverse kann man sehen, dass noch eine Vielzahl an Helden und Bösewichten fehlt. Und sind wir mal ehrlich: Viel neues müssen sich die Entwickler dabei nicht wirklich überlegen. Die Charaktere sind bereits erschaffen und müssen nur noch aufs Brett gebracht werden.
Alles in allem ist Sentinel Tactics ein sehr starkes Superheldenspiel, was die gewisse Brise Action und Individualität auf den Punkt bringt, die ein Superheldenspiel haben muss. Schnell, actiongeladen und thematisch. Gerne mehr.
Einen hab ich noch! Klassischer Columbo-Nachsetz-Satz: Mal ganz im Ernst. Was gibt es geileres, als dass die Szenariobücher echte Comichefte sind? Mit kleinen Geschichten. Wunderbar. Ich verleihe hiermit ein Fleißsternchen für besonders viel Liebe zum Detail.



Sentinel Tactics von Christopher Badell, Luther Bell Hendricks V und Kevin G. Nunn
Erschienen bei Greater Than Games
Für 2 bis 8 Spieler in ca. 45 Minuten
Boardgamegeek-Link


Vielen Dank an Greater Than Games für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!
sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Greater Than Games)

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