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Mittwoch, 15. April 2015

Xia: Legends of a Drift System - Weltraumsandkasten

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Mensch, Mensch, Mensch. Da habe ich aber nochmal Glück gehabt. Als Xia: Legends of a Drift System damals auf Kickstarter finanziert wurde, habe ich zwar brav dazu eine News geschrieben, bin aber nicht wie geplant eingestiegen ins Projekt. Ich war dann doch irgendwie zu vorsichtig, als es hieß: Unbekannter Designer, neuer Verlag, bemalte Miniaturen und einen riesigen Haufen an top-produzierten Komponenten. Umso erfreulicher, dass dann Xia doch das Licht der Welt erblickte und tatsächlich mit beachtlicher Komponentenqualität zu punkten schien. Ich also: Geldbörse raus, gebrauchte Version über BGG gekauft und losgespielt. Das Ganze sogar noch zu einem Preis, der nicht einmal viel höher lag, als der ursprüngliche auf Kickstarter. Jackpot?


Fangen wir mal so an. Die Komponenten sind definitiv sehr hochwertig. Einen Preis hat Xia damit jedenfalls schon einmal gewonnen. Nämlich den für die wohl besten Metallmünzen in einem Brettspiel überhaupt. Wir haben hier nämlich vollkommen abgespacete einzigartige Münzen, die nicht nur toll in der Hand liegen, sondern auch echt super aussehen. Das Ganze gibts übrigens auch in der normalen Verkaufsversion und stellt kein Kickstarterexklusive dar. Aber auch sonst sind die Komponenten wirklich vorbildlich. Tolles Inlay, tolle vorbemalte Schiffe, tolle Ressourcenwürfel, tolle Galaxieteilchen.


Jetzt aber mal zum Eingemachten. Um was gehts eigentlich bei Xia? Xia ist ein Sandkasten. Jeder von uns kommt frisch von der Weltraumpilotenschule, wird in ein Raumschiff gesetzt, bekommt ein paar Weltraummünzen und darf losfliegen auf der Suche nach Ruhm und Ehre. Ganz getreu nach dem Motto "Mein Name ist Guybrush Threepwoot und ich möchte Pirat werden". Wie ich jedoch an eine zuvor variabel eingestellte Ruhmespunktzahl komme, bleibt mir überlassen. Alle Wege führen nach Rom. Oder zutreffender nach Ruhm (sorry der musste raus).
Und Wege gibt es in Xia wahrlich genügend. So kann ich gegnerische Raumschiffe ausschalten, Missionen erfüllen, Handel betreiben, neue Schiffe kaufen, eine Runde in der Spacebar ausgeben oder ganz einfach eine 20 auf einem D20 würfeln (Achtung: Aufzählung nicht abschließend).
Auch ansonsten ist man ganz und gar sein eigener Herr in Xia. Welches Schiff mit welcher Sonderfähigkeit wähle ich? Wie rüste ich es aus? Wie verhalte ich mich in welcher Situation. Xia lässt mir eine Freiheit, die mir alle Möglichkeiten offen lässt, ohne mich dabei mit all den schönen Optionen zu überfordern. Das gelingt in erster Linie dadurch, dass die Regeln von Xia verblüffend simpel sind.


Xia ist schnell erklärt und noch schneller gespielt. Ein Zug dauert selten länger als eine Minute. Problem dabei ist nur, dass nicht in jedem Zug etwas Spektakuläres passiert. Manchmal fliege ich einfach nur von A nach B oder versuche dies, um dann gnadenlos in einem Asteroidenfeld zu zerschellen, weil ich bei einem D20 eine 1-3 gewürfelt habe.
Und da sind wir auch schon beim wohl größten Kritikpunkt von Xia. Die beste Taktik bei Xia ist nämlich folgende: Würfel gut! Ernsthaft. Xia kommt nämlich, nebst den restlichen tollen Komponenten, auch mit zahlreichen verschiedenen Würfeln. Diese entscheiden beispielsweise über die Flugreichweite, die Angriffskraft, die Verteidigung der Schilde oder die Flugkunst, wenn es darum geht in ein Nebula einzudringen oder einen Asteroiden zu umschiffen. Kurzum: Xia ist würfellastig - sehr würfellastig. Die Krone setzt Xia - fast selbstironisch - dem Ganzen damit auf, dass beim bloßen Werfen einer 20 bei einem D20 der jeweilige Spieler einen Ruhmespunkt erhält.
Wem das nicht gefällt, der lässt wohl besser die Finger von Xia. Das wäre aber eine zu vorschnelle Reaktion. Denn Xia als Sandkasten auf seine bloßen Mechanismen runterzubrechen würde dem Ganzen nicht gerecht werden. Man muss das Spiel als Ganzes sehen. Xia ist mehr ein Erlebnis. Jede Partie ist einzigartig. Der Untertitel Legends of a Drift System ist da Programm. Aus jedem Spiel werden bestimmte Momente im Gedächtnis bleiben. Beispielsweise wenn der vierte Spieler im selben Asteroidenfeld nacheinander zerschellt oder ein Spieler aus Energiesparzwang mitten in die Sonne selbst fliegt.

Wichtig ist wohl, dass es keine Strategie bei Xia gibt. Ein guter Pilot erkennt Gelegenheiten, passt sich der Situation an und wechselt seine Taktik mit jedem Weltraumluftstoß. Wenn dann noch die Würfel mitspielen, dann hat man gute Karten als bekannter Pilot in die Ruhmeshallen der Galaxie von Xia einzudringen. Alles nach dem Motto: "Hier ist Dein Schiff und etwas Geld. Flieg los und mach was draus!". Xia ist für mich eine der Geheimtipps und Empfehlungen des Spielejahres 2014 - keine Frage!





Xia: Legends of a Drift System von Cody Miller
Erschienen bei Far Off Games
Für 3-5 Spieler in ca. 180 Minuten
Boardgamegeek-Link


sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Far Off Games)

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