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Dienstag, 22. März 2016

Magic The Gathering: Arena of the Planeswalkers - Nostalgie mit Würfeln

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„Magic – The Gathering“…allein die Worte wecken unglaublich viele Erinnerungen an meine Schulzeit, an durchzockte Freistunden und schnelle Runden in den Pausen. Mensch, was ist das lange her. Und ehrlich gesagt habe ich auch seitdem keine Magic Karte mehr in der Hand gehabt (damals erschien gerade Urza’s Saga; Magic-Freunde werden wissen, wie lange das her ist ;).
Und nun also eine Brettspielvariante des „Klassikers“. Kann das wirklich funktionieren? Oder handelt es sich hier lediglich um eine Lizenz-Verwurstung um aus der weltbekannten Marke noch ein wenig mehr Geld herauszupressen? Um die Spannung nicht unerträglich zu machen: Ja, es funktioniert, wenn auch mit einigen Einschränkungen:
Während im Netz oftmals Kritik an der Qualität der Spielmaterialien laut wird („Heroscape war qualitativ besser“), war ich nach dem Öffnen der Packung durchaus positiv überrascht.  Denn für einen Straßenpreis von grade mal 25€ wäre bei den meisten anderen Spielen deutlich weniger drin gewesen. Die Packung enthält neben den bemalten Planeswalkern (quasi die Hauptfiguren) noch weitere 30 einfarbige Monsterfiguren. Natürlich, alles nicht super detailliert und von bester Qualität – aber mal ehrlich für diesen Preis bieten einige Erweiterungen für andere Spiele grade mal ein paar Karten und Pappteile (ja, ich meine Dich, Colt Express! ;). Des Weiteren sind noch fünf unterschiedliche Kartendecks, sechs große Spielplanteile, einige Spielplanelemente aus Pappe und Kunststoff sowie einige Würfel und Plastikmarker an Bord. Das einzige was mir nicht gefällt: Für das Spiel wird ein Rundenzähler benötigt. Der dafür nötige Zahlenstrahl ist in der Anleitung abgedruckt (und zwar nicht auf der letzten Seite!) und der Rundenzähler selbst besteht aus einem winzigen Stück Pappe. Hier wäre ein wenig mehr auch wirklich mehr gewesen. Aber nun gut. Schauen wir mal weiter.

Die Anleitung ist mit vielen Abbildungen sehr anschaulich erklärt und die grundsätzlichen Spielregeln lassen sich dem Grunde nach in 10 Minuten erklären. Einige Regeln sind zwar in der Anleitung nicht ganz zu Ende gedacht, aber hier hilft ein Blick ins FAQ auf Boardgamegeek (von Spielern anhand der Rückmeldungen durch Hasbro erstellt) weiter.
Das Spielziel besteht je nach gewähltem „Szenario“ entweder darin, den anderen Spielern den Garaus zu machen oder am Ende der festgelegten Rundenzeit bestimmte Punkte auf dem Spielplan besetzt zu haben (oder alternativ den anderen Spielern den Garaus zu machen). Dabei orientiert sich das Spielgeschehen sehr nah an der Vorlage. Die einzelnen Figuren haben verschiedene Fähigkeiten und Angriffs- sowie Verteidigungswerte (ok, genau genommen sind es hier –Würfel), während man die Möglichkeit hat, bestimmte Zauber von der Hand zu spielen. Das Auswürfeln der konkreten Angriffs- und Verteidigungswerte könnte vielen Magicspielern gegen den Strich gehen. Allerdings macht genau diese Mechanik das Spiel zu einem Brettspiel. Wer Würfel nicht mag, muss wohl beim Kartenspiel bleiben.

So einfach und schnell die Regeln auch erklärt sind, gestaltet sich die spielpraktische Umsetzung als nicht ganz so einfach – klassischer Fall von „einfach zu lernen, nicht ganz so einfach zu meistern“. Jeder Planeswalker entspricht nämlich einer der bekannten Magic-Farben und kommt mit eigenen Fähigkeiten, Kreaturen und Zaubersprüchen daher. Wie beim großen Vorbild liegt somit jeder Farbe (oder jedem Deck) eine bestimmte Taktik zugrunde. Da man sich diese hier allerdings nicht selbst zurechtgelegt hat, muss man die von den Entwicklern beabsichtige Taktik erst einmal herausfinden und dann auch konsequent umsetzten. Sonst kann es passieren, dass man nach wenigen Runden aus dem Spiel fliegt. Im Großen und Ganzen sind diese Taktiken jedoch in keinster Weise hochkomplex und das Spiel lässt sich locker und mit einiger Übung – je nach Zahl der Mitspieler – in einer Stunde beenden. Mit kommenden Erweiterungen soll es dann möglich sein, auch eigene Decks zusammenzustellen, was der taktischen Tiefe gut tun dürfte – das dürfte den Kartenspielern ja ebenfalls bekannt vorkommen.
Apropos Erweiterungen. Diese sind derzeit das Hauptärgernis des Spiels. Sowohl in der Anleitung, als auch auf einigen Karten werden Regeln/Effekte beschrieben, die im Hauptspiel nicht enthalten bzw. nicht umsetzbar sind. Und die Anleitung verweist auch ganz frech darauf, dass die grade erklärten Regeln erst mit einer Erweiterung überhaupt ins Spiel gelangen. Hm. Hierdurch drängt sich der Verdacht auf, dass aus einem fertigen Spiel einige Teile nachträglich entfernt wurden, damit man diese als Erweiterungen verkaufen kann (PC- und Konsolenspieler können hiervon ja ein Liedchen singen). Auf der anderen Seite ist es aber durchaus ok, sich das Hauptspiel als „Starterdeck“ zu denken, mit dessen Hilfe man erstmal die grundlegenden Regeln erlernen soll, bevor es (hoffentlich) taktisch anspruchsvoller wird. Und letztlich ist es ja auch genau das. 
Bleibt zu hoffen, dass mit den kommenden Erweiterungen dann auch das Balancing etwas korrigiert wird. Besonders die schwarzen Karten und Fähigkeiten wirken derzeit noch gründlich „overpowert“. Hinzu kommt die mangelnde Abwechslung. Hat man das Spiel einige Male gespielt, kennt man die eigenen sowie die gegnerischen Fähigkeiten und Zaubersprüche und weiß, wann man was tun bzw. nicht tun sollte und braucht die einmal gelernte Taktik nur noch abzuspulen. Aber auch hier hoffe ich mal auf die Erweiterungen. 
Nicht falsch verstehen. Die Erweiterungen werden zum Spielen nicht benötigt, aber ohne sie könnte das Spiel recht bald etwas …fad wirken.

Um abschließend nochmal auf meine zweite Frage von vorhin zurückzukommen: Die Magic-Thematik zieht sich durch jedes einzelne Element und wirkt zu keiner Zeit aufgesetzt oder überflüssig. Ganz im Gegenteil. Die eigentliche Thematik sowie das Spielgefühl von Magic wurden wirklich klasse in das Brettspielformat gegossen. Insofern sollte jeder Magic-Jünger mal einen Blick riskieren (vor allem – ich werde nicht müde es zu erwähnen - bei diesem Preis!). Es sei denn natürlich, man hat etwas gegen das Auswürfeln der Kampfwerte. Dann wird man an diesem Spiel definitiv keinen Spaß haben.
Aber auch nicht-Magic-Jünger können an diesem Spiel Gefallen finden oder es sogar als Einstieg in die Welt von Magic nutzen. Vorkenntnisse sind nämlich keine erforderlich, während man grundlegende Systematiken des TCGs auch hier kennenlernt. 
Insbesondere der schnelle Aufbau, die kurz-knackigen Regeln und die taktische Ausrichtung sprechen für das Spiel als spaßigen „Lückenbüßer“ beim Spieleabend. Der (noch?) fehlende taktische Tiefgang, die (noch?) mangelnde Abwechslungsreichtum und das (noch?) nicht immer ganz ausgefeilte Balancing verhindern aber ein abendfüllendes Spielerlebnis.
So. Ich werde jetzt mal in den Keller gehen und meine alten Magickarten suchen. Irgendwo müssen die doch sein….

Magic: The Gathering - Arena of the Planeswalkers von James dAloisio, Ethan Fleischer, Craig van Ness
Erschienen bei Hasbro 
Für 2-5 Spieler in ca. 60 Minuten
Boardgamegeek-Link

Vielen Dank an Hasbro für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Hasbro)

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