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Mittwoch, 31. August 2016

Mega Man - Bombig oder Icekalt?

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Nostalgie pur! Mega Man zählt wohl unbestritten zu einem der absoluten Klassiker der Videospielwelt. Fast jedes Kind der 90er hat noch wunderbare Erinnerungen an den blauen Mann, Dr. Wily, Bombman, Iceman und Co. Umso erfreuter war ich dann als der Klassiker endlich eine Brettspieladaption erhalten sollte. Hop oder Top?

In Mega Man bewegen wir uns spielmechanisch recht nah an der Videospielvorlage. So übernehmen wir alle die Rollen von Mega Man und versuchen uns durch diverse Levels zu kämpfen um die Zwischenbosse auszuschalten, dann deren Sonderfähigkeiten zu rauben, um schlussendlich den Erzfeind Dr. Wily ein für alle mal in die ewigen Jagdgründe zu schicken.


Spielmechanisch treten wir abwechselnd gegen den Rest der Brettspielrunde an, welche in unserem Zug die Rolle des Bösewichtes übernehmen und uns mit fiesen Karten versuchen das Leben schwer zu machen.
Es geht darum Aufgaben zu lösen, für welche wir eine bestimmte Anzahl an Würfelergebnissen brauchen. Hierfür müssen wir unseren Würfelpool aufteilen, denn dieser ist begrenzt für die gesamte Stage.  Handkarten helfen das eigene Würfelergebnis zu pimpen, Powermarker erlauben Neuwürfe. Erfüllen wir unsere Aufgabe, geht es weiter in der Welt, scheitern wir, dann ist der nächste Spieler an der Reihe und fordert sein Glück heraus.


Am Ende eines jeden Levels wartet ein Zwischenboss. Haben wir auch diesen geschickt mit unserem Würfelglück erledigt, übernehmen wir dessen Sonderfähigkeit. Haben wir zwei davon, bewegen wir uns in ein finales noch schwereres Endlevel mit unserem Erzfeind.

Okay, ich will gleich das große Fazit vorwegnehmen: Ich bin sauer! Und zwar so richtig! Denn Mega Man war eine große Enttäuschung! Grundsätzlich hatte das Spiel eine große Möglichkeit die beliebte Lizenz zu einem interessanten Brettspiel zu verarbeiten. Das Hauptproblem der Entwickler lag aber offensichtlich darin, dass sie zu stark an der Videovorlage gehangen und dabei völlig außer Acht gelassen haben, dass Videospielmechanismen nicht zwangsläufig eins zu eins in ein Brettspiel umzumünzen sind. Diese wollen an das Medium angepasst werden.


Nur leider funktioniert das nämlich alles nicht in einem Brettspiel. Was im Videospiel unterhaltsam und actiongeladen ist, artet beim Brettspiel in wilde Würfelorgien und einen kaum zu ertragenden "Take-That"-Mechanismus aus.
Das Hauptproblem von Mega Man ist jedoch die enorme Spieldauer. Eine vollbesetzte Runde kann gut und gerne in eine 4 bis 5 stündige Würfelorgie ausarten. Ich möchte gerne zugeben, dass ich auch nur ansatzweise nach einer ersten und einzigen Runde Mega Man keine Lust mehr hatte noch eine weitere Partie dranzuhängen. Es fühlt sich zäh und unausgegoren an.

Prinzipiell habe ich nichts gegen diese Art von Spielmechaniken, sofern sich das in einer angemessenen Spieldauer niederschlägt.
Ein treffender Vergleich wäre, dass Ihr Euch vorstellt und würdet Mega Man an der Konsole spielen und hättet vier Freunde eingeladen, welche im Anschluss an Euren Run ebenfalls versuchen das Level zu meistern. Was schon damals beim Supernintendo zu Gähnorgien geführt hat, kann auch der "interaktive" Mechanismus in der Brettspieladaption nicht retten, bei welchem es nahezu bedeutungslos erscheint, welche Gegnerkarten man dem aktiven Spieler als symbolisches Stöckchen zwischen die Radfelgen schmeißt. Langweilig!

Selten hat mich in letzter Zeit ein Spiel so gefordert - und zwar in einer derart negativen Art und Weise. Ich kann gut und gerne behaupten, dass es mich eine Menge guten Willens gekostet hat die Erstpartie überhaupt beenden zu wollen.
Ehrlicherweise kann ich die Leute nur bedauern, welche ein kleines Vermögen ausgegeben haben, um dieses Spiel in seiner Kickstarterversion zu unterstützen und bin an dieser Stelle wirklich dankbar, dass ich es wenigstens als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten habe.

Ich muss zugeben, dass das schlussendlich doch ein ganz schöner "Rant" geworden ist. Das Spiel hat natürlich auch eine gute Seite, denn die Miniaturen taugen immerhin als schicke Mega Man Miniaturen für die Vitrine! Leider aber nicht zu mehr.

Mega Man von Jason Hawronsky und Matt Whitaker
Erschienen bei Jasco Games
Für 2 bis 6 Spieler in ca. 240 Minuten
Boardgamegeek Link
Vielen Dank an Jasco Games für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!


sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Jasco Games)

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