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Samstag, 3. Dezember 2016

Die Helden von Kaskaria - Erstes taktisches Fantasyabenteuer

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An welche Spiele denkt ihr zuerst beim Thema Kinderspiele? Die einen sagen jetzt wahrscheinlich „Mensch ärgere Dich nicht“. Ein Spiel, das so einfach gestrickt ist, dass es selbst die Kleinsten gut mitspielen können, das aber gleichzeitig genug taktischen Tiefgang und Abwechslung bietet, damit auch Erwachsene Spaß dran haben können. Eben ein rundum gelungenes Familienspiel, das immer wieder gerne auf den Tisch kommt. Den anderen fallen bei dem Wort Kinderspiele wahrscheinlich vor allem solche Spiele ein, in denen alles quietschbunt und laut ist und deren Spielspaß sich nur den kleinsten erschließt.


In welche Kerbe schlägt nun also Die Helden von Kaskaria? Schauen wir uns das Spiel mal etwas genauer an:
Die (etwas zu großgeratene) Schachtel beinhaltet ein wirklich schön und übersichtlich gestaltetes Spielbrett, 4 hölzerne Schuppengreife, 4 hölzerne Klippenläufer, einen Sack voller Goldsteine und einen Stapel Spielkarten. Jeder Spieler erhält einen Schuppengreif und einen Klippenläufer als Spielfiguren sowie 5 zufällige Karten. Zusätzlich werden drei Karten offen sowie der Nachziehstapel auf die dafür vorgesehenen Felder des Spielbretts gelegt, und schon kann das taktische Rennen um das Amulett beginnen.


Das Spiel ist also sehr schnell „aufgebaut“ und die Regeln ebenso schnell erklärt: Die Spielkarten zeigen 4 verschiedene Symbole (Gold nehmen, mit Schuppengreif laufen, mit Klippenläufer laufen, 2 Karten ziehen) und sind jeweils mit 8 verschiedenfarbigen Hintergründen versehen. Hat man zwei Karten der gleichen Farbe, darf man beide ausspielen und beide Aktionen nutzen. Kann oder will man dies nicht, zieht man einfach nur eine Karte (vom Nachziehstapel oder den offen liegenden) und setzt somit quasi aus. Das Spiel endet, sobald eine Spielfigur das Amulett in der Spielbrettmitte erreicht. Schuppengreife und Klippenläufer haben dabei unterschiedliche Wege und sind daher auch nicht in gleicher Anzahl im Kartenstapel enthalten. Bis hierhin ist es ein reines Wettrennen.


Der eigentliche Clou, der es taktisch werden lässt, ist aber folgender: Am Ende gewinnt nicht etwa derjenige, der als erster das Amulett erreicht, sondern derjenige, der das meiste Gold gesammelt hat. Und damit dies nicht dazu führt, dass ein Spieler vor lauter Goldsammeln das Laufen mit seinen Figuren vergisst, erhalten am Spielende diejenigen Spieler, die dem Amulett am nächsten gekommen sind, noch zusätzliches Gold in nicht unbeträchtlicher Menge.
Dieser taktische Kniff lässt sich auch jüngeren Spielern sehr gut vermitteln. Während sie im ersten Rennen noch versuchen, so schnell wie möglich ans Ziel zu kommen, beginnen sie schon in der nächsten Runde, eher Wert auf’s Gold sammeln zu legen, ohne das Laufen zu vergessen. Nach weiteren Runden beginnt dann auch das Kartensammeln und das Nachdenken, über Handlungsalternativen.


Das vom Spiel selbst auferlegte Prädikat „ein erstes taktisches Fantasy-Abenteuer“ kann Die Helden von Kaskaria also absolut erfüllen. Und noch mehr: die taktischen Möglichkeiten bei gleichzeitig kurzer Spielzeit (ca. 20 Minuten) sorgen dafür, dass das Spiel auch für Erwachsene niemals langweilig wird und man auch bei mehr als einer Runde am Ball bleibt. Gleichzeitig ist genug Raum um dem eigenen Ehrgeiz – zumindest gegenüber dem Partner – freien Lauf zu lassen. Schließlich will man ja nicht Letzter werden. Und, fast noch wichtiger: Das Spiel ist weder bunt, noch schrill, noch macht es ständig Lärm. Ganz im Gegenteil. Durch die schönen Illustrationen, den Fantasystil und den ruhigen Spielablauf, nimmt es auch die kleinsten Spieler ernst und sorgt für einen wunderbar entspannten Spielenachmittag.


Ein einziger Wertmutstropfen bleibt allerdings: Die Verpackung. Zwar gibt es einen Zipbeutel für die Goldstücke von Haus aus mitgeliefert, alle anderen Dinge (vor allem die Karten) fliegen aber in der Verpackung frei umher, da weder ein Kunststoffeinsatz noch Beutelchen enthalten sind. Das machen andere Kinderspiele besser. Aber zugegeben, das ist schon meckern auf höchstem Niveau.
In der Gesamtschau ist Die Helden von Kaskaria daher ein wirklich absolut empfehlenswertes Kinder-, aber eben auch Familienspiel. Das Fazit unseres 7jährigen war somit auch eindeutig: „nochmal!“. Ein größeres Lob kann ein Spiel doch nicht bekommen, oder?


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Die Helden von Kaskaria von Benjamin Schwer
Erschienen bei HABA 
Für 2-4 Spieler in ca. 20 Minuten
Boardgamegeek-Link


sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier HABA)

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