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Samstag, 17. Dezember 2016

Ein Fest für Odin - Es wird gesoffen und gefressen!

1 comment

Skol, ihr bärtigen Barbaren! Hebt euer Horn und trinkt mit mir auf Odin! Spätestens seit Blood Rage wissen wir, dass Wikinger blutrünstige Kampfmaschinen sind; immer zur Stelle wenn es ordentlich kracht und stets bereit für Ruhm und Ehre zu sterben um in Walhalla ewig weiter zu leben.
Ein Fest für Odin räumt mit dem aggressiven Wikinger Image auf und präsentiert uns die bärtigen Genossen von ihrer geselligen und vor allem hungrigen Seite. Denn hier dreht sich alles um die größte Fete zur Ehren des mächtigen, nordischen Gottes. Wikinger aus aller Welt versammeln sich um zu Speisen und… ach was solls‘, es wird gesoffen und gefressen bis auch der letzte Bart auf die Tischkannte knallt!


Uwe Rosenberg ist bekannt für seine großen Boxen mit vielen Teilen, und auch hier macht er keine Ausnahme: Hunderte Papp-Plättchen und Holzfigürchen in allen Farben und Formen, mehrere Brettchen, die das Spielfeld bilden, 1 Regelheft, 1 Anhang und ein Almanach und viele, kleine Karten!
An dieser Stelle möchte ich ein großes Lob aussprechen: Häufig hat man bei Spielen mit vielen, kleinen Einzelteilen, einfach nur Würfelchen in diversen Farben, die diverse Ressourcen darstellen. Diese erfüllen zwar ihren Zweck, schaden jedoch gewaltig dem Thema.
Ein fest für Odin ist ein Vorzeigespiel was Komponenten angeht; die Holzressource hat die Form eines Astes, Stein sieht aus wie Stein und all die zahlreichen Plättchen, mögen zwar nur bedruckte Pappe sein, vermitteln einem dennoch das Gefühl die darauf abgebildete Ware zu besitzen, da sie alle bunt und hübsch gezeichnet sind. Zusätzlich liegt dem Spiel eine Sortierbox bei, die Platz für alle Plättchen bietet. Der Almanach, eine Art Wikinger Enzyklopädie, erläutert was es mit den Zahlreichen Ressourcen auf sich hat und warum man sich entschied, diese ins Spiel aufzunehmen.
Hier wurde sich nicht nur mit den Wikinger auseinander gesetzt, nein, ich als Spieler stand bei der Entwicklung des Spiels im Vordergrund und das merkt man! In diesem Spiel steckt sehr viel Liebe, nicht nur zum Detail sondern zum Brettspielen an sich. Danke dafür!


Kommen wir nun zur Spielmechanik: Ein Fest für Odin ist ein Worker Placement Spiel mit Puzzle Elementen. Ziel des Spiels ist es am Ende mehr Punkte zu haben als die anderen. Dies lässt sich erreichen indem die Mali auf dem Spielertableau, mit Plättchen verdeckt werden. Dazu setzt man seine Arbeiter auf Aktionsfelder, die einem Ressourcen oder Hilfsmittel einbringen.
Obwohl die Box groß und die Anzahl an Möglichkeiten gewaltig ist, lässt sich der Spielfokus auf 2 Dinge reduzieren:
1. Ihr braucht blaue und grüne Plättchen um euer Spielertableau zu belegen, um so euer Einkommen zu erhöhen und eure Minuspunkte zu reduzieren.
2. Ihr braucht rote und orangene Plättchen um am Ende jeder Runde eure Arbeiter mit Nahrung zu versorgen.
Was diese zwei, recht überschaubaren Ziele spannend macht, sind die zahlreichen Möglichkeiten diese zu erreichen. Das Aktionstableau ist in 4 Spalten und 10 Zeilen aufgeteilt. Die Spalten geben an, wie viele Wikinger ihr für die Aktionen in der jeweiligen Spalte benötigt. Eine Aktion in Spalte eins kann mit einem Wikinger durchgeführt werden, wohingegen eine Aktion in Spalte vier, zwar vier Wikinger braucht mich aber immer eine Karten ausspielen lässt.


Die Karten in dem Spiel bringen besondere Boni auf bestimmte Aktionen und können so den Spieler in eine bestimmte Richtung lenken und ihm etwas an Entscheidung abnehmen. Dies ist besonders bei Spielbeginn praktisch, da man so schneller in den Spielfluss kommt und nicht lange überlegen muss.
Die Zeilen auf dem Aktionstableau stellen einen Berufszweig der Wikinger dar, wie beispielsweise Häuserbau oder Jagd. Der Ertrag dieser Aktionen, steigt mit jeder Spalte.
So kann ich mit einem Wikinger, samt Pfeil und Bogen ein Frettchen erlegen, um jedoch auf Walfang zu gehen, brauche ich mindestens drei Wikinger. Außerdem brauche ich erst ein Boot und um das zu bauen brauche ich zunächst Holz… Das ist sehr thematisch und cool!
Meine Beute wird durch die bereits erwähnten Plättchen repräsentiert und der Farbe und Form entsprechen auf einem, meiner Tableaus, in „Patchwork“ oder „Cottage Garden“ Manier abgelegt.
Das Spiel geht so lange, bis alle Wikinger zum Fest angereist sind, das heißt alle möglichen Arbeiter, die zur Verfügung stehen, auf dem Aktionstableau ausgespielt wurden. Dann wird gezählt und gewonnen.


Ein Fest für Odin kann ein richtiger Brocken werden, wenn man am Anfang die falschen Entscheidungen trifft oder mit anderen Spielern um Aktionsfelder kämpfen muss. Jedoch ist eine alternative Strategie zu jeder Zeit möglich, was den Spielspaß am Leben erhält und niemanden Frustrieren sollte.
Die Handlungen im Spiel sind sehr thematisch und nachvollziehbar, ein Beispiel: Ich kann meine Waren verkaufen, dafür Silberstücke bekommen, auf den Markt gehen und mir zwei Schafe kaufen. Diese können sich dann Paaren und in der nächsten Runde erhalte ich ein weiteres Schaf. Das kann ich dann essen oder Melken.
Dies ist auf der einen Seite thematisch, auf der anderen Seite habe ich nicht das Gefühl, dass ich eine Familie von Wikingern spiele. Ja, es gibt Runen und Raubzüge und ja es gibt bekannte Wikingerartefakte, aber ich könnte genauso gut mit den Zwergen aus Caverna oder Bauern aus Agricola spielen, einen Unterschied würde ich kaum merken. Hier steckt zwar viel Thema aber nicht das der Wikinger, was mich persönlich aber nicht sonderlich stört.

Einen Minuspunkt muss ich jedoch vergeben: das Spiel schöpft sein Potential bei zwei Spielern leider kaum aus, da es eigentlich keinerlei Interaktionen gibt und man sich vorkommt, als würde jeder für sich eine Mischung aus Viticulture und Patchwork spielen. Schade!
Ansonsten ist Ein Fest für Odin ein solides Worker-Placement Spiel, dass aufgrund der vielen Kleinteile zwar etwas fummelig ist, einem aber ein entspanntes und frustfreies Spielerlebnis bietet. Wer Uwe Rosenbergs Spiele mag, wird hier nichts falsch machen.

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Ein Fest für Odin von Uwe Rosenberg
Erschienen bei Feuerland
Für 1-4 Spieler in ca. 120 Minuten
Boardgamegeek-Link



sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Feuerland)

1 Kommentar:

  1. Ein weiteres Solitär-Puzzle-Optimier-Spiel.

    Nein, danke. Langweilen kann ich mich auch alleine.

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