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Dienstag, 18. Juli 2017

5-Minute Dungeon - Happy End nach 5 Minuten?

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Um den Namen und das Spielprinzip von 5-Minute Dungeon zu ehren, werde ich versuchen mich bei der Spielebeschreibung auf einen 5-Zeiler zu beschränken. Denn wirklich viel zu erklären gibt es wirklich nicht. Naja. Zumindest habt Ihr den Regelteil garantiert in unter 5 Minuten gelesen und verstanden.


In 5-Minute Dungeon stürzen wir uns kooperativ in einen Dungeon. Jeder übernimmt dabei die Rolle eines klassischen Dungeonhelden (Barbar, Paladin, Zauberer etc.). Der Dungeon besteht aus einer Vielzahl an Dungeonkarten, auf welchen wiederum Monster, Hindernisse oder gar Mini-Bosse sind. Überwinden wir das Dungeondeck, wartet der Dungeonmaster.
Wie besiegen wir die Karten? Ganz einfach: Auf jeder Karte sind unterschiedliche Symbole abgedruckt. Hier gilt es nun die benötigten Symbole aus den eigenen Handkarten abzuwerfen. Kooperativ und in Echtzeit. Ein Beispiel: Um das ausliegende Monster zu besiegen, werden 2 Schwertsymbole, ein Buchsymbol und ein Bogensymbol benötigt. Ich schmeiße sofort 2 Schwerter ab, meine Mitspieler den Rest. Dabei gilt: Was liegt, das liegt. Schmeißt im Eifer des Gefechts ein Mitspieler auch noch ein Schwert ab, hat er Pech gehabt. Es wird dennoch abgelegt.
Abgelegt ist ein gutes Stichwort. Spiele ich Karten aus, ziehe ich sofort nach auf mein Handkartenlimit, welches je nach Spieleranzahl variiert. Unterstützt wird das Spielprinzip durch die charakterspezifischen Spezialfähigkeiten und die Sonderkarten, welche sich in den jeweiligen Decks befinden. Ach und ja. Habe ich erwähnt, dass der Dungeon natürlich in 5 Minuten besiegt werden will?


5-Minute Dungeon ist in 5 Minuten erklärt, in 5 Minuten gespielt und leider auch erst in 5 Minuten wieder feinsäuberlich in der Packung verstaut. Und auch wenn die ersten beiden Eigenschaften auf einen klasse Absacken hindeuten, hat mich persönlich das Spielprinzip nicht eingefangen. Selten erlebe ich es, dass bei einem Spiel bei mir Vorstellung und Wirklichkeit so weit auseinanderliegen. Bei der bloßen Regellektüre und dem Betrachten der Spielmaterialien hatte ich so richtig Lust auf das Spiel. Das mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass Echtzeit-Hektik-Spiele derzeit ja eine kleine Renaissance in der Spielewelt erleben (ja, ich schaue in Deine Richtung, Du Kaufhausdiebeechtzeitrumrennspiel). Das Prinzip klang witzig, schnell und interessant.


5-Minute Dungeon krankt aber leider an chronischer Eintönigkeit. Das klingt hart, ich will es aber erläutern. Es fehlt meiner Meinung nach hier an Varianten, Steigerungen und Abwechslung. Die einzige Varianz im Spielprinzip besteht im sich steigernden Schwierigkeitsgrad, welcher schlussendlich aber auch nur einen dickeren Stapel zur Folge hat. Die Sonderfähigkeiten der einzelnen Charaktere sind langweilig - gleichen sich leider sogar häufig. Die unterschiedlichen Kartendecks (Zauberer hat mehr Buchsymbole, Barbar mehr Schwerter) fallen nicht ins Gewicht, so dass schlussendlich eine Partie aus einer 5-minütigen Hektikorgie besteht, in welcher stumpf Symbole erkannt und abgeworfen werden. Das kleinste bisschen Taktik? Fehlanzeige.
5-Minute Dungeon wurde so bereits nach 5 Minuten zu langweilig. Es gibt einfach deutlich besseres auf dem Markt.


In einem Escape habe ich unzählige Varianten. Ich kann mit neuen Räumen spielen, mit Flüchen, mit Schätzen und noch so viel mehr. In Magic Maze bekomme ich ein sich steigerndes Spiel mit mehr und mehr Regeln und Sonderfähigkeiten und einem innovativen Mechanismus (ich lobe letztgenanntes in dieser Rezension noch weiter). 5-Minute Dungeon beschränkt sich auf schnelles Kartenabwerfen. Die durchaus sehr witzigen Zeichnungen auf den Monsterkarten kann ich leider in der Hektik des Spiel nicht ausreichend würdigen.
Es bleibt für mich die Hoffnung, dass 5-Minute Dungeon mit Erweiterungen nachsteuert (Platz in der Packung ist vorhanden). Dann aber bitte nicht nur mehr vom selben, sondern neue Module, die das Spiel spannend machen.
Ach so! Ein Punkt darf nicht unerwähnt bleiben - das Wegräumen. In der Hektik des Spiels werden abgeworfene Karten einfach schnell zur Tischseite geschoben. Das führt nach einer Blitzerklärung und einem Blitzspiel zu einem ewigen Sortieren im Anschluss. Monsterkarte zu Monsterkarte, Charakterkarte zu Charakterkarte. Ich mache keinen Spaß. Das nervt wirklich!

5-Minute Dungeon konnte mich nicht überzeugen - leider. Interessant wird es vielleicht mit jüngeren Mitspielern. In unseren Erwachsenenrunden konnte es nicht zünden. Auch nicht als Absacker. Falls nicht die Erleuchtung mit Erweiterungen kommt, bleibt es erstmal im Schrank stehen. Schade!

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5-Minute Dungeon von Connor Reid
Erschienen bei Kosmos
Für 2 bis 5 Spieler in ca. 5 Minuten
Boardgamegeek Link

sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Kosmos)

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