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Dienstag, 4. Juli 2017

Pandemie: Die Schreckensherrschaft des Cthulhu - Die grüne Seuche

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Es war nur eine Frage der Zeit, bis das beliebteste Spiel der Letzten 10 Jahre mit dem beliebtesten Thema - wenn man zumindest nach den Designern geht – der letzten 10 Jahre fusioniert wurde. Die Rede ist natürlich von Zug um Zug – Zombies… 

Nee quatsch, das sind die anderen heißgeliebten Kandidaten der letzten Dekade, ich meinte selbstverständlich: Pandemie – Schreckensherrschaft des Cthulhu. 

Ich mag Pandemie und ich muss gestehen, dass mir die unaussprechlichen Gestalten aus dem Lovecraft Universum auch sehr zusagen, aber funktionieren diese zwei auch miteinander oder wurde hier nur versucht Geld zu scheffeln? Gehen wir dieser Frage auf den Grund… 


Zunächst einmal möchte ich erzählen, wie sehr ich das Pandemie Grundspiel liebe. Es ist ein Meisterwerk was Design und Mechanik angeht. Wenn mal Neulinge zu besuch sind, ist Pandemie mein Gateway Game Nummer 2 - da Nummer 1 King of Tokyo sein muss, das ist nun mal Gesetz – und auch wenn sonst nichts geht, geht Pandemie irgendwie immer. Es ist einfach ein kleines großes Wunder der Brettspielgeschichte. 
Was den Cthulhu Mythos betrifft, sind bei mir die üblichen Verdächtigen zu finden: Villen des Wahnsinns und Eldritch Horror, beides sehr schöne Spiele, mit viel Storytelling und kleinen Rollenspiel-Elementen und einer extrem starken Atmosphäre. 


Was ist denn nun aber Pandemie + Cthulhu? Mehr Pandemie oder mehr Cthulhu? Oder was ganz eigenständiges? 
Bei dieser Frage ist mir zunächst aufgefallen, dass sich die Spiele, vom Spielprinzip sehr ähneln: Jeder hat individuelle Spielfiguren, mit besonderen Fähigkeiten. Man reist durch die Welt und hindert das Böse daran zu wachsen. Es treten regelmäßig unheilvolle Bedrohungen auf. Man hat eine bestimmte Anzahl an Aktionen. Es gibt ein Zeitlimit. u.v.m.

Und so ist es auch in Pandemie – Schreckensherrschaft des Cthulhu geblieben: Ihr schlüpft in die Rolle von bis zu vier Agenten. Ihr reist durch vier bekannte Orte des H.P. Universums: Innsmouth, Arkham, Dunwich und Kingsport. Pandemie-typisch zieht Ihr böse Karten aus dem Deck und belagert so die Örtchen mit dem Bösen. u.s.w. 
Also besonders innovativ ist das Spiel garnicht, aber das macht nichts, weil Pandemie, wie bereits erwähnt, einfach immer funktioniert! 


Und am Spielprinzip von Pandemie hat sich auch kaum etwas verändert: Ihr sammelt aus vier verschiedenen Farben bis zu fünf Karten um ein Portal in der entsprechenden Farbe zu schließen – das funktioniert genauso wie das Erforschen einer Krankheit in Pandemie. Aus den Ereigniskarten, sind nun Artefaktkarten geworden, die Euch Spezialfähigkeiten verleihen. Aus euren Sanitätern und Krisenmanagern sind Detektive und Reporter geworden. 

Aber so ganz ohne Neuerungen kommt das Spiel natürlich auch nicht daher: Denn über der Stadt – und ich meine wirklich über der Stadt – lauern die bösen, alten Gestalten. Diese werden immer dann getriggert wenn ihr eine „DAS BÖSE REGT SICH“ Karte aus dem Deck zieht. Diese Alten Wesen haben dann oftmals einen permanenten Effekt der das Spielgeschehen nochmal um 180° wenden kann. Außerdem werden bis auf Cthulhu, der niemals erwachen darf, die restlichen elf Alten zufällig und verdeckt ausgelegt, dass heißt dass man stets auf alles gefasst sein muss und das richtige Kartenmanagement entscheidend ist. Das macht das Spiel unglaublich schwer aber auch sehr abwechslungsreich. 


Eure Agenten können nun sogar wahnsinnig werden. Dies wirkt sich dann auf die Aktionsanzahl und auf die individuellen Fähigkeiten aus. Bei jeder Begegnung mit dem Bösen muss der Geistige-Gesundheit-Würfel gewürfelt werden und wenn dieser Euch das letzte bisschen Gesundheit aussaugt, wird Eure Charakterkarte gewendet und ihr spielt mit anderen Werten weiter. Hier bietet das Spiel jedoch weitere Taktik, denn es ist nicht immer schlecht wahnsinnig zu werden, manche Agenten profitieren sogar davon. Wenn jedoch alle Agenten wahnsinnig werden, ist das Spiel verloren. Es ist auch dann verloren wenn entweder keine Karten mehr nachgezogen werden können, Cthulhu erwacht oder keine Miniaturen mehr aufs Feld gebracht werden können… WAS? Miniaturen? 

JA! Vorbei ist die Zeit der Spielfigürchen, endlich gibt es ein Pandemiespiel mit Miniaturen, und diese können sich echt sehen lassen! Jede der sieben Agenten Minis ist individuell und entspricht der Abbildung auf der Charakterkarte. 
Wie Ihr sehen könnt, steckt in diesen Neuerungen all das was eine Atmosphäre ausmacht. Und diese ist tatsächlich ähnlich präsent wie in Eldritch Horror. Die Bedrohung durch die Alten ist spürbar, die Überschwemmung durch Apostel und Monster lassen den Wahnsinn Realität werden und das Artwork und die Miniaturen tragen ihren Rest dazu bei; Das ist hier sehr gut umgesetzt worden. Dazu kommt das unerschütterliche Pandemie Gameplay und die Mischung ist fast perfekt. 


Das „fast“ ist in diesem Fall sehr subjektiv und kommt vom sehr hohen Schwierigkeitsgrad des Spiels. In Pandemie waren wir stets motiviert so viele Krankheiten wie möglich zu beseitigen oder am besten auszurotten; Wir wollten nicht nur gewinnen, sondern den Krankheiten in den Hintern treten. In Pandemie – Schreckensherrschaft des Cthulhu, ist der Zeitdruck viel präsenter und wir können froh sein wenn wir überhaupt gewinnen, keine Rede von einem gesäuberten Spielbrett. Das finde ich etwas schade, da dieser Aspekt in Pandemie für mich zum motivierendesten Faktor zählte. Aber wie gesagt, das ist sehr subjektiv und soll das Spiel nicht schmählern. 

Für mich ist Pandemie – Schreckensherrschaft des Cthulhu eine willkommene Abwechslung zum Pandemie Grundspiel und bringt genug Neuerungen um mehr als nur eine Daseinsberechtigung zu rechtfertigen. Wer Cthulhu mag wird hier fündig und wer Pandemie mag sowieso.

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Pandemie: Schreckensherrschaft des Cthulhu von Matt Leacock
Erschienen bei Asmodee
Für 3 - 4 Spieler in ca. 40 Minuten
Boardgamegeek-Link


sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Asmodee)

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