24.01.2018

Interaction: No more boredom!

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Brettspiele mit App-Unterstützung sind ja ein zweischneidiges Schwert. Zum einen braucht man überhaupt erstmal ein Tablet (welches natürlich nicht der Packung beiliegt) und dann muss die Technik auch noch mitspielen. Entweder braucht man eine bestimmte iOS oder Android Version, oder vielleicht auch eine laufende Internetverbindung, oder ein Tablet das groß genug ist, damit alle an einem Tisch was lesen können, ohne dass das Teil herumgereicht werden muss oder oder oder. Hm.

Interaction wirbt ganz offensiv damit, dass es ein „modernes Brettspiel mit App Unterstützung“ ist und sich diese App auch noch auf die jeweiligen Spieler anpasst. Und zwar sowohl was das Alter betrifft, als auch was das Geschlecht oder gar die Interessen angeht. Und dabei will es alle Sinne und Talente fordern. Die eierlegende Wollmilchsau also. Interessant.
Da es ein App-Spiel ist, ist man nach dem Öffnen der Packung zunächst nicht verwundert, dass in dieser irgendwie nichts drin ist. Neben einem Spielfeld samt Wertungschips  und (selbst-beklebbaren) Figuren nämlich nur ein Würfel, ein Stapel Karten, ein Tablet-Eingabestift und ein HackySack. Eine Anleitung? Fehlanzeige, aber die braucht es dank App-Unterstützung nämlich nicht. Die mitgelieferten Komponenten sind dafür allesamt hochwertig gearbeitet und schön designed.


Man baut das Spielfeld auf, installiert die App und erfasst die Namen und das Alter aller Spieler. Dann beginnt dem Grunde nach auch schon das Spiel und jeder Schritt wird einzeln erklärt. Möchte man diese Erklärungen bei Folgerunden nicht mehr bekommen, kann man sie einfach abschalten. Ein langwieriges Regelstudium bleibt hier also aus. Auspacken und losspielen ist die Devise. Ein dicker Pluspunkt für jede Party.
Hat man das alles geschafft, bekommt jeder Mitspieler ein paar persönliche Fragen gestellt, die er oder sie geheim beantworten soll. Hier ist es natürlich wichtig, dass alle mitspielenden auch lesen können, was die Altersempfehlung ab 8 Jahren erklärt.
Dann startet das eigentliche Spiel: Würfeln, mit der Spielfigur auf einem Feld landen und dieses Feld in der App anklicken, um eine Aufgabe zu bekommen. Dabei gibt es fünf Kategorien, die sich wirklich sehr voneinander unterscheiden:


-        Wissen = Multiple-Choice Quizfragen
-        Kreativität = z.B. Montagsmaler oder Pantomime
-     Action = leichte „sportliche“ Betätigung wie „stelle einen Spieler in die Mitte und hüpfe auf einem Bein 20 Mal um ihn herum“
-    Social = „wie viel % unserer Community haben…“ oder Fragen zu den persönlichen Fragen der Mitspieler vom Spielaufbau wie „war dein rechter Nachbar schon mal in Pisa?“
-        Minigames = kurze Spiele auf dem Tablet

Hat man eine Aufgabe erfüllt, erhält man selbst sowie ab und zu auch ein Mitspieler (bpsw. beim Montagsmaler) einen Siegpunkt. Außerdem erhält man selbst eine Karte. Mit Hilfe der Karten kann man die Schwierigkeitsgrade der eigenen oder fremder Aufgaben absenken oder erhöhen. Hat man eine besondere Karte, darf man anderen auch ihre Aufgaben stehlen (Bezzerwizzer lässt grüßen). 
Außerdem haben die Karten verschiedene Farben. Hat man hier drei gleiche Farben, darf man diese für ein kleines Glücksspiel einlösen. Hierdurch bekommt man bspw. Siegpunkte geschenkt oder tauscht den Platz mit einem Mitspieler.


Insgesamt also ein grundsätzlich abwechslungsreiches und (insbesondere bei den Action-Aufgaben) sehr lustiges Spiel. Wenn da das Wörtchen „Wenn“ nicht wär…oder hier insbesondere: wenn die App etwas ausgereifter wär.
Das ganze musste ja einen Haken haben, richtig? Und im vorliegenden Fall ist es die App, die die gemachten Versprechen nicht ganz einhalten kann. Grundsätzlich wirkt sie sehr „rund“ und bringt alle nötigen Informationen. Das „gespielte Tutorial“ ist toll und es bleiben keinerlei Regelfragen offen. Auch funktioniert die App technisch ohne größere Probleme, auch wenn eine dauerhaft benötigte Internetverbindung nicht unbedingt „schön“ ist.
Wo liegt also das Problem? Wie so oft: Im Detail. Bereits beim ersten Durchgang haben sich die „Minispiele“ wiederholt. Insgesamt scheint es auch nur drei zu geben, zumindest haben wir bei allen Durchgängen nur drei Minispiele zu Gesicht bekommen. Bereits im zweiten Durchgang haben sich zudem Wissensfragen und Aufgaben wiederholt. Man sieht also: Die App scheint ein kleines Problem in Sachen Umfang zu haben. Das ist schade und mindert den Wiederspielwert natürlich um ein gutes Stück. Doch war das noch nicht alles. Manchmal scheint es auch der Anpassung der Aufgaben an das Alter der Mitspieler zu Haken. Kleines Beispiel: Beim Montagsmaler bekommt derjenige Punkte, der malt und derjenige, der das gemalte erkennt. Bei unserer Runde mit zwei Mitdreißigern und einem 8jähren musste ich eine „Hebamme“ malen. Das kann natürlich ein 8jähriger nicht erkennen. Das ausgerechnet diese Aufgabe auch im zweiten Durchgang direkt noch einmal vorkam und auch bei mir, war dann doppelt ärgerlich und zeigt vielleicht noch einmal das Umfangs-Problem auf.


Machen die „Fehler“ in der App das Spiel also kaputt? Die Antwort lautet ganz klar: Nein! Interaction ist trotz allem ein extrem spaßiges Spiel für Groß und Klein, in dem jeder die Chance hat, zu gewinnen. Die (bis auf die genannten Ausnahmen wirklich gut gemachte) App benötigt allerdings noch ein wenig Feinschliff und die ein oder andere (kostenlose) Erweiterung. Dann hat Interaction das Zeug zum Dauerbrenner für jede Party oder seichtere Brettspielrunde.

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Interaction: No more boredom! von Reinhard Kern, Manfred Lamplmair und Gertrude Kurzmann
Erschienen bei Rudy Games
Für 2-9 Spieler in ca. 45 Minuten
Boardgamegeek-Link

sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Rudy Games)

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