Freitag, 5. Januar 2018

Unlock

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So dann mal frei raus damit: Ich bin völlig Escaperoom-Noob. Nennt mich nicht up-to-date, altmodisch oder sagt mir nach, dass ich hinter dem Mond lebe, aber ich habe in meinem Leben erst ein einziges Mal einen Escaperoom von Innen gesehen. Das Erlebnis dort war jetzt auch nicht sonderlich großartig (habe mir aber sagen lassen, dass der auch wirklich nicht so toll gewesen sein soll). Auf jeden Fall hatte ich danach nicht mehr das Bedürfnis nochmal in einen zu wollen.
Bei den Escaperoom-Spielen im Brettspielbereich sah es dann lange auch genauso aus. Ich kenne kein einziges Spiel der EXIT-Reihe, keinen Vertreter der anderen Reihen. Ich sehe Unlock von den Space Cowboys also völlig losgelöst. Dennoch ist es hier so eine Art Neuland. Ich will Euch nichts spoilern, aber gleichzeitig auch möglichst gut meine Erfahrungen rüberbringen. Also los.

In Unlock werden drei Abenteuer mitgeliefert plus ein kleines Tutorial, was Euch das Spielprinzip näher bringt. Dazu gibts eine kostenlose App (Android und iOS), die für das Spiel benötigt wird. Der Rest des Spiels besteht aus Karten, welche auf der Rückseite Nummern haben. Das Spielziel ist bei allen Abenteuern das selbe: Ihr müsst in 60 Minuten aus der szenarioabhängigen Umgebung entkommen. Gespielt werden kann entweder als Paar oder mit bis zu 6 Spielern (wobei das letzte Szenario schon mindestens 4 Spieler mitmachen sollten).
Das Prinzip ist folgendermaßen. Zuerst deckt man den Startraum auf, welcher eine gewisse Anzahl an Gegenständen aufzeigt, welche man sich aus dem Kartenstapel raussuchen darf. Das kann alles mögliche sein, beispielsweise ein Schlüssel. Prinzipiell gibt es auf diesen Gegenständen weitere Hinweise oder Kombinationsmöglichkeiten. So können z. B. Schlüssel (haben ein blaues Puzzleteil) mit einem Schloss (haben ein rotes Puzzleteil) kombiniert werden. Tue ich das, addiere ich einfach beide Zahlenwerte auf den Karten und schaue, ob der restliche verdeckte Kartenstapel diese Zahl beinhaltet. Tut er das, decke ich diese Karte auf und werfe in der Regel die alten beiden Karten weg. Mit diesem neuen Gegenstand kann ich nun weitere Sachen kombinieren oder Rätsel lösen. 


Komme ich an einer Stelle nicht weiter, kann mir die App einen Hinweis geben. Manche Karten erfordern einen Zahlencode, welchen ich in der App überprüfen kann. Stimmt dieser nicht, bekomme ich Zeit abgezogen.

Das ist im Prinzip alles, was ich Euch erzählen darf. Das System ist da meist simpel. Einige Problemchen haben sich mir aber doch in den Weg gestellt. Zunächst einmal ist die Kombination mit einer App sinnvoll. Dadurch haben die Entwickler die Möglichkeit das System weiterzuentwickeln, Fehler abzustellen und für einen flüssigeren Spielfluss zu sorgen. Das gefällt mir. Was mir nicht ganz so gut gefällt ist das Kartenprinzip mit den Zahlen. Es kann nämlich durchaus vorkommen, dass man im Eifer des Gefechts diverse Gegenstände kombiniert (welche aber nicht zusammengepasst haben), aber die errechnete Zielkarte trotzdem existiert (für spätere Rätsel). Dann folgt plötzlich das große Staunen. Oh, das passt aber nun nicht, oder? Mist. Karte wieder einsortiert und gespoilert für später. Das Prinzip ist hier nicht ganz so elegant wie gewollt. Manchmal passiert es einfach unter Zeitdruck, dass man unter Umständen simpelste Rechenoperationen nicht korrekt macht. Hier wäre es vielleicht wünschenswert gewesen, wenn man die Kombinierbarkeit von Objekten in der App gegenprüfen kann.
Manchmal hat mich das Spiel zudem in doofen Situationen an meine Farbenblindheit erinnert. Ohne die nötige Farbenerkennung sind manche Rätsel nicht lösbar. Ok, das ist aber jetzt auch Jammern auf hohem Niveau.

Gefällt mir das System rein auf Karten basiert denn nun? Ich muss zugeben, dass die Rätsel schon schick waren, teilweise aber doch recht linear gestrickt. Hier hätte ich mir mehr Innovation gewünscht. Das ist vielleicht auch die Schwachstelle des Kartensystems. Es gibt keine zusätzlichen Dinge oder Gegenstände in der Spielpackung, die man verwerten kann. Klar, alles ist wiederverwertbar, aber wäre es nicht auch ok gewesen, wenn man manche Gegenstände hätte benutzen, zerstören bzw. verändern müssen, um das ein oder andere Rätsel lösen zu können? Spiegelschrift nur erkennbar bei Kerzenlicht. Das wäre doch mal was! Ich selbst könnte das gleiche Abenteuer doch ohnehin nicht nochmal spielen. Warum dann also für die Nachwelt aufbewahren? 

Unlock hat mich nichts desto trotz unterhalten. Ich hatte schöne und spannende Spielmomente. Ich kann aber auch sagen, dass ich vermutlich nicht die Zielgruppe eines Escape-Rooms bin. Ich bin kein Rätsel-Freak. Ich habe eine Farbenschwäche, kann Muster schwer erkennen und allein deswegen keinen Spaß an vielen der Aufgaben. Meine Mitspieler waren da mehr überzeugt, obgleich die Meinung dort dann wiederum einstimmig war: Ein echter Escape-Room ist dann doch schicker.

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Unlock von Alice Carroll, Thomas Cauet und Cyril Demaegd
Erschienen bei Space Cowboys
Für 2 bis 6 Spieler in ca. 60 Minuten

sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Space Cowboys)

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