Montag, 19. Februar 2018

KokosnussKolumne - Brettspiele vs. Videospiele

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Vor einigen Jahren, als Monopoly, Risiko und Spiel des Lebens immer noch die einzigen Brettspiele waren, die die Mehrheit der Ottonormalwürfler im Regal hatte, wäre es lächerlich gewesen, Brett- und Videospiele miteinander vergleichen zu wollen. Zumindest wenn man Entscheidungsfreiheit, Atmosphäre oder Spieldauer als Kriterien nimmt, wäre kein Brettspiel, auch nur ansatzweise, an das Spielerlebnis eines Gothics oder StarCrafts herangekommen. 
Heute gibt es StarCraft als Brettspiel und wenn man sich weit aus dem Fenster lehnt, bieten moderne Dungeoncrawler wie Gloomhaven ein ähnliches Spielerlebnis wie Gothic.  Bedeutet das, dass sich moderne Brettspiele endlich mit Videospielen messen können, oder macht es immer noch keinen Sinn die beiden Genres miteinander vergleichen zu wollen, da der Anspruch eines Brettspieles vielleicht ein ganz anderer ist? Lest weiter und wir finden es gemeinsam heraus!

Die Geschichte, kurz zusammengefasst

Historisch gesehen sind Brettspiele Videospielen ein gutes Stück voraus, wenn wir davon ausgehen, dass Go, was heute immer noch das meist gespielte Spiel der Welt ist, 2000 B.C. erfunden wurde.
Der Vergleich zwischen einem abstrakten Spiel wie Go und einem Videospiel mag auf den ersten Blick ziemlich hinkend sein, macht jedoch Sinn wenn wir uns ebenfalls die Anfänge der Videospielgeschichte anschauen. Nehmen wir zum Beispiel Pong.
Pong war ein Meilenstein in der Videospielhistorie und dabei war es kaum weniger abstrakt: zwei Striche und ein Punkt. Gleiches gilt für Tetris oder OXO.

Erst mit Spacewar (1963) gelang es, eine virtuelle Welt zu schaffen, die neben einer intuitiven Spielmechanik, eine Atmosphäre (WORTWITZ!) vermittelte. Man war kein Strich mehr, der einem Pixel hinterher jagte; man war nun der Fahrer eines Raumschiffes in einer unbekannten Welt. Die Spieler hatten etwas, womit sie sich identifizieren konnten und so war die erste Bande zwischen Spiel und Mensch gebrochen.

Im wahrsten Sinne des Wortes ANALOG dazu, schaffte Monopoly bereits 30 Jahre früher dem abstrakten Charakter seiner Ahnen zu entfliehen und ein Spielsystem zu etablieren, das den Grundstein der modernen Brettspielwelt setzte. Monopoly war mehr als nur Würfel und Figuren; Monopoly war eine noch nie zuvor dagewesene Bandbreite an Entscheidungsfreiheiten und Spielerinteraktionen. Monopoly hatte es ebenfalls geschafft eine Welt zu erschaffen und sei es auch die eines kapitalistischen Immobilienmaklers.

1970 startete der kurze aber einflussreiche Feldzug der Pen and Paper Rollenspiele. Und auch wenn PnP eine eigene Nische bildet, inspirierte es Brett- und Videospiele gleichermaßen. Chainmail, der Vater von Dungeons und Dragons, erschuf eine Welt, die sich im Gegensatz zu Monopoly oder Spacewar nicht nur auf ein Thema konzentrierte. Die Welt von Chainmail stand der unseren, realen Welt im Nichts nach. Alles was man machen wollte, konnte man tun, denn das Spiel spielte sich einzig in der Fantasie der Spieler ab und die ist bekanntermaßen unendlich. Und mit Chainmail bzw. D&D begann das Zeitalter der Role Playing Games bzw. Dungeoncrawler.

Den Anfang machten die Videospiele mit Rogue, aus dem Jahr 1980.  Ziel des Spiels war es in ein Verließ hinabzusteigen um dort das Amulett von Yendor zu holen. Währenddessen konnte man Waffen und Rüstungen sammeln um seinen Charakter stärker und widerstandsfähiger zu machen. Das besondere an Rogue waren die zufallsgenerierten Level; kein Spiel ähnelte dem anderen und so war jedes Abenteuer einzigartig.

9 Jahre später zogen auch die Brettspiel nach und Hero Quest, aus der Welt von Warhammer, sicherte sich für die nächsten 16 Jahre den Platz DES Dungeoncrawlers schlechthin, bis es 2005 von Descent abgelöst wurde. Während dieser Zeit waren die Rollenspiele auf dem Computer in ihrer Blütezeit. Spiele wie Dungeon Master, Neverwinter Nights, Baldur’s Gate und World of Warcraft setzen Meilensteine in der Spielgeschichte. Dabei wurden die Ideen und Umsetzungen, zwischen Brett- und Videospiel, hin und hergereicht, sodass heute schwer zu sagen ist, wer von wem inspiriert wurde.

Natürlich besteht das Portfolio der Brett- und Videospiele nicht ausschließlich aus RPGs.  Zivilisationsspiele, wie Sid meier’s Civilization, ist ein Genre, dass auf beiden Plattformen gute Umsetzung und Spielspaß bietet. Dabei ist gerade Civilazion ein Computerspiel, das sich vom Design und Mechanik an einem Brettspiel orientiert.



Moderne Spiele

Moderne Videospiele bieten uns immer mehr Entscheidungsfreiheit und offenere Spielwelten, sie werden immer schöner und vielseitiger und nähren sich dem PnP Genre mit schnellen Schritten, während sich Brettspiele immer mehr den Videospielen nähren. Was vor 20 Jahren nur am Computer möglich war und auf dem Brett unvorstellbar, ist heute Realität:

Eine Geschichte, die in Form einer Kampagne mit zwischen speichern gespielt wird und zufällige Gegenstände und Events mit sich bringt (Pandemic legacy). Ein first person Shooter als Brettspiel?! (Adrenaline). Direkte Umsetzungen von Computerspielen (This War of Mine oder Dark Souls) uvm. 
Es ist zum Teil den Videospielen zu verdanken, dass sich Brettspiele, in einer so kurzen Zeit, so gut entwickelt haben.
Computerspiele setzen eine ziemlich hohe Messlatte, da ein Brettspiel allein wegen seiner Komponenten viel begrenzter ist. Und trotz oder genau wegen dieser Herausforderung, schaffen es die Brettspielautoren, immer wieder aus Neue, uns mit gelungenen Spielmechaniken und innovativen Ideen zu überraschen. Sie beweisen, dass eine KI nicht unbedingt Digital sein muss um ähnlich effektiv zu sein.

Dem entgegen steht die Einbindung von Apps. Diese neuste Mode einiger Brettspielfirmen spaltet die Gemüter der Brettspielgemeinde. Aber warum eigentlich?
Die Antwort ist ganz klar: Brettspiele sollen keine Computerspiele werden! Der Reiz eines analogen Spieles ist nämlich genau dieser. Ein Brettspiel muss physisch bleiben. Das Aufbauen des Brettes, das Mischen und austeilen der Karten, das Befolgen der Regeln, das sind alles Dinge, die in sich selbst Teil des Spiels sind. Wir bewegen unsere Miniaturen selber, sie laufen nicht von allein. Wir sind diejenigen, die ihnen und der Spielwelt Leben einhauchen. Und genau diese Dinge machen den Reiz eines Brettspieles aus. 
Wir wollen nicht dass eine digitale KI sich um alles kümmert. Wir brauchen keinen Monitor zwischen uns und unserer Spielwelt, denn so können wir viel besser in sie eintauchen. Es ist gut dass sich Brett- und Videospiele gegenseitig beeinflussen und inspirieren. Aber es ist nicht nötig die beiden zu verschmelzen.
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