22.04.2018

Luxor

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Die Frühjahrsneuheit Luxor aus dem Hause Queen Games hat etwas Vertrautes. Vertraut? Richtig. Das fängt nämlich beim Cover an. Moment sage ich. Das kenne ich doch irgendwo her! Ist es der mittlerweile typische Lohausen-Zeichenstil? Nein. Luxor erinnert mich stark an einen bereits etwas in die Jahre gekommenen Titel aus dem selben Hause - Escape: Der Fluch des Tempels. „Weit hergeholt“ mögen die einen sagen. Aber dennoch ist eine (vielleicht auch nur unbewusste) Verbindung da. Archäologe mit Schlapphut im Tempel mit Schatz im Hintergrund - Indy lässt grüßen. Ob gewollt oder ungewollt. Die schlechteste Verbindung ist es ja nicht. Mir zumindest hat Escape damals richtig gut gefallen und vermutlich dürfte sich der Evergreen auch heute noch gut verkaufen. Warum also davon nicht profitieren.


Aber auch spielerisch fühlt sich Luxor vertraut an. Dieses mal müssen wir aber einige Jahre zurück und zu einem anderen Verlag gehen - nämlich zu Amigo. Genauer gesagt zum Rosenberg-Klassiker Bohnanza. Daran erinnert mich nämlich der Hauptmechanismus - die Kartenhand. Auch in Luxor müssen wir unseren natürlichen Sortiersinn bewusst unterdrücken, denn die Reihenfolge und Konstellation der einzelnen Handkarten stellen einen gleichweg simplen, aber zeitlos tollen Mechanismus dar.
Was mache ich aber mit diesen Karten? In Luxor versuche ich eine Gruppe von Abenteurern durch einen Tempel zu lotsen und dabei gezielt Schätze auf dem Laufweg aufzusammeln. Gezielt deshalb, da mir nur vollständige Sets aus drei unterschiedlichen Schätzen die wertvollen Bonuspunkte bringen (auch hier entdecke ich Parallelen zu einem anderen Tempelspiel - Tikal). Gelaufen wird dabei über den eben bereits kurz erwähnten Kartenmechanismus. Hier wähle ich nämlich aus meiner Kartenhand von fünf Karten entweder die am weitesten links oder die am weitesten rechts aus und rücke die dort abgebildete Anzahl an Feldern im kreisförmig angeordneten Tempel voran. Die nachzuziehende Karte wird in die nun freie Mitte der Kartenhand gesteckt. So ergeben sich einfache strategische Entscheidungen, wie ich die Optionen der folgenden Runden beeinflussen kann.


Doch nicht jeder Schatz darf sofort aufgesammelt werden, sobald ein Abenteurer auf ihm landet. Für fast alle Schätze ist es nämlich erforderlich, dass eine ganz bestimmte Anzahl von Abenteurern auf ihm landet. Ich tippe thematisch einfach mal darauf, dass manche Goldstatuen einfach nur verdammt schwer sind! Blöd nur, dass ich nicht zwangsläufig die passende Karte links oder rechts habe. Ihr versteht das Dilemma? Luxor verlangt seinen Spielern hier ein gehöriges Maß an Timing ab. Ein Aufsammeln will gut geplant sein. Was zu Anfang einer Partie noch mehr Glück benötigt, wird aber im Laufe einer Runde immer strategischer. Dann kommen nämlich die mächtigeren Horusplättchen Stück für Stück ins Spiel. Die ermöglichen auch Sonderbewegungen (bspw. um 1-x Felder vorzurücken). Ein Einsammeln der einzelnen Schätze wird vereinfacht.


Sets sammeln, das richtige Timing abpassen und Spezialkarten aufsammeln? Klänge ein bisschen dröge. Zeit, dass eine Brise Escape in Luxor zum Tragen kommt! Luxor ist nämlich auch ein Rennen. Ein Rennen um die besonders wertvollen Sarkophage im Innersten des Tempels. Genau zwei Stück gibts nämlich und wenn diese geräubert wurden, ist die Partie auch schon vorbei. Dann zählen neben den erbeuteten Schätzen aber auch die Positionen der eigenen Abenteurer im Tempel. Je weiter ich diese nämlich Richtung Tempelmitte vorziehen konnte, umso ruhmreicher und siegpunktträchtiger war meine Mission. Blöd nur, dass im Laufe einer Partie immer neue Abenteurer an der Eingangstreppe auftauchen, die ich auch schnellstmöglich Richtung Mitte bugsieren muss.


Das Rennelement ist auch das, was Luxor für mich persönlich abgerundet hat. Es bildet die perfekte Mischung aus dem überlegten Positionieren der eigenen Abenteurer um teure Schätze abzuräumen und der nicht außer Acht zu lassenden Wertung der Positionen der einzelnen Abenteurer. Luxor spielt sich schnell, taktisch und irgendwie vertraut. Positiv vertraut. Ich erlerne die sehr übersichtlichen Regeln schnell, und die zu erklärenden Sonderfähigkeiten der Horuskarten oder Tempelplättchen kann ich im Laufe einer Partie erklären, sobald diese im Tempel auftauchen. Der schnelle Einstieg ist eine nicht zu verachtende Stärke von Luxor und auch der Grund, weshalb hier durchaus Familien ihren Spaß haben sollten. Aber auch in meinen Kennerrunden hat Luxor als Absacker überzeugt. Die Karten werden geradezu abgeworfen. Eine Partie dauert nicht selten weniger als 35 Minuten und verlangt geradezu eine Revanche.

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Luxor von Rüdiger Dorn
Erschienen bei Queen Games
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 40 Minuten
Boardgamegeek Link

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder aus dem Pressematerial des jeweiligen Verlages (hier Queen Games)

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