Sonntag, 22. Juli 2018

Human Punishment

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Social Deduction Spiele gibt es viele. Ob Werwolf, Mafia de Cuba oder Good Cop, Bad Cop. Alle haben etwas gemeinsam. Sie brauchen eine große Gruppe, sind gut mit Nichtspielern zu spielen und haben den Ruf eines „Partyspiels“. Human Punishment ist anders. Anders, da es nicht zwangsläufig eine große Gruppe braucht. Tatsächlich reichen hier schon vier Spieler aus (wobei ich 5-6 als ziemlich gut empfinde). Human Punishment fühlt sich auch nicht wirklich wie ein Partyspiel an. Es ist düster vom Thema her, hat viele Spezialeffekte und könnte vielleicht gerade deswegen der entscheidende Schritt in Richtung Social Deduction für Vielspieler sein. Nicht umsonst hat es den Untertitel „Social Deduction 2.0“.

In Human Punishment befinden wir uns in einem Cyberpunkuniversum, in welchem die Maschinen die Macht an sich gerissen haben. Wie wir es aus den üblichen Verdächtigen dieser Zunft kennen, bekommt jeder geheim eine Rollenkarte mit Spezialfähigkeiten und Gesinnung zugeteilt. Das ist aber noch nicht die endgültige Gesinnung. Human Punishment geht hier nämlich einen entscheidenden und - meiner Meinung nach - tollen Weg. Jeder Spieler bekommt noch zwei weitere Karten, nur mit deren Inhalt ich mir meine tatsächliche Gesinnung ausrechnen kann. Das kennen wir aus Good Cop, Bad Cop - macht es aber nicht minder toll.


Etwas anderes kennen wir aus Good Cop, Bad Cop auch noch: Die Waffen. Auch in Human Punishment haben wir die Möglichkeit uns eine Waffe aus der Tischmitte zu nehmen und eben jene auf einen Mitspieler zu richten. Feure ich diese im Laufe der Partie ab, verliert die Zielperson entweder Leben oder muss einen Teil seiner Identität offenbaren. Das ist einerseits eine gute Methode um neben dem Ermitteln der Identität Karten aufzudecken und so seine Gegenspieler zu offenbaren und somit vielleicht auch potentielle Mitspieler zu erkennen. Die Besonderheit dabei ist aber auch, dass manche Identitätskarten auch erst nach dem Aufdecken einen Spezialeffekt erhalten. Ein zweischneidiges Schwert also. Die Spezialfähigkeiten gehen in alle Richtungen, denn es sind reichlich Charakterkarten dabei. Und mit reichlich meine ich viel! Das ist toll.


Was Human Punishment aber wirklich abhebt sind die Programme. Mit einem startet jeder Spieler bereits und ein zweites kann man im Laufe einer Partie dazu bekommen. Diese können nicht nur im Einzelfall die eigene Identität ändern (ja Gesinnungswechsel ist in Human Punishment möglich), sondern ermöglichen - ähnlich wie die Charakterkarten - abgefahrene und vielfältige Sonderfähigkeiten, die dem Spiel das gewisse Etwas verpassen. Die Sonderfähigkeiten sind dabei auch wirklich interessant und vielfältig und können das komplette Spiel auf den Kopf stellen. Wer eben noch ein Verbündeter war, kann plötzlich ein Feind sein und andersrum. Weiterer Vorteil: Hierdurch gleicht kein Spiel dem anderen.


Human Punishment ist im Kern ein klassisches Social Deduction Spiel, was die üblichen Gedankenspiele von „wer gehört zu mir?“, „wie führe ich die anderen in die Irre?“ bis hin zu „wem kann ich trauen?“ perfekt mit abgefahrenen und interessanten Sonderfähigkeiten vereint. Diese Vielzahl an Programmen und Charakteren und die teilweise krassen Kombinationen, die diese miteinander bilden können, hebt Human Punishment in der Tat auf eine neue Ebene, sodass der Titel Social Deduction 2.0 zurecht vergeben wurde.

Die Vielzahl an Sonderfähigkeiten bedeutet aber zugleich auch, dass Human Punishment tendenziell eher kein Spiel für die üblichen Partyrunden mit Nichtspielern ist, bzw. nicht das erste Spiel mit dem man starten sollte. Es zeigt aber auch, dass dieses Spielegenre durchaus in der Lage ist, auch Vielspieler zu begeistern und zu fesseln.
Human Punishment ist für mich eine der Entdeckungen aus Kickstarter der letzten Zeit. Vom Spielprinzip bis hin zur grafischen Umsetzung ein rundes Paket. Empfehlung!

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Human Punishment von Stefan Godot
Erschienen bei Godot Games
Für 4 bis 16 Spieler in ca. 30 Minuten
Boardgamegeek Link

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder aus dem Pressematerial des jeweiligen Verlages (hier Godot Games)

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