Mittwoch, 1. August 2018

Carthage

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Es liegt ein schwerer Staub in der Luft, die Sonne brennt aus Ihrer sicheren Position herab und den drei Kämpfern läuft der Schweiß über die gestählten Oberkörper. Die Zuschauer kochen und das nicht nur wegen der heißen Temperaturen, denn jeder weiß was für die Kontrahenten auf dem Spiel steht. Sie umrunden sich, die Rüstungen scheppern dabei, immer wenn jemand wagt aus der Routine auszubrechen, stockt den Menschen der Atem, denn es könnte jederzeit vorbei sein. Blut wird fließen, nur wann und wessen?! Traut ihr euch dazuzukommen? Traut ihr euch in die Arena von Karthago? Ja? Dann seid willkommen bei Carthage!!

Carthage ist ein Deckbuilding-Kartenspiel mit Miniaturen aus dem Hause SAS Creative (aus Kanada) ab 13 Jahren, ist für 1-5 Spieler geeignet und dauert in der Regel 30-60 Minuten. Leider aktuell nicht auf deutsch erhältlich und wurde erfolgreich über Kickstarter finanziert! Derzeit hat es eine bärenstarke 8,4 bei BGG (allerdings nur auf Basis von ca. 90 Bewertungen - Stand Juli 2018), wollen wir doch mal sehen, ob wir das ebenfalls bestätigen können.

Wie eingangs erwähnt handelt es sich bei Carthage (zu deutsch: Karthago) um ein Karten-Deckbuilder und mittels dieser Karten benutzen wir unsere Krieger-Miniatur auf dem Spielbrett, wo sich ein großes Sechseck befindet. Dieses Sechseck (die Arena) besteht wiederum aus vielen kleinen Sechsecken, die einen äußeren Rand und eine innere, rote Zone bilden. Das Szenario ist grundlegend ein Gladiatoren-Arenen-Kampf in dem es Mann gegen Mann zugeht und das Ziel der Tod meiner Mitkämpfer ist, um am Ende allein in der Arena zu stehen. Leider bin ich jetzt historisch nicht so bewandert und wundere mich über das gewählte Setting, da Rom sicherlich naheliegender gewesen wäre, aber vielleicht wollte man gerade auch mal was anderes zeigen als das bekannte Rom?! 


Zurück zum Geschehen. Wie läuft so ein Kampf ab? Jeder Spieler wählt einen Gladiatoren (fünf stehen zur Auswahl), dazu passend bekommt er farbige Holzwürfel, ein Spielerbrett und 10 Start-Karten. In der Arena wird eine Ausgangsaufbau vorbereitet, denn im Spiel enthalten sind auch verschiedene Arena-Token. Beim ersten Grundspiel kommen davon mindestens vier zum Einsatz (bei 4 Spieler - 5 und bei 5 Spieler 6). Beim Betreten einer Fläche mit Token löst man eine weitere Aktionen aus, welche dies sind, erläutere ich später genauer. 
Auf dem eigenen Spielerbrett habe ich Platz für mein Deck, sowie für ein Ablagestapel. Dazu kommen noch zwei Leisten. Oben entlang wird meine Rüstung bzw. Energie dargestellt. Zu Beginn hat jeder 15 Rüstungspunkte (max. 20 ist möglich), fällt dieser Wert auf Null ist der Gladiator eliminiert. Auf der rechten Seite des Bretts wird die Zuschauergunst meines Gladiatoren festgehalten, hier fängt jeder bei Null an. 

Vor Spielbeginn werden am Arena-Rand unsere Miniaturen aufgestellt und dann gibt es noch zwei Kartenstapel vorzubereiten. Zum einen das Action-Deck, dies wird gut gemischt und fünf Karten werden neben das Spielbrett offen ausgelegt. Action-Karten sind weitere Aktionen, die ich kaufen kann und meinem Deck hinzufüge. Der Preis ist immer die angegebene Zuschauergunst (dargestellt mit einem kleinen Pokal) zwischen 1 und 8. Zum anderen gibt es Theater-Karten, diese werden ebenfalls gemischt und drei gleich zu Beginn auf einen eigenen Ablagestapel platziert. Zu jeder neuen Runde wird die oberste Theater-Karte aufgedeckt und die beschriebene Aktion hat dann für die kommende Runde Gültigkeit oder wird sofort oder am Ende ausgeführt, so gibt es z.B. eine Karte "Caged Animals", dabei gibt es nun einen imaginären Zaun um die rote Fläche herum und niemand darf aus dieser sich heraus oder herein bewegen.


Wie soeben erwähnt wird der Kampf über mehrere Runden ausgefochten und jede Runde besteht aus drei Phasen. Die Anzahl der Runden ist offen, es wird solange gespielt, bis nur noch ein Gladiator steht. Begonnen wird die Runde mit der Theater-Phase, bei der ich halt die oberste Karte aufdecke und vorlese was passiert. 
Dann geht es weiter mit der Action Phase, in der jeder Spieler die obersten fünf Karten seines Decks aufnimmt und reihum spielt nun jeder eine Karte und führt die angegebenen Aktionen aus. Das geht so lange bis keiner mehr Karten auf der Hand hat. Die Aktionen sind Bewegung (blauer Stiefel), Gunst (gelber Pokal), Schaden (roter Blutfleck) und Rüstung (grüner Helm). Dazu kommen noch Schaden mit Trefferbonus und Knockbacks (Schubser quasi). Jede Action-Karte hat diese Aktionen mit verschiedenen Werten und öfters auch in Kombinationen, die von links nach rechts abgearbeitet werden. Oder ich darf wählen, welche Aktion ausgeführt wird, diese werden durch ein Strich (Slash) getrennt.

Die Aktion Bewegung ist klar und bedarf kaum einer Erklärung: in Höhe der Zahl darf ich meine Figur bewegen, wichtig ist dabei zu beachten, dass ich jede Richtung einschlagen darf und ein Feld auch mehrmals benutzen kann. 
Gunst-Punkte erhöhen meinen Wert auf meiner Zuschauergunstleiste mit der ich später u.a. neue Karten kaufen kann. 
Rüstung ist wie Gunst, nur dass ich meinen Rüstungswert ändere. 
Schaden kann ich in Höhe des Wertes, einem Gegner immer dann zufügen, wenn ich auf einem benachbarten Feld stehe. Es gibt u.a. auch Speere oder Pfeile, die können auch von weiter Weg Schaden verursachen. Habe ich einen Schaden mit Trefferbonus gespielt, darf ich bei erfolgtem Schaden mir noch eine Belohnung nehmen, welche die Karte vorgibt (z.B. Extra-Bewegung oder Gunst). 
Beim Knockback schubse ich meinen benachbarten Gegner ein Feld zurück in gerader Richtung. Das ist immer dann interessant, wenn ich Arena Tokens benutze, die Schaden verursachen. Im ersten Grundspiel zum Beispiel gibt es ein Token mit +1-Schaden, schubse ich den Gegner auf dieses, verliert er einen Rüstungspunkt. 


Wenn wir schon bei den Arena-Tokens sind, so gibt es im Grundspiel noch je +1 Bewegung, Gunst und Rüstung. Für jede Mengen Variation sorgen noch Token mit Säulen (die einfach nur im Weg stehen), Säulen mit Spitzen die Schaden verursachen oder Krokodile. Die Token werden sofort beim betreten aktiviert und ausgelöst und beim verlassen dann umgedreht. Jeder Token kann pro Runde nur einmal benutzt werden. Alle nicht besetzten Token werden zum Start der nächsten Runde wieder aktiviert, besetzte Token dann erst wenn die Figur den Platz verlassen hat.


Hat jeder seine fünf Karten gespielt, geht es mit der Gunst-Phase weiter. Hier beginnt der letzten Spieler in der Reihenfolge und hat nun die Möglichkeit seine gesammelte Gunst vom Publikum auszugeben. Folgende Aktionen stehen zur Auswahl:

- neue Karten kaufen. Hier hat der Spieler die Wahl aus den fünf ausliegenden Karten. Kauft er eine hiervon, wird sofort eine neue ausgelegt.
- "Initiate" - für eine Gunst darf man sich das Privileg des Startspielers kaufen. Diese kann nur einmal je Runde gekauft werden.
- "Focus" - kostet 3 Gunst-Punkte und dafür darf ich eine Karten aus meinem Deck dauerhaft entfernen und auf die Focus-Ablage legen.
- "Evaluate" - gefällt mir die Auswahl an Action-Karten nicht, kann ich für zwei Gunst-Punkte alle entfernen und auf die Focus-Ablage legen und fünf neue Karten auslegen. Dazu darf ich dann als erster eine davon kaufen.
- "Lobby" - für 2 Gunst-Punkte darf ich mir den Theater-Karten-Ablagestapel nehmen und heimlich eine aussuchen und wieder nach oben auf die verdeckten Theater-Karten legen. Diese Aktion kann mehrmals in der Gunst-Phase gespielt werden und die zuletzt oben liegende wird die nächste sein.

Hat jeder seine Gunst ausgegeben oder möchte keine Gunst mehr ausgeben und passt, endet diese Phase und wir starten eine neue Runde. 
Das war es im Grunde schon. Ihr seht, das Prinzip ist schnell erlernt und verstanden, aber damit es nicht schnell langweilig wird, hat man ein paar weitere Möglichkeiten eingebunden die Duelle aufzupeppen. 


Bei Spielen ab 3 Spielern hat man die Möglichkeit Arenen Biester zu verwenden. Gefallene Mitspieler haben dann die Möglichkeit in die Rolle eines Biests zu schlüpfen und den weiteren Verlauf des Kampfes zu beeinflussen, so gibt es z.B. einen Schimpansen, der anderen Spielern Rüstung bringt oder Löwen, die eher Schaden verursachen. Super Idee und witzig umgesetzt! 

Dann gibt es noch modulare Regeln, die ich einem Kampf hinzufügen kann, z.B. dass jeder gleich mit 20 Rüstungspunkten startet oder alle Felder außerhalb des roten Kreises so zu behandeln sind als wären dort Krokodil-Token. Oder aber ich füge noch weitere Gunst-Aktionen hinzu, wie z.B. "Concentrate, bei dem man für 3 Gunst-Punkte seinen Ablagestapel wieder ins Deck mischen darf oder "Renovate", hier darf ich für 2 Gunst-Punkte einen Arena-Token um ein Feld versetzen. Hier gibt es einiges zur Auswahl und von den Machern wird empfohlen maximal vier modulare Regeln gleichzeitig bei einem Kampf zu verwenden. 

Nebst "Alle gegen Alle", kann man auch 2 vs 2, 2 vs 2 Chained (die Team-Figuren dürfen nie mehr als ein Feld zwischen sich haben) und 2 vs 3 spielen.
Und zu guter Letzt wurden auch zwei Mini-Erweiterungen in die Schachtel gelegt. Bei der ersten Mini-Erweiterung kommen "Theater Legenden"-Karten hinzu. Dies sind weitere Action-Karten, die erworben werden können und besondere Stärken haben. 

Und bei der zweiten Mini-Erweiterung kommen Ausrüstungs-Karten hinzu. Jeder Figur hat drei eigene davon, wenn er eine davon spielen will, muss er eine Action-Handkarte abwerfen und kann dann die Aktion der Ausrüstung spielen. Danach wird diese umgedreht. Gegen Bezahlung mit Gunst kann man die Ausrüstung aber wieder aktivieren. Ein schönes Gimmick um die Kämpfe noch ein wenig taktischer zu gestalten.

Das ist aber immer noch nicht alles!! Denn wer möchte kann das Spiel auch Solo oder im Co-op-Modus spielen, dafür benötigt es allerdings die Companion-App (iOS, Android oder im Browser möglich). Hier tritt man dann allein oder halt zusammen gegen den übermächtigen Essedari Maximo an, welcher durch ein Arena-Token in einem Standee aufs Spielfeld kommt. Man hat dann 8 Runden Zeit diesen zu eliminieren. Gespielt wird nur mit den Action-karten und die App gibt vor welche Aktion der Gegner durchführt. 

Das Spiel hat mich wirklich vollkommen überzeugt. Angefangen bei der ansprechenden Schachtel, die sich hochwertig anfühlt. Das Design erinnert ein wenig an die "300"-Comics und passt super ins Bild. Das Material an sich ist auf hohem Niveau, nur bei den Miniaturen wurde ein wenig gespart, was wirklich sehr schade ist. Diese sind nämlich sehr dünn und zart und man traut sich kaum diese anzufassen und zu bewegen, was bei dem Spiel natürlich ein wenig fatal ist. In unserem Exemplar fehlte bei einer Figur auch schon das Schwert, was umso mehr verdeutlicht wie schnell es gehen kann. Ansonsten machen sie optisch gut was her, es wäre toll bei einer neuen Auflage sie etwas stabiler zu produzieren. 

Die Kämpfe selbst spielen sich flott und äußerst unterhaltsam und machen wirklich Spaß. Hier geht man in die totale Konfrontationen mit den Mitspielern, stellt sich Fallen, flüchtet wie ein Feigling, um dann von hinten anzugreifen, verhöhnt seine Gegner und und und. Wenn man sich darauf einlässt, hat man hier eine Menge Unterhaltung am Tisch. 

Gut gefallen auch die vielen Möglichkeiten, die Kämpfe anders auszurichten. Alle zusätzlichen Karten fügen sich prima ins Bild und geben den Partien ausreichend Änderung ohne das Spielprinzip an sich zu stören. Auch die Möglichkeit nach dem Ableben des Gladiatoren als Biest wiederzukehren ist toll gelöst, denn auch so lassen sich kurzzeitige Bündnisse oder Hinterhalte weiterleben. Carthage ist kein Strategieklopper oder so und das will es auch gar nicht sein. Die Karten bieten genug taktische Möglichkeiten ohne zu erschlagen und den Spielspaß zu mindern, schnell hat man überblickt was möglich in der anstehenden Runde ist und versucht dies so gut wie möglich umzusetzen. 

Den Solo/Co-op-Modus sehe ich als nette Beigabe an, nach vielen Kämpfen gegeneinander ist es dann auch mal nett zusammen zu agieren aber den meisten Spaß hat man schon bei den Kämpfen miteinander.

Wer Deckbuilding-Spiele mit direkter Konfrontation mag, wird hiermit seine wahre Freude haben. Auch Fans von Klong oder ähnlichen Spielen sollten einen Blick riskieren. Es würde mich freuen, wenn das Spiel auch den Weg in die deutsche Märkte findet, das Material ist überwiegend sprachneutral (die Theater-Karten halt nicht) und sollte somit keine große Hürde darstellen. Ich würde es auf jeden Fall empfehlen!
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Carthage von Luke Seinen
Erschienen bei SAS Creative
Für 1 bis 4 Spieler in ca. 60 Minuten
Boardgamegeek Link

Amazon Link

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier SAS Creative)


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