05.07.2022

Cactus Town


Ihr kennst sicher noch Colt Express, richtig? In grauen Vorzeiten (vor mittlerweile 7 Jahren!) habe ich damals hier auf dieser Webseite eine Rezension zum damaligen Spiel des Jahres verfasst. Die Rezension kam damals bereits nach einer guten Weile nach Erscheinen und ich habe mir die Frage gestellt, ob Colt Express auch nach dem ersten Hype noch Freude bereitet. Wer das nochmal en Detail nachlesen will, der folgt einfach diesem Link und liest sich den alten Artikel durch. Colt Express ist mittlerweile übrigens doch bei mir ausgezogen - irgendwann kam es dann eben doch nicht mehr auf den Tisch. Was aber nicht bedeutet, dass mir das Spiel nicht mehr gefallen hat - tatsächlich habe ich oft darüber nachgedacht, es mir doch wieder zu zulegen. Ist nicht passiert. Wird es auch nie. Daran ist Cactus Town schuld. Wieso? Folgt mir einfach für ein paar Minuten in die namensgebende Stadt und erfahrt warum!


Cactus Town ist so etwas wie die Symbiose aus Colt Express und Root - beides Spiele, die ich gerne mag. Und diese Kurzbeschreibung trifft es sogar ziemlich gut. Aber zuerst muss das herausragende Boxdesign von Cactus Town gelobt werden. Die Box ist wirklich mini und randvoll gepackt mit Materialien. Da wären einerseits 25x2 Ortskarten, welche in einem 5x5 Raster die Stadt bilden, zahlreiche Pappstandees für die Spieler, Token und Würfel. Worum geht es? In Cactus Town übernehmen wir wahlweise die Rollen von Sheriffs, Outlaws, Kopfgeldjägern oder einer Femme Fatale. Alle haben dabei unterschiedliche Siegbedingungen, die sich aber teilweise überschneiden bzw. bedingen und somit ganz systemimmanent zu gehörigem Konfliktpotential führen. Während die Sheriffs die Outlaws fangen müssen, wollen dies auch die Kopfgeldjäger, welche somit wiederum auch die Sheriffs in Schach halten müssen. Zudem brauchen sie 2 Pferde. Die Outlaws wollen Beute machen und aus der Stadt fliehen. Doof nur, dass es ja 2 Parteien auf sie abgesehen haben. Die Femme Fatale will Rache und sich gepflegt duellieren. Mit wem, ist ihr eigentlich egal. Nerven tut sie jedenfalls alle anderen Parteien.


Neben den asymmetrischen Siegbedingungen, funktioniert das Ganze über Programmierung. Wahlweise programmieren wir unsere drei Aktionen rückwärts oder vorwärts und hoffen - ähnlich wie bei Colt Express - dass unser Plan aufgeht. Das kann auch hier - ähnlich wie bei Colt Express - zu Slapstick Einlagen führen, da etwas unvorhergesehenes passiert. Programmierspiele sind eigentlich immer Comedy pur! So auch nicht anders bei Cactus Town.


Eine wirkliche Stärke bei Cactus Town ist zudem, dass es modulartig aufgebaut ist und bei einfachster Aufstellung auch Kindern mit Familien kein Problem bereitet, dann aber - z. B. mit Sonderfähigkeiten bei Gebäuden und diversen Erweiterungen - auch für Vielspieler genug Reiz bietet. Dazu gibt es dann noch zahlreiche Erweiterungsfraktionen (aktuell Cowboys, Indianer und Lone Ranger), welche ebenfalls eigene Ziele haben und das Basisspiel nochmals kräftig aufwerten.

Cactus Town hat in meinen Runden immer voll überzeugt und sorgt für kurzweilige Absackerrunden, bei denen es selten bei nur einer Partie bleibt. Der Reiz alle Fraktionen auszuprobieren und gegeneinander antreten zu lassen und der hohe Wiederspielreiz durch eine sich immer verändernde Stadt, ist einfach enorm. Cactus Town ist der Colt Express Killer. Caboom!.
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Cactus Town von Raul Luque Torner
Erschienen bei Second Gate Games
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 30 Minuten ab 8 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Second Gate Games)
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