10.06.2024

Space Expatriate


Ich muss schon zugeben, dass ich Weltraumspielen gelegentlich etwas zwiegespalten begegne. Es gibt wahnsinnig gute Spiele, die aber hässlich aussehen (in meinem Fall Gaia Project) oder auch solche, die auf ewig einen Platz in meinem Herzen haben (Terraforming Mars). Und dann gibt es noch richtige Brettspielkrücken. Weltraum ist und bleibt im Brettspielbusiness ein beliebtes Thema. Mit dieser Spannung, was ich wohl für ein Spiel vor mir haben werde, habe ich die Box von Space Expatriate geöffnet.


Soweit, nichts Ungewöhnliches. Karten, kleine Plastikcubes, ein paar Stanzmarker aus Pappe und ein metallener Startspielermarker. Der Start in dieses Spiel ist mir jedoch recht schwer gefallen, da das Regelheft meiner Meinung nach nicht wirklich gut und viel zu lang ist. Ebenso ist das Spiel auch recht unbekannt, wodurch sich nicht haufenweise Lets-Plays im Internet finden. Doch nachdem diese Hürde genommen war, lief Space Expatriate recht flüssig.


[Was wir im Weltraum alles so treiben]

Wir agieren als Firmen (irgendwie sind es entweder Supermächte oder Superkapitalisten, die sich in der Brettspielwelt im Weltraum zu schaffen machen) von unseren Raumstationen aus. Diese wollen wir ausbauen, um dadurch neue Planeten zu besiedeln und das Spiel für uns zu entscheiden. Auf diesem Weg stehen uns vier verschiedene Optionen zur Verfügung. Als Startspieler wählt man eine davon und erhält einen kleinen Bonus darauf, die restlichen Mitspielenden dürfen dann aus den verbliebenen Optionen wählen. Es gibt:
  • Delivery: Hiermit wandern neue Ressourcen in eure Maschinen und ihr haltet die Engine am laufen.
  • Engineering: Darüber könnt ihr neue Module für eure Raumstation erwerben. Diese wiederum können der Ressourcenwandlung dienen oder eine Vorbereitung des Terraformen sein.
  • Terraforming: Löst Module aus eurer Station heraus und schickt diese auf „Terraforming“-Mission. Das bringt euch Karten, diese wiederum Punkte.
  • Military: Entweder kann entdeckt werden, was neue Karten bringt, oder man spielt aggressiv gegen seine Mitspielenden und schwächt den stärksten Gegner, indem man dieser Person Karten raubt.
Dieser Aktionsauswahlmechanismus ermöglicht ein relativ gleichzeitiges Spiel, da keine längeren Kettenzüge zustande kommen und man regelmäßig selbst wieder mit einer Entscheidung konfrontiert ist.

Space Expatriate endet, sobald eine Person 10 Kolonien errichtet hat oder aber wenn alle gemeinsam eine bestimmte Anzahl an Kolonien erreichen. Dadurch entsteht insbesondere gegen Ende des Spiels ein leichter Renncharakter. Man hat nicht ewig Zeit, eine große Engine aufzubauen, sondern muss auch darauf achten, rechtzeitig Kolonien und damit Punkte zu akquirieren.


[Was taugt Space Expatriate?]

Space Expatriate macht nichts wirklich falsch, die Aktionen passen zusammen. Trotz der minimalistischen Grafik sieht das Spiel nicht schlecht aus. Das typische Ressourcenwandeln hat mich etwas an Siderische Konfluenz erinnert, das Terraformen aber gar nicht an Terraforming Mars. Es ist wahrscheinlich auch vollkommen in Ordnung, denn Space Expatriate versucht sein eigenes Ding zu machen. Dennoch hat es mich nicht so richtig überzeugt. Für mich hat da das gewisse Etwas gefehlt, was mich dazu bringt, ein Spiel immer und immer wieder auf den Tisch zu packen.
 

Dennoch: Solltet ihr die Gelegenheit haben, einer Runde Space Expatriate beizuwohnen, scheut nicht davor zurück! Wenn euch das eigene Regelstudium abgenommen wird, findet ihr vielleicht ein für euch gutes Weltraumspiel.
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Space Expatriate von Ihor Chulinda und Taras Tomyshch
Erschienen bei al-Khwarizmi Games
Für 2 bis 4 Spieler in 30 - 90 Minuten ab 12 Jahren
Sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier al-Khwarizmi Games)