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Mittwoch, 18. Februar 2015

Ottoman Sunset & Hapsburg Eclipse - Gemeinsam einsam

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Heute mal was ganz anderes. Heute gibt es nämlich eine Doppelrezension. Nicht etwa, weil ich mir die Arbeit für zwei seperate Rezensionen ersparen wollte, sondern weil die beiden Titel doch verdammt ähnlich sind und sogar kombiniert werden können. Die Rede ist von Ottoman Sunset und seinem "Nachfolger" Hapsburg Eclipse. Und da ich ja ganz gerne mal Spiele in den Ring werfe, die nicht ganz so oft auf deutschen Brettspielblogs auftauchen, bin ich in der Hinsicht gerne CoSim-Missionar. Wenn es dann noch dazu echt schicke Spiele sind, dann macht es auch noch umso mehr Spaß, oder? Also los!


Ich muss zugeben, dass Victory Point Games seinen ganz eigenen Charme hat. Irgendwie faszinieren mich die Spiele. Schon bei Cruel Necessity kam ich leicht ins schwärmen. Ich war also neugierig auf die früheren Titel der sogenannten "States of Siege-Reihe". Dieses Spielprinzip hat sich nämlich - gerade im Bereich der Solitärspiele - bewährt. Dabei sind spielmechanisch alle Titel von den Grundzügen ähnlich, weshalb es auch leicht fällt Ottoman Sunset und Hapsburg Eclipse in einem Wort zu erwähnen.


In beiden Titeln finden wir uns historisch in der Zeit des ersten Weltkrieges wieder. Einmal aus Sicht der Hapsburger und einmal aus der Sicht der Osmanen. Wie es bei der Spielreihe typisch ist, zieht sich jedoch für uns eine Schlinge aus verschiedenen Fronten enger und enger. Einziges Ziel ist es zu überleben bis zum Spielende. Während jedoch nur eine Siegbedingung möglich ist, bestehen verschiedene Möglichkeiten das Spiel zu verlieren - in erster Linie die Zerstörung der eigenen Hauptstadt (in unserem Fall Wien oder Konstantinopel).
Ein Zug teilt sich dabei stets in ähnliche Abläufe ab. Hauptmotor ist dabei ein Kartendeck, bei welchem jede Runde eine Karte aufgedeckt und abgehandelt wird. Die Informationen hierbei sind, welche Armee näher auf die Hauptstadt zumaschiert, welcher Kampf abgehandelt werden muss, und wie viele frei wählbare Aktionen dem Spieler zur Verfügung stehen. Die Hauptaufgabe an den Spieler? Ein stetiger Risiko-Nutzen-Vergleich. Um Armeen wieder zurück zu bewegen und den Kopf ein weniger mehr aus der Schlinge zu ziehen, muss nämlich gewürfelt werden. Dann tut es umso mehr weh, wenn die ohnehin sehr reduzierten Aktionen nicht gelingen.
Aber nicht nur die näherrückenden Armeen bedrohen den Erfolg und wollen bekämpft werden. Nein, auch der Wille des Volkes, eine britische Seeinvasion (Ottoman Sunset) und diverse Revolten wollen bekämpft und wichtige Aktionspunkte zugewiesen bekommen. So viel zu tun und so wenig Aktionspunkte. Ein Dilemma!


Ottoman Sunset und Hapsburg Eclipse sind nahezu identische Spiele. Kein Wunder also, dass Hapsburg Eclipse auch auch Nachfolger von Ottoman Sunset gehandelt wird. Beides sind reine Solitärspiele und spielen sich nahezu identisch. Lediglich das Thema ist ausgetauscht und mal hier und mal dort eine kleine Regel abgeändert oder eine Spezialfähigkeit hinzugefügt.
Generell wirkt das System der States of Siege Reihe auf den ersten Blick ein wenig mechanisch. Karte aufdecken, Armeen weiterschieben, Krieg auswürfeln, Aktionspunkte verwenden, Leisten anpassen. Taucht man etwas tiefer ein, dann entdeckt man jedoch keineswegs ein langweiliges Spiel, bei dem man sich mehr als Buchhalter, als als Spieler fühlt. Beide Titel spielen sich durch den wiederkehrenden Ablauf verblüffend schnell und flüssig. Die Regeln sind nicht kompliziert, wie bei aufwendigeren Titeln im Bereich der Solitär-CoSims. Kein ewiges wiederholendes Nachschlagen von Tabellen oder Schemata. Einfaches Schieben, Würfeln und Hoffen.
Hapsburg Eclipse und Ottoman Sunset sind dabei perfekte Spiele für die "schnelle" Runde zwischendurch. Dabei spreche ich ihnen keineswegs die taktischen Entscheidungen ab, welche durchaus vorhanden sind. Wann lohnt es sich meine Aktionspunkte zu verwenden um Armee A oder Armee B in ihre Schranken zu weisen? Wie hoch sind meine Chancen, dass es klappt? Gehe ich auf Risiko oder auf Nummer sicher?
Das System ist perfekt darauf abgestimmt den Spieler gefühltechnisch in eine ausweglose Situation zu manövrieren. Anfangs wirkt alles noch entspannt. Auch wenn einmal ein Krieg verloren geht oder ein Kampfwurf verfehlt wird, ist die Hauptstadt noch in weiter Ferne. Doch mit zunehmender Spieldauer zieht sich die Schlinge enger und enger. Neue Armeen betreten das Spielfeld, alte Armeen rücken näher und näher. Manchmal weiß man gar nicht, wo man seine Aktionspunkte einsetzen soll. Es brennt an allen Ecken und Enden.
Und jetzt der Clou, Leute! Hapsburg Eclipse und Ottoman Sunset kommen mit Regeln für eine Zweispielervariante, bei welcher man einfach gemeinsam spielen kann. Also quasi zusammen solitär spielen. Wunderbar! Historisch passt es ja. Eine nette Idee. Ehrlich!
Ob man alle Titel der States of Siege Reihe haben muss? Ich weiß nicht. Der Grundgedanke ist ähnlich. Die Abläufe meistens gleich. Wer auf unterschiedlichen historischen Flavor steht, der kauft sich alle. Wer nur die Mechanismen sieht und auch nicht die kleinen Geschichtstexte auf den Karten liest, der braucht nur entweder Hapsburg Eclipse oder Ottoman Sunset. Wer ein etwas komplexeres System mit erweiterten Schlachten sucht, der greift zu Cruel Necessity. Wer eine noch schnellere und reduziertere Variante sucht, der nimmt sich Zulus on the Ramparts. Einen Blick sind sie jedoch alle wert.

Ottoman Sunset und Hapsburg Eclipse von Darin Leviloff
Erschienen bei Victory Point Games
Für 1 Spieler in ca. 35 Minuten
Boardgamegeek-Link

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Vielen Dank an Victory Point Games für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Victory Point Games)

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