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Dienstag, 29. September 2015

Die Zwerge: Das Duell - Zwei Gesichter

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Kurz zum Hintergrund: Ich kenne die Romane von Markus Heitz nicht. Den thematischen großen Bruder in Form des rein kooperativen Spiels Die Zwerge habe ich gespielt und für gut befunden. Ich bin zudem grundsätzlich ein Freund von kurzen 2-Spieler-Spielen. Android Netrunner wird wohl ewig einer meiner absoluten Favoriten bleiben. Eigentlich müssten doch die Voraussetzungen für Die Zwerge: Das Duell mehr als rosig sein, oder?

Vorweg: Kurz und knackig scheint Die Zwerge: Das Duell von der reinen Spieldauer schonmal zu sein. Dass dann noch eine kleine Minierweiterung zum großen kooperativen Bruder mit dabei ist, freut mich und nehme ich gerne mit. Immer schön zu sehen, wenn ein Verlag, quasi als kleines Dankeschön, den Kauf von, vielleicht sonst nicht so populären, Spielen mit Extras subventioniert. Das freut den Spieler und sorgt für etwas mehr Umsatz in den Verlagskassen. Win-Win.

In Die Zwerge: Das Duell haben wir ein Kopf an Kopf Duell zwischen den dunklen Mächten und den heroischen Zwergen. Während beide Spieler mit einem exakt identischen Kartenstapel versuchen möglichst viele Siegpunkte auszulegen, ist es gleichzeitig notwendig eine Kartenarmee aufzubauen und die gegnerischen Siegpunkte zu zerstören.
Gespielt wird mit Würfeln, welche es erlauben bestimmte Karten ins Spiel zu bringen und diese dann auch mit der richtigen Kombination zu aktivieren. Dafür wird in erster Linie ein Würfelwurf von mehreren Gleichen benötigt. Verkürzt: Je mehr gleiche Symbole ich würfle, umso mächtigere Karten kann ich ausspielen oder umso mächtigere Aktionen kann ich aktivieren. Würfle ich hauptsächlich unterschiedliche Symbole, trete ich vornehmlich auf der Stelle. Gut, dass dann im Zweifel immernoch das Nehmen einer Jokerkarte bleibt, sollte ich gar keine Würfelaugen verwenden können. Damit garantiere ich zumindest im kommenden Zug agieren zu können. Gut gelöst.
Ist ein Nachziehstapel erschöpft, endet das Spiel sofort. Der Sieger ist der Spieler, der seine Siegpunktkarten am meisten Ausspielen und am besten schützen konnte.

Die Zwerge: Das Duell ist nachweislich schnell erklärt, und genau so schnell gespielt und verstanden. Das Spiel bietet zwar thematisch eine große Schlacht zwischen Gut und Böse, rangiert aber spielerisch eher auf der seichten Seite. Die Altersangabe für Spieler ab 10 Jahren gibt da bereits ziemlich genau die Zielgruppe vor. Für mehr als ein leichtes Familienwürfelspiel reicht es dann aber auch nicht. "Zu glückslastig und teilweise willkürlich für ältere Spieler" muss daher für mich das Urteil sein. 
In Die Zwerge: Das Duell kann ein Spielzug beispielsweise so aussehen: Ich ziehe zwei Karten nach und würfle bereits mit 5 Würfeln, da ich bereits mächtige Unterstützungskarten zur Verfügung habe. Ich würfle zwar mittelmäßig (wenige gleiche), kann aber durch meine große Kartenauslage, die ich mir in der Vergangenheit aufgebaut habe, dennoch viel machen. Ein Schaden hier, ein Schaden da. Dann noch mal eben eine Handkarte des Gegners abgeworfen. Zack. Ein passabler Zug - trotz mittelmäßigem Wurf. Die Zwerge: Das Duell scheint mir Möglichkeiten zu geben. Ich wähle zwischen Optionen. Die Spieldauer vergeht wie im Fluge.
Ein anderes Beispiel: Ich ziehe eine Karte nach, da ich bereits das gesamte Spiel darauf warte endlich meine Unterstützungkarte zu ziehen und ausspielen zu können, welche es mir endlich erlaubt mehr nachzuziehen und damit endlich mehr Optionen zu haben. Ich würfle mit nur drei Würfeln. Ebenfalls Nachziehpech, dass die lang ersehnte Karte nicht kommt. Dann auch noch das! Drei unterschiedliche Würfelaugen! Ich habe wenige Karten ausliegen. Die wenigen, die ich auslegen konnte, wurden durch meinen Gegner zerstört, da er einfach mehr Würfel- und Nachziehglück hatte. Mir bleibt keine Option: Ich muss eine Jokerkarte nehmen um wenigstens im nächsten Zug etwas zu unternehmen. Die Zwerge: Das Duell gibt mir keine Optionen. Ich reagiere nur auf die nachgezogenen Karten und hänge am Würfelglück. Ich warte nur darauf, dass die 30 minütige Spieldauer endlich vorbei ist. Es fühlt sich jetzt schon an wie eine Ewigkeit.


Unterschiedlicher könnten die Erfahrungen nicht sein. Die Zwerge: Das Duell zeigt diese zwei Gesichter leider viel zu oft. Zu sehr hängt Erfolg und auch Spaß am Spiel hier vom Würfel- und Nachziehglück ab. Klar! Eine Maschine will auch hier aufgebaut werden. Während anfangs noch für jede ausgelegte Unterstützung und jeden ausgespielten Verbündeten lange gespart werden muss, legen diese sich später fast wie von selbst aus. Habe ich aber - gerade am Spielanfang - das berühmte Quäntchen mehr Glück als mein Gegenüber, dann setze ich mich schon früh ab und bin auch so leicht später nicht mehr einzuholen. Das ist schade! Da hilft dann auch eine vermeintlich kurze Spieldauer nichts, wenn selbst eine halbe Stunde sich in diesen Augenblicken wie eine kleine Ewigkeit anfühlen kann.

Die Zwerge: Das Duell ist daher leider nichts für uns Vielspieler. Das soll es aber auch garnicht sein. Wir wollen mehr Taktik, weniger Glück, vielleicht sogar unterschiedliche Kartendecks mit asynchronen Spieltaktiken. Da gibt es zahlreiche ebenfalls kurze und leichte Absacker mit mehr Tiefe und interessanteren Entscheidungen.
Kinder ab 10 Jahren und Gelegenheitsspieler schätzen aber genau diese Art von Kartenspiel. Die schicken Illustrationen und der damit verbundene Flair lassen sicherlich Kinderaugen und Gelegenheitsspieler heller Strahlen. Daher vielleicht für diese Zielgruppe einen Blick wert.



Die Zwerge: Das Duell von Michael Palm und Lukas Zach
Erschienen bei Pegasus
Für 2 Spieler in ca. 30 Minuten
Boardgamegeek-Link

Vielen Dank an Pegasus für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Pegasus)

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