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Dienstag, 15. September 2015

Ein erster Blick auf Tabletopia

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Derzeit sorgt das Projekt Tabletopia in der Brettspielszene für einiges an Aufsehen. Neben einer Kickstarterkampagne wird auch fleißig bei der deutschen Spieleschmiede gesammelt. Beide Kampagnen laufen auch nur noch knapp eine Woche. Ich hatte die Möglichkeit mit einem Betaaccount mal in das Ganze reinzuschnuppern. Gegen echte Gegner habe ich bisher nicht gespielt, aber in viele unterschiedliche Tische reingeschnuppert und die Bedienung auf Herz und Nieren getestet.
 
Grundsätzlich handelt es sich bei Tabletopia um eine digitale Brettspielplattform. So wirklich neu ist das vom Prinzip her nicht, denn da gibt es bereits zahlreiche Vertreter. Yucata, Vassal und Brettspielwelt sollen jetzt mal beispielhaft dafür genannt werden. Tabletopia geht aber einen Schritt weiter. Die Plattform bietet eine große Spielwiese - einen großen Baukasten mit allen Chancen und Risiken. Das ist spannend.

Was sind die Vorteile von Tabletopia? Ganz einfach. Tabletopia bietet eine (bereits in der Betaphase) riesige Spieleauswahl. Das ist in erster Linie dadurch geschuldet, dass jeder grundsätzlich die Möglichkeit hat ein Spiel in die Plattform zu importieren. Das Schöne: Alles mit originaler Spielgrafik. Das gefällt, denn das Auge spielt schließlich auch mit. Vorbei sind also die tristen Tage, bei denen man sich zwar auf Brettspielwelt mit anderen bei seinem Lieblingsspiel messen konnte, jedoch durch die grafische Darstellung nie so richtig das Gefühl aufkommen wollte an einem Tisch zu sitzen.
Tabletopia geht sogar noch einen Schritt weiter. Die Steuerung ist einfach nur verdammt intuitiv. Ich ziehe wortwörtlich meine Spielfiguren von A nach B, werfe Würfel durch den Raum und sammle Ressourcen auf. Einfacher gehts nicht. Doch zu welchem Preis?

Tabletopia verbraucht eine ganze Ecke an Rechnerleistung. Gut ist, dass das System auf iPad und Co erscheinen soll. Ich kann mir nur allzu gut vorstellen, wie eine app-optimierte Version sich spielen wird. Leider ist das zwar geplant, aber zunächst noch ferne Zukunftsmusik. Die Entwickler peilen grob Q3/2016 an. Dass das vermutlich dann ein Erscheinen in 2017 bedeutet, wissen wir alle. Schade.
Derzeit muss ich mich also vielmehr mit der, für meinen ollen Rechner viel zu hohen, Auslastung zufriedengeben. Da läuft ein Spielzug also alles andere als glatt ab. Ruckeln war bei mir an der Tagesordnung. Nochmal schade.

Tabletopia bietet viele Möglichkeiten, birgt daher aber auch zahlreiche Risiken. Bewusst gewollt, aber für mich dennoch Hauptmanko sind die nicht implementierten Regeln. Klar, dass dadurch erst eine derartige Neuheitenflut möglich wird (ich muss ja nur Material einspeisen und keine Regeln), aber hierdurch die Spieler sich auch völlig selbst ausgeliefert sind. So muss ich nicht nur meine eigenen Züge auf Regelkonformität überprüfen, sondern auch noch die Züge meiner (teilweise ja recht zahlreichen) Mitspieler. Sind dann Veteranen am Zug, so fällt es oftmals schwer den gegnerischen Spielzug in der Schnelle zu überprüfen. Wird schon alles gepasst haben, oder etwa nicht? Am digitalen Tisch fällt das nochmal eine Ecke schwerer als am realen. Glaubt mir! Die Entwickler sprechen zwar vage von einer "zweiten Stufe" mit eingepflegten Regeln. Das Projekt wurde aber bisher nicht weiter definiert, ist also eher Vision als Plan. Umsetzung? Unsicher!

Puh, schwierige Kiste. Tabletopia ist ein ambitioniertes Projekt. Die Kostenstruktur ist klug gewählt. Streamingdienste wie Spotify und Netflix sind ja derzeit nicht ohne Grund in den Bereichen Film und Musik im Aufwind. Grundsätzlich kostenlos. Will man jedoch das gewisse Etwas mehr, dann muss man kleine, aber mit der Dauer doch nicht unerhebliche Nutzungsbeiträge zahlen. So auch hier. Welcher Inhalt letztendlich exklusiv für zahlende Kunden ist, steht noch nicht fest. Man darf also gespannt sein.
Ich persönlich bin dem Ganzen grundsätzlich aufgeschlossen. Abschreckend fand ich die hohen Grafikanforderungen. Ich bin kein PC-Spieler. Mein Rechner ist aufs surfen abgestimmt. Da stört das ewige Ruckeln. Sollte eine Tabletumsetzung folgen, sieht die Welt bald schon wieder anders aus.
Tabletopia überzeugt durch seine Vielfalt, ist für mich persönlich jedoch kein Ersatz. Klar, das Gefühl an einem Tisch mit echten Leuten zu sitzen, kann kein Programm der Welt simulieren. Tabletopia schafft dies jedoch (bei den aktuellen Vertretern) mit Abstand am besten. Die fehlende Regelüberwachung schreckt mich persönlich aber mehr ab, als dass sie Vorteile bietet. Ich werde daher eher passen. Sorry.
 

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