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Donnerstag, 5. November 2015

Boss Monster - Nostalgischer Dungeonbau

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Ich bin ein Kind der 90er Jahre. Zum Anfang der 90er gehörten auch alte PC-Klassiker wie Monkey Island, Maniac Mansion oder Zak McKracken. Spielerisch großes Kino und grafisch gesehen - zumindest aus der heutigen Perspektive - voll retro. Hach! War das ne Zeit!
8bit- bzw. 16bit-Grafik ist spätestens heute wieder voll in! Klar, dass dann auch bei Brett- und Kartenspielen nicht Halt gemacht wird, wenn es darum geht die pixeligen Männlein wieder auf den Tisch zu bringen. Und wenn es bis dato zahlreiche Projekte gab, die auf den Zug aufgesprungen sind, gehört Boss Monster wohl zu einem der ersten davon - wenn nicht sogar den allerersten.

In Boss Monster übernehmen bis zu vier Dungeonlords ihr schreckliches Herrschaftszepter und haben nur eines im Sinn: Möglichst schnell 10 Seelen von mutigen Helden einsammeln um sich dann stolz zur Ruhe zu setzen. Achja! So ein Dungeonboss hat schon ein süßes Leben.
 

Ganz so Pustekuchen ist es aber auch nicht. Während wir nach und nach einen Dungeon gespickt mit gemeinen Fallen und blutrünstigen Monstern aufbauen, spricht sich die Nachricht von unserer Schreckensherrschaft schnell herum. Im allgemeinen Dorf sammeln sich Tagelöhner, Magiere, Priester und Barbaren, die es auf unser Kopfgeld abgesehen haben und munter nach und nach den Dungeon besuchen.
Gut nur, dass wir einen perfiden Plan haben und die Bedürfnisse unserer Gegner in- und auswendig kennen. Ein Dieb will Schätze, ein Magier Bücher, ein Soldat neue Schwerter und ein Priester... Kruzifixe. Logisch, oder? Und gierig wie das Heldenpack nunmal ist, macht es sich als Truppe zuerst in den Dungeon unterwegs, wo es gefühlt das meiste zu holen gibt - ergo gibt es in jedem Dungeon gleich viele Schätze, bleiben die Diebe erstmal stehen. Wie heißt es so schön? Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss! Erst wenn also eine klare Mehrheit geschaffen ist, stürmt die Truppe in den anvisierten Dungeon los. Feuer frei!

Dann heißt es: Verteidigen und die Inneneinrichtung auf Herz und Nieren testen. Jeder durchlaufene Raum aktiviert dabei seine Spezialfähigkeit und gibt den Helden ordentlich auf die Zwölf. Dabei gilt es den Eindringling vor Erreichen des finalen Thronsaals zu besiegen. Schafft man das nicht, erleidet man eine Verletzung. Bei der fünften ist man raus. Passiert aber eher selten bzw. wenn dann kurz vor Schluss. Die Gefahr eines zu frühen Ausscheidens und damit verbundener Verdammung zum Zusehen ist also zwar gegeben, aber selten relevant.
 

Boss Monster ist ein taktisches Spiel, was zunächst erst einmal mit seiner klassischen Retro-Grafik auffällt. Aber hinter der pixeligen Bit-Maske versteckt sich ein kleines aber schickes Spiel. Es spielt sich schnell, bietet aber dennoch genügend Entscheidungen, dass es nicht einfach nur so dahinplätschert. Ganz im Gegenteil: Jedes Auslegen eines Raumes will gut überlegt sein. Bilde ich zunächst einmal die Grundlagen eines Dungeons, um dann später Stück für Stück die einzelnen Räume aufzuwerten und vielleicht sogar Kombinationen auszulösen, oder hangle ich mich so grob durch die Runden. Nehme ich evtl. frühen Schaden in Kauf, um mich besser für später zu positionieren oder versuche ich diesen auf Teufel komm´ raus zu vermeiden.

Alles läuft aber schlussendlich auf das rechtzeitige Anlocken der Helden hinaus. Versuche ich zu Anfang des Spiels noch die Helden möglichst fern von meinem Dungeon zu halten und deshalb meine Gegner nicht bei den jeweiligen Anlocksymbolen zu übertrumpfen, so ist es später umso wichtiger deren Seelen zu besorgen - also diese anzulocken und um die Ecke zu bringen. Die gegnerischen Dungeons wollen also gut im Auge behalten werden. Wenn dann noch diverse Zaubersprüche einem selbst ordentlich in die Suppe spucken, dann kann aber auch der beste Plan wertlos sein.

Boss Monster bleibt für mich jedoch lediglich als reines Zwei-Personen-Spiel empfehlenswert. Mehr Spieler bedeuten hier nämlich nicht automatisch mehr Spaß, sondern mehr Planung, mehr unsichere Komponenten, mehr im Auge behalten müssen und dadurch mehr Downtime! Gerade die Planung des eigenen heimischen Dungeons und die Vergleiche mit den Nachbarn macht in Boss Monster nämlich Spaß und darf nicht von zu viel überladen werden. Ich will nicht drei Mitspieler permanent im Auge haben müssen, deren Anlocksymbole mitzählen und Eventualitäten abwägen müssen. Das verlangsamt das Spiel nur unnötig. Daher lasst die Finger weg von Partien mit mehr als zwei Spielern! Beherzigt Ihr diesen Rat, habt ihr ein flottes Spiel, was retromäßigen Spaß macht.

Ein paar Worte jedoch noch zu der Erweiterung Tools of a Hero Kind und der eigenständigen Fortsetzung Boss Monster 2.
 

In der ersten Erweiterung bleibt es nicht bei den Standard-Helden. Während diese im Basisspiel noch teilweise recht unbedarft in ihr Verderben rennen, rüsten sich selbige in der Erweiterung mit magischen Gegenständen aus. So wird aus einem Paladin ganz schnell ein Paladin mit fliegenden Schuhen. Und wenn das mal nicht Besorgnis erregend ist, oder?
Was bringt Tools of a Hero Kind aber schlussendlich für den Spielspaß? Für mich nichts! Eine Erweiterung muss, meiner Meinung nach, ein Spiel sinnvoll ergänzen oder erweitern. Diese Erweiterung erweitert zwar das Basisspiel gewissermaßen, verkompliziert es aber nur. Es setzt ganz einfach nochmal eine Schippe Planung und Gehirnschmalz oben drauf. Nun muss ich neben meinem eigenen Dungeon, dem Gegnerdungeon, den Spezialfähigkeiten der Räume, den Zaubersprüchen und den Symbolen der Helden noch die magischen Gegenstände und deren Fähigkeiten im Auge haben. Für mich einen Tick zu viel.

In Boss Monster 2 sieht die Welt schon ein klein wenig anders aus. Das kann ich sowohl als eigenständiges Basisspiel nutzen, aber auch als große Erweiterung in das erste Basisspiel einbetten. Neue Räume, neue Heldenarten und abwechslungsreiche Fähigkeiten. Als Basisspiel durchaus zu empfehlen, da die Fähigkeiten insgesamt ausgeglichener wirken. Waren im ersten Basisspiel noch manche Räume latent mächtiger (was aber nicht weiter ins Gewicht fiel), scheinen die neuen Räume zwar komplexer, aber fairer. Das durchaus vorhandene Nachziehglück bei den Räumen wird somit ein wenig eingedämmt.
Aber auch als große Erweiterung ist Boss Monster 2 bedenkenlos zu empfehlen. Mehr Vielfalt ist hier grundsätzlich besser.


Boss Monster von Johnny und Chris O´Neil
Erschienen bei Brotherwise Games
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 20 Minuten
Boardgamegeek-Link

Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Brotherwise Games)

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