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Mittwoch, 23. August 2017

Bohnanza, Krabbel Trabbel und Caramba

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Heute geht´s um die drei Amigos. In der Westernkomödie von 1986 spielt Chavy Chase einen Stummfilmschauspieler, der…nein, halt, alles auf Anfang. Da sind wir irgendwie im falschen Film gelandet…
Heute geht es natürlich nicht um den albernen Filmklassiker aus den 80ern, sondern um drei Kinder-/Party-/Fillergames aus dem Hause Amigo. Trotz allem haben wir es auch hier mit einem echten Klassiker zu tun, mit dem wir auch direkt mal beginnen. Doch eins vorweg: Alle Spiele haben kurze, knackige und prägnante Spielregeln und können in Windeseile nach dem Auspacken erklärt und dann gespielt werden. Des Weiteren sind die Komponenten aller Spiele einwandfrei und wirklich schön gestaltet. Hier gibt es nichts zu meckern!


Bohnanza Jubiläumsedition

Ich steige direkt mal provokant ein: Wer Bohnanza nicht kennt, hat bislang schon jede Menge Spielspaß verpasst. Denn Bohnanza macht immer wieder Spaß und lässt sich in jeder beliebigen Runde (mit Kindern, mit der Freundin, mit Kumpels, mit Eltern oder Großeltern, mit Haustieren…ok, letzteres ist zugegebenes Maßen etwas übertrieben) spielen, da die Regeln schnell erklärt sind und einfach jeder problemlos mitspielen kann. Da ist es schön, dass bei der Jubiläumsedition niemand bei Amigo versucht hat, das Rad neu zu erfinden und tiefgreifende Regeländerungen herbei zu führen. Gleichzeitig gab es aber natürlich moderate Änderungen, die dem Spielspaß aber ganz und gar nicht schaden. 

Im Prinzip ist alles wie gehabt: Die Spieler erhalten Bohnenfelder (jetzt auf einer zweiseitig bedruckten Bohnenablage und im Spiel zu dritt nun direkt mit drei Bohnenfeldern). Die Karten (= Bohnen) werden gemischt und jeder Spieler erhält hiervon fünf Stück auf die Hand. Die Reihenfolge der Karten darf niemals verändert werden. Dann folgen Reihum vier Aktionen: Als erstes muss man die oberste Karte seiner Hand auf einem eigenen Bohnenfeld anbauen. Dabei darf auf jedem Bohnenfeld nur eine Sorte angebaut werden. Sind also alle Felder belegt und muss man eine vierte Sorte anbauen, so muss man eines der Bohnenfelder abernten (dies darf man im übrigen jederzeit im Spiel). Je mehr gleiche Bohnen man auf einem Feld hat, desto mehr Geld erhält man dann für diese. Der Clou: Jede Bohnensorte hat andere Verkaufspreise, da nicht alle Bohnen gleichoft im Spiel vorkommen. Anschließend darf man auch die nächste Handkarte anbauen, muss dies aber nicht tun. Als zweite Aktion deckt man zwei Karten vom Nachziehstapel auf. Sind dort Bohnen, die man selbst nutzen kann, behält man diese. Braucht man diese nicht, muss man sie mit den anderen Spielern handeln und versuchen, diese unter die Leute zu kriegen. In dieser Phase darf zudem mit allen Handkarten gehandelt werden. Alle gehandelten Bohnen müssen in der dritten Aktion von allen Spielern angebaut werden. Hat der aktive Spieler es nicht geschafft, die aufgedeckten Karten loszuwerden, muss er sie selbst anbauen. Anschließend werden drei Karten nachgezogen und der nächste Spieler ist an der Reihe. Das Spiel endet, wenn der Ablagestapel drei Mal aufgebraucht wurde und gewonnen hat der Spieler mit dem meisten Geld.


Der Spielspaß von Bohnanza ist weiterhin ungebrochen. So einfach sich der Spielablauf liest, so taktisch kann das Spiel in manchen Runden werden. „Kaufe ich jetzt die Bohne, die ich eigentlich brauche oder lasse ich den anderen auf ihr sitzen, damit er eines seiner Felder abernten muss und wenig bis gar nichts dafür bekommt?“ Das ist Bohnanza!

Als Neuheit kam nun die Springbohne hinzu, die die Gartenbohne ersetzt, sofern man sie nutzen möchte. Diese gibt beim abernten kein Geld, sondern lässt einen Karten nachziehen. Ein nettes Gimmick, das für Abwechslung sorgt. Insgesamt halten sich die Regeländerungen im Vergleich zur Urfassung also (zum Glück) in Grenzen und es macht immer noch einen wirklich Spaß, für ein Stündchen zum Bohnenbauern zu werden.


Krabbel Trabbel

Kommen wir nun zu einem…Partyspiel (?) für die etwas jüngere Zielgruppe. Als erstes fällt der durchaus schöne Grafikstil der Verpackung auf, der sich auch im Spiel selbst wiederfindet. Als nächstes liest man „ein Spiel von Reiner Knizia“ und ist eigentlich recht guter Hoffnungen. Anschließend liest man die Anleitung und fragt sich „das war’s“? Denn das Spielprinzip ist – um das Fazit mal vorwegzunehmen - nicht nur einfach…es war leider sogar unserem 7jährigen zu langweilig. Aber eins nach dem anderen: Das Spiel besteht aus 29 Aktionskarten, 13 Monsterchips sowie 24 Krabbler-Chips. Die Chips werden verdeckt auf den Tisch gelegt und die Aktionskarten kommen als verdeckter Stapel dazu. Jeder Spieler startet mit einigen Krabblerchips als Vorrat. Der aktive Spieler deckt die erste Karte auf und macht, was draufsteht. So geht es reihum. Wer als erster alle seine Krabbler losgeworden ist, hat gewonnen. 


Soweit klingt das nach einem netten Partyspielchen mit reichlich Potential. Doch leider, leider sind die Aktionen doch recht einfallslos und alles andere als abwechslungsreich. Im Prinzip sind es nämlich: Finde den oder die auf der Karte abgedruckten Monster in den Chips (also quasi Memory-light), gib einen Krabbler an deinen Nachbarn ab oder alle spielen „Ich koche eine Monstersuppe“ (also quasi „Ich packe meinen Koffer…“). Letzteres gibt es dann noch in zwei Varianten: Geräuschemachen und Grimassenziehen. Während die letzten beiden (zumindest beim ersten Mal) noch für einiges Gelächter sorgen können, sorgt der Rest eher für gähnende Kinder. Fazit unseres 7jährigen „wie lahm“. Leider wahr…


Caramba

Unter Caramba konnte ich mir zunächst nicht wirklich viel vorstellen. Ein Würfelspiel das – rein optisch – wohl eher was für die kleinen Mitspieler ist, dachte ich mir. Und als ich dann die Anleitung sah, fühlte ich mich auf den ersten Blick bestätigt, denn diese ist ultrakurz: Jeder Spieler erhält fünf Würfel mit dem jeweils gleichen Symbol und würfelt so lange, bis alle Würfel die gleiche Farbe haben. Dabei dürfen „fertige“ Würfel zurückgelegt werden, so dass nur die unpassenden neu geworfen werden. Wer als erster alle seine Würfel in schwarz, blau oder rot vor sich liegen hat, darf die entsprechende Spielfigur nehmen (auch, wenn diese bereits bei einem Mitspieler steht). Sind alle Figuren bei den Spielern, klopft man mit der Figur auf den Tisch und es werden die Punkte für die Figuren vergeben (schwarz 1, blau 2, rot 3). Anschließend geht es wieder von vorne los, bis ein Spieler 20 Punkte erreicht und das Spiel damit gewinnt. Ein Spieler darf dabei auch mehrere Figuren in einem Durchgang an sich reißen, wenn er schnell genug ist. 


Was so einfach klingt, spielt sich auch so einfach und macht in einer geselligen Runde, gleich welchen Alters, eine Riesengaudi. Wenn alle Spieler nur noch hektisch am Würfeln sind und sich gegenseitig die Figuren wegschnappen und in bester Mario-Kart-Manier gegenseitig beschimpfen, dann ist das einfach nur zum schlapplachen. Wer einmal das grandiose „Escape“ gespielt hat, fühlt sich hier stark an dieses erinnert, auch wenn Caramba das Spielprinzip auf das grundlegendste Element (eben hektisch Würfeln) reduziert, schmälert dies in keinster Weise den Spielspaß. Die drei Spielfiguren sind unterschiedlich groß, damit man jederzeit sieht, welche am meisten Wert ist und halten einiges aus. Gleichzeitig sind alle groß genug, dass man sie auch über den Tisch hinweg schnappen kann.

Ein echtes Partyspiel zum Schlapplachen. Empfindliche Gemüter sollten sich aber vielleicht ein paar Ohrenschützer bereit legen, denn es macht einen doch recht ordentlichen Lärm, der aber zum Spiel einfach dazugehört.

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Bohnanza von Uwe Rosenberg
Erschienen bei Amigo
Für 2-7 Spieler in ca. 30 Minuten
Boardgamegeek-Link


Krabbel Trabbel von Reiner Knizia
Erschienen bei Amigo
Für 2-4 Spieler in ca. 15 Minuten
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Caramba von Haim Shafir
Erschienen bei Amigo
Für 2-4 Spieler in ca. 20 Minuten
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