07.02.2018

Spoil me Not!

2 comments

Zuerst wusste ich überhaupt nicht, wie ich Spoil Me Not! rezensieren sollte. Denn das Spielprinzip ist zunächst so verwirrend, dass es mir schwer fiel, den Spielablauf zu beschreiben. Das Spiel macht nur den Anschein, ein nettes kleines Kartenspiel, mit hübschen Bildchen zu sein. Unter seinem Gewand verbirgt sich jedoch ein fieses Taktikmonster.
Daher entschuldigt bitte, dass ich zunächst ganz trocken die Regeln beschreiben muss, da ich sonst keine Chance sehe, wie ihr mir folgen könntet.

In Spoil Me Not! müssen die Spieler Kartensätze sammeln, die ihnen am Ende mehr Punkte bringen als den anderen. Und hier hört der verständliche Teil auch schon auf, denn die Karten, die sie ihren Sets hinzufügen können, können niemals die eigenen Handkarten sein, sondern die Handkarten der anderen Spieler. Die eigenen Handkarten müssen nämlich so geschickt gespielt werden, dass sie entweder attraktiv, irrelevant oder gefährlich für die Gegenspieler werden um so die Zugreihenfolge zu seinen Gunsten zu verändern. Denn wer zuerst an der Reihe ist, hat die größere Auswahl. Na alles begriffen? Nein? Dann versuche ich es noch einmal in aller Ruhe:


In Spoil Me Not! gibt es 4 verschiedenfarbige Kartensätze, die jeweils dieselben Kartentypen beinhalten. Diese kartentypen gibt es in Form von Punkten, von 1 bis 10, oder in Form von Manipulationskarten, die den Kartensatzwert verdoppeln, negativ machen oder zu null werden lassen können. Das heißt, habt ihr einen grünen Kartensatz mit 1+3+7=11 Punkten und müsst eine x0 Karte ziehen, verliert euer Satz seinen Wert. Ja, ihr müsst manchmal Karten ziehen ohne eine Alternative. Oder noch schlimmer, müsst ihr eine „+/- Karte“ ziehen, so bringt euch euer Satz am spielende -11 Punkte, wenn ihr es nicht vorher schafft eine weitere „+/- Karte“ zu sammeln, denn minus und minus ergibt plus!


Die Spielzüge laufen in etwa so ab: Der Startspieler, der neben seinen Handkarten auch ein Holzplättchen besitzt, entscheidet sich für eine Karte, die er den anderen Spielern geben möchte. Er legt sie offen aus und platziert sein Startspielertoken darauf. Daraufhin suchen sich die anderen Spieler jeweils 1 Karte aus und platzieren diese verdeckt, um sie anschließend, wenn sich alle für eine Karte entschieden haben, aufzudecken. Nun darf sich der Startspieler eine der ausliegenden Karten (abgesehen von seiner eigenen) aussuchen und vor sich auslegen so beginnt das Set sammeln. Der Spieler dessen Karte genommen wurde, ist der nächste der aussuchen darf, bis der letzte Spieler gezwungen ist, die Karten des Startspielers samt Token an sich zu nehmen und so die nächste Runde einzuläuten.

Dieses Spielprinzip war für unsere Spielgruppe zunächst mehr als verwirrend. Als sich jedoch nach und nach die Hinterlist, die diesem Prinzip zugrunde liegt herausstellte, bestand das Spiel nur noch aus, wortwörtlichen, NIMM DAS! Momenten. Es wurde einfach nur fies und gemein. Jeder einzelne war drauf und dran die anderen zu überlisten. Hinzu kommt, dass die Kartensätze verschiedene Geschenke darstellen, wie einen süßen Teddybären oder eine Schachtel Pralinen, was das ganze nochmal eine Stufe fieser macht. Denn wenn dir jemand eine Schachtel Pralinen lächelnd ins Gesicht hält, wohlwissend, dass die 10 Punkte die darauf abgebildet sind, dir ins Negative angerechten werden, möchtest du nur noch deinen Blumenstrauß in dessen Gesicht schlagen, bis er all seine Punkte verliert.


Spoil Me Not! ist fies und hinterlistig. Hier gibt es keine Harmonie und Liebe. Hier gibt es nur Hass und Verrat. Aber hier gibt es auch ein innovatives Spielprinzip, das mir bisher noch nicht begegnet ist. Ich habe mich beim bösen Lächeln ertappt, als mir während des Spiels klar wurde wie es funktioniert. Das Fiese in mir war erwacht und ich fühlte mich so gut, während ich meinen Mitspielern den Punktestand versaute.

Spoil Me Not! wird die Gemüter spalten, denn nur austeilen und einstecken, kann auf Dauer anstrengend werden. Wer kein Problem mit Gewissensbissen hat und sich gerne klüger fühlt als die anderen, kann hier getrost zugreifen. Wer Frieden und Harmonie über Überlegenheit und Dominanz stellt, wird hier nicht fündig. Für alle anderen, die innovativen Spielmechaniken und der dunklen Seite aufgeschlossen Sind, könnte sich ein Blick lohnen. 

Kleines Böses Filler Game, mit neuen Ideen!
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Spoil me Not! von Horst-Rainer Rösner
Erschienen bei Korea Boardgames
Für 3-6 Spieler in ca. 40 Minuten
Boardgamegeek-Link

sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Korea Boardgames)

Kommentare:

  1. Danke für die Renzension. Dadurch viel mir auf, dass ich das Spiel schon lange in meinem Regal habe. Es erschien bereits 1999 als "Nicht die Bohne" bei Amigo und war meiner Meinung nach immer etwas verkannt im meiner Spielrunde.

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    1. Ja Du hast recht, es ist ein Reprint von Nicht die Bohne.

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