02.05.2018

Peak Oil

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Mal vorweg. Ich bin wirklich kein Experte auf dem Gebiet der Wirtschaftsspiele. Ich mag sie ganz gerne, gehe aber in den seltensten Fällen als Sieger in diesen Partien hervor. So auch bei Peak Oil - einem Spiel des spanischen Verlages 2Tomatoes. Autor und Grafiker in Personalunion ist Heiko Günther, den ich bereits von Dune: The Dice Game kennen und schätzen gelernt habe. Seine Spiele haben immer einen Hauch von „Anders Sein“. Sowohl designtechnisch, als auch von der grafischen Aufmachung her. Ehrlicherweise muss man den Stil aber auch mögen. Spiele für den Massenmarkt sind das ganz gewiss nicht. Auch die Grafik mag den ein oder anderen mit ihrer Einfachheit abschrecken. Auf mich persönlich wirkt sie eher künstlerisch und erfrischend. Erfrischend anders.


Spielerisch und thematisch bewegt sich Peak Oil auch auf individuellen Wegen. Der Kernmechanismus ist ein Arbeitereinsetzmechanismus mit einem Twist. Hier muss ich nämlich nicht nur meine Arbeiter auf die sehr begrenzten Aktionsfelder bewegen, sondern auch zusehen, dass ich dort die Mehrheit habe, bzw. zumindest Teil der Mehrheit bin. Schaffe ich das nicht, bringt mir mein Arbeiter dort auch nichts. Timing ist ebenfalls gefragt. Die Aktion ausführen kann ich nämlich nur als erste meiner zwei Aktionen pro Runde. Vorausplanen ist angesagt. Das ganze bietet natürlich somit auch einen gehörigen Frustfaktor, wenn mir die Gegner in die Parade fahren. Aber das Ölgeschäft ist ja schließlich kein Kindergeburtstag, oder?


Das Ölgeschäft. Richtig. In Peak Oil dreht sich alles um das „schwarze Gold“ bzw. viel mehr um die letzten Tage eben jenes. Als Chef einer Ölbohrfirma muss ich mich auf das namensiebende Peak Oil - das Ende der Ressource Öl - vorbereiten und sinnvoll in die Technologien der Zukunft investieren. An dieser Stelle liegt auch Hauch von politischem Statement in der Luft. Ein weiteres Element, was Peak Oil zu keinem 0815 Spiel vom Fließband werden lässt. Cool. Da aber keiner genau weiß, welche Technologie die der Zukunft sein wird, liegt es an uns in Start-Ups zu investieren und im Laufe einer Partie in eben jene Technologien zu investieren. Wir sind unser eigenes Glückes Schmied. Siegpunkte gibt es am Spielende nämlich hauptsächlich für meine Start-Ups, die auf die lukrativsten Technologien gesetzt haben. Peak Oil ist dahingehend ein Wirtschaftsspiel, aber kein knallhartes.


Als einzige Ressource des Spiels dient hier Öl, welches ich auf dem spartanisch, aber praktikablen Spielbrett aus den großen Ölförderregionen der Welt zu den Raffinerien verschiffen will. Auch hier kann ich das nur, wenn ich im richtigen Moment die Mehrheit habe. Unterwegs lauern Piraten und sonstige Gefahren auf meine Dampfer, die meine Ladung dezimieren und Teile dem Schwarzmarkt zuführen. Schön an dieser Stelle, wie thematisch Peak Oil ist.

Thematisch ist das Spiel auch in vielerlei anderer Stelle. Als Chef meiner Ölfirma interessiert es mich natürlich auch, wie die Medien über mich denken. Immer wieder habe ich die Möglichkeit sogenannte „Risikoaktionen“ zu absolvieren. Die können - wie es der Name schon suggeriert - große Vorteile mit sich bringen, aber auch kräftig in die Hose gehen. Mit in die Hose gehen meine ich, dass beim Ölförderung in den diversen Regionen nämlich kräftig aus dem Ölsäckchen gezogen wird. Der schwarze Stoffsack sorgt nämlich einerseits dafür, dass wir als Spieler nie genau wissen, wie viel Öl denn noch vorhanden ist, sondern beinhaltet auch kleine Katastrophen, die schnell zu Mediendesastern führen. Diese sind (sofern ich meine Weste später nicht Reinwaschen kann) deftige Minuspunkte wert. Das kleine Push-Your-Luck Element gefällt mir hier gut.


Generell schafft für mich Peak Oil den Spagat zwischen einer abstrakten, aber dennoch guten Simulation und einem ansprechenden Spiel mit schönen Elementen. Klar ist aber auch, dass das Spiel deutlich von mehr Spielern profitiert. Mit zwei Spielern beispielsweise ist einfach zu wenig los. Um die Mehrheitsverhältnisse richtig zum tragen kommen zu lassen, sollten schon vier Spieler an einem Tisch sitzen. Als positiv muss ich Peak Oil auch zugestehen, dass es mit rund einer Stunde Spielzeit es schafft, die Spannung aufrecht zu erhalten. Viele Wirtschaftsspiele erwecken in mir den Eindruck, dass sie einfach gut 30-60 Minuten zu lange dauern. Die Spannungskurve nimmt für mich dann immer ein wenig ab. Oft ist es so, dass ich eine Siegpunktmaschine aufbaue, dann aber im letzten Drittel nur noch versuche diese runterzuspielen. In Peak Oil ist das nicht so. Hier investiere ich frühzeitig in Unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt noch risikoreich und kostenfrei. Später habe ich aber immer noch die Möglichkeit teuer dafür aber risikolos in siegpunktreiche Start-Ups zu investieren. Auch die Ungewissheit, wie lange der Ölvorrat noch reicht, sorgt dafür, dass Peak Oil eine gewisse Unsicherheit mit sich bringt. Wie lange kann der Krug noch zum Brunnen gehen, bevor er bricht?

Peak Oil ist anders. Für mich aber definitiv ein sehr ansprechendes Wirtschaftsspiel, das mit einem ernsten Thema sehr gut umgeht und dabei spielerisch interessante Aspekte setzt.

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Peak Oil von Tobias Gohrbandt und Heiko Günther
Erschienen bei 2Tomatoes
Für 2 bis 5 Spieler in ca. 60 Minuten
Boardgamegeek Link

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder aus dem Pressematerial des jeweiligen Verlages (hier 2Tomatoes)

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