Freitag, 1. Juni 2018

Cry Havoc

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Cry Havoc ist - zumindest nach meinem bescheidenen Empfinden - nach Erscheinen relativ schnell wieder von der Bildfläche verschwunden. Und das obwohl das Spiel vor Erscheinen relativ gehyped war. Meiner Meinung nach völlig zu Unrecht. Cry Havoc besetzt für mich eine Nische, die noch immer von mehr Brettspielen ausgefüllt werden sollte - ein taktisches, schnelles Kampfspiel.

Was bei Cry Havoc zuerst ins Auge fällt ist die absolut beeindruckende Produktionsqualität. Für mich (und ich bin weiß Gott kein Sci-Fi Fan) fängt das bereits beim außergewöhnlichen Setting an. Hier kämpfen nämlich nicht die altbekannten Fraktionen um die Vorherrschaft des Planeten York (in der englischen Ausgabe noch namenlos), sondern abgefahrene Teams wie die Menschen, die Maschinen, die eingeborenen Trogs und ein zaubererartiges Volk, das mit Diamanten hantiert.
Neben dem tollen Setting, gibts noch schicke Miniaturen, dicke Pappe und schöne Illustrationen. Cry Havoc weiß durchaus auf den ersten Blick zu begeistern.


Aber auch auf den zweiten und sogar dritten Blick gefällt Cry Havoc  In maximal fünf Spielrunden versuchen unsere völlig asymmetrischen Fraktionen auf dem unbekannten Planeten Fuß zu fassen und Diamanten zu kontrollieren, denn die bringen in erster Linie Siegpunkte. Blöd nur, dass man sich bei der eng vernetzten Karte sehr schnell in die Quere kommt und die Ureinwohner des Planeten - die Trogs - auch ein Wörtchen mitreden wollen. Die nehmen im Spiel zu zweit und dritt nur eine untergeordnete Rolle als neutrale Fraktion ein, sind dafür aber in Vollbesetzung sogar Spielerfraktion. Ein Grund für mich alleine Cry Havoc in Vollbesetzung zu empfehlen. Neben verschiedenen anderen Gründen macht es einfach richtig Spaß, wenn sich die knubbeligen golemartigen, grünen Männlein am Spielgeschehen beteiligen.


Cry Havoc wird über ein Aktionskartendeck gespielt, was ich mir selbst im Laufe einer Partie aufbauen und anpassen kann. Will ich flexibel sein, will ich für großen Nachschub sorgen? Cry Havoc bietet Optionen. Und davon nicht gerade wenige. Sicherlich sind dabei einige Optionen offensichtlicher und für meine jeweilige Fraktion gewinnbringender, aber ich kann dennoch flexibel agieren. Das gefällt mir.
Während Gebietskontrolle und die damit verbundenen Diamanten Siegpunkte bringen, ist der Kampfmechanismus wohl das Herzstück in Cry Havoc  Zum damaligen Release wohl noch einzigartig, mittlerweile aber durch das Erscheinen von Rising Sun aber etwas in den Schatten gestellt, ist das Kampfsystem dennoch toll und definiert sich über zwei Grundprinzipien: Keine Würfel, Einfachheit.


Gehen wir doch etwas ins Detail. Treffen unterschiedliche Fraktionen in einem Gebiet aufeinander, kommt es zum Kampf. Der Angreifer hat nunmehr die Möglichkeit seine am Kampf beteiligten Einheiten auf die drei Kernbereiche des Kampfes zu verteilen: Gebietskontrolle, Gefangennahme und Töten. Danach ist der Verteidiger am Zug. All das geschieht offen. Je nach Mehrheitsverhältnisse in den Bereichen werden die einzelnen Posten abgehandelt. Einzige Unbekannte sind die Kampfkarten, die die einzelnen Fraktionen nacheinander spielen können um somit die Mehrheiten zu manipulieren. Es entwickelt sich somit ein taktisches Manövrieren. Wie platziere ich meine Truppen? Lohnt es sich vielleicht die Gebietskontrolle aufzugeben und stattdessen Gefangene zu nehmen oder die Truppen des Gegners zu töten? Cry Havoc bietet auch hier Optionen. Lohnt sich das Ausspielen der wertvollen Kampfkarten oder behalte ich diese lieber für einen wichtigeren Kampf im weiteren Verlauf der Spielrunde? Das völlige Fehlen von Glück im Kampf macht Cry Havoc in diesem Punkt zu etwas besonderem.


Cry Havoc bietet noch weitere Optionen. Ein cleverer Wertungsmechanismus, den ich erst bewusst auslösen muss (so kann es durchaus sein, dass in einer Partie nur ein einziges Mal am Spielende gewertet wird), das Bauen von Gebäuden, die Einfluss auf eine Partie haben und vieles mehr. Cry Havoc lädt zum Entdecken ein. Jede Fraktion spielt sich dabei völlig unterschiedlich und für jeden Spielertyp ist somit etwas dabei. Will ich eher Gebietskontrolle? Prima, nehme ich die Menschen. Versuche ich einfach möglichst viele gegnerische Truppen zu töten? Dann sind vielleicht die Maschinen die richtige Fraktion. Auch nach zahlreichen Partien offenbart Cry Havoc noch immer neue Optionen. Es hat es dabei geschafft ein sich episch anfühlendes Kriegs- und Eroberungsspiel auf seinen Kern zu reduzieren und dabei das Tempo nicht aus der Partie zu nehmen. Oft krankt bei solchen Spielen der Kampfmechanismus. Entweder werden viel zu viele Würfel geworfen, sodass ein gut geplanter Angriff durch Würfelpech zunichte gemacht werden kann oder es endet in viel zu langen Kampfsequenzen, bei denen unzählige Werte von Einheiten verglichen werden müssen. Cry Havoc verliert auch im Kampf nicht an Tempo. Dafür sollte es in keiner Sammlung fehlen.

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Cry Havoc von Grant Rodiek, Michal Oracz und Michal Walczak
Erschienen bei Portal Games
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 90 Minuten
Boardgamegeek Link

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder aus dem Pressematerial des jeweiligen Verlages (hier Portal Games)

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