Mittwoch, 27. Juni 2018

Dragon Castle

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Ich kann da schon einen kleinen Trend erkennen. Abstrakte Brettspiele hatten ja lange den Ruf optisch einfach nicht auf der Höhe zu sein. Mit Photosynthese und Azul kamen dann zwei optische Knaller auf den Markt. Dragon Castle setzt aufs gleiche Pferd. Haben wir eine Renaissance mit neuem Erfolgsrezept der abstrakten Spiele?

Natürlich ist Dragon Castle materialtechnisch über jeden Zweifel erhaben. Spielerisch hingegen haben wir es hier nicht mit einem extravaganten System zu tun, wie man beim bloßen Anblick des Boxinhalts erwarten könnte. Dragon Castle ist eine Verbrettspielung der Computervariante von Mahjong. Solitär - hat also nichts mit dem klassischen Mahjong zu tun. Fast nichts. Auch in Dragon Castle haben wir zahlreiche wunderschöne Mahjongsteine mit japanischen Schriftzeichen. Diese sehen nicht nur toll aus, sondern fühlen sich auch in der Hand prima an. Schwer, griffig, klasse! Ein ganz klein wenig erinnert das auch an das Azul-Feeling. Hier sahen die Steine ja ebenfalls nicht nur toll aus, sondern fühlten sich auch klasse an. Dragon Castle setzt aber hier meiner Meinung nach noch einen drauf. Die Qualität ist nochmals besser.


Was passiert denn nun aber spielerisch in Dragon Castle  Das Spielprinzip ist dabei denkbar simpel. Wir bauen unser eigenes Dragon Castle  Dabei versuchen wir aus einer zu Spielbeginn mühsam aufgebauten Mahjongsteine-Auswahl je zwei identische Steine wegzunehmen. Es gelten dabei jedoch bestimmte Wegnehmregeln, die mich in meiner Auswahl einschränken. Mit den ergatterten Steinen baue ich auf meinem eigenen Tableau ein Dragon Castle nach. Ziel dabei ist es möglichst gleichfarbige Steine zusammen und diese geschickt miteinander zu verbinden. Schaffe ich das nämlich mit vier Steinen, so muss ich diese umdrehen und werten. Es gilt dabei jedoch, dass ich für eine größere umgedrehte Anzahl an Steinen eine größere Punktzahl erhalte. Die strategische Herausforderung liegt demnach darin die Steine so anzuordnen, dass ich im Laufe einer Partie mit einem einzigen Zug die Lücken schließen kann und eine große Wertung ausführen kann. Blöd, dass der Mitspieler dabei ist und demzufolge versuchen wird aus dem großen Dragon Castle in der Mitte geschickt mir die gesammelte Farbe versuchen wird zu verbauen.


Verbauen ist in Dragon Castle ohnehin das große taktische Element. Ich habe nämlich auch die Möglichkeit einzelne Steine in meinem Zug zu vernichten. Das sollten natürlich die Steine sein, die mein Gegenüber dringend benötigt, um seine Wertungen auszulösen. Dragon Castle spielt sich an dieser Stelle gemein. Es wird zum Abtasten mit den Gegenspielern und entfaltet dadurch sein volles Potential meiner Meinung nach im direkten Zweispielerduell. Mit zunehmender Spieleranzahl wird das Wegnehmen der Steine immer unplanbarer und dadurch weniger interaktiv. Spiele ich hingegen nur mit einem Gegenspieler, so kann ich gezielt auf dessen Plan schauen und planen welche Steine ich selbst brauche, aber auch welche Steine mein Gegenüber braucht und welche ich deswegen blockieren sollte.


Dragon Castle ist für mich daher ein reines Zweipersonenspiel, welches ich auch nur als solches empfehlen würde. Als solches spielt es sich knallhart und schön. Das tolle Material lädt natürlich zum spielen ein und ist ein Stück weit auch das Hauptverkaufsargument des Spiels. Dragon Castle schafft es eine Art Klassiker wieder salonfähig zu machen und kann durch sein bekanntes Spielprinzip jede Altersgruppe gleichermaßen ansprechen. Etwas fummelig empfand ich jedoch teilweise das Handling bzw. das Umdrehen der einzelnen Mahjongsteine bei der Wertung, oder das Wegnehmen der Steine aus dem Dragon Castle  Hier wäre eine Art Pinzette wirklich hilfreich, da man beim leichtesten Zittern der Hände die gestapelten Steine durchaus einmal umwerfen kann. Stoßsicher ist Dragon Castle daher leider nicht. Terraforming Mars lässt grüßen.


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Dragon Castle von Hjalmar Hach, Luca Ricci und Lorenzo Silva
Erschienen bei Asmodee
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 30 Minuten
Boardgamegeek Link

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder aus dem Pressematerial des jeweiligen Verlages (hier Asmodee)

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