Mittwoch, 8. August 2018

The Rise of Queensdale

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Das ist wirklich eine Premiere für mich, denn ich werde zum ersten Mal ein Legacy-Spiel rezensieren. Das gestaltet sich natürlich insofern als schwieriger als sonst, da bei Legacyspielen ja sich das Spiel von Partie zu Partie weiterentwickelt und verändert und der Hauptspaß darin besteht, das alles eigenständig zu erleben. Um daher die Gretchenfrage bei einer solchen Rezension ganz am Anfang zu beantworten: Nein, ich werde natürlich nicht spoilern. Das bedeutet aber auch, dass ich in manchen Teilen nur einzelne Dinge grob anreißen kann bzw. nicht vollumfänglich auf die einzelnen Mechanismen eingehen darf.

Um was geht es denn eigentlich thematisch in The Rise of Queensdale? Ähnlich wie wir es bereits aus dem letzten Legacyspiel auf dem Markt - Charterstone - kennen, versuchen wir in The Rise of Queensdale unser eigenes kleines Königreich auszubauen und zu Ruhm und Ehre zu führen. Gespielt werden kann mit 2 bis 4 Spielern, wobei ich dazu sagen muss, dass ich The Rise of Queensdale mit 2 Spielern gespielt habe. Das funktionierte prima - was ja durchaus bei anderen Legacytiteln undenkbar wäre.


In meinem eigenen Königreich baue ich Gebäude, sammle Rohstoffe und organisiere mir Kräuterplättchen, die mir allerlei Vorteile bringen können. Der Hauptspielmechanismus ist dabei ein Würfeleinsetzmechanismus, bei dem ich zu Beginn einer Runde meine persönlichen Würfel werfe und die darauf abgebildeten Aktionen in bester Arbeitereinsetzmanier auf dem Spielfeld bzw. dem Aktionstableau platziere. Schön ist (und so viel darf ich vorwegnehmen), dass ich im Laufe der Kampagne meinen Würfelpool manipulieren kann, d. h. neue Symbole auf meine Würfel kleben kann und somit neue Aktionen freischalte.

Ziel einer Partie The Rise of Queensdale ist es ein bestimmtes Siegpunktziel zu erreichen. Wie viele Siegpunkte ich brauche und was genau Siegpunkte bringt, ändert sich im Laufe einer Kampagne. Grundsätzlich ist es so - und damit wären wir beim Aufholmechanismus - dass man nach einer siegreichen Partie eine Belohnung bekommt (ich baue am mir zugewiesenen Burgabschnitt der Königin weiter), aber auch eine erhöhte Punktzahl in der nächsten Partie erreichen muss, um zu gewinnen. Das führt dazu, dass unterlegene Spieler in den Folgepartien quasi weniger Punkte benötigen, um zu gewinnen, als die siegreichen. Man stelle es sich bildlich als Art Aufleveln vor. Zusätzlich (und das darf wirklich nicht vergessen werden) gibt es für unterlegene Spieler Siegelmarker, mit denen man seine Würfel, wie bereits oben erwähnt, aufpimpen kann. Grundsätzlich ist das ein toller Aufholmechanismus, der verhindert, dass einzelne Spieler von Partie zu Partie immer stärker werden und andere Spieler keine Aussicht mehr auf den Gesamtsieg haben, aber andererseits sind die Belohnungen für unterlegene Spieler auch so lukrativ und interessant, dass es in unserer Partien ab und zu sogar dazu kam, dass man absichtlich verlor (und dann auch noch besonders knapp, um den besten Trostpreis abzuräumen), um die mächtigen Siegelmarker zu erhalten. Hmmm.


The Rise of Queensdale bietet ansonsten ein umfangreiches Paket. Neben dem sammeln von Rohstoffen und dem Bauen der Gebäude ist vor allem das Kräuter sammeln interessant und bietet einen Spannungsbogen. Hier zeigt das Spiel einen ersten Hauch von Geheimnis. Was mag sich wohl unter diesem Marker verstecken? Die Story und auch der große Reiz von The Rise of Queensdale ommt aber durch die zahlreichen Kartenstapel in die Partien. Hierbei gibt es legacymäßig quasi einen Hauptstorystapel, der die Hauptgeschichte vorantreibt. Wann dieser weiter verfolgt wird, hängt von bestimmten Ereignissen ab, und davon, wann die Spieler diese auslösen. Nebenschauplatz sind die anderen zahlreichen Stapel, die keineswegs vollständig in einer Kampagne The Rise of Queensdale in Erscheinung treten. Besonders hervorheben möchte ich dabei den Wahrsagerstapel, aus dem man einen kleinen Hinweis als alleiniger Spieler bekommt, wie sich die Kampagne entwickeln könnte und sich somit spielerisch darauf vorbereiten kann. Das ist genial! Als besonders schade empfand ich den Fakt, dass man am Ende einer Kampagne The Rise of Queensdale das Gefühl hat, dass man vieles nicht gesehen hat. Okay, das bringt wohl das Konzept Legacy mit sich, aber mir persönlich gibt das immer ein Gefühl, als ob man etwas verpasst haben könnte.


Verstehen wir uns hier richtig. The Rise of Queensdale ist ein teures Spiel und spielerisch grundsolide. Es konnte mich dennoch nicht ganz überzeugen. Da ist zunächst einmal die Story. Die Story ist nicht schlecht. Keineswegs. Irgendwie hat sie mich aber nicht mitgenommen. Das ist aber vermutlich Geschmacksache. Das Thema lässt mich irgendwie kalt. Ressourcen sammeln, Gebäude bauen, Würfel manipulieren. Das sind harte, klassische Euromechanismen, um die eine Story gestrickt wurde. Ein Legacyspiel ist eine Dauerveranstaltung. Ich muss eine Kampagne oft und in möglichst kurzen Abständen durchspielen, da sonst der Storybogen verloren geht. Hier liegt ein großer Vorteil von The Rise of Queensdale zu anderen Legacytiteln: Es ist kurz und knackig. Problemlos kann ich an einem Spieleabend zwei Partien spielen. Ich kann mir aber auch durchaus vorstellen an einem Wochenende mal 4 oder 5 Partien in bester Netflixmanier zu bingen. Dennoch flacht das Spielerlebnis nach einer bestimmten Anzahl an Partien ab. Es ist halt doch immer wieder viel das selbe. Da täuschen die zugegebenermaßen tollen Neuerungen während einer Kampagne nicht drüber hinweg. Das Grundprinzip bleibt gleich. Und auch wenn ich ein Spiel wirklich genial finden würde, würde ich nach der vierten oder fünften Partie innerhalb kürzester Zeit doch mal bevorzugen etwas anderes zu spielen. The Rise of Queensdale ist zudem aber nicht das geniale Spiel. Es ist solide und gut. Daher rechtfertigt es für mich persönlich den aufzubringenden Zeitaufwand nicht.


Für wen ist The Rise of Queensdale etwas? Für Kennerspieler, die gerne zu zweit spielen und auch wirklich Zeit haben die Kampagne möglichst schnell durchzuziehen. Ich mag mir garnicht vorstellen, wie sich das ganze gestalten würde, wenn man noch Terminabsprachen mit insgesamt vier Spielern treffen müsste. The Rise of Queensdale ist etwas für Eurospieler, die ein sich entwickelndes Spiel suchen. Ein Wiederspielreiz nach abgeschlossener Kampagne ist, wie bei allen Legacyspielen, nicht vorhanden. Man hat es halt durchgespielt!

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The Rise of Queensdale von Inka und Markus Brand
Erschienen bei Ravensburger
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 45 Minuten
Boardgamegeek Link

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder aus dem Pressematerial des jeweiligen Verlages (hier Ravensburger)

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